03.09.2020 - 09:45

Umwelthilfe kritisiert Verbräuche von Plug-in-Hybriden

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Die Deutsche Umwelthilfe hat nun Details zu ihren Messungen zum Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß bei vier Plug-in-Hybrid-Modellen (Mercedes A 250 e, Porsche Cayenne E-Hybrid, Volvo XC40 T5, Volvo XC90 T8) veröffentlicht.

Die deutlichen Überschreitungen der offiziellen Werte untermauern die zentrale Forderung der DUH, die staatliche Förderung von PHEV-Fahrzeugen bei der Dienstwagenbesteuerung und bei Kaufprämien sofort zu beenden. Konkret will die DUH bei dem Porsche Cayenne e-Hybrid einen CO2-Ausstoß von 499 Gramm pro Kilometer gemessen haben – was einer Überschreitung des angegebenen Werts um mehr als 600 Prozent entspricht.

Allerdings gibt die DUH auch an, diesen Wert im „Sport Plus“-Fahrmodus gemessen zu haben. Einer besonders sportlichen Einstellung, bei der der 250 kW starke Verbrenner die ganze Zeit läuft und die Schaltpunkte der Acht-Gang-Automatik nicht den Spritverbrauch, sondern die Fahrleistungen optimieren. Die 100 kW starke E-Maschine unterstützt den Verbrenner hier lediglich. Im „Hybrid“-Modus kann auch der Plug-in-Hybrid des Cayenne einige Strecken rein elektrisch fahren und der Verbrenner arbeitet verbrauchsoptimiert. in der Praxis wird er immer noch den WLTP-Normverbrauch von 3,1 bis 3,2 Litern Superbenzin auf 100 Kilometer (70-74 Gramm CO2 pro Kilometer) übertreffen, aber nicht um die genannten 600 Prozent.

Fakt ist: Mit einer elektrischen WLTP-Reichweite von unter 40 Kilometern gehört der Cayenne e-Hybrid zu den PHEV mit den derzeit geringsten Reichweiten – genau genommen ist er nicht einmal für das E-Kennzeichen qualifiziert. Entsprechend springt im regulären Hybrid-Betrieb ohne „Sport Plus“-Modus der Verbrenner früher an als bei anderen Plug-in-Hybriden. Die DUH gibt in ihren RDE-Messungen für den Cayenne CO2-Emissionen von 201 bis 500 Gramm an – eine extreme Spanne.

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Dass es auch anders geht, zeigt der Volvo XC40 T5 Twin Engine. Das Modell kommt auf 15 bis 234 Gramm CO2 pro Kilometer in der RDE-Messung der Deutschen Umwelthilfe. Wird die Batterie regelmäßig geladen, sind niedrige CO2-Emissionen möglich. Ist der Stromspeicher allerdings leer, überschreitet auch der Volvo mit seinem 1,5 Liter großen Benziner und dem Zusatz-Gewicht des Hybridsystems seine CO2-Werte deutlich.

Ein wiederum anderes Bild gibt der Mercedes A 250 e ab. Der kompakte Benz, der wie der Volvo bereits die Abgasnorm Euro 6d erfüllt, kam in der DUH-Messung auf der Straße auf einen CO2-Ausstoß von 131 bis 148 Gramm pro Kilometer – ein für einen Plug-in-Hybriden sehr enges Fenster.

Übrigens: Beim von der DUH auf der Straße gemessenen NOx-Ausstoß lagen alle der Plug-in-Hybride deutlich unter dem Grenzwert. Zwei ebenfalls getestete aktuelle Benziner konnten den Grenzwert nicht einhalten.

„Durch ein absurdes Labor-Testverfahren werden niedrige Verbrauchs- und CO2-Werte versprochen. In Wirklichkeit sind die meisten Plug-In-Hybride auf Extrembeschleunigung entwickelt und zeigen auf der Straße dramatisch abweichende CO2-Emissionen, weit über denen vergleichbarer reiner Verbrenner-Pkws“, sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. „Von der Bundesregierung erwarten wir daher in der kommenden Woche die Entscheidung, diese industrie- wie klimapolitisch absurde Fehlsteuerung sofort zu beenden.“

