Renault will ab 2028 elektrischen Scénic und Rafale in Spanien bauen
Dass Renault mit Spanien als Produktionsstandort für einige seiner Elektro-Pkw liebäugelt, war in den vergangenen Monaten schon durchgesickert. Nun nannte Josep María Recasens Details dazu. Der Präsident der Renault Group Spanien hat laut spanischen Medien den Industrieplan seines Unternehmens bei Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften vorgestellt. Dabei bestätigte Recasens, dass drei neue Modelle für das Werk in Palencia vorgesehen sind, darunter zwei rein elektrische Modelle und eine Range-Extender-Version. Voraussetzung für die Umsetzung des Plans ist allerdings eine Einigung mit den Gewerkschaften, die noch aussteht.
Klar ist: In Palencia bauen die Franzosen bisher Modelle der Kompakt- und Mittelklasse, jedoch maximal Plug-in-Hybride. Konkret laufen dort der Renault Austral, Espace und Rafale vom Band. Eröffnet hat der Hersteller das spanische Werk bereits 1978. Auch zu den für Palencia vorgesehenen elektrifizierten Modellen selbst nennt Renault Spanien Eckpunkte: La Tribuna de Automoción schreibt, dass es sich im Einzelnen um die zweite Generation des Scenic E-Tech, den elektrischen Nachfolger des Rafale und eine Version des Scénic mit Reichweitenverlängerer handelt. Diese Modelle sollen ab 2028 auf der neuen Plattform namens RGEV Medium 2.0 hergestellt werden, die der Renault-Konzern vor zwei Wochen in seinem Strategieplan FutuREady vorgestellt hat.
Zur Einordnung: Im Unterschied zu den aktuellen E-Plattformen von Renault handelt es sich bei der RGEV Medium 2.0 um eine 800-Volt-Architektur, auf der Fahrzeuge vom B+- bis zum D-Segment basieren sollen. Die Plattform wird laut den Franzossen so flexibel sein, dass sie alle Karosserieformen unterstützt – von der Limousine über SUV bis hin zu Vans/MPV. Außerdem gab Renault vor zwei Wochen bekannt, dass die Plattform bis 2030 „superschnelles Laden in nur zehn Minuten“ ermöglichen soll.
Mit Blick auf die Batterie der RGEV Medium 2.0 ist von einer Cell-to-Body-Architektur mit einer Füllrate von 70 Prozent die Rede. Das Batteriepack soll so mit 20 Prozent weniger Bauteilen auskommen und mit prismatischen Zellen, Blade-Zellen und Pouch-Zellen kompatibel sein – letzteres ist für Cell-to-Body-Konzepte höchst ungewöhnlich. Welchen Energiegehalt Renault mit solchen Batteriepacks anstrebt, ist noch offen. Die Reichweite soll aber bei bis zu 750 Kilometern nach WLTP liegen – in den reinen Elektroversionen. Die Plattform soll zudem Range-Extender-Antriebe ermöglichen, die dann auf bis zu 1.400 Kilometer Reichweite bei Emissionen von weniger als 25 Gramm CO2 pro Kilometer kommen sollen. So erklärt sich, dass offenbar auch der Scénic mit Reichweitenverlängerer auf der RGEV Medium 2.0 aufbaut.
Wenn diese Pkw ab 2028 in Palencia vom Band laufen, werden sie laut den spanischen Medien die ersten Vertreter der neuen Plattform sein. Und: Bestätigt sich der Zeitplan, wird der aktuelle Scénic recht schnell ersetzt. Denn die erste Generation führten die Franzosen 2024 ein. Stand jetzt, wird diese also nach vier Jahren abgelöst.
Aktuell noch kommen die Elektroautos von Renault noch allesamt aus dem 2021 gegründeten Produktionsverbund ElectriCity, der die nordfranzösischen Werke Douai, Maubeuge und Ruitz zusammenfasst. Bei Maubeuge handelt es sich um das Kompetenzzentrum für leichte Nutzfahrzeuge wie etwa den Renault Kangoo, während die elektrischen Pkw-Modelle wie der Renault 4, Renault 5 und Scenic E-Tech aus Douai kommen. Der Renault Twingo E-Tech wird hingegen bald in Novo Mesto in Slowenien gebaut werden – die rein französische Elektroauto-Fertigung von Renault ist also ohnehin bald Geschichte.
Francois Provost hat im vergangenen Jahr den CEO-Posten vom langjährigen Renault-Chef Luca de Meo übernommen und stellt seitdem die strategischen Weichen im Konzern neu. Die teuren und unter de Meo ausgeweiteten Motorsport-Aktivitäten der Marke Alpine hat Provost bereits gekürzt und die von seinem Vorgänger ausgelagerte Elektroauto-Sparte Ampere will Provost offenbar komplett zurück in den Konzern holen. Im Dezember stoppte er das Carsharing-Geschäft von Mobilize und holte die bis dahin ebenfalls eigenständige Einheit mit ihren restlichen Aktivitäten zurück in den Konzern.
Auch bei dem Joint Venture für vernetzte E-Transporter namens Flexis (zusammen mit der Volvo Group und dem Logistiker CMA CGM) steht offenbar eine Änderung an – Renault soll Berichten zufolge die Aktivitäten komplett übernehmen wollen. Gegründet wurde Flexis ebenfalls noch in der Zeit von Luca de Meo.
forococheselectricos.com, latribunadeautomocion.es





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