PEM arbeitet an Reservierungs-Tool für Wasserstoff-Tankstellen

In Deutschland gibt es nur wenige Dutzend Wasserstoff-Tankstellen – und obendrein fallen auch immer wieder welche aus oder werden abgebaut. Um die Zuverlässigkeit für Logistiker, die Brennstoffzellen-Lkw einsetzen wollen, zu erhöhen, arbeitet der PEM-Lehrstuhl der RWTH Aachen an einer Lösung.

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Wasserstoff-Tankstelle bei Leipzig
Bild: Florian Treiß

Der renommierte Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM), der von Prof. Achim Kampker geleitet wird, widmet sich im Forschungsprojekt „HyConnect“ der Entwicklung einer digitalen Plattform, die eine effiziente Nutzung bestehender und künftiger Wasserstoff-Infrastruktur ermöglicht. An dem Projekt beteiligen sich auch der Wasserstoff-Tankstellenbetreiber H2 Mobility, der Wasserstoff-Produzent und -Logistiker H2 Green Power & Logistics, der Logistik-Softwareanbieter Mansio sowie die Forschungsgruppe „Digital Supply Chain“ der Hochschule Offenburg.

Innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre will das vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt ein Tool entwickeln, das die Reservierung von Tankstellenkapazitäten sowie die komplette Zahlungsabwicklung ermöglichen, Transparenz und Planungssicherheit schaffen und dadurch den Markthochlauf von Wasserstofftechnologien unterstützen soll.

Eine der größten Herausforderungen für den Hochlauf von Wasserstoff-betriebenen Fahrzeugen ist bislang die mangelhafte Tankinfrastruktur. In Deutschland gibt es bislang nicht einmal hundert Wasserstoff-Tankstellen – vergangenes Jahr wurde sogar eine größere Anzahl geschlossen, wobei es sich dabei um nicht mehr zeitgemäße 700-bar-Tankstellen der ersten Generation handelte. Umgekehrt soll die Anzahl der Wasserstoff-Tankstellen in Europa im Rahmen der AFIR-Verordnung bis 2030 deutlich ausgebaut werden – vermutlich der letzte Hoffnungsschimmer für Logistiker, die auf Brennstoffzellen-Lkw setzen wollen.

„Die spärliche Infrastruktur und die geringen Vorhaltekapazitäten der Wasserstofftankstellen können bei Logistikbetrieben zeitraubende und kostspielige Umwege notwendig machen“, sagt PEM-Leiter Professor Achim Kampker. Auf der anderen Seite führe die noch geringe Zahl von Wasserstoff-Lkw zu Planungsunsicherheiten bei den Betreibern entsprechender Tankstellen, die diese in Form hoher Preise weitergäben. „Ein effizienter Datenaustausch zwischen IT-Systemen kann diese Effekte deutlich reduzieren, ist aber häufig nur durch individuell entwickelte und dadurch kostenintensive Tools im kleinen Umfang möglich“, erläutert PEMs Projektverantwortlicher Maximilian Bayerlein.

Die künftige Reservierungs- und Buchungsplattform von „HyConnect“ soll daher Daten zum Wasserstoffbedarf der Lkw-Flottenbetreiber mit Informationen zur Wasserstoffverfügbarkeit der Tankstellenbetreiber zusammenführen. Dies soll präzise Planungen ermöglichen und bei der Verhinderung von Versorgungsengpässen helfen.

Langfristig soll die Lösung den Marktanteil von Wasserstoff-Lkw steigern und Investitionen in die Infrastruktur anregen, indem sie die Risiken für alle Beteiligten minimiert. Dazu erarbeiten die Projektpartner Lösungen für die Preisbildung des Wasserstoffs und für eine KI-basierte universelle Datenschnittstelle.

pem.rwth-aachen.de

3 Kommentare

zu „PEM arbeitet an Reservierungs-Tool für Wasserstoff-Tankstellen“
Naomi Z.
12.01.2026 um 16:51
Das ist nun wirklich kein Hindernis beim Wasserstoff. Unter https://h2.live/ sieht man u.a. wann an Wasserstofftankstellen der letzte Tankvorgang erfolgt ist. Dort sieht man oft Informationen wie "Letzte Betankung an dieser Station: 4,27 kg vor mehr als 24 Stunden". Darüberhinaus ist die Wahrscheinlichkeit, dass 2 Fahrzeuge gleichzeitig an eine Säule wollen, prinzipbedingt geringer als bei Ladepunkten für batterieelktrische Fahrzeuge, da der Betankungsvorgang wesentlich schneller geht.
Marco.Z
12.01.2026 um 20:49
Es gibt Fördergelder abzugreifen. Der Sinn des Unterfangens ist deshalb egal.
klaus
12.01.2026 um 19:03
Nach Abschluss der zweieinhalbjährigen Emtwicklunggszeit für die Handy-App wird diese dann zeitgleich mit der Schliessung der letzten öffentlichen Wasserstofftankstelle fertig ...Wie wäre es nicht nicht stattdessen sinnvoller, ein Tool zu entwickeln, mit dem man eine Reservierung für ein Beratungsgespräch zum Kauf eines Atomreaktors online erledigen kann, statt wie bisher in den Siemens-Verkaufsniederlassungen eine Nummer ziehen zu müssen?

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