Lithium-Gewinnung in Deutschland: Vulcan Energy mobilisiert 2,2 Milliarden Euro

Vulcan Energy hat sich den Weg zum kommerziellen Abbau von Lithium im Oberrheingraben gebahnt. Bisher stand bei dem Unternehmen alles unter Finanzierungsvorbehalt, doch jetzt kann der Bau der Anlagen losgehen. Denn: Vulcans angestrebter Finanzierungsdeal über 2,2 Milliarden Euro ist unter Dach und Fach.

Vulcan energy lithium anlage frankfurt hoechst
Die Pilotanlage in Frankfurt-Höchst dient als Modell für Vulcans nun geplante kommerzielle Verarbeitungsanlage.
Bild: Vulcan Energy

Das deutsch-australische Unternehmen teilt mit, eine Vereinbarung über 2,193 Milliarden Euro zur „vollständigen Finanzierung des Baus und der Entwicklung der ersten Phase“ seines Lithium-Abbauprojekts unterzeichnet zu haben. Geldgeber sind dabei private, institutionelle und staatliche Akteure. Allein der neu gegründete Rohstofffonds der Bundesregierung investiert bis zu 150 Millionen Euro in die Umsetzung des Projekts. Das Vorhaben ist damit das erste, an dem sich der neue Fonds beteiligt. Auch die Exportkreditagentur der australischen Regierung („Export Finance Australia, EFA“) sagte frühzeitig 120 Millionen Euro zu.

Worum geht’s? Vulcan will im Zuge seines sogenannten Lionheart-Projekts Lithium aus geothermischer Sole gewinnen und so eine lokale Quelle für nachhaltiges Lithium in Europa schaffen. Die kombinierte Geothermie- und Lithium-Ressource von Vulcan ist die größte in Europa, wobei sich die Lizenzgebiete auf das Oberrheintal in Deutschland konzentrieren. Im Februar 2023 hatte Vulcan die Ergebnisse einer endgültigen Machbarkeitsstudie für die erste Phase seines Lithium-Projekts bekannt gegeben, wonach Vulcan zunächst 24.000 Tonnen Lithiumhydroxidmonohydrat (LHM) pro Jahr herstellen will. Diese geplante Fördermenge hat weiter Bestand und soll mit der nun fixierten Finanzierung realisiert werden. Das Volumen soll „für die Produktion von ca. 500.000 Batterien für Elektrofahrzeuge pro Jahr reichen“, teilte Vulcan jüngst mit.

Das LHM in Batteriequalität entsteht dabei in einem mehrstufigen Prozess aus Lithiumchlorid, wobei in Landau die Gewinnung und in Frankfurt-Höchst die Verarbeitung des Rohstoffs erfolgen soll. An beiden Standorten betreibt Vulcan bereits Testanlagen, die nun im Maßstab 1:50 als Vorlage für die Errichtung der eigentlichen kommerziellen Anlagen dienen sollen. Für beide großen Einrichtungen hat das Unternehmen im September bzw. November bereits die Baugenehmigungen erhalten. Richtig losgehen kann es aber erst jetzt, wo die Finanzierung steht. Das Wirtschaftsministerium teilt derweil mit, dass „die Bauarbeiten bereits laufen“ und das Unternehmen mit der kommerziellen Produktion zweieinhalb Jahre nach dem Beginn der Arbeiten starten will – also 2028.

Die Abnehmer des Lithiums aus der ersten Projektphase stehen unterdessen schon fest. Entsprechende Verträge gibt es mit Umicore, LG Energy Solution, Stellantis und Glencore. LG Energy Solution soll über sechs Jahre 31.000 Tonnen LHM erhalten. Mit Umicore sind ebenfalls über sechs Jahre 23.000 Tonnen vereinbart. Stellantis sind vertraglich 128.000 Tonnen LHM über zehn Jahre zugesichert. Glencore erhält seinerseits 36.000 bis 44.000 über acht Jahre.

