19.05.2021 - 09:41

Internationale Energieagentur empfiehlt 60 Prozent E-Autos bis 2030

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat einen Stufenplan vorgelegt, wie das Ziel der Netto-CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 erreicht werden kann. Die bisherigen Klimaschutzzusagen der Regierungen bleiben laut der IEA – selbst wenn sie vollständig erreicht würden – weit hinter den hierfür notwendigen Anforderungen zurück.

Im Verkehrssektor dürfen dem IEA-Plan zufolge ab dem Jahr 2035 weltweit keine Neuwagen mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden und mindestens 50 Prozent der verkauften Schwerlast-Lkw müssten elektrisch betrieben werden. Bereits 2030 müsse der Anteil von E-Autos an der Menge weltweit verkaufter Autos bereits 60 Prozent erreichen.

Die Jahreszahlen 2030 und 2035 sind nicht zufällig gewählt: Um die Netto-CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen, hat die IEA für ihren Stufenplan über 400 Maßnahmen in Fünf-Jahres-Intervallen gruppiert. IEA-Exekutiv-Direktor Fatih Birol mahnt, dass dieser Pfad auch eingehalten werden müsse – der Pfad sei schmal, aber immer noch erreichbar.

Zumindest für den Pkw-Bereich decken sich die IEA-Ziele grob mit den Plänen der Hersteller, eine Umsetzung scheint in diesem Punkt machbar. VW plant etwa bis 2030 mit 70 Prozent E-Auto-Anteil und würde die IEA-Zielmarke übererfüllen – sofern VW die eigenen Ziele einhalten kann. BMW plant laut jüngsten Aussagen bei der Hauptversammlung mit 50 Prozent E-Autos im Jahr 2030, um nur zwei Beispiele zu nennen.

ZF

Weitere Ziele des IEA-Plans betreffen die Elektromobilität indirekt: die Energieerzeugung. Laut dem Stufenplan sollen ab sofort keine neuen Kohlekraftwerke mehr zugelassen werden – weltweit. Auch „Investitionen in Projekte zur Versorgung mit fossilen Brennstoffen“, also etwa Kohleminen oder neue Förderstätten für Erdöl und Erdgas. sollen eingestellt werden. Das hätte nicht nur Auswirkungen auf die Kraftwerke, sondern auch für die Mineralölkonzerne und damit die Kraftstoffpreise für das Heizen mit fossilen Brennstoffen oder an Tankstellen.

Bis 2030 sollen pro Jahr zusätzlich 1020 Gigawatt an Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung gestellt werden. Das würde den Aufbau neuer Anlagen nach sich ziehen. 2035 sollen laut dem Stufenplan vier Gigatonnen CO2 gebunden werden, das Verfahren hierzu wird in dem Stufenplan aber nicht festgeschrieben. 2040 soll die Hälfte des Treibstoffs in der Luftfahrt emissionsarm sein. 2045 sollen gemäß dem Stufenplan 435 Megatonnen Wasserstoff zur Verfügung stehen – aber nicht für Pkw. 2050 sollen dann die CO2-Emissionen aus dem Energiesektor beinahe null sein – und damit auch der Verbrauch der Energie deutlich sauberer sein.

Kritiker halten den nun vorgestellten Plan für bemerkenswert, da die Internationale Energieagentur traditionell als fossilfreundlich gilt. Noch in diesem Jahrtausend hatte die IEA eine Erhöhung der Erdöl-Förderung verlangt. Nun plant die Behörde das Aus für Kohlekraftwerke und die Erschließung neuer Erdöl-Förderstätten.

In einigen Punkten stimmen auch Klimaforscher dem IEA-Plan zu. „Viele Technologien, die in den Report der IEA einfließen, kennen wir bereits. Wir wissen, dass sie funktionieren“, sagt Christoph Bertram vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung dem „Spiegel“. „Wir können sie nur noch nicht im großen Maßstab kaufen. Damit diese Technologien aus ihrer Nische herauskommen und auch preislich verfügbar sind, sind weitere Innovationen nötig.“
spiegel.de, welt.de, iea.net (Plan als PDF)

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