12.07.2019 - 14:39

Volkswagen und Ford besiegeln Elektro-Allianz

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Die Allianz von Volkswagen und Ford bei der Elektromobilität hatte sich angedeutet. Jetzt ist klar: Ford übernimmt für mindestens ein kommendes Elektroauto in Europa den MEB des früheren Erz-Konkurrenten VW. Gespräche für eine zweite Baureihe laufen noch.

Neben der Elektromobilität umfasst die globale Zusammenarbeit von Ford und VW auch das autonome Fahren. VW investiert dazu 2,6 Milliarden Dollar in Argo AI. Die Ford-Tochter entwickelt Systeme zum autonomen Fahren. Das war erwartet worden: Im Vorfeld hatte VW seine Kooperation mit dem Startup Aurora beendet – wohl um alles auf die Partnerschaft mit Ford zu setzen. Mit dem Investment werden VW und Ford künftig gleichrangige Eigentümer von Argo AI. Zudem bringt Volkswagen die bereits bestehende Audi-Einheit Autonomous Intelligent Driving (AID) in Argo AI ein.

Kurzfristiger als die autonomen Fahrfunktionen wird aber die Partnerschaft bei der Elektromobilität für die Kunden sichtbar werden. Ab 2023 wird der US-Autobauer in Ford „mindestens ein rein Batterie-elektrisches Fahrzeug in hoher Stückzahl“ in Europa anbieten, wie heute verkündet wurde. Insgesamt wird Ford laut einer VW-Mitteilung 600.000 MEB-Plattformen inklusive Batteriepacks und zugehöriger Komponenten von VW beziehen.

„Wir stehen vor der größten Änderung des Transportwesens seit Henry Ford“, sagte Ford-Chef Jim Hackett bei der Vorstellung der Kooperation in New York. „Es gibt ein starkes Bedürfnis in der Gesellschaft für intelligentere Lösungen unseres belasteten Transportsystems.“ Sowohl bei den E-Autos als auch dem autonomen Fahren versprechen sich die Unternehmen Synergieeffekte. Wie hoch die Lizenzgebühren für die Nutzung des MEB sind, teilte Ford nicht mit. Die Einsparungen bei der Entwicklung des autonomen Fahrens bezifferte VW-Chef Herbert Diess derweil auf „mehrere hundert Millionen Dollar“.

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„Die Skalierung des MEB senkt die Entwicklungskosten für Zero-Emission-Fahrzeuge und ebnet den Weg für eine schnellere Verbreiterung von E-Autos“, sagte Diess. „Zudem stärkt es die Position und die Wettbewerbsfähigkeit beider Marken.“ Wie eine von VW verbreitete Grafik zeigt, tragen die 600.000 MEB-Plattformen für Ford aber nur geringfügig zur Verbreitung des MEB bei – den Großteil der Fahrzeuge will VW dann doch selbst mit den eigenen Konzernmarken anbieten. Aktuell entwickelt VW 27 MEB-Modelle, bis 2028 sollen es 70 Modelle sein.

Es könnten aber noch mehr Plattformen an Ford geliefert werden. „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen über einen komplett neuen Liefervertrag für ein zweites Fahrzeug“, sagte Diess. „Dann könnte sich die Lieferung unserer MEB-Plattformen an Ford fast verdoppeln.“ Man hoffe, in naher Zukunft eine Einigung zu erzielen.

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Ford will sein MEB-Elektroauto in Köln entwickeln, wie Hackett ankündigte. Der Wagen werde ein „beeindruckendes Produkt“ und sei ein „wichtiger Baustein für unsere Renaissance in Europa“. Anfang Juli hatte Ford in Europa ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm angekündigt, 12.000 Stellen sollen abgebaut werden. Im Kerngeschäft stehen die Kölner mit dem Rücken zur Wand: Die aktuelle Flotte, die sich ohnehin nur schleppend verkauft, verbraucht zu viel. Ab 2021 drohen hohe Strafzahlungen in der EU. Ohne Elektroautos kann Ford wohl den Flottenverbrauch nicht schnell genug senken. Ob das angekündigte MEB-Modell ab 2023 ausreicht, darf angezweifelt werden.

Mit der modularen Plattform für die Elektroautos und den geplanten hohen Stückzahlen hat sich Volkswagen unter den Volumenherstellern eine gute Ausgangslage geschaffen. Das „Skateboard“, in dem Batterie, Motoren und Fahrwerk untergebracht sind, soll so abgestimmt werden können, dass die E-Autos einen unterschiedlichen Charakter erhalten – vom sportlichen Audi bis zum komfortableren VW. Die Fahrgastzelle (in der VW-Sprache „Hut“), die auf die Plattform aufgesetzt wird, kann ebenfalls sehr frei gestaltet werden.

Der Deal zwischen den beiden Erz-Konkurrenten ist umfassend – das „Handelsblatt“ ordnet es gar als ein Bündnis ein, „das die Kräfteverhältnisse in der Autoindustrie neu sortiert“. Die Folgerung des Wirtschaftsblatts: „In den nächsten ein bis zwei Jahren werden auch die meisten anderen Hersteller Partnerschaften brauchen, um Synergien und Stückzahlen im Zeitalter der Elektromobilität ins Lot zu bekommen. Volkswagen und Ford setzen Maßstäbe.“

Bereits im Januar haben sich Ford und VW auf eine gemeinsame Fertigung von Pickups geeinigt. Ford führt mit Modellen wie dem F-150 seit Jahren die amerikanische Zulassungsstatistik an, während VW keines der in den USA beliebten Pritschen-Modelle anbietet – der hierzulande gebaute Amarok ist für den US-Markt zu klein. Volkswagen will die Werke und Erfahrung von Ford nutzen, um in dem Segment Fuß zu fassen. Die Nutzfahrzeug-Kooperation befinde sich im Zeitplan, teilte Ford anlässlich der Elektro-Kooperation mit.
volkswagen-newsroom.de, volkswagen-newsroom.de (Diess-Aussagen), ford.com, handelsblatt.com

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