Haller Group meldet Marken-Comeback von Quantron und Pepper
Inhaber Andreas Haller will seine Gruppe neu erfinden – und endlich im Plattform-Business für E-Nutzfahrzeuge Erfolg haben. Dazu verfolgt er mit der gesamten Gruppe nun eine neue Geschäftsidee namens Fleet-Transformation-as-a-Service („FTaaS“). Haller schwebt vor, Kunden die Antriebswende im Betrieb quasi abzunehmen: Das neue Kernangebot der Gruppe „ermöglicht mit nur noch einem Ansprechpartner für alle Belange eine effiziente Integration nachhaltiger Mobilitätslösungen ins Unternehmen bei klarer Kostentransparenz und hoher Planbarkeit“, schreibt das Unternehmen in einer offiziellen Mitteilung zu seiner Neustrategie. Neben den Fahrzeugen und der Tank- bzw. Ladeinfrastruktur soll das Paket dabei KI-gesteuerte Abläufe, die Finanzierung und weitere Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg bündeln.
Die verschiedenen Bausteine der für die Kunden vorgesehenen Ökosysteme werden in neuen und bestehenden Units der Unternehmensgruppe erarbeitet. Dabei liegt der Fokus explizit neben Batterie-elektrischen Nutzfahrzeugen auch auf Brennstoffzellen-Fahrzeugen und entsprechender Infrastruktur. Dass in diesem Zuge die Marke Quantron wieder auftaucht, überrascht wenig, hatte Andreas Haller die Vermögenswerte aus der Insolvenz der Quantron AG doch mit Wirkung zum 1. April übernommen.
Umrüster Pepper ist neue Haller-Tochter
Aufhorchen lässt aber, dass auch die Marke Pepper nun zur Haller Group gehört. Der Umrüst-Spezialist ging 2024 insolvent und wurde anschließend an einen türkischen Investor verkauft. Offenbar nur ein kurzes Intermezzo. Wann genau Haller Pepper übernommen hat, geht aus der Mitteilung der Gersthofener zwar nicht hervor, doch in Vorbereitung auf die Neuausrichtung der Gruppe wird dies aller Wahrscheinlichkeit nach 2025 geschehen sein. Zumal Andreas Hager, ehemaliger Geschäftsführer und CEO der Pepper Motion GmbH, auf seinem Linkedin-Profil angibt, seit Oktober 2025 bei Haller angeheuert zu haben. Noch bis November 2025 war er parallel für Pepper aktiv. Hager wird in der aktuellen Pressenotiz als neuer CEO der Business Unit Quantron vorgestellt.
Die Haller Group selbst schreibt, dass die Integration von Quantron und die Übernahme von Pepper das Portfolio um zwei entscheidende Säulen erweitere: „das Angebot neuer wasserstoff- und batterieelektrischer Nutzfahrzeuge sowie die Umrüstung bestehender Flotten“. Ergänzt wird dieses Angebot durch Dienstleistungen in den Bereichen Energieinfrastruktur, digitale Lösungen sowie Finanz- und After-Sales-Services. Die einzelnen Unternehmenseinheiten benennt Haller wie folgt:
- Quantron – Emissionsfreie Lkw und Busse (Batterie und Wasserstoff)
- Pepper – Elektrische Antriebssysteme für Lkw und Busse zum Umrüsten (Batterie und Wasserstoff)
- Haller Technology – Energiespeicherlösungen und Infrastruktur
- Haller Service – Finanzdienstleistungen, Leasing, Versicherungen, Wartungs- und After-Sales-Lösungen
- Haller Defence – Spezialfahrzeuge und Sicherheitslösungen
- ROQIT – Digitale Plattformen, KI und vernetzte Dienste
Haller verspricht künftigen Kunden beim „FTaaS“-Angebot vor allem Planungssicherheit und effiziente Betriebsmodelle. Die Lösungen sollen auf „innovativen Leasing- und Servicekonzepten“ fußen, die beim Kunden Liquidität freisetzen – durch den Wegfall der hohen Anfangsinvestitionen und durch direkt wirksame, geringere TCO. Der Service-Bereich soll denn auch „die DNA der Haller Group darstellen“, wie es aus der Firmenzentrale heißt. Diese Unit (als Haller GmbH eingetragen) steht auch besonders in der Firmentradition und machte sich schon vor Jahrzehnten als Spezialist für Iveco-Nutzfahrzeuge und im weiteren Verlauf als Servicepartner für die Marken Iveco, Iveco Bus, Fiat Transporter, Fliegl Trailer und Quantron einen Namen.