Die Autohersteller-Verbände VDA und VDIK weisen die Vorwürfe der DUH als haltlos zurück. „Hier wird der offensichtliche Versuch gemacht, eine moderne Antriebsart zu diffamieren“, schreibt der VDA. „Wenn ein Plug-in-Hybrid mit leerer Batterie und im extremen Sport-Modus gefahren wird, ergeben sich – wie bei herkömmlichen Verbrennern – höhere Verbrauchswerte.“

Der VDIK weist darauf hin, dass Plug-in-Hybride einen „erheblichen Beitrag zur CO2-Reduzierung“ leisten könnten, „wenn sie bestimmungsgemäß genutzt werden“. Behauptungen, dass diese Fahrzeuge generell erhöhte CO2-Emissionen verursachen, seien grob irreführend. Richtig sei viel mehr, dass ihr Beitrag zur Treibhausgasreduzierung von der tatsächlichen Nutzung abhänge.
duh.de, vda.de, vdik.de

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20 Kommentare zu “Umwelthilfe kritisiert Verbräuche von Plug-in-Hybriden

  1. mike

    Vmax und max. Beschleunigung sollte in jedem Testzyklus sein.

  2. Simon

    Ich denke irgendwelche „Studien“ der DUH sollten eher in der Rubrik Kurzschluss auftauchen, da sie grundsätzlich unseriös sind.

    Wenn die auf 499g/km Co2 Ausstoß beim Cayenne kommen entspricht das einem Verbrauch von fast 22l/100km.
    Ich würde mal gern sehen wie die gefahren sind und ob ihnen dabei nicht doch das ein oder andere mal ein Grinsen ins Gesicht kam.

    • Peter

      Da möchte ich widersprechen. Grundsätzlich unseriös halte ich für übertrieben. Sie (die DUH) wählen ihre Testparameter und Fahrzeuge halt auch danach aus um ihre Intention zu verdeutlichen. Das machen vermutlich die meisten Studien. Das haben auch viele Contra-E-Auto-Studien in den letzten Jahren gezeigt. In der Sache liegen sie aber sicher nicht ganz falsch. Wie viele Porsche-PHEV-Fahrer stecken denn jeden Tag das Kabel in die Steckdose? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die Mehrheit macht und dadurch (viel) mehr CO2 produziert als im Verkaufsprospekt steht. Nach meinen Kenntnissen soll es aber bald für die Hersteller verpflichtend werden den tatsächlichen Spritverbrauch aufzuzeichnen. Vielleicht werden wir die Ergebnisse irgendwann mal erfahren und dann wissen, wie wenig / oder viel die PHEVs in der Flotte tatsächlich verbrauchen. Bis dahin werden aber sicher noch ganz viele verkauft.

      • Daniel

        Vielleicht hören wir mal auf die Schuld den Herstellern zuzuschieben. Der Staat hat diese Gesetzte verabschiedet und die Hersteller haben umgesetzt. Im übrigen auch die Asiatischen, die die DUH irgendwie nie erwähnt. Nur unsere Jobs müssen vernichtet gemacht werden.
        Wenn der Gesetzgeber die verpflichtende Nutzung des E Antriebs in Innerstädtischen Bereich nicht vorschreibt, dann werden wir Deutsche das auch nicht spielen.
        Wir parken ja auch nicht in Feuerwehreinfahrten, weil wir damit Leben retten. Nein, weil wir sonst abgeschleppt werden.

        Und warum beschäftigen wir uns mit Porsche Cayenne? Porsche hat einen Marktanteil von unter 1%. Der Cayenne Hybrid erfüllt aktuell nicht einmal die Gegebenheiten eines Hybrid zur 0,5% Versteuerung.
        Also wenn ich meinen Tag strukturiere, dann beschäftige ich mich mit den Dingen, die was bewegen.

        • Andreas H.

          Die Gesetzgebung der Staates wird aber sehr stark von Lobby-Verbänden -hier der Automobil-Lobby- beeinflusst. Das führt zur Förderung derart unsinniger Fahrzeuge.
          Da ist es schon richtig, das die DUH den Finger in die Wunde legt.

          Die Arbeitsplätze in Deutschland werden vernichtet weil man den Wandel zu verzögern versucht.

  3. Florian8

    Fakt ist doch beim Thema PHEV Nutzung: Es kommt ganz erheblich auf den Fahrer an. Man kann die Fahrzeuge extrem sinnvoll, aber auch sinnlos bewegen. Was mich immer extrem nervt, ist die Aussage, dass die Fahrzeuge das Problem sind. Nein – es ist der Mensch, der hinterm Steuer sitzt.

  4. Renato

    Eigentlich nur logisch. Gross und schwer und dann noch Akkus und Elektromotor rein und somit noch schwerer. Wie soll das effizient sein. „Vernünftige“ Hybride waren gut vor 20 Jahren – inzwischen sollten wir vorwärts gehen und auch den Plug-In-Hybrid hinter uns lassen. Das war vielleicht eine gute Zwischenlösung aber sicher nicht die Zukunft. Jeder Tropfen Öl, den wir verbrennen – egal wozu – ist einer zu viel !

  5. eRide

    Auch wenn ich bzgl. des idealen und realen Nutzungsverhaltens bei Firmenwagen skeptisch bin. Ein Großteil der Wagen wird eine Steckdose selten bis nie sehen. Aber was hat sich die DUH wohl dabei gedacht die Tests im „Sport Plus“ Modus zu fahren.
    Welcher normale Fahrer macht das schon?

  6. Marc

    Schade nur, dass die DUH nicht darauf hinweist, dass die Fahrzeuge im Sport Plus Modus, neben dem rundkurs-orientiertem Schaltprogramm, die HV-Batterie via Verbrenner und Lastpunktverschiebung wieder aufladen. Der V6 buttert also locker mit 10 kW permanent in die Batterie rein. Die Energie wurde wohl nirgends bilanziert. Definitiv Kategorie Kurzschluss, es hängt am Kunden und der Nutzung, weniger an der Technologie. Denn diese hat große Potentiale.

  7. SHausSTA

    Hier zeigen sich beide Extreme: Zum einen die Eiferer der DUH, die am liebsten sofort alles verbieten würden, was Spaß macht. Zum anderen die Autohersteller, die sich einen Wettkampf um immer leistungsfähigere Boliden liefern (die von entsprechend veranlagten Kunden auch nachgefragt werden). Es ist Aufgabe der Politik, hier einen ausgewogenen und tragfähigen Kompromiss zu finden und umzusetzen. Wir als Wähler haben die Möglichkeit, dies mit unserer Wahlentscheidung zu beeinflussen. Zusätzlich haben wir als Autokäufer die Chance, etwas gegen den CO2-Ausstoß zu tun, indem wir umweltverträgliche Fahrzeuge fahren – oder eben nicht.

  8. Paul

    Mit diesem unseriösen Testverfahren hat sich die DUH mal wieder selbst diskreditiert. Die WLTP-Verbräuche entsprechen vielleicht nicht unbedingt den Alltagswerten, allerdings ist definitiv eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Fahrzeugen gegeben. Und am Ende hängt der Verbrauch eben vom Fahrer ab. Wenn der natürlich den lieben langen Tag in „Sport Plus“ unterwegs ist und an jeder Ampel den Macker markieren muss…

  9. bird

    Ich habe einen PHEV.
    Bin inzw. Rentner und viel zu den Enkeln unterwegs.
    Mein PHEV (Kia Niro) wird jeden Tag über meine Photovoltaikanlage geladen und ich habe einen elektrischen Anteil am Gesamtverbrauch über 85%.
    Wenns mal weiter geht ist die Benzinunterstüzung bequem und bei einem Verbrauch von ca 5l/100km absolut akzeptabel.
    Außerdem kann das Fz. auch einen Anhänger ziehen.
    Und ist bezahlbar.
    Warum werden solche Beispiele nicht erwähnt?
    Die DUH ist leider nicht ehrlich in ihren Aussagen, sie sagt nur was in ihren „Kram“ passt.

  10. Marc Mertens

    Alle Probleme für solche Testzyklen bzw. sehr vieler Automobile wären gelöst, wenn sich die Hersteller einmal völlig unabhängig von Umweltnormen bzw. -gesetzen einfach auf den Kunden, den Markt, die Umwelt und diesen Planeten konzentrieren würden.

    EInfachstes Beispiel (ohne die aktuelle Betrachtung um die Erzeugung und Speicherung des 2. Primären Energieträgers), ist ein TOYOTA MIRAI oder ein HYUNDAI NEXO.

