03.09.2020 - 12:09

Deutschland will E-Mobilität EU-weit fördern

Deutschland will offenbar seine  EU-Ratspräsidentschaft dazu nutzen, die E-Mobilität voranzubringen. Dabei sollen neben dem verpflichtenden Aufbau von Wasserstoff-Tankstellen auch Schnellladesäulen und vor allem ein einheitliches Bezahlsystem gefördert werden.

Am 1. Juli hat Deutschland für sechs Monate die Präsidentschaft im Rat der EU übernommen. In dieser Position will die Bundesregierung einige Mobilitätsprojekte anstoßen, vor allem sollen die Marktbedingungen für Batterie-elektrische Autos und Brennstoffzellenfahrzeuge verbessert werden.

Ein wichtiger Hebel soll hierbei offenbar die anstehende Revision der EU-Richtlinie über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFID) bilden, wie „Tagesspiegel Background“ berichtet. Unter Berufung auf Klaus Bonhoff, den Leiter der Grundsatzabteilung im Bundesverkehrsministerium, heißt es, dass diese Revision für das erste Quartal 2021 geplant sei. Jetzt werden aber die Inhalte verhandelt.

Das wird unter anderem auf der virtuellen Konferenz „Turning the page: the next chapter for electric road transport“ geschehen. Dort diskutieren Vertreterinnen und Vertreter der EU-Kommission, der EU-Mitgliedstaaten, von europäischen Interessenvertretungen und der Industrie über die künftigen Anforderungen. „Allein mit der Elektrifizierung des Verkehrs können wir Millionen Tonnen an CO₂ einsparen“, sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. „Zwingende Voraussetzung hierfür ist ein gut ausgebautes und grenzüberschreitendes Ladenetz in Europa, das unkompliziertes und schnelles Nachladen garantiert.“

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So will sich die Bundesregierung laut Bonhoff, der bis zu seinem Wechsel ins Verkehrsministerium die bundeseigene Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) geleitet hat, dafür einsetzen, dass der der Aufbau von Wasserstofftankstellen für alle EU-Staaten verpflichtend wird. Bisher haben sich neben Deutschland 13 EU-Länder selbst dazu verpflichtet, in der aktuellen AFID-Richtlinie ist eine solche Pflicht allerdings nicht enthalten.

Für Batterie-elektrische Autos will die Bundesregierung offenbar den Aufbau eines europaweiten Schnellladenetzes mit Ladeleistungen von mindestens 150 Kilowatt in die überarbeitete AFID-Richtlinie aufnehmen. Laut einem Positionspapier des Bundesverkehrsministerium, das „Tagesspiegel Background“ vorliegt, sollen für Nutzfahrzeuge sogar Ladeleistungen im Megawatt-Bereich angepeilt werden. Laut Bonhoff würden nur diese hohen Leistungen die Zukunftsfähigkeit der Infrastruktur sichern. Einen solchen Ladestandard für Lastwagen gibt es aber noch nicht, die CCS-Initiative CharIN arbeitet derzeit an einem Nutzfahrzeug-Standard, der das Laden mit bis zu zwei Megawatt ermöglichen soll.

Neben dem Aufbau der Infrastruktur will Deutschland im Rahmen seiner Ratspräsidentschaoft noch ein weiteres Thema angehen: Die Abrechnung an Ladesäulen. „Neben dem Netzaufbau haben wir insbesondere in puncto Kundenfreundlichkeit noch einiges vor“, so Scheuer. „Wir wollen ein europaweit einheitliches Bezahlsystem fürs Stromladen und Wasserstofftanken.“ In einer Mitteilung des Verkehrsministerium heißt es, man brauche Regelungen, „die das Auffinden von Ladeinfrastruktur in allen EU-Mitgliedstaaten und eine einfache Authentifizierung ermöglichen sowie Preistransparenz und einheitliche Bezahlsysteme sicherstellen“.

„Beim E-Roaming brauchen wir eine Regulierung, die sicherstellt, dass kein Betreiber oder Nutzer diskriminiert wird oder unangemessen viel zahlen muss“, so Bonhoff. „Jeder Nutzer sollte überall mit seinem Vertrag laden können.“ Erste Indizien, wie ein solches Bezahlsystem umgesetzt werden soll, enthält der Bericht allerdings nicht. Auf dem Weg in die Praxis gibt es also noch einige Stolpersteine, die aus dem Weg geräumt werden müssen.
tagesspiegel.de, bmvi.de

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10 Kommentare zu “Deutschland will E-Mobilität EU-weit fördern

  1. Roma

    Nicht verwunderlich aber trotzdem hats ein Geschmäckle. Kaum geht VW in die Startlöchern werden die Prioritäten versucht zu lenken. Vorhin wurde in DE noch ordentlich gebremst, etwa mit der Ladesäulenverordnung, die selbst von der EU kritisiert wurde.

  2. Vince

    Für welche Wasserstoffautos sollen die europäischen Staaten bloß Tankstellen bauen? Für den japanischen Toyota Mirai? Das erscheint mir kein sinnvoller Einsatz von Steuergeldern. Und übrigens auch nicht von Energie. Schließlich hat der Bau einer solchen Tankstelle einen nicht unerheblichen CO2-Abdruck.

  3. Strauss

    So einen Quatsch, man redet von Wasserstofftankstellen, anstand die Stolpersteine beim elektrischen Laden mal aus dem Weg zu räumen.

