Jucr stellt auf kWh-Tarife um

Das durch seine Lade-Flatrate bekannt gewordene Berliner Startup Jucr ändert sein Geschäftsmodell. Jucr stellt seine Ladepakete und die aktuelle App zum 15. November ein und führt zeitgleich eine neue App mit Pay-Per-Use-Produkten ein – also kWh-Tarifen statt der Flatrate.

Bild: Jucr

„Wir starten unser eigenes End-to-End-Ladenetzwerk mit eigenen Ladestationen. Damit du die neue Struktur nutzen kannst, führen wir eine neue App in Verbindung mit einem flexiblen Preismodell ein. Mit der Einführung des neuen Pay-Per-Use Produktes am 15. November wird jeder Ladevorgang einzeln abgerechnet. Die Preise beginnen bei 0,35 € pro kWh“, erklärt Jucr in einer E-Mail.

Jucr war im Jahr 2021 mit einer Lade-Flatrate für Privat- und Geschäftskunden gestartet. In drei Paketen (AC, nur DC an Autobahnen und das Komplettpaket) konnten die Kunden anfangs für einen monatlichen Fixpreis so oft und so viel laden wie sie wollten. Keine drei Monate nach dem Start des Angebots hatte Jucr aber einigen, besonders kostspieligen Heavy Usern gekündigt – eine hochgerechnete Fahrleistung von über 30.000 km pro Jahr sei „nicht vertragskonform“. Im Frühjahr 2022 wurde die Lade-Flatrate bereits eingestellt und durch Volumenpakete ersetzt. Nun sind auch diese Volumenpakete Geschichte.

Bestandskunden, die noch ungenutztes Volumen in ihren Paketen haben, erhalten laut Juvcr eine Rückerstattung. „Der Betrag wird auf der Grundlage deines Abonnementplans und der verbrauchten kWh-Menge berechnet“, so das Unternehmen. Die Rückerstattung erfolgt auf das in der alten App hinterlegte Zahlungsmittel. Wer zwischen dem 15. und 30. November ein Profil in der neuen App erstellt, erhält auf die kWh-Tarife einen „Willkommensbonus“ von 15 Euro. „Der Bonus wird am 1. Dezember 2023 automatisch auf deine In-App-Wallet gutgeschrieben“, erklärt Jucr.

Die neuen Lade-Konditionen selbst erwähnt Jucr in der Kundenmail nicht, sondern nur auf der Website. Die von Jucr erwähnten 0,35€/kWh gelten aber nur für einen Spezialfall, wie diese Übersicht zeigt. Egal ob im Basic- oder Pro-Tarif ist das Laden an den „Partnerstationen“ relativ teuer – die eigenen Jucr-Stationen mit den niedrigeren Preisen sind noch seltener als die Partnerstationen von EnBW und Co.

Basic Pro
Grundgebühr pro Monat  – 9,98 €
AC Jucr-Stationen 0,49€/kWh 0,35€/kWh
DC Jucr-Stationen 0,58€/kWh 0,45€/kWh
AC Partnerstationen 0,63€/kWh 0,54€/kWh
DC Partnerstationen 0,79€/kWh 0,69€/kWh
Startgebühr Partnerstationen 0,99€/Ladevorgang 0,99€/Ladevorgang

Die Blockiergebühr gilt unabhängig vom Basic- oder Pro-Tarif sowie Jucr- oder Partnerstationen. Die ersten vier Stunden sind kostenlos, danach fallen 0,05€/min an, jedoch maximal neun Euro je Ladevorgang. Ausnahmen gibt es bei Partnerstationen von der EnBW, Compleo, chargecloud, chargeIT mobility und Maingau: Hier wird nach zwei Stunden eine Blockiergebühr von 0,10€/min berechnet.

