VWs Elektro-Offensive in China nimmt Form an

Im Vorfeld der Auto China 2026 hat die Volkswagen Group vier vollelektrische Weltpremieren enthüllt. Davon werden aber nicht alle unter der Marke VW auf den Markt kommen – und nicht in allen Modellen steckt nur VW-Technik.

Volkswagen group night auto china
Bild: Volkswagen

Bei den Premieren handelt es sich um die gemeinsam mit Xpeng innerhalb von 24 Monaten entwickelte Limousine ID. UNYX 09, das Mittelklasse-SUV ID. AURA T6 von FAW-Volkswagen, das Showcar JETTA X für das Einstiegssegment sowie das Exterieur-Design des zweiten Serienfahrzeugs der China-exklusiven Marke AUDI, des E7X. Zudem hat der Konzern noch den bereits bekannten Audi A6L e-tron, also die China-spezifische Langversion des elektrischen A6, auf die Bühne gerollt.

Die bei der Group Media Night im Vorfeld der Automesse präsentierten Fahrzeuge und Studien sind Teil der „bislang größten Produktoffensive in China für China“, wie es die Wolfsburger ausdrücken. Alleine im laufenden Jahr sollen mehr als 20 neue elektrifizierte Modelle auf den dortigen Markt kommen, bis 2030 sollen es laut der Ankündigung 50 Modelle werden.

Blicken wir kurz auf die Premieren im Einzelnen: Beim ID. UNYX 09 handelt es sich offiziell noch um eine seriennahe Studie, nicht die finale Serienversion – die Unterschiede bei Hardware und Design dürften aber eher gering ausfallen. Wie schon das E-SUV ID. UNYX 08, welches sich an der Technik des Xpeng G9 bedient hat (inklusive der Xpeng-eigenen Turing-AI-Chips für KI-Anwendungen), greift auch die fünf Meter lange Limousine von Volkswagen Anhui auf die Technologie des chinesischen Partners zurück. Das Modell vereine „modernste intelligente Technologien, darunter ein fortschrittliches L2++-Fahrerassistenzsystem, Hochleistungsrechner und einen intuitiven KI-Assistenten“, preist VW die Limousine an. Dass der ID. UNYX 09 elektrisch angetrieben wird, erwähnt der Konzern nur am Rande.

Wie auch der ID. UNYX 09 wird auch der ID. AURA T6 unter der Marke VW auf den chinesischen Markt kommen – und auch hier gibt das aus Europa bekannte Kürzel „ID.“ an, dass es ein rein elektrischer VW ist. Der ID. AURA T6 stammt vom Joint Venture FAW-Volkswagen und wird „in Chinas wettbewerbsintensivem Segment der vollelektrischen Mittelklasse-SUVs positioniert“. Dieses Fahrzeug nutzt nicht Xpeng-Technik, sondern basiert auf der lokal entwickelten China Electronic Architecture (CEA). „Durch ihren leistungsfähigen Aufbau ermöglicht die Architektur L2++ ADAS und kontinuierliche Over-the-Air-Updates (OTA)“, so VW. Und: Der T6 ist nur das erste Modell der neuen „ID. AURA“-Serie, weitere Fahrzeuge sollen also folgen.

Für die Submarke AUDI, die Audi gemeinsam mit SAIC aus der Taufe gehoben hat, wurde der AUDI E7X vorgestellt – das Design des zweiten AUDI-Serienmodells ist aber schon weitgehend von einer Studie bekannt. „Mit seiner ausdrucksstarken Designsprache verbindet der vollelektrische Premium-SUV den Komfort eines geräumigen und intelligenten Innenraums mit der für Audi typischen Fahrdynamik und der maximalen Traktion des Allradantriebs quattro“, heißt es zur Premiere. Der E7X wird in zwei Antriebsvarianten kommen, die mit einer Systemleistung von 300 bzw. 500kW eine „überragende Fahrleistung“ bieten sollen. Als großes SUV soll der E7X aber auch mit Komfort und Alltagstauglichkeit punkten.

Interessant ist auch die vierte Neuheit, denn die bisher auf preiswerte Verbrenner spezialisierte China-Submarke Jetta wird elektrisch. Mit der Elektrifizierung von Jetta will VW die „Führungsposition bei erschwinglichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor in das Elektromobilitätszeitalter übertragen“. Im Vorfeld der Auto China 2026 wurde das „JETTA X Konzeptfahrzeug“ vorgestellt, welches einen Ausblick auf die elektrischen Jettas und die Designsprache „Modern Robust“ geben soll – für die Elektrifizierung gibt es auch ein neues Jetta-Logo. Der erste Elektro-Jetta soll noch in diesem Jahr kommen, drei weitere elektrifizierte (also nicht zwingend rein elektrische) Jettas sollen bis 2028 folgen. Attraktiv machen soll die Autos ein niedriger Preis, genannt werden umgerechnet rund 10.000 Euro – aber eben nur in China, ein Export nach Europa ist nicht geplant.