  4. mike

    einfach mal die Preise und Verbräuche pro kWh ausschreiben. So daß jeder mal selber den Unterschied sieht.
    1l Sprit ca. 10kWh und Emissionen darf man gratis dazu abgeben. …

  5. KnofiFlo

    Ohje, man schämt sich ja eh schon für vieles im eigenen Lande …
    Wenn man den Hund zum Jagen tragen muss, sollte man ihn nicht auch noch das Ziel bestimmen lassen!

  6. Driver

    Mit Milliarden ein Wasserstofftankstellennetz in Europa aufzubauen ist völliger Unsinn: Die Technologie ist teuer und im Vergleich höchst inneffizient. Der gefahrene Kilometer kostet mindestens 3 mal so viel wie bei einem battrieelektrischem Auto. Dies in Verbindung mit dem teuren Auto, höheren Wartungskosten sorgen dafür dass Wassertoff keine Zukunft im Auto hat. Und weil im Transportwesen jeder Cent zählt, werden auch die LKWs batterielektrisch fahren.

    Wasserstoff gehört in die Industrie (Stahl, Chemie, Flug…) und nicht auf die Straße!!!!

  7. Driver

    Was zu lösen wär:
    Steuer: Aufnahme des Ladens in das EU-Umsatzsteuer-One-Stop-Shop-Sytems (MOSS) um die Mehrwertsteuer für Ladungen in jedem Land einfach und kostengünsig abführen zu können.
    Eichrecht/Datenaustausch: Sicherstellung, dass die Verbrauchsdaten für Konsumenten und Fahrstromanbieter geeicht erfasst und nachvollziehbar sind unabhängig davon in welchem Land der Ladevorgang stattgefunden hat. Sicherstellung, dass die Daten unverfälscht bis zum Endkunden übertragen werden.
    Plug&Charge: Einheitliche und sichere Authentifizierung von Fahrzeugen an Ladepunkten an allen öffentlichen Ladepunkten in Europa.
    Mindestladeleistung von Fahrzeugen: Um die teure hoch leistungsfähige öffentliche Ladetechnik optimal zu nutzen und wirtschaftlich betreiben zu können, muss die fahrzeugeigene Ladeinfrastruktur ebenso leistungsfähig sein. 11 kW bei Wechselstrom und bei Gleichstrom eine Ladeleistung, die es ermöglicht, die verbaute Batterie in 20 Minunten auf 80% aufzuladen (maximal aber 350 kW) müssen PKWs erienmäßig können um in Europa zugelassen zu werden.
    Roaming: Sicherstellen, dass das Roaming funktioniert und EMPs zu fairen Bedingungen Zugang zu Ladepunkten erhalten
    Schnellladenetz: Sicherstellen, dass die Anzahl der verfügbaren Schnellladepunkte (min. 150 kW CCS) in allen Ländern Europas rasch erhöht wird.

    • KnofiFlo

      Hallo Driver,
      Beim Wasserstoff stehe ich nah bei Ihnen, beim Rest möchte ich widersprechen:
      Strom kaufe ich ohnehin vom Anbieter der Säule, der soll sich um die Steuer kümmern. Für mich als Kunden uninteressant.

      Wie präzise soll das Eichgerät sein? Wenn dafür alle Säulen komplett getauscht werden müssen (so geschehen in München), wird der Betreiber nie ins plus kommen und für den Kunden bleibt ein horrender Preis für billige Leistung.

      Plug&Charge macht EIN Hersteller seit Beginn. Kein Zähler, kein Karten-WirrWarr, keine Beschränkung auf Ländergrenzen. Und ob im Tesla nun 0,5kwh mehr oder weniger ankommt ist bei heutigen Strompreisen die Rechnung nicht wert.
      In anderen Ländern werden Menschen dafür bezahlt, wenn sie zur richtigen Zeit ihr Auto laden.
      Bei uns wird es so was nie geben…

      Mindestleistungen heißt Mindestpreis. Damit werden (wiedermal) einfache Fahrzeuge unnötig teuer. Das Rentnerpaar / der Pendler, dass täglich 30km fährt, braucht keinen 150kw-Lader. Und wenn ich mir ansehe, wie viele PKW an Autobahnraststätten stundenlang parken, während die Menschen ihre Pause genießen, reichen in der Fläche auch 50kw-Lader. Die 350er gerne noch einzeln für die Porsche-Fahrer.

      Roaming ist nett, aber Preise macht nun mal jeder Anbieter unterschiedlich – Monopol wird teuer.

      Schnellladenetz bringt den meisten Menschen nichts:
      80% der täglichen Fahrten sind immer noch unter 60km, wozu dann mit 350kw laden? Statt einer 350kw-Säule brauchen wir hundert 3,8kw-Lademöglichkeiten. Damit kommt die breite Masse in Schwung.

      Diese EU-weite Forderung halte ich für deutsch-typischen Blödsinn.

      • KnofiFlo

        Rechtschreibfehler – SORRY !!

    • mike

      echter Strompreis – günstiger Überschuß- alsoMarktwirtschaft für Endkunden.
      SchuKo Steckdose an jedem 3.Parkplatz.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/09/03/deutschland-will-e-mobilitaet-eu-weit-foerdern/
03.09.2020 12:32