12.04.2021 - 12:02

LSV: Erneut Wirbel um Pflicht für Kartenlesegeräte an Ladesäulen

Kurz vor einem Kabinettsbeschluss zur neuen Ladesäulenverordnung (LSV) wird erneut über Kartenlesegeräte an Ladesäulen diskutiert. Laut einem Medienbericht pochen Banken darauf, an der Ladesäule mit der Girocard zahlen zu können. Die Energiewirtschaft fürchtet, dass eine solche Verpflichtung den Ausbau des Ladesäulen-Netzes verteuern und verzögern könnte.

Wie die „Welt“ berichtet, habe der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) deshalb zusammen mit mehreren Betreibern von Ladestationen einen Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Verkehrsminister Andreas Scheuer geschrieben. Darin warnen die Verfasser vor einer kurzfristigen Änderung der Ladesäulenverordnung bzw. des aktuellen Referentenentwurfs. „Mit Sorge nehmen wir wahr, dass die LSV entgegen der ursprünglichen Planung immer noch nicht im Kabinett beschlossen wurde und dass sich zugleich die Kreditwirtschaft weiter für verpflichtende analoge Kartenlesegeräte einsetzt“, wird aus dem Schreiben zitiert.

Im aktuellen Referentenentwurf zur LSV wird gefordert, dass die Bezahlung an öffentlichen Ladesäulen mit „einem gängigen Kreditkartensystem“ möglich sein muss. Dafür werden drei Varianten spezifiziert: entweder per Kartenlesegerät, mit einem Gerät zum kontaktlosen Bezahlen oder „browserbasiert über eine kostenlose mobile Webseite, die keine dauerhafte Registrierung erfordert“.

Über die Browser-Möglichkeit könnte die LSV erfüllt werden, ohne dass eine Hardware-Nachrüstung eines Kreditkarten-Terminals notwendig wäre. „Gerade jetzt, wo die Elektromobilität endlich Fahrt aufnimmt, brauchen wir stabile Rahmenbedingungen für die Investitionen in den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur“, zitiert die „Welt“ aus dem Schreiben.

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Bei einer Normalladesäule könnten die Kosten des Kartenlesegeräts bis zu zehn Prozent der Anschaffungskosten betragen, so die Verfasser des Schreibens. Zudem argumentieren sie, dass Kartenlesegeräte veraltet seien. „Im Falle einer zukunfts- und europäisch orientierten Mindestanforderung für ein Bezahlsystem kann dies nur eine webbasierte Lösung sein. Analoge Kartenlesegeräte werden dagegen in wenigen Jahren obsolet sein.“

Die Energiewirtschaft will sich offenbar nicht nur die Kosten für die Umrüstung sparen, sondern verweist auch auf ein praktisches Problem: Kaum ein Hersteller bietet eichrechtskonforme Ladesäulen mit Kartenlesegerät. „Eichrechtliche Genehmigungen für mit Kartenlesegeräten ausgestattete Ladesäulen würden frühestens 2024 vorliegen“, schreibt der Verband. „Daher werden die Ladesäulenbetreiber ihre Investitionen solange zurückstellen und im Ergebnis weniger Ladesäulen bauen.“

Dass die Ladesäulenverordnung immer noch nicht beschlossen ist, liegt auch am Knackpunkt Bezahlen – dass hier Herausforderungen liegen, ist der Regierung bewusst. Das zeigen die Antworten der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen, über die wir im Februar berichtet haben. An 86 Prozent der Ladepunkte könne zwar per „webbasiertem System“ gezahlt werden – wie viele Apps für die Nutzung der Ladepunkte notwendig sind oder an wie vielen Ladepunkten bereits per EC- oder Kreditkarte gezahlt werden kann, weiß die Regierung aber nicht. Hier sieht die Regierung Handlungsbedarf.

Wer sich am Ende durchsetzt – die Energiewirtschaft oder die Banken – wird sich wohl erst zeigen, wenn die vom Kabinett beschlossene Fassung der LSV vorliegt. Eine Verordnung wird – anders als ein Gesetz – direkt von der Exekutive beschlossen und nicht weiter im Bundestag und Bundesrat debattiert und verabschiedet.
welt.de

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15 Kommentare zu “LSV: Erneut Wirbel um Pflicht für Kartenlesegeräte an Ladesäulen

  1. Birne

    Man kann nur hoffen, dass Kreditkartenleser an Ladesäulen sich nie durchsetzten geschweige zur Pflicht werden. Noch mehr Wartezeit bis die Ladung endlich mal startet,…
    Unnötige zusätzliche Systeme machen die Infrastruktur noch teurer, das am Ende der Verbraucher zahlt,… danke!
    Der Bankenverband lebt wohl noch in den 90er.

    • Sebastian Ewert

      Die Chinesen haben Kreditkarten komplett übersprungen und wir wollen das jetzt zur Pflicht machen? Ladeinfrastruktur in Deutschland ist Dank zig VDE Normen, LSV, Mess- und Eichrecht, … sowieso schon die teuerste weltweit. Kreditkartenleser und Skalierung passen da einfach nicht zusammen.
      Ich warte noch darauf, dass demnächst auch Faxgeräte vorgeschrieben werden. :-/

      • Driver

        Ich hätte bitte gerne auch noch einen Drucker, der den Beleg ausdruckt 🙂

    • gerd

      genau darum geht es doch. Alles was kompliziert und unzuverlässig ist, setzt sich nicht durch.
      SchuKo und Münz-zähler.

  2. markus

    Was wünschen sich die E-Auto Fahrer?

