01.11.2022 - 11:46

H2-Energy-CEO Huber: „Wir haben zu keinem Zeitpunkt Verträge gebrochen!“

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Die Meldung, wonach das Projekt mit den 1.600 Brennstoffzellen-Lkw in der Schweiz eingestellt werde, hatte für Aufregung in der Branche gesorgt – und wurde umgehend dementiert. Im Interview erklärt Rolf Huber, CEO von H2 Energy, wie es zu der Meldung kam, wie das Projekt derzeit läuft und wie er die künftige Wasserstoff-Versorgung sicherstellen will.

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Herr Huber, kürzlich hat die Meldung, wonach das Projekt mit den 1.600 Brennstoffzellen-Lkw in der Schweiz eingestellt werde, für Aufregung in der Branche gesorgt, die Meldung wurde umgehend dementiert. Wie kam es zu dem Bericht in der „trans aktuell“? Schließlich basierte der Text nicht nur auf Informationen des Autors, sondern es gab auch Aussagen von Beat Hirschi, dem CEO von Hyundai Hydrogen Mobility.

Fakt ist, dass es kein Interview von Herrn Hirschi gegeben hat. Es war ein Artikel für Mitte Oktober geplant und wir haben erst am Tag vor der Veröffentlichung einen Fragebogen erhalten, den wir innerhalb weniger Stunden beantworten sollten. Wir haben trotz der kurzen Frist und der Tatsache, dass einige der Verantwortlichen auf Dienstreise außer Haus waren, versucht, die Fragen so gut wie möglich zu beantworten. Ich will uns da auch nicht von eigenen Fehlern freisprechen, aber so, wie in dem Artikel einige Punkte wiedergegeben wurden, ist das einfach nicht korrekt. Wir haben zu keinem Zeitpunkt Verträge gebrochen!

Wie ist denn die aktuelle Lage aus Ihrer Sicht?

Wir alle wissen, wie sich die Energiepreise infolge der unglaublichen Entwicklungen nach oben bewegt haben – von der Ukraine-Krise bis zu der Lage bei dem Atomkraftwerken in Frankreich. Statt 35 bis 40 Euro pro Megawattstunde muss man inzwischen 400 bis 600 Euro zahlen.

In unserem Pay-per-Use-Modell konnten wir lange einen Kilometer-Preis anbieten, der vergleichbare Gesamtkosten zu einem Diesel-Lkw ermöglicht hat – unser Kilometer-Tarif ist an den Diesel-Preis gekoppelt. Wenn nun die Strompreise um 1.000 Prozent steigen, der Dieselpreis in der Schweiz aber nur um 20 bis 30 Prozent, dann schlägt das bei unseren Konsortial-Partnern wie Hydrospider oder den freien Tankstellen voll durch.

Das heißt was? Gibt es derzeit nicht genügend grünen Wasserstoff oder ist der „nur“ sehr teuer?

Wir haben die doppelte Menge an grünem Wasserstoff, die wir für den Schweizer Markt brauchen. Wir sind auf unsere Kunden zugegangen und haben den Austausch gesucht. Die Antwort war klar: Sie wollen das Projekt weiter führen und wollen auch etwas mehr geben – jedoch können sie die Preiserhöhungen nur bedingt an ihre Kunden weitergeben und somit nicht das gesamte Strompreisrisiko übernehmen. Einige Kunden schauen sich nach anderen Lösungen um, andere wollen dennoch weiter machen.

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Was bedeutet die Preissituation für Neukunden?

Wenn wir jetzt einen Truck verkaufen, müssen wir eine gewisse Strommenge einkaufen, um dessen Betrieb und die Produktion des Wasserstoffs garantieren zu können. Das passiert aktuell zu deutlich höheren Preisen als zum Beispiel 2020. Daher können wir leider nicht mehr die Konditionen anbieten wie zuvor.

Wie sieht der weitere Rollout-Plan für 2023 und 2024 aus? Lässt sich derzeit überhaupt seriös planen?

Es ist für uns aktuell sehr schwierig, Aussagen über eine Mittelfristplanung machen zu können, da auch für uns die Entwicklung der Energiemärkte in den Sternen steht. Wie gesagt sind wir auf Trab und werden sicherlich alle Möglichkeiten wahrnehmen, auch in Zukunft so viele emissionsfreie Fahrzeuge wie möglich absetzen zu können.

Im derzeitigen Marktumfeld können Energieversorger wie etwa ihr Projektpartner Alpiq den Grünstrom teurer am Markt verkaufen als ihn durch einen Elektrolyseur zu Wasserstoff zu verarbeiten. Haben derzeit einzelne Unternehmen, die Teil des Projekts sind, andere Interessen als H2 Energy?

Wir sind ein Konstrukt aus vielen Partnern und Firmen, weil wir im Wasserstoff-Umfeld mit sehr vielen unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten müssen – Fahrzeuge, Wasserstoff-Erzeugung, Speicherung, Transport und so weiter. In diesen Mechanismen ist das Ereignis rund um diesen Artikel zu betrachten.

Ich möchte aber betonen: Hyundai taucht zwar in allen Überschriften auf, hat aber nicht direkt etwas damit zu tun. Ich war gerade erst in Südkorea und habe mich persönlich mit den Verantwortlichen ausgetauscht. Es gibt keinerlei Bestrebungen bei Hyundai, das Projekt zu beenden oder ihr Engagement zurückzufahren.

In einem LinkedIn-Post sprach Herr Hirschi im Nachgang zu dem Artikel bzw. dem Dementi, von einem „inne halten“, bis die Energiepreise im Frühling wieder ein niedrigeres Niveau erreicht haben. Was ist damit gemeint?

Das müssten Sie Herrn Hirschi direkt fragen. Es ist aber erfahrungsgemäß so, dass sich die Strompreise in der Schweiz im Frühjahr deutlich entspannen. Es wird weniger geheizt, der Stromverbrauch durch die Wärmepumpen geht zurück. Zugleich scheint die Sonne wieder mehr, was PV-Anlagen effektiver macht. Und das Schmelzwasser aus den Bergen treibt die Wasserkraftwerke an. Wir haben also eine höhere Produktion und eine geringere Nachfrage, was üblicherweise in geringeren Preisen bei Terminkontrakten für den Frühling mündet. Und damit sinken auch wieder unsere Kosten.

Wenn es derzeit schon so komplex ist, die Wasserstoff-Versorgung für 47 Xcient Fuel Cell in diesem Marktumfeld aufrecht zu erhalten: Wie sieht dann Ihre Lösung für die geplanten 1.600 Brennstoffzellen-Lkw aus?

Über H2 Energy Europe, ein Joint Venture von H2 Energy und Trafigura, bauen wir die weltweit größte Wasserstoffproduktionsanlage in Esbjerg, Dänemark. Dort wollen wir eine Kapazität von 1 GW aufbauen, was 90.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr entspricht. Damit kann man 10.000 Lkw betreiben. Der Wasserstoff wird von dem Elektrolyseur dann per Pipeline weitertransportiert – nicht nur in die Schweiz, sondern auch innerhalb von Dänemark und nach Deutschland.

Herr Huber, vielen Dank für das Gespräch!

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2 Kommentare zu “H2-Energy-CEO Huber: „Wir haben zu keinem Zeitpunkt Verträge gebrochen!“

  1. Energisch Jo

    Guten Tag! 1.Nov.2022
    Wow! Eine gewaltige Preissteigerung bei Energie trifft auch
    die wasserstoff-verbrauchenden Brennstoffzellen-LKW in der
    Schweiz. Da diese nicht in der EU ist wird auch keine unauffällige
    Abdeckung dieser ZEHNFACH teureren Energie fürs Fahren über
    Subventionen stattfinden.
    Welcher Schweizer Politiker sagt schon: „… koste es was es wolle“ ;o))
    Solches Verhalten gibt es wohl nur in der EU, nicht in der sparsamen
    Schweiz.
    Bin sehr, sehr gespannt wie dieser Krimi weitergeht,
    im Endeffekt wird nämlich genau einer voll zur Kasse gebeten:
    Wir STEUERZAHLER! …wenn wir uns das gefallen lassen,
    da schätze ich als EU-Bürger die Schweizer Bürger als wesentlich wachsamer ein.

    Also aufgepasst und wachsam bleiben…

  2. erFahrer

    Vielen Dank – oh je – nun ist grüner Strom aus abgeschriebenen Wasserkraftwerken wertvoll.
    Das es keine H2 Pipeline von DK nach CH gibt und auch nicht gebaut wird sollte der gute Mann schon als Basiswissen drauf haben. Zudem blendet es aus, dass auch in DK grüner Strom seinen Wert hat. Ob da gerade grünes Gras übet diese Grünen Verträge wächst?

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01.11.2022 11:56