Zudem gab der VW-Konzern bei dem Vorab-Event einen Ausblick auf seinen nächsten großen Schritt in Richtung des Zeitalters der KI-definierten Fahrzeuge in China – und stellte seinen Fahrplan „Agentenbasierte KI für Alle“ vor. Alle Fahrzeuge, die auf der CEA-Plattform basieren und in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen, werden mit einem Onboard-KI-Agenten ausgestattet sein, der ein lokal trainiertes großes Sprachmodell (LLM) als Schnittstelle für natürliche Sprache nutzt. „Im Gegensatz zu einem einfachen Sprachassistenten, der auf bestimmte Befehle reagiert, versteht eine agentenbasierte KI die Absicht des Nutzers, führt komplexe, systemübergreifende Aktionen aus und trifft Entscheidungen kontextbezogen, um ein Ziel durch natürliche Konversation zu erreichen“, erklärt VW. Der KI-Agent soll als geschlossenes System im Fahrzeug laufen, es werden keine persönlichen Daten in die Cloud gesendet. Die für 2027 angekündigte CEA 2.0 wird den KI-Agenten auch unterstützen, soll aber intelligentes Fahren und Cockpit-Funktionen auf einer leistungsfähigeren zentralen Rechenplattform vereinen. „Diese Weiterentwicklung wird einen effizienten Fahrzeugbetrieb durch ein Multi-Agent-KI-System ermöglichen – bestehend aus zusammenarbeitenden KI-Agenten für das Fahren, das Cockpit-Erlebnis und Dienste des digitalen Ökosystems –, was den nächsten großen Schritt des Volkswagen Konzerns in China in Richtung des KI-definierten Fahrzeugzeitalters markiert“, so der Konzern.

„Nach E-Mobilität für alle und ADAS für alle führen wir nun ‚agentenbasierte KI für Alle‘ ein“, sagt VW-CEO Oliver Blume. „Ab diesem Jahr wird unser KI-Agent im Fahrzeug in unseren lokal entwickelten Modellen Einzug halten. Mit diesem Schritt ist der Volkswagen Konzern der erste globale Automobilhersteller, der agentenbasierte KI in großem Maßstab über das gesamte Fahrzeugportfolio in China einsetzt.“

„Unsere ‚in China, für China‘-Strategie wird jetzt auf der Straße sichtbar. In nur 36 Monaten hat der Volkswagen Konzern in China ein komplett neues Produktportfolio für smarte Elektroautos entwickelt. Allein in diesem Jahr werden wir 20 neue intelligente elektrifizierte Fahrzeuge in den Markt einführen“, ergänzt VWs China-Vorstand Ralf Brandstätter. „Mit modernsten Elektroarchitekturen, ADAS-Systemen, einem intelligenten Cockpit und KI-Funktionen erfüllen wir alle zentralen Wünsche unserer chinesischen Kunden. Die zahlreichen Premieren unserer Marken auf der Peking Autoshow unterstreichen die Geschwindigkeit und Stringenz unserer Transformation.“

volkswagen-group.com

3 Kommentare

zu „VWs Elektro-Offensive in China nimmt Form an“
Jarn
22.04.2026 um 10:38
Warum bin ich designtechnisch Teil der Zielgruppe für den Chinamarkt, und nicht den EU-Markt :( ein UNYX 09, der wärs..
Paul-Gerhard Fenzlein
23.04.2026 um 07:57
Das Argument, diese Fahrzeuge seien (design-)technisch nicht für unsere Zielgruppe gedacht, zieht nicht. VW und Audi verkaufen mit ihren sogenannten „China-Autos“ eben keine europäischen oder deutschen VWs, sondern Fahrzeuge chinesischer Hersteller und Joint Ventures wie FAW-Volkswagen (Anhui), SAIC oder Xpeng. Ein paar Retuschen an der Karosserie, ein vertrautes Logo auf der Haube — und schon soll daraus plötzlich ein VW oder Audi werden. Tatsächlich bleibt es aber im Kern ein chinesisches Auto mit chinesischer Technik, chinesischer Softwarelogik und einem chinesischen digitalen Ökosystem. Und genau dieses Ökosystem ist der entscheidende Punkt. In China ist das Auto nicht einfach ein Fortbewegungsmittel. Es ist Teil eines komplett vernetzten digitalen Alltags. Gesteuert wird dort alles über das Smartphone und über das Fahrzeug selbst: Smart Home, Einkaufen, Restaurantbesuche, Terminorganisation, Bezahlen, Unterhaltung, Kommunikation — selbst Wartezeiten werden digital in das Leben im und um das Auto integriert. Das Fahrzeug ist dort nicht nur Produkt, sondern Plattform und ein zweites Wohnzimmer! Genau deshalb werden wir solche Autos in Europa so schnell nicht sehen. Nicht, weil wir technisch zu anspruchsvoll wären. Nicht, weil diese Fahrzeuge für unseren Markt angeblich ungeeignet wären. Sondern weil unser regulatorischer und gesellschaftlicher Rahmen ein solches System gar nicht zulässt. Unsere Datenschutz-Grundverordnung steht der totalen Datendurchdringung, auf der dieses Modell beruht, massiv entgegen. Hersteller dürfen hier eben nicht alles absaugen, auswerten, verknüpfen und kommerziell verwerten, nur damit das Auto möglichst bequem in ein digitales Rundum-Ökosystem eingebettet wird. Und genau darin liegt auch einer der Gründe, warum Europa beim autonomen Fahren immer weiter zurückfällt. Wer den Zugriff auf Daten begrenzt, begrenzt eben auch die Geschwindigkeit von Entwicklung, Training, Optimierung und Skalierung. Das mag aus rechtsstaatlicher und gesellschaftlicher Sicht richtig sein — aber man sollte dann wenigstens ehrlich genug sein, die Folgen zu benennen. Europa will technologische Souveränität, bremst aber gleichzeitig genau die Voraussetzungen aus, auf denen diese Technologien heute entstehen.
DerJens
22.04.2026 um 22:04
Wenn man alle technologisch relevanten und innovativen Komponenten zukaufen muss, ist man am Ende nur ein Blechbieger. Woher soll denn da die Wertschöpfung kommen?

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert