Scania baut seinen Ladeservice auf DC-Sortiment von ABB auf

Der Schweizer Technologiekonzern ABB hat mit Lkw-Hersteller Scania eine globale Rahmenvereinbarung für Ladeinfrastruktur geschlossen. Tochter ABB E-Mobility wird Scania in diesem Zuge mit ihrem kompletten Angebot an DC-Lösungen von 24 bis 600 kW versorgen.

Bild: ABB

Scania hat im Oktober im schwedischen Södertälje mit der Serienproduktion seiner BEV-Lkw für den regionalen Transport begonnen. Diese gesellen sich zu den von Scanias bereits 2021 gelaunchten BEV-Modellen für den Stadtverkehr. Das Angebot wächst also – und damit der Bedarf an der zugehörigen Ladeinfrastruktur. Durch die Vereinbarung mit ABB kann Scania seinen E-Lkw-Kunden nun eine Komplettlösung bieten – „bestehend aus Fahrzeug, Ladegerät, Service und Software“, wie das zur VW-Nutzfahrzeugtochter Traton gehörende Unternehmen mitteilt.

Scania gibt an, sowohl sein eigenes Netz als auch seine Kunden mit der DC-Schnellladetechnologie und den Lösungen von ABB E-mobility versorgen zu wollen. Explizit genannt wird etwa die Terra 360, ein Ladegerät, das ABB im September 2021 vorgestellt hatte und das bis zu vier Fahrzeuge gleichzeitig laden kann. Für Nutzfahrzeuge dürfte dies aber eher nebensächlich sein und die Ladeleistung eher auf ein oder maximal zwei große Fahrzeuge parallel verteilt werden. Die DC-Ladeleistung der neu in Södertälje produzierten E-Lkw für den regionalen Transport beläuft sich übrigens auf maximal 375 kW.

Die Vereinbarung zwischen der schwedischen Marke und dem Schweizer Technologiekonzern baut auf einer bereits bestehenden Partnerschaft auf. Man hebe die Zusammenarbeit durch die Unterzeichnung eines neuen globalen Rahmenvertrags auf die nächste Stufe, heißt es unisono. Und bei 600 kW soll künftig auch nicht Schluss sein: Im Mai hatten ABB E-Mobility und Scania einen erfolgreichen ersten Test bei der Entwicklung eines Megawatt Charging Systems (MCS) bekanntgegeben.

Details zu der Erprobung – etwa zu Ladezeit oder Ladeleistung – nannten die zwei Seiten seinerzeit zwar nicht, bekräftigten aber, dass der Pilottest zum Nachweis der technischen Machbarkeit des Megawatt Charging Systems (MCS) „ein erster wichtiger Schritt in Richtung des künftigen MCS-Systems von ABB E-Mobility“ sei. Auf dieser Basis könne nun der schrittweise Einsatz von Hochleistungsladegeräten erfolgen – angefangen bei 1.500 Ampere bis hin zum vollständigen MCS-Bereich von bis zu 3.000 Ampere. Ausgelegt ist das Megawatt Charging System nämlich auf eine Ladespannung von bis zu 1.250 Volt und eine Stromstärke von 3.000 Ampere, was theoretisch einer Ladeleistung von bis zu 3,75 Megawatt entspricht. 

ABB E-Mobility plant, Ende 2024 oder Anfang 2025 die nächste Version seiner MCS-Technologie einzuführen. Scania will Kunden bereits im laufenden Jahr E-Lkw für den regionalen Transport mit einer Vorabversion des MCS-Standardsteckers anbieten und die Produktion dann 2024 beginnen. „Wir sehen, dass der elektrische Verkehr an Fahrt gewinnt, und unser Ziel ist es, dass bis 2030 50 Prozent aller von uns jährlich verkauften Fahrzeuge elektrisch sind. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine entsprechende Infrastruktur erforderlich, und MCS ist ein entscheidendes Puzzlestück für die künftige Infrastruktur“, so Fredrik Allard, Head of E-Mobility bei Scania, im Mai.

Sowohl Scania als auch ABB sind als Mitglieder der CCS-Initiative CharIN an der Entwicklung des MSC-Standards beteiligt. CharIN hatte das Megawatt Charging System (MCS) Mitte 2022 auf dem Electric Vehicle Symposium (EVS35) in Oslo erstmals demonstriert. Dabei wurde auch das Prototyp-Design des Steckers enthüllt. Schon seinerzeit hieß es, dass erste Pilotprojekte für 2023 und der kommerzielle Rollout für 2024 geplant sei. ABB und Scania kam bereits bei der Erst-Demonstration in Oslo eine tragende Rolle zu. Die Geometrie des Ladesteckers wurde seinerzeit etwa am Stand von ABB eMobility ausgestellt. Und der demonstrierte MCS-Ladevorgang an einer Hypercharger-Säule von Alpitronic fand mit einem E-Lkw von Scania statt.

„Die Zusammenarbeit mit ABB E-mobility ermöglicht es uns, auf der Dynamik aufzubauen, die wir im Bereich des Elektroverkehrs sehen (…). Wir schätzen die globale Abdeckung und die lokale Präsenz von ABB E-mobility sowie das breite Portfolio an hochwertigen Ladelösungen und Serviceleistungen“, kommentiert Fredrik Allard von Scania den frisch unterzeichneten Rahmenvertrag.

Die Schweden sehen vor allem in Europa und den USA hohe Absatzchancen für ihre E-Lkw. Man sei davon überzeugt, dass vor allem dort ein Wandel bevorsteht, heißt es. Dies werde durch eine Mischung aus Nachhaltigkeitsanforderungen der Kunden, strengeren Rechtsvorschriften und der Tatsache vorangetrieben, dass Elektro-Lkw im Vergleich zu Diesel-Lkw Kostenparität oder sogar eine bessere Leistung nachgesagt wird.

„Wir freuen uns, dass wir Scania dabei unterstützen können, seinen Kunden eine breite Palette von Ladelösungen für Elektrofahrzeuge anzubieten. Mit dem Zugriff auf die gesamte Bandbreite unseres DC-Ladeportfolios stellen wir sicher, dass Scania für jeden Anwendungsfall die am besten geeignete Lösung empfehlen kann, um seinen Kunden den erfolgreichen Umstieg auf Elektrofahrzeuge zu ermöglichen“, äußert Chris Nordh, Leiter des Geschäftsbereichs Flotten- und Transitfahrzeuge bei ABB E-mobility.

ABB E-Mobility beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 1.500 Mitarbeiter und hat bis dato mehr als eine Million Ladegeräte in mehr als 85 Märkten verkauft, darunter über 50.000 DC-Schnellladegeräte.

new.abb.com

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