    Unkompliziertes Abrechnen mit Preistransparenz oder wieder vor einer Säule stehen die nicht funktioniert weil z.B. die Roamingvereinbarungen geändert wurden? Oder spontane Preiserhöhungen (Plugsurfing – Ionity) die am Ende des Monats erst ersichtlich wurden? Warum muss ein Betreiber seine Spanne abgeben, nur weil ein Provider eine Plastikkarte ausgegeben hat für die Autorisierung?

  3. Djebasch

    Ich versteh gar nicht wo das Problem ist, in vielen Ländern werden Parkscheine per Kreditkarten bezahlt… nur in Deutschland macht man wieder aus einer Kleinigkeit eine riesige Sache weil Interessen (Datensammlung) Unternehmen wichtig sind…
    Denn bei Kreditkartenzahlung zieht das Datenschutzgesetzt was man in einer App wunderbar (Banner) übergehen kann.
    Und wo ist das Problem der Technischen Lösung das ist doch dummes Gelaber mehr nicht…

    • Gerd

      Parkscheine, Zigaretten, Kondome, Grillfleisch,…kann man alles am Automaten kaufen, mit Bargeld, mit EC Karte,…Preis steht dort und gut is.
      nur die Emoilitätsverhinderungslobby hat hier leider sehr gut gearbeitet.

    • L.Gebhardt

      Richtig! Wie an der Tankstelle ⛽️,Preisangabe, mit Bankkarte bezahlen und fertig ✅

  4. Hans Herbert

    Ich sehe jetzt auch keinen Grund, mechanische Systeme vorzuschreiben. Die Bezahlung mit Kontaktlesegeräten ist weit verbreitet und ersetzt die mechanischen Kartenleser. Letztere sind Angriffspunkte für Wind und Wetter, ggf. auch Abnutzung, Vandalismus und Sabotage. Da fällt es den Banken sicher leichter, die Girokarten zu erneuern. Das ist zumutbar.

  5. Driver

    Wenn die Banken die Bezahlterminals haben wollen, sollen sie die Anschaffungs- und Betriebskosten dafür auch übernehmen.

    Ein wetterfestes Niro Terminal mit Kartenschlitz für einen Schnelllader kostet gleich mal 1000 Euro Aufpreis.

    Das Beste ist, dass jetzt schon jeder in Europa an öffentlichen Ladepunkten mit Kreditkarte od. PayPal bezahlen können muss. Das geht ganz einfach per Smartphone, kostet nichts, ist vandalensicher und wetterfest 😉 Und einen Beleg für seine Ladung bekommt der Kunde auch gleich.

    Das ist aber wohl zu einfach und zu billig um wahr zu sein.

  6. Peter Scherer

    An Säulen der Fa. E-Maxx GmbH kann man einfach mit einer kontaktlosen EC-Karte zahlen, das nennt sich Giro-e und hat ganze 2 Schritte als Aufgabe an der Säule. EC-Karte ranhalten, der Preis wird angezeigt diesen nochmals durch ranhalten bestätigen und losladen, so einfach geht das.
    Im Übrigen kostet der Strom den gleichen Preis wie er für Vertragskunden gilt. Lediglich bei ad hoc ist es etwas teurer das liegt an den hohen Kosten der Kreditkartenunternehmen und der SEPA Kosten.
    Der Kostenaufwand der Hardware für einfaches zahlen per EC ist verschwindend gering. Die Kreditinstitute wehren sich da sie es verschlafen haben ein Abrechnungssystem mit Backend zu entwickeln.

  7. Stefan Weiß

    Aus meiner Sicht ist Kartenzahlung ( EC, Kreditkarte ) die einzige Lösung die auch funktioniert. Eine EC, Kreditkarte hat jeder. Bei verschiedenen Anbietern sind auch verschiedene Zahlsysteme erforderlich. Im Endeffekt kommt dann zusätzlich zur Ladestation Suche noch die Frage ” Wird meine Zahlmethode” auch an der Säule akzeptiert?
    Aber das Hauptproblem ist doch dass jeder seine eigne Abrechnungssystem hat und sehr unübersichtlich ist was ich am Ende zu bezahlen habe.

  8. gerd

    “Kosten sparen”??
    spart euch die Fundamente und die Säulen, schraubt die Steckdosen an die Wand und sehr viel Geld und Platz ist gespart.

  9. Hans Gnann

    Was ich mir wünsche ist:
    – Plug’nCharge oder Autocharge (so dass ich vor Ort gar nichts machen muss)
    – eine freie Vorauswahl im Auto für den Anbieter meiner Wahl
    – direkte Abrechnung über mein hinterlegtes Konto
    – eine übersichtliche Aufstellung meiner Ladevorgänge pro Monat und Jahr (so wie der Service für Flottenkunden auch angeboten wird)

    Das habe ich mit vielen E-Mobilisten schon rauf und runter diskutiert – ich sag dann immer:
    Wer von euch zahlt seinen Strom für die Wohnung unten an der Haustüre mit EC-Karte?

  10. David

    Die Banken sehen ihr Geschäftsmodell gefährdet. Das ist auch gefährdet, aber durch ihre geringe Schlauheit in den letzten 20 Jahren, wo sie gar nicht gemerkt haben, was passiert. Das kann man nicht dadurch retten, indem man dem Ladenetz teure Umrüstungen auf veraltete Technik verpasst. Im Kern werden künftig 95 % aller Kunden per Autocharge ohne Interaktion mit der Säule abgerechnet und für den Rest reicht eine browserbasierte Lösung.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2021/04/12/lsv-erneut-wirbel-um-pflicht-fuer-kartenlesegeraete-an-ladesaeulen/
12.04.2021 12:25