Was die Details der Finanzierung angeht, präzisiert Vulcan, dass das Projekt neben australischen und deutschen Investitionen auch finanzielle Unterstützung durch die Europäische Investitionsbank (allein: 250 Millionen Euro Kredit), Export Development Canada, den Export- und Investitionsfonds Dänemarks, Bpifrance Assurance Export und Servizi Assicurativi del Commercio Estero (SACE) erhält. Im Einzelnen listet das Unternehmen folgende Finanzierungs-Posten auf:

  • 1.185 Millionen Euro an vorrangigen Fremdkapitalmitteln eines Konsortiums aus 13 Finanzierern, bestehend aus der Europäischen Investitionsbank, fünf Exportkreditagenturen und sieben Geschäftsbanken. In diesem Posten sind auch die 120 Millionen Euro Kredit von Export Finance Australia enthalten
  • 204 Millionen Euro an Bundesmitteln der Bundesregierung – unter anderem zugesagt im Sommer
  • 150 Millionen Euro Eigenkapitalinvestition des KfW Rohstofffonds („KfW“) in die Vulcan Energie Ressourcen GmbH zum Erwerb einer 14-prozentigen Beteiligung an dieser Tochter.
  • 133 Millionen Euro Investition eines Konsortiums strategischer Investoren, bestehend aus Siemens, Demeter und Hochtief, zum Erwerb einer 15-prozentigen Vorzugsbeteiligung an der Projektgesellschaft VER GEO LIO GmbH (der Projektgesellschaft für Phase Eins von Vulcan)
  • 528 Millionen Euro garantierte Erlöse aus einer Kapitalerhöhung von Vulcan zu 2,24 Euro je Aktie

Die Bedeutung des Vorhabens unterstreicht u.a. Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie: „Mit dem ersten Projekt aus dem deutschen Rohstofffonds setzen Deutschland und Australien ein starkes Signal für eine resilientere und strategischere Rohstoffversorgung. Australien bringt verlässliche Ressourcen und Technologiekompetenz ein, Deutschland seine industrielle Innovationskraft. Projekte wie das von Vulcan Energy im Oberrheingraben vertiefen unsere Zusammenarbeit und schaffen eine strategischere, breiter aufgestellte Partnerschaft. Damit reduzieren wir kritische Abhängigkeiten. Beide Länder sind dafür ideale Partner – dieser Start zeigt, dass wir es ernst meinen.“

handelsblatt.com, eqs-news.com, bundeswirtschaftsministerium.de

3 Kommentare

zu „Lithium-Gewinnung in Deutschland: Vulcan Energy mobilisiert 2,2 Milliarden Euro“
William Tahil
04.12.2025 um 12:08
Die Investitionskosten beliefen sich 2023 auf 1,5 Mrd. Euro, Ende 2024 auf 1,9 Mrd. Euro und liegen nun bei 2,2 Mrd. Euro. Bis zur Fertigstellung werden es 2,5 Mrd. Euro sein. Nach den neuesten Zahlen beträgt die Kapitalintensität 104.000 Euro pro Tonne LCE-Produktion. Wahrscheinlich das teuerste Projekt der Welt. Wenn sie 20 Jahre lang arbeiten können, sind das 5200 €/t LCE nur für die anfänglichen Investitionskosten, zuzüglich der laufenden Kapitalkosten, Zinsen und Betriebskosten von weiteren 5000 €/t LCE. Werden sie tatsächlich in der Lage sein, 11 Produktionsbohrungen in dem Gebiet zwischen Insheim und Landau durchzuführen? Mit einer Leistung von 32 MWe ist das Projekt dreimal so groß wie die derzeitige Gesamtgeothermiekapazität des Oberrheingrabens. Während des Betriebs sollte es besser keine Erdbeben geben, sonst wird das Projekt eingestellt. Dennoch ist die Unabhängigkeit von China von entscheidender Bedeutung, sodass Europa die Kosten schlucken muss, wenn es seine Automobilindustrie nicht verlieren will.Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
Daniel
07.12.2025 um 12:22
Rechnen scheint nicht Ihre Stärke zu sein...
Tristan Leichsenring
04.12.2025 um 15:19
Gute Hinterfragung. Da bedarf es sicher noch eines genaueren Hinschauens. Allerdings denke ich, dass dies die Investoren auch gemacht haben. Der Lithiumpreis dürfte wieder steigen, auch wenn er natürlich nie mehr die früheren Hochs erreichen wird. Bisher finde ich diese Art der Lithiumgewinnung trotzdem, auch außerhalb der für mich eher ideologischen CO2 Thematik, als die umweltfreundlichste Technik. Vor allem mit Blick auf die Vorhaben im Osterzgebirge oder global. Grüße v. Mineral Hunter

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