Quelle: Info per E-Mail, jucr.de

12 Kommentare

zu „Jucr stellt auf kWh-Tarife um“
STEFAN DORR
14.11.2023 um 15:23
Jetzt muss man Eintritt zahlen, um jucr nutzen eu können. Oder wie soll ich sonst die "Startgebühr" nennen? Ich muss ja auch nicht an der Tankstelle eine Einfahrtgebühr zahlen. Der Wildwuchs bri der Elektromobilität wird langsam unerträglich.
Carsten
14.11.2023 um 16:00
Die Startgebühr kommt daher, dass die Abrechnungen alle mit einer Einmalgebühr pro Ladevorgang belegt sind: - Hubject rechnet pro Ladevorgang - die Banken wollen etwas pro Zahlungsvorgang - paar CPO's kassieren auch pro Ladevorgang
exi
14.11.2023 um 18:25
Ja Carsten, aber der Stefan vergleicht mit der Tankstelle - zurecht. Der Tankwart kassiert auch keine Gebühr, auch nicht wenn ich mit Karte (wie an der Ladesäule) zahle. Sein Mitbewerber auf der anderen Straßenseite auch nicht. Ich kann deren Angebote binnen Sekunden vergleichen und meinen Einfluß auf den Markt nehmen. DAS ist Transparenz. Je konsequenter wir Verbraucher solche Geschäftsmodelle boykottieren, desto schneller ist damit Schluß. Und bitte vergleicht Preise. Ich will mich nicht mehr über kWh-Preise jenseits der 50 Cent aufregen müssen. ; )
JK
14.11.2023 um 19:46
An der Tankstellle gibt es eine Mindestabgabemenge die davor schützt, dass Leute so wenig Tanken, dass die Gebühren höher sind als der Kunde bezahlt. War schon immer so und da jammert auch niemand rum. Eine Startgebühr fällt mit Anzahl der kwh weniger ins Gewicht. Lädt man aber nur ganz wenig und steht trotzdem am Ladepunkt zahlt man eben fürs Parken, drückt aber allen die länger laden keine Blockiergebühren auf. Gaaanz einfach.
exi
14.11.2023 um 22:15
Ich stelle fest, die Betreiber von Ladeinfrastruktur dürfen hier auch Komentare schreiben. \o/
Becker Thomas
15.11.2023 um 07:34
Jeder Vielfahrer ohne einen subventionierten Ladetarif, dessen Auto mit den T Superchargern kompatibel funktioniert, ist selbst schuld, wenn er nicht die Tesla Infrastruktur, mit 12,99 Grundgebühr im Monat, zu fairen Preis in ganz Europa nutzt, wo die Säulen zum größten Teil für alle freigeschaltet sind. Niemand sollte sich darüber wundern, dass Tesla auch hier die Marktführerschaft in der E-Mobilität übernimmt. Die Ladeinfrastrukturanbieter legen es geradezu darauf an und halten Tesla mit ihren unsäglichen Tarifschweinereien noch den Steigbügel auf den Thron. Wie dumm kann man sein ? …
Bernhard
15.11.2023 um 09:54
Das ist doch eine Totgeburt. Damit kann Jucr seinen Geschäftsbetrieb gleich einstellen. Im Moment sehen wir eine Konzentration auf EnBW, Maingau und Tesla-SuC. Alles andere ist leider teurer und damit unattraktiv. Bin mal gespannt wo die Reise hingeht, wenn die Quasi-Monopolisten alle andere verdrängt haben und den Markt beherrschen.
CARvision
15.11.2023 um 12:01
Und alle die hier schreiben sind teckis. Aber Oma Erna oder meinen Eltern zu erklären, wie sie mit einer App bezahlen müssen, darüber auch noch die Preise vergleichen müssen, darauf achten müssen, dass sie vor der Blockiergebühr ihr Auto wegfahren sollen, das sie einfach ein beschiessenes Konzept für den Verbraucher. Auch dass man kennen muss, welche Ladesäule zu welchem Anbieter gehört und welche Karte, App man dazu am besten benutzt. Die kw Preise für die plumpe Benutzung einer Steckdose sind auch eine Frechheit. In dem System werden wieder völlig unfair Eigenheim Besitzer mit eigener WallBox bevorteilt. Meine Frau kotzt nur noch, weil viele unserer Ladepunkte immer wieder defekt sind, oder das Bezahlterminal defekt ist oder einfach belegt. Das Laden macht keinen Spass und ist eher Stress. Und man muss halt häufiger Laden! Und wehe die Akkuheizung zieht mal schnell den Akku aktuell leer. Das leasing von Fahrzeug eins läuft aus und wir überlegen wieder zurück zum verbrenner zu gehen
JuiceR
15.11.2023 um 18:50
Weder die JUCR-Website noch die heute aktualisierte App noch andere Medien vermelden zum Thema einen Startbonus von 15 Euro. Hat JUCR das Vorhaben „Startbonus“ bereits wieder ad acta gelegt oder ging die Pressemitteilung zu früh raus?
Dr. Giftig
16.11.2023 um 00:21
Ich habe vor knapp drei Monaten einen hybrid Q8 aus dem Dienstwagenpool übernommen. Wir haben sogar überlegt auf einen voll Elektro umzusteigen. Die drei Monate haben mich geheilt. Obwohl er mit einer angeblich sehr weitreichenden Lade Karte ausgestattet sind, konnte ich in den vergangenen drei Monaten nur einmal am Wiesbadener Bahnhof mehrere weniger unkompliziert ein paar Kilowattstunden zu einem gegenüber dem Hausarzt Strom recht unverschämten Preis laden. Alle anderen Stationen waren entweder entweder besetzt, oder die Karte wurde nicht akzeptiert oder es hat sonst irgendetwas nicht so funktioniert dass man einfach hätte laden können. Das ist ein totaler Reinfall. Schade, weil die paar Kilometer elektrisch fahren machen eigentlich Spass.
OK
22.11.2023 um 20:33
Man hört immer wieder, dass sich das Durcheinander beim Laden von E- Autos bessern soll. Bis jetzt ist nichts passiert , im Gegenteil, es ist schlimmer geworden. Dazu kommt noch die teilweise schlechte Wartung der Ladesäulen. Wenn die Industrie nicht gezwungen wird etwas zu unternehmen, wird sich auch nichts ändern. Ohne eine eigene Lademöglichkeit hätte ich mir kein E-Auto gekauft. Sicherlich wird es vielleicht auch das Letzte sein.
Gerd
26.11.2023 um 05:16
Tja, eigentlich bin ich begeisteter E Auto Fahrer seit 3 Jahren. Was aber in den Jahren passiert ist ,ist die unverschämte Abzocke beim Laden .Wenn ich nicht zu Hause laden könnte, würde ich das Auto wieder verkaufen. Ladesäulen gibts genug,nur zu teuer,aber keiner in der Politik kapiert das und schreitet ein. Selbst die Autobauer. Ich hoffe der ganze Wildwuchs geht pleite. Ich werde nicht mit ihnen laden.

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