Vulcan Energy holt Siemens als Tech-Partner und Investor an Bord
Siemens und Vulcan Energy haben eine Rahmenvereinbarung für das sogenannte Lionheart-Projekt zur Gewinnung von Lithium und erneuerbaren Energien im Oberrheingraben geschlossen. Siemens Financial Services wird in diesem Zuge als Minderheitsinvestor zu einem Konsortium aus strategischen Investoren wie Hochtief und Demea Sustainable Investment hinzustoßen. Und beide Seiten haben on top eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach Siemens bis 2035 bevorzugter Lieferant von Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologie für Vulcan Energy sein wird. Wobei „die Präferenz für Siemens über ,Lionheart‘ hinausgehen und weitere Entwicklungsphasen umfassen wird“, wie es in einer begleitenden Mitteilung heißt.
Worum geht’s? Vulcan ist ein deutsch-australisches Unternehmen und will im Zuge seines sogenannten Lionheart-Projekts Lithium aus geothermischer Sole gewinnen und so eine lokale Quelle für nachhaltiges Lithium in Europa schaffen. Die kombinierte Geothermie- und Lithium-Ressource von Vulcan ist die größte in Europa, wobei sich die Lizenzgebiete auf das Oberrheintal in Deutschland konzentrieren. Im Februar 2023 hatte Vulcan die Ergebnisse einer endgültigen Machbarkeitsstudie für die erste Phase seines Lithium-Projekts bekannt gegeben, wonach Vulcan zunächst 24.000 Tonnen Lithiumhydroxidmonohydrat (LHM) pro Jahr herstellen will. Diese geplante Fördermenge hat weiter Bestand und soll mit einer kürzlich endgültig festgezurrten Finanzierung in Höhe von 2,2 Milliarden Euro realisiert werden. Das Volumen soll „für die Produktion von ca. 500.000 Batterien für Elektrofahrzeuge pro Jahr reichen“, teilte Vulcan in einem früheren Statement mit.
Das LHM in Batteriequalität entsteht dabei in einem mehrstufigen Prozess aus Lithiumchlorid, wobei in Landau die Gewinnung und in Frankfurt-Höchst die Verarbeitung des Rohstoffs erfolgen soll. An beiden Standorten betreibt Vulcan bereits Testanlagen, die nun im Maßstab 1:50 als Vorlage für die Errichtung der eigentlichen kommerziellen Anlagen dienen sollen. Für beide großen Einrichtungen hat das Unternehmen im September 2025 bzw. November 2025 bereits die Baugenehmigungen erhalten. Das Wirtschaftsministerium teilte kurz darauf mit, dass „die Bauarbeiten bereits laufen“ und das Unternehmen mit der kommerziellen Produktion zweieinhalb Jahre nach dem Beginn der Arbeiten starten will – also 2028.
Die Abnehmer des Lithiums aus der ersten Projektphase stehen unterdessen schon fest. Entsprechende Verträge gibt es mit Umicore, LG Energy Solution, Stellantis und Glencore. LG Energy Solution soll über sechs Jahre 31.000 Tonnen LHM erhalten. Mit Umicore sind ebenfalls über sechs Jahre 23.000 Tonnen vereinbart. Stellantis sind vertraglich 128.000 Tonnen LHM über zehn Jahre zugesichert. Glencore erhält seinerseits 36.000 bis 44.000 über acht Jahre.
So weit, so bekannt. Nun meldet Vulcan also eine enge Partnerschaft mit Siemens. Die Vereinbarung konzentriert sich dabei auf zwei zentrale Technologiebereiche: „Sie ermöglicht umfassende Automatisierungs- und Digitalisierungsfunktionen durch die Bereitstellung durchgängiger Projektlösungen aus dem Siemens Xcelerator-Portfolio – darunter fortschrittliche Messtechnik, dezentrale Steuerungssysteme, Digital-Twin-Technologie, industrielle Netzwerke, IT-Sicherheit und Analytik, die einen integrierten Betrieb ermöglichen – von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Endproduktion. Darüber hinaus sollen intelligente Infrastrukturlösungen aus dem gesamten Gebäudeportfolio von Siemens zum Einsatz kommen“, teilt Siemens mit.
Siemens soll wie eingangs erwähnt zudem zur Finanzierung des Projekts beitragen. Nach Abschluss der Transaktion wird die Finanzdienstleistssparte des Konzerns als Investor aktiv. Zudem wurde mit Unterstützung der Siemens Financial Services eine zusätzliche Finanzierung mit dem dänischen Export- und Investitionsfonds (EIFO) vereinbart, heißt es. Konkrete Summen werden in den aktuellen Mitteilungen nicht genannt. Aber schon bei Bekanntgabe des Gesamt-Finanzierungsdeals über 2,2 Milliarden Euro im Dezember nannte Vulcan Energy als einen der Finanzierungs-Posten die 133-Millionen-Euro-Investition „eines Konsortiums strategischer Investoren, bestehend aus Siemens, Demeter und Hochtief, zum Erwerb einer 15-prozentigen Vorzugsbeteiligung an der Projektgesellschaft VER GEO LIO GmbH [der Projektgesellschaft für Phase Eins von Vulcan]“, wie es im O-Ton hieß.
Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, bekräftigt: „Als strategischer Investor und wichtiger Technologiepartner unterstützen wir Vulcan Energy dabei, Europas erste große, nachhaltige Lithiumquelle zu erschließen. Von modernster Automatisierung und Digitalisierung bis hin zu intelligenten Gebäudelösungen tragen wir mit unserer Technologie dazu bei, die Produktion schneller hochzufahren – ein entscheidender Faktor für eine lokale Lithiumversorgung im Zuge der Energiewende sowie für eine wettbewerbsfähigere, resilientere und nachhaltigere europäische Industrie. Unsere Partnerschaft ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit im Einklang mit der Initiative Made for Germany gestärkt werden können.“
„Die Vereinbarung spiegelt die zunehmende Stärke unserer Zusammenarbeit mit Siemens wider und unterstreicht unser Vertrauen in die erfolgreiche Umsetzung der Ziele des ‚Lionheart‘-Projekts von Vulcan. Die Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt, um künftige Wachstumschancen zu erschließen, während wir unseren Weg zur Dekarbonisierung der europäischen Batterie-Lieferkette weiter fortsetzen“, ergänzt Cris Moreno, Geschäftsführer und CEO von Vulcan.





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