Batterie-Recycling: Tozero eröffnet Demoanlage in Oberbayern

Das auf das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien spezialisierte Münchner Startup Tozero hat seine erste Demonstrationsanlage im industriellen Maßstab eröffnet. Die Anlage im oberbayerischen Chemiepark Gendorf soll gut 500 Tonnen Batterieabfälle pro Jahr verarbeiten können.

Tozero graphit recycling
Bild: Tozero

Vergangenes Jahr hatte Tozero einen Mietvertrag für ein bestehendes Gebäude im Chemiepark Gendorf unterzeichnet, nun hat das Startup seine dortigen Umbaumaßnahmen abgeschlossen und meldet die Einweihung seiner ersten Demonstrationsanlage. Der Standort liegt nur wenige Kilometer von der deutsch-österreichischen Grenze entfernt. „In weniger als vier Jahren hat sich Tozero vom Labor zum Industrieunternehmen entwickelt“, frohlocken die Verantwortlichen in einer uns per E-Mail vorliegenden Pressemitteilung.

Die Anlage kann laut Tozero jährlich 500 Tonnen Batterieabfälle verarbeiten und dabei über 100 Tonnen hochreines Lithiumcarbonat recyceln. Außerdem sollen vor Ort auch Graphit und eine „Mischung aus Nickel- und Kobaltverbindungen“ im industriellen Maßstab zurückgewonnen werden. Die Gendorfer Anlage wird laut Tozero zudem als Blaupause für eine vollwertige kommerzielle Anlage dienen, für die dem Unternehmen eine Kapazität von 45.000 Tonnen Batterieabfällen pro Jahr vorschwebt. Solch einen Standort wollen die Münchner bis 2030 realisieren.

Zum Hintergrund: Tozero wurde 2022 gegründet und hat ein Verfahren entwickelt, um hochreines Lithium und Graphit aus Altbatterien effizient zu gewinnen. Konkret sollen es über 80 Prozent des Lithiums aus Altbatterien sein, was die EU-Vorgaben für 2031 schon heute erfüllt. Tozero ist dabei auf die Verarbeitung der sogenannten schwarzen Masse mit den wertvollen Batterie-Aktivmaterialien spezialisiert und übernimmt nicht die mechanische Verarbeitung ganzer Altbatterien. Die Zerlegung und Aufarbeitung der Batterien wird an „spezialisierte Partner“ ausgelagert. Damit minimiere Tozero „Sicherheitsrisiken, senkt Logistikkosten und erhöht die Flexibilität und Skalierbarkeit seines Recyclingprozesses“.

Tozero hat bereits 2024 erste Chargen an recyceltem Material an europäische Kunden ausgeliefert. Dieses Lithium wurde aber noch im kleinen Maßstab aus den Pilot-Anlagen in München gewonnen. Mit der Demonstrationsanlage in Gendorf soll der Output im erwähnten Umfang steigen. Stand Mitte 2025 beschäftigte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus zehn Nationen am Standort München. Wie viele davon in Gendorf arbeiten, ist nicht bekannt – es ist aber eine Investition „im mittleren einstelligen Millionenbereich“ in dem Industriepark erfolgt.

Das Unternehmen vergrößert unterdessen sein Netzwerk und arbeitet nach eigenen Angaben inzwischen mit Partnern in zehn europäischen Ländern zusammen. Das recycelte Lithiumcarbonat, das Graphit und die Nickel-Kobalt-Mischungen wird dabei zurzeit an Unternehmen aus den Bereichen Bauwesen, Keramik und Schmierstoffe weiterverkauft. Weitere Rohstoffe und Branchen sollen laut Tozero folgen.

„Europa verfügt noch nicht über die kritischen Rohstoffe, die es benötigt, um seine eigene Energiewende und Batterieindustrie aufzubauen und zu skalieren“, kommentiert Sarah Fleischer, Mitbegründerin und CEO von Tozero. „Unsere Technologie, die nun um das 25.000-Fache skaliert wurde, ändert dies, indem sie es uns ermöglicht, Altbatterien zu recyceln und diese Materialien erstmals im industriellen Maßstab zu gewinnen. […] Wir beweisen immer wieder, dass Recycling nicht nur ein Pilotprojekt ist – es lässt sich in einem Umfang realisieren, der Europa eine eigene, kreislaufwirtschaftliche Versorgung mit kritischen Materialien sichert, auf denen seine Zukunft basiert.“

Quelle: Infos per E-Mail

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