    Diese Autos können prinzipiell in 3-5 Minuten getankt werden, sind E-Autos, erzeugen nur lokal H2O bzw. normalen Abrieb, können durchaus 180 km/h fahren, sind leise, zuverlässig und beinhalten auch später nur wenige Betriebsstoffe mit negativen Umwelteigenschaften.

    Aber nein, die europäische und die deutsche Autoindustrie will Wasserstoff am liebsten wieder in den Brennräumen verheizen, sperrt sich gegen die Technik und alle wundern sich, warum wir bei Conti 30.000 Arbeitsplätze oder in der Windanlagen-Industrie 40.000 Jobs verlieren. Und die reinen BEVs werden an der Wertschöpfung in Deutschland noch weniger ausrichten.

    Der gesunde Mix aus allen alternativen Antrieben wird das Rennen wohl machen. Nur der fossile Verbrenner scheint nun wirklich mal reif zu sein für einen Ersatz. Es heizt ja auch keiner mehr sein Haus mit Steinkohle oder wir wir braten unser Essen permament über dem offenen Feuer. 😉

    • Vanellus

      Da hält sich aber jemand mindestens ein Auge ganz fest zu. Konkret: Der Mirai ist 4,90 m lang, wiegt leer 1.905 kg (Toyota Angabe), hat 120 kW Leistung, hat 4 Sitzplätze. Kostet 80.000 €. Warum? Komplexe Technik wiegt viel und braucht viel Platz, besonders der 125 kg schwere Drucktank, der 5 kg H2 fasst. Ein Tesla Model 3 wiegt 1.600 bis 1.800 kg, ist 4,7 m lang, hat 5 Sitzplätze, 200 bis 400 kW Leistung, fährt bis 235 km/h, kostet 45.000 bis 56.000 €. Und verbraucht well-to wheel weniger als ein Drittel der Energiemenge an grünem Strom wie der Mirai.

  11. Manfred

    Ich hab auch geglaubt das mein Mercedes GLE 350 nur die wie angegeben 1,1l /100km verbraucht, aber unte 10l /100km ist der Wagen nicht zu bewegen 🙁

    • Maik

      Ich würde behaupten, das Problem befindet zwischen Lenkrad und Vordersitz …

    • Claudio

      Du meinst den GLE 350e. Tipp: Aufladen und den Elektro Modus benutzen. Ich fahre meinen a250e mit einen Verbrauch von 1,1l/ 100km. Ich lade in aber auch immer auf. Kilometerstand 700 km 615 km rein elektronisch noch nie nachgetankt Kraftstoffstand des Tanks 86%.

  12. Markus Wolter

    Zu behaupten, der Staat hätte eben die Gesetze so gemacht, und die Autohersteller würden nur darauf reagieren, ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Das Gesetz ist Produkt einer massiven Lobbykampagne, um ein Schlupfloch für Verbrenner zu schaffen. Da gibt es nichts zu beschönigen.

  13. Oliver Hahn

    Ein Teil des Problems ist auch, das so mancher Fahrzeugnutzer von seinem Arbeitgeber zwar Tankgutscheine aber keine Stromgutscheine erhält. Eigentlich könnte das umgekehrt werden: Wer einen stark vergünstigten PHEV erhält, bekommt dafür die Stromkosten erstattet, nicht die Spritkosten. Uninteressant für die, die weite Strecken fahren, aber die profitieren auch nicht sonderlich von einem PHEV.

  14. Marc

    Da hat die DUH mal wieder ihre Unseriösität bewiesen. Neben der extrem unüblichen Fahrweise in den Tests werden da doch zwei Themen vermischt. Dass ein Porsche Cayenne nicht dem Klimaschutz dient, egal mit welchem Antrieb, ist die eine Sache. Aber deshalb gleich PHEV als Technologie zu verteufeln, ist doch auch wieder nicht sinnvoll. Viele Leute kaufen vernünftige Autos mit PHEV und laden die auch regelmässig auf. Dann ist das eine tolle Übergangslösung, bis die BEV-Fahrzeuge mit erforderlicher Infrastruktur im Markt angenommen werden.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/09/03/umwelthilfe-kritisiert-verbraeuche-von-plug-in-hybriden/
03.09.2020 09:13