Nur noch rund 50 öffentliche Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland
Auch wenn Deutschland und die EU im Sinne der umstrittenen „Technologieoffenheit“ weiter an Wasserstoff und der Brennstoffzelle im Verkehrssektor festhalten: Von einem Boom von Fahrzeugen, die das nur sehr aufwändig herzustellende Gas nutzen, kann nicht die Rede sein. Das macht sich auch im Tankstellennetz bemerkbar: Gab es in Deutschland noch vor zwei Jahren rund 80 Wasserstoff-Tankstellen, ist die Anzahl mittlerweile auf 50 Standorte geschrumpft, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Das geht aus Daten von H2 Mobility hervor, einem Betreiber solcher Tankstellen, der auf seiner Website H2.live aber auch die Standorte anderer Anbieter listet.
Dabei ist das Segment in einem Umbruch: Im Pkw-Bereich konnte sich die Brennstoffzelle bislang nicht durchsetzen und es gibt mit dem Hyundai Nexo und dem Toyota Mirai gibt es nur zwei Modelle auf dem deutschen Markt – und die sind keine Verkaufsschlager: Im gesamten Jahr 2025 hat das Kraftfahrt-Bundesamt nur 49 neue Brennstoffzellenautos (FCEV) registriert, 69 Prozent weniger als 2024. Man muss es wohl geradezu schon trotzig nennen, dass BMW unbeirrt daran festhält, 2028 einen BMX X5 mit Brennstoffzelle herausbringen zu wollen.
Überhaupt, BMW: Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet der Konzern mit dem höchsten Elektroautoanteil in Deutschland offenbar der Bundesregierung den Floh der „Technologieoffenheit“ ins Ohr gesetzt hat, siehe auch die Diskussion um das „Verbrenner-Aus“. Und so lassen Bund und Bayern nun auch 273 Millionen Euro an Fördermitteln für die Entwicklung eines Brennstoffzellen-Antriebsstrangs springen.
Doch ob der BMW X5 mit Brennstoffzelle dann auch wirklich ein passenden Tankstellennetz vorfinden wird, ist fraglich. Denn gerade H2 Mobility als mit Abstand größter Betreiber von Wasserstoff-Tankstellen legt den Fokus seit einigen Jahren auf Nutzfahrzeugen. So sind zuletzt die älteren H2-Tankstellen mit der für Pkw erforderlichen 700-bar-Technik reihenweise vom Netz gegangen, während sich das Unternehmen nun auf neue 350-bar-Tankstellen für Lkw und Busse konzentriert. Hier gab es zuletzt auch Neueröffnungen, und zwar in Düsseldorf und Ludwigshafen, von H2 Mobility jeweils die Druckstufen 350 bar und 700 bar anbietet und somit sowohl für Nutzfahrzeuge als auch Pkw mit Brennstoffzelle offen stehen. Aktuell haben 13 Tankstellen in Deutschland nur 700 bar im Angebot, 35 bieten beide Varianten an und zwei geben ausschließlich 350-bar-Wasserstoff ab.
Interessant ist, dass vereinzelt auch private Wasserstoff-Tankstellen eröffnet werden, zuletzt von den Stadtreinigungen in Freiburg und in Leipzig, die sich jeweils einige Müllfahrzeuge mit Brennstoffzelle zugelegt haben. Allerdings muss man hier wie bei vielen anderen Wasserstoff-Projekten (Stichwort: BMW) auch fragen: Würde dies überhaupt so umgesetzt werden, wenn es keine Fördermittel dafür geben würde? Denn in Freiburg flossen rund 8 Millionen Euro und in Leipzig sogar 11,73 Millionen Euro für die Projekte.
Übrigens ist Deutschland nicht allein mit dem Schwund der Wasserstofftankstellen: In Österreich hat der Betreiber OMV vergangenes Jahr alle fünf Standorte dichtgemacht – weil sie sich wirtschaftlich nicht betreiben lassen. Zugleich stehen beide Länder wie alle anderen EU-Staaten auch aber unter politischem Druck: Laut der AFIR-Regelung der Europäischen Union müssen Mitgliedstaaten bis 2030 sicherstellen, dass in allen relevanten urbanen Knotenpunkten mindestens eine öffentlich zugängliche H2-Tankstelle existiert. Zudem muss entlang des TEN-V-Kernnetzes mindestens alle 200 km eine H2-Tankstelle verfügbar sein. Beim TEN-V-Kernnetz handelt es sich um wichtige Autobahnstrecken wie z.B. die A2 von Berlin nach Dortmund oder die A9 von Berlin nach München.





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