Die Haller Group im Wandel der Zeit
Grundsätzlich baut Haller auf eine über 140 Jahre lange Firmengeschichte auf. Andreas Haller führt das 1882 gegründete Unternehmen in fünfter Generation. Ursprünglich in Augsburg beheimatet zog die seinerzeit auf den Verkauf und die Reparatur von Lastwagen und Landmaschinen fokussierte Firma 1962 in den Neubau in Gersthofen. Unter Peter Haller wurde der Betrieb in vierter Generation zur besagten professionellen Nutzfahrzeugwerkstatt für Iveco und Fiat Professional umgebaut. Andreas Haller übernahm 2001 das Ruder, nahm u.a. Busse in das Portfolio auf und gründete außerhalb der Haller Group 2019 mit der Quantron AG einen Systemintegrator für E-Nutzfahrzeuge. 2022 entstand parallel innerhalb der Gruppe die Haller Technology GmbH als Spezialist für Batterielösungen, Speichersysteme und weitere eMobility-Komponenten. Nun folgt also die Neu-Positionierung des Traditionsunternehmens mit Fokus auf Zero-Emission-Plattformlösungen.
„Mit mehr als 140 Jahren Erfahrung aus fünf Generationen der Familie Haller gestaltet die Haller Group die Zukunft der Mobilität im Nutzfahrzeugbusiness: nachhaltig, digital und global, getragen von Innovationskraft und Unternehmergeist“, schreibt das Unternehmen mit einer Extra-Portion Pathos. Andreas Haller selbst lässt sich wie folgt zitieren: „Wir stehen in der Verantwortung gegenüber kommenden Generationen, Lösungen zu schaffen, die echte Wirkung entfalten: saubere Luft in unseren Städten, nachhaltige Industrie, neue Arbeitsplätze in der Green Economy und wirtschaftliche Chancen für ganze Regionen. Mit der neuen Aufstellung sind wir bestens für starkes internationales Wachstum positioniert.“
Andreas Hager, wie erwähnt nun CEO der Business Unit Quantron, ergänzt: „Ich bin begeistert von dem, was bei Quantron in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde – ein starkes Fundament aus Leidenschaft, Innovationskraft und klarer Mission. Mit der Integration von Pepper kommen zusätzliche Kompetenzen hinzu, die uns noch schlagkräftiger machen, von Neufahrzeugen bis zur Umrüstung kompletter Flotten. Quantron und Pepper gemeinsam sind die perfekte Symbiose aus Vision, Geschwindigkeit und Wirkung.“
Geschäft soll „Asset-Light“ bleiben
Die Haller Group sei mit Projekten und Partnerschaften in Europa, dem Nahen Osten, Nordamerika und Asien international aktiv, teilt das Management weiter mit. Ihr „Asset-Light“-Geschäftsmodell ermögliche es, global zu agieren und gleichzeitig regional flexibel, partnerschaftlich und effizient zu handeln. „Asset Light“ beschreibt einen Ansatz, bei dem Unternehmen ihr Anlagevermögen schlank halten und eher als Integrator bzw. Lizenznehmer agieren. Und der Gruppen-Chef wäre wohl nicht Andreas Haller, wenn er nicht mit amtlichen Ambitionen antreten würde: Die Übernahme von Pepper untermauere die Bestrebungen der Haller Group, „zum weltweit größten Anbieter von Fleet-Transformation-as-a-Service zu werden“, heißt es in der uns vorliegenden Mitteilung.
Dabei ist Haller bei Quantron mit einem ähnlichen „As-a-Service“-Ansatz schon einmal gescheitert. Wir erinnern uns: Quantron verortete sich in seiner Startup-Phase ab 2019 in der Umrüstbranche, wandelte sich aber schnell zu einem Systemintegrator mit auch international rasant wachsenden Ambitionen. Immer häufiger wiederholte die Leitung damals, dass Quantron kein OEM werden wolle, sondern ein Plattformanbieter im Bereich von E-Nutzfahrzeugen. Das Geschäftsmodell basierte also stets weniger auf der Produktion und dem Verkauf von E-Trucks, sondern auf dem Betrieb eines Ökosystems. Doch bei der Finanzierung dieses Geschäftsmodells gab es zunehmend Probleme, 2024 spitzte sich die Lage enorm zu. Ende Oktober 2024 musste Quantron Insolvenz anmelden, nachdem eine Finanzierungsrunde geplatzt war. Das daraufhin vorläufige Insolvenzverfahren mündete zum Jahreswechsel 2024/25 in ein reguläres Verfahren. Von den im Oktober 2024 noch über 100 Mitarbeitenden blieb daraufhin nur noch ein Kernteam übrig.
