30.06.2020 - 16:15

ZF fokussiert sich auf elektrifizierte Antriebe

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Der Zulieferer ZF Friedrichshafen hat angekündigt, den verbrennungsmotorischen Antrieb nicht mehr weiterzuentwickeln. Es werde auch kein neues konventionelles Getriebe von ZF mehr geben. Der große Abschied von der Verbrenner-Technik ist die Ankündigung aber nicht.

Die Ankündigung bedeutet vielmehr, dass laut der Ansicht des Zulieferers vom Bodensee der Mild-Hybrid das „neue Normal“ wird. In einem Online abgehaltenen Workshop zur E-Strategie von ZF gab der Konzern an, dass „konventionelle Getriebe ausentwickelt“ seien. Dass die konventionellen Getriebe nicht mehr weiterentwickelt werden, ist aber noch lange nicht das Aus für die Technologie.

Gerade bei Mild-Hybriden, die nicht rein elektrisch fahren können, behält der Verbrenner-Teil des Antriebsstrangs eine extrem wichtige Rolle – und damit die Getriebe. ZF wird also weiterhin Getriebe für Autos bauen, die primär mit einem Verbrennungsmotor fahren. Aber die Hybride werden Einfluss auf die künftige Entwicklung haben: Mit dem E-Motor wird sich laut ZF „die komplette Konzeption des Anfahrvorgangs, aber auch Zwischenspurts verändern“. Das könnte auch Folgen für die Anzahl der Gänge haben. Bei konventionellen Getrieben sind es inzwischen bis zu zehn Vorwärts-Gänge. Unterstützt aber das Drehmoment eines E-Motors, kann die Übersetzung anders gewählt werden – und das Getriebe einfacher und günstiger ausfallen.

„Hybride und reine E-Fahrzeuge werden noch viele Jahre parallel zueinander existieren“, sagt Michael Ebenhoch, Leiter Entwicklung Pkw-Antriebsstrang, in dem Workshop. „Die genaue Verteilung ist aber noch unsicher, daher beschreiten wir beide Wege intensiv. Unsere Entwicklungsschwerpunkte decken vom 48-Volt-Hybrid über Hochvolt-Einheiten bis zu rein elektrischen Modulen alles ab.“

Aber auch den Elektroautos will ZF ein Mehrgang-Getriebe verpassen. Bei dem Workshop weist der Konzern auf das im Vorfeld der IAA 2019 vorgestellte Zwei-Gang-Getriebe für Elektroautos hin. Bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten könne das effizienter sein, im Vergleich zu Ein-Gang-Getrieben um bis zu fünf Prozent. Bisher setzt vor allem der Porsche Taycan auf ein (anderes) Zwei-Gang-Getriebe an dem Heckmotor. Die ZF-Entwicklung ist allerdings nur für Leistungen bis 140 kW ausgelegt.

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Dass sich die öffentliche Meinung zuletzt gegen die bisher von ZF favorisierten Plug-in Hybride wendet (2019 hat das Unternehmen hierfür Milliarden-Aufträge von BMW und FCA erhalten), ist auch den Managern in Friedrichshafen nicht entgangen. Um die oft kritisierte Umweltfreundlichkeit der PHEV aufzubessern, könne sich ZF ein Belohnungssystem vorstellen, um die elektrischen Fahranteile zu erhöhen, so ZF bei dem Workshop. Zudem soll es das auf der IAA vorgestellte Konzeptauto EVPlus attraktiver machen, elektrisch zu fahren. Der EVPlus ist ein PHEV mit dem in die Acht-Gang-Automatik integrierten E-Motor. Da der Akku für ein PHEV untypische 35 kWh fasst, sollen im Realbetrieb unter allen Bedingungen 100 Kilometer rein elektrisch möglich sein. Sprich: Die Kunden würden die aktuellen PHEV vor allem wegen der geringen Reichweiten kaum laden, weil sich der Aufwand nicht lohnt. ZF-Entwickler Ebenhoch spricht von einem „Paradigmenwechsel, weg vom Verbrenner mit elektrischem Hilfsmotor, hin zum E-Motor mit gewissen Vorzügen“.

Bei zwei Punkten blickte ZF etwas weiter nach vorne: Wie auch Konkurrent Vitesco setzt ZF künftig vor allem auf Siliziumkarbid anstelle von reinem Silizium. Damit soll die Elektronik weniger verbrauchen und mehr leisten – was der Effizienz und damit der Reichweite zu gute kommt. Auch am automatisierten Fahren, das zuletzt etwas in den Hintergrund geraten ist, arbeitet ZF nach eigenen Angaben weiter – auch wegen der Elektroautos: „Vorausschauende Fahrzeuge fahren effizienter.“
vision-mobility.de, zf.com

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18 Kommentare zu “ZF fokussiert sich auf elektrifizierte Antriebe

  1. Peter W

    … Da der Akku für ein PHEV untypische 35 kWh fasst, sollen im Realbetrieb unter allen Bedingungen 100 Kilometer rein elektrisch möglich sein.

    Na das ist mal ein Fortschritt!!! Mit 35 kWh fährt mein BEV bis zu 300 km. 200 unter schwierigsten Bedingungen.
    Schaltgetriebe für BEV sind vollkommen unnötig, aber ZF kann halt nichts Anderes.

