Masterplan: Frankreich strebt 30.000 Schnelllader für Pkw und Lkw an
Der nun präsentierte Strategieplan bezieht sich auf das im staatlichen Eigentum befindliche Straßennetz Frankreichs. Dieses macht zwar nur rund zwei Prozent aller Straßenkilometer im Land aus, vereint laut der französischen Regierung aber ein Drittel des Verkehrsaufkommens und einen Großteil der Langstreckenfahrten auf sich. Konkret besteht das sogenannte „Réseau routier national“ aus etwa 20.000 Kilometern Autobahn und Bundesstraßen.
Innerhalb dieses Netzes stehen zurzeit rund 4.500 Ladepunkte zur Verfügung, die sich auf gut 420 Raststätten verteilen. Ergänzt wird dieses Angebot durch „fast 7.500 Schnellladepunkte, die sich in der Nähe der Hauptverkehrsachsen des nicht-konzessionierten Netzes befinden“, wie es in einer Mitteilung des französischen Verkehrsministers heißt.
Bis zum Jahr 2035 soll das Ladenetz nun auf rund 22.000 Pkw-Schnellladepunkte mit 150 kW Leistung wachsen – verteilt auf fast 900 Rast- und Serviceplätze. „Das entspricht einer Verfünffachung des Bestands innerhalb von zehn Jahren“, betonen die Verantwortlichen. Außerdem wird der Ausbau schneller: Das Verkehrsministerium spricht von einer doppelten Geschwindigkeit im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren.
Darüber hinaus plant die französische Regierung die Errichtung des ersten großflächigen Ladenetzes für E-Lkw: Bis 2035 sollen etwa 8.000 Ladepunkte für Elektro-Trucks an fast 560 Rast- und Servicestätten entstehen. Diese werden laut Ministerienangaben 400 kW oder mehr als 800 kW Leistung mit einer für Langzeitparkplätze geeigneten Ladegelegenheit („Ladestationen mit etwa 100 kW“) kombinieren.
In Gänze soll die an den Autobahn-Raststätten verfügbare Leistung kumuliert auf etwa 2,8 Gigawatt für Pkw und 1,6 Gigawatt für Lkw erhöht werden. Die Strategie ist dabei das Ergebnis einer engen Abstimmung mit allen Beteiligten, darunter den interministeriellen Straßenbehörden, den Autobahnbetreibern, Stromnetzbetreibern, CPOs (Charging Point Operators) und Verbänden. Im Masterplan werden konkret die Etappenziele bis 2027, 2030 und 2035 fixiert, außerdem gibt es weitere Kapitel, die den Netzanschlüssen und der Neugestaltung der Rast- und Serviceplätze gewidmet sind.
Auch zur Servicequalität und zum Zugang zu den Ladestationen macht das Papier Vorgaben, darunter die erforderliche Interoperabilität aller Ladestationen – „sowohl hinsichtlich des Anschlusses des Fahrzeugs an die Ladestation als auch hinsichtlich der Zahlungsmodalitäten für Abonnenten“, wie es heißt. Außerdem müssen Nutzer den Ladetarifs pro Kilowattstunde vor Ort angezeigt bekommen und garantiert mit Kreditkarte zahlen können.
„Der Durchbruch des Elektrofahrzeugs hängt von einem Ladestellennetz ab, das den Anforderungen gerecht wird und jedem Nutzer sorgenfreie Fahrten garantiert, auch auf Mittel- und Langstrecken“, betont Verkehrsminister Philippe Tabarot. „Dies ist das Ziel dieser Strategie […]. Sie läutet zudem eine neue Ära ein, indem sie den massiven Ausbau der ersten speziellen Ladeinfrastrukturen für Lkw einleitet […]. Mehr Ladestationen, mehr Geschwindigkeit, mehr Servicequalität: Das ist das Versprechen, das wir den Verkehrsteilnehmern geben.“
Der Masterplan markiert in den Augen der Regierung eine Beschleunigung der im Wesentlichen seit 2021 angestoßenen Maßnahmen. Seinerzeit umfasste das Ladenetz an Frankreichs Hauptverkehrsachsen nur wenige hundert Ladepunkte. Inzwischen ist es im konzessionierten Teil des „Réseau routier national“ auf die eingangs genannten 4.500 Einheiten gewachsen. „Dieser Ausbaustandard ermöglichte es, den Bedarf auch bei Verkehrsspitzen, insbesondere im Sommer 2025, zu decken. Er muss jedoch ausgebaut werden, um mit dem Wachstum der Elektrofahrzeugflotte Schritt zu halten, die mittlerweile auch für Langstreckenfahrten geeignet ist“, so Verkehrsminister Tabarot. Mit dem nun initiierten neuen Programm verschaffe sich Frankreich die Mittel, um zu den fortschrittlichsten Ländern Europas im Bereich der Ladestationen für Langstrecken zu gehören.
Zumal die aktuelle französische Regierung anstrebt, dass bis 2030 zwei von drei Neuwagen Elektroautos sein sollen. Diese Ambition untermauert der Staat mit einer seit Jahren praktizierten Förderpolitik. Erst vergangene Woche kündigte das Land die dritte Runde seines Sozialleasing-Programms sowie eine neue E-Auto-Förderung für die Mittelschicht an.
ecologie.gouv.fr (auf Französisch), ecologie.gouv.fr (Masterplan für Ladeinfrastruktur, PDF)





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