Haller kaufte Quantron 2025 selbst aus der Insolvenz
Am Leben hielt das Unternehmen schließlich Andreas Haller selbst. Zum 1. April 2025 wurden die verbliebenen Quantron-Wirtschaftsgüter und die auf 35 Mitarbeiter geschrumpfte Belegschaft von der Andreas Haller Holding GmbH übernommen – im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Die Quantron AG war damit Geschichte, das Unternehmen ging in der neuen Gesellschaft auf, die wiederum auch die Haller Group überspannt. Der einstige Gründer kaufte Quantron sozusagen neu. Die Marke Quantron blieb bestehen – allerdings bis zum heutigen Tag ohne offizielle Neuigkeiten.
Andreas Haller, der im Herbst 2024 einen schweren Herzinfarkt publik machte, koppelte sein eigenes Comeback derweil an das von Quantron („das Herzstück meines beruflichen Lebens“). Auf Linkedin postete er zum 1. April 2025 ein emotionales Statement. Ein Auszug: „In den dunkelsten Stunden – sowohl persönlich als auch beruflich – schöpfte ich Kraft aus meinen Wurzeln. Ich komme aus einem Familienunternehmen, das ich mit Stolz in der fünften Generation führe. Ein Unternehmen, das zwei Weltkriege überlebt hat. Und daraus habe ich vor allem eines gelernt: Man darf niemals aufgeben. Dieser Glaube hat mich durchgebracht. Er hat uns alle getragen. Und heute kann ich mit tiefer Ergriffenheit sagen: Wir haben es geschafft. Quantron ist frei. Die Insolvenz ist vorbei. Wir sind lebendig. Wir sind zurück.“
Der Werdegang von Pepper Motion
Und Pepper? Dass mit Andreas Hager nun der ehemalige Pepper-Chef bei Quantron das Sagen hat, zeigt die enge, personelle Verzahnung beider ehemaliger Insolvenz-Firmen. Mit Quantron gemeinsam hat Pepper dabei auch das Gründungsjahr 2019. Unter der Bezeichnung Pepper Motion ackerte sich der Denkendorfer Betrieb zuvor in der Umrüstbranche ab. Zuletzt hatte sich Pepper Motion dabei auf emissionsfreie Antriebskits für neue und bestehende Nutzfahrzeuge spezialisiert, also auf Batterie-elektrische Antriebe zum Einbau in Busse und Lkw – sowie auf (in einer ersten Kleinserie hergestellte) Brennstoffzellen-Antriebssysteme.
Nach mehreren Strategieschwenks erhielten wir die letzte offizielle News des deutschen Elektro-Umrüsters im November 2023. Seinerzeit verkündete Pepper Motion, den Aufbau einer großen Produktionsstätte in Indien zu planen. Nur wenige Wochen zuvor hatte Pepper Motion angekündigt, seinen Geschäftskern ändern zu wollen: Nachdem die Firma im Mai 2023 bereits den Fokus vom deutschen ÖPNV zu mehr Kunden im Ausland und zu mehr Lkw-Aufträgen verlagert hatte, beendeten die Denkendorfer im Herbst 2023 ihr Endkundengeschäft gänzlich, um zum reinen Technologielieferant zu werden. Dazu wurde schon seinerzeit die Belegschaft „verschlankt“. Begründet wurde dieser Schritt mit „der laufenden Dynamik im Nutzfahrzeugmarkt“. Pepper Motion stoppte in diesem Zuge die eigene Umrüstung von Bussen und Lkw ebenso wie die Entwicklung komplett eigener Fahrzeuge. Das Unternehmen bezeichnete sich seitdem selbst als „Systemlieferant und strategischer Partner in der Entwicklung für Hersteller, Umrüster und Sonderfahrzeugbauer“.
Im Sommer 2023 erklärte der damalige Pepper-Motion-CEO Andreas Hager im electrive-Interview noch den Strategiewechsel – und sprach mit uns auch über die Herausforderungen in der Branche. Er bemängelte beispielsweise „die in Deutschland nur zögerlich angegangene Elektrifizierung“. Heute wissen wir: Die Umstrukturierungen halfen nicht. Im Februar 2024 musste Pepper Motion Insolvenz anmelden. Den entsprechenden Antrag stellte der Betrieb beim Amtsgericht Ingolstadt. Offiziell geriet die Firma „aufgrund einer gedämpften Kundennachfrage in den Kernbereichen E-Busse und Lkw in finanzielle Schwierigkeiten“, wie der Insolvenzverwalter damals mitteilte. Mitte 2024 griff dann ein namentlich nicht genannter, türkischer Investor zu. Seitdem war es um Pepper Motion ruhig geworden. Bis jetzt: Nun mischt Pepper als neue Haller-Tochter wieder mit.





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