    • Simon Saag

      Das dachte ich auch. Fortschritt, aber ganz ehrlich: Mit 100km bei 35 kWh selbst mit allen Nebenverbrauchern und niedrigen Temperaturen wahnsinnig ineffizient. Ein auf einen Antrieb ausgelegtes BEV schafft damit wie Sie schreiben das Doppelte…

      Man kann ja Ideen haben, aber sollte sie auch wieder verwerfen, wenn sie nur auf den Holzweg führen.

      • Werner Schätzle

        Okay

      • EffEll

        Im Pressetext von ZF steht allerdings „mehr als 100 Km (…) zu jeder Jahreszeit und mit zugeschalteten Nebenverbrauchern wie Klimaanlage und Heizung“ Es ist daher eher die Angabe von der Mindestreichweite im Worst-Case. Zudem handelt es sich bei diesem Konzeptfahrzeug um einen BMW der Mittelklasse und man weiß nicht, wie viel nutzbare Nettokapazität dieser Akku zur Verfügung stellt.
        Bei kalten Temperaturen kann sich die Reichweite des Model 3 ohne Wärmepumpe nahezu halbieren. Demnach sähe dessen Bilanz in diesem Fall ähnlich aus

    • Dumdidum

      Man merkt, dass sie wenig Ahnung von der Automotive Welt haben. Die wenigsten Komponenten eines Autos werden von den OEMs selbst hergestellt und entwickelt.
      Im Prinzip entwickeln die Zulieferer das wonach der Kunde fragt.

      Das ist bei Tesla nicht anders wie bei den ganzen anderen OEMs.

      • Hybrix

        Stimmt grundsätzlich, allerdings hat TESLA bei den meisten Komponenten eine Entwicklungshoheit…

    • Supl

      ZF fährt eine diversifiziert globale Strategie. Im Groben:
      3 Märkte: China, NA, EU
      3 Szenarien: geringer Elektrifizierung, hoher xHEV-Anteil , hoher BEV-Anteil je Markt
      Außerdem ist ZF (Stand 2019) der einzige Lieferant global, der ein elektrifiziertes Komplettsystem liefern kann.

  2. D-Tric

    Trotzdem ein interessantes Statement. So langsam müsste selbst dem größten Petrolhead klar werden, daß das Ende der Verbrennungsmotoren keine 20 Jahre mehr dauern wird.

    • Turbo Klaus

      Totgesagte leben länger

      • Martin

        Totgesagte. Stimmt. Auch Tastentelefone gibt es noch. Nostalgiker wird es immer geben.

    • Peter W

      Das denke ich auch.
      Was wird wohl passieren, wenn der 100 kWh-Akku nur noch 300 kg wiegt, und 3000 Euro kostet? Das wird keine 20 Jahre dauern, und dann geht die Post fürs BEV richtig ab.

      • Ralph Morawa

        BEVs sind der Holzweg schlechthin.
        Mir ist völlig unverständlich, dass Elektro-Mobilität zwangsweise mit BEVs verbunden wird.
        Auch das Verteufeln des Verbrennungsmotors führt am Ende nicht zum eigentlichen übergeordneten Ziel.
        Denn das einzig Bestimmende ist, wie die Primärenergie gewonnen wird (über die ganze Kette) . Für Produktion und Betrieb.

        • mike

          …und die ganzen Wirkungsgrad bis zur Nutzleistung.
          und da ist eben durchgängig die elektrische Energie überall im Vorteil. Ein BEV braucht real so 15-20kWh/100km. ein Liter Sprit hat ca 10kWh Energieinhalt. …

          • Peter Abjesjan

            Wenn man bei einem Gaskraftwerk von einem Wirkungsgrad von 40-60% ausgeht, kommt man mit Elektro in den Bereich eines 4l/h Verbrenners. Wenn man von erneuerbaren Quellen mit Zwischenspeicherung ausgeht, ist der “ganze” Wirkungsgrad auch nicht wirklich überzeugend. Ich denke mal Verbrenner und Elektro werden aus guten Gründen weiter koexistieren.

        • H2O

          Ich empfinde Hybridisierung und reine H2 auch bei weitem aussichtsreicher…

    • Felix Bopp

      So weit würde ich nicht gehen. Ich habe erst gestern einen sehr interessanten Artikel in der „segeln“ über die Elektromobilität in der Seefahrt gelesen. Wenn man sich aus seinem gewohnten Metier raus bewegt und andere Perspektiven und Einblicke gewinnt, wird schnell klar, es gibt nicht nur „entweder oder“ sondern vor allem „sowohl als auch“.

      In diesem Fall ist ein Hilfsmotor für ein Segelboot in der elektrischen Variante sehr sinnvoll, für einen Seenotrettungskreuzer der 90% mit Vollgas zu Boteinsätzen fährt eben nicht.
      Und bei PKW ist es nichts anderes: ein Pendlerauto mit 40km Laufleistung pro Tag kommt gut klar mit einem elektrischen Anzeige, ein deutschlandweit agierender Servicetechniker oder Vertreter nicht.

  3. HAF

    Woah, 5% mehr Effizienz mit einem Getriebe. Ein Bauteil, was fehleranfällig ist, da es wieder unnötig mehr bewegte Teile in ein BEV bringt.
    So sieht also der langsame Todeskampf eines Dinos aus…..

  4. mike

    „nur 140kW“…
    es wird Zeit, daß Höchstgeschwindigkeit und max. Beschleunigung in jeden Prüfzyklus kommen!
    sonst hört der Irrsinn nie auf.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/06/30/zf-fokussiert-sich-auf-elektrifizierte-antriebe/
30.06.2020 16:12