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Bild: Sungrow
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Sungrow-Experte Christos Tsegkis: „Die Kombination aus PV, Speicher und Laden ist hochattraktiv“

Der chinesische Anbieter Sungrow drängt mit Macht in den europäischen Lademarkt. Im Interview erklärt Christos Tsegkis, Regional Manager EV Charging bei Sungrow Europe, warum das Unternehmen, das einst mit Wechselrichtern für PV-Anlagen startete, in den Bereich Ladestationen expandiert ist. Er stellt das Portfolio vor, das von der AC-Wallbox bis zum Megawatt-Satellitensystem reicht. Und er spricht über den Reiz an der Kopplung von Ladestationen mit PV-Anlagen und Batteriespeichern.

Herr Tsegkis, mit Sungrow ist vor nicht allzu langer Zeit ein neuer Player in den europäischen Markt für Ladestationen eingetreten. Was ist Ihr Hintergrund?

Sungrow wurde 1997 in Hefei in China gegründet, wobei sich die Firma auf Leistungselektronik spezialisiert hat, und zwar zunächst für PV-Anlagen. Anfangs hat Sungrow daher ausschließlich Wechselrichter für PV-Anlagen hergestellt. Doch heute sind wir deutlich breiter aufgestellt und bieten unter anderem auch Energiespeichersysteme sowie Ladestationen an.

Seit wann sind Sie in Europa aktiv? Und wann kamen Ladestationen hinzu?

In Europa haben wir seit 2011 unseren Hauptsitz in München. Sungrow kommt wie erwähnt ursprünglich aus der Leistungselektronik und von daher waren Ladestationen als nächster Schritt naheliegend, da unsere Kernkompetenz beim Kern von Ladestationen liegt, nämlich den Leistungsmodulen. Und das sieht man zum Beispiel in der Effizienz unserer Ladestationen: Diese liegt bei sehr hohen 97 Prozent und das ist das, was unsere Partner und Kunden in Europa wünschen.

Wie sieht denn Ihr Portfolio im EV Charging konkret aus?

Wir haben ein breites Portfolio, bestehend aus AC- und DC-Ladestationen von der 22kW-Wallbox bis zum Megawatt-Charging bis zu 3,5 MW für große Flotten. Die AC-Wallboxen eignen sich hervorragend zur Kombination mit einem Wechselrichter und/oder Heimspeichern.

Es geht also um eine Koppelung der Ladestation mit einer PV-Anlage?

Genau! Der Markt entwickelt sich gerade so, dass viele Interessenten nach einer Kombination aus PV-Anlage und Charging suchen, während früher – in einer Zeit vor dem Markthochlauf bei E-Autos – noch Standalone-Lösungen dominiert haben. Nun aber gibt es beides von uns aus einer Hand, inkl. THG-Quote. Und ein wichtiger Vorteil der Kombination: Mit unserer Plattform iSolar Cloud für Wechselrichter kann man die Sonnenergie direkt in die Wallbox holen und ans E-Auto abgeben.

Und wie sind Sie im DC-Segment aufgestellt?

Im DC-Portfolio sind alle unsere Ladestationen geeicht, das ist sehr wichtig für Deutschland und Österreich. Dieses DC-Sortiment beginnt mit einer DC-Wallbox mit 30 kW. Diese kann auch als mobile Ladestation auf Rollen verwendet werden, was z.B. für Autowerkstätten praktisch ist. Bald werden wir zudem eine DC-Wallbox mit 80 kW und zwei Steckern vorstellen. Zudem haben wir mehrere Lösungen im 100+-Kilowatt-Bereich.

Ist 30 kW und 80 kW heutzutage nicht sehr wenig? Aktuell sieht man in den Schnellladeparks ja eher den Ansatz höher, schneller, weiter, sodass eigentlich fast nur noch 300 oder 400 kW verbaut werden. An welche Anwendungsszenarien denken Sie da bei diesen kleineren DC-Lösungen?

Sowohl unsere DC-Ladestationen mit 30 kW – IDC30E – als auch mit 80 kW richten sich zum Beispiel an Einkaufszentren, große Parkflächen oder Serviceabteilungen, wo man ein bis zwei Stunden parkt und das E-Auto 60 kWh „trinken“ soll. Hier braucht man eine kleinere DC-Wallbox, das ist mit AC nicht darstellbar. Dazu kommt aber auch das Thema Footprint: Viele Firmen haben nicht viel Platz für Ladestationen. Unsere DC-Wallboxen kann man aber platzsparend an der Wand montieren oder auf einer kleinen Stele, wo der Platzbedarf ebenfalls klein ist.

Brauchen solche 80-kW-Wallboxen bereits einen Mittelspannungsanschluss?

Nein, da reicht noch ein normaler Niederspannungsanschluss für aus. Den Mittelspannungsanschluss braucht man dann aber für unsere Ultraschnelllader.

Das bringt mich zur nächsten Frage: Wie sieht es mit den deutlich höheren Ladeleistungen jenseits dieser 30 kW bzw. 80 kW aus?

Zunächst haben wir das mittelschnelle System IDC180E mit 120 bis 180 kW. Und dann haben wir noch zwei Produkte fürs ultraschnelle Laden. Das eine ist die Satelliten-Version IDC480E, eine Leistungseinheit mit Dispensern, mit wahlweise 360 oder 480 kW Gesamtleistung, die mit 30 kW großen Leistungsmodulen bestückt ist. Und dann der Kompakt-Charger IDC480E-C, der alles in einem Gehäuse kombiniert, mit 480 kW Gesamtleistung und 40 kW Leistungsmodulen. Dieses Modell kann auch zunächst unterdimensioniert installiert werden, also mit 240 kW, und dann kann die Leistung später mit zusätzlichen Leistungsmodulen ausgebaut werden.

Ihre Technologien eignen sich ja wunderbar für die Sektorenkopplung und Sie hatten schon die Kombination aus PV-Anlage und heimischer Wallbox erwähnt. Aber Sie unterstützen ja auch noch viel größere Installationen im Bereich Gewerbe und Industrie, wo dann auch noch Ihre Batteriespeicher als dritte Komponente hinzukommen. Dieser „Dreiklang“ war bis vor kurzem noch recht exotisch. Wie groß ist danach denn heute die Nachfrage?

Das Thema Speicher steigt exponentiell. Wir haben viele Projekte, die Speicher mit Ladestationen kombinieren, aber es kommen auch immer mehr mit PV plus Speicher plus Ladestationen dazu. Die Kombination aus allen drei Dingen ist sehr attraktiv, zum Beispiel auch durch die THG-Quoten. Natürlich muss man anfangs mehr investieren, aber die Rendite ist dann später auf jeden Fall auch höher. Je nach Szenario hat man dann schon nach drei bis vier Jahren die Investitionen wieder reingeholt.

Sungrow ladestationen flughafen niederlande
Sungrow-Ladestationen in den Niederlanden
Bild: Sungrow

Mal aus CPO-Brille gedacht: Macht denn ein Batteriespeicher auch Sinn, um Strom zu günstigen Konditionen einzukaufen und dann mit einer guten Marge als Ladestrom zu verkaufen?

Das kommt auf jeden Fall und wir sehen hier bereits steigende Anfragen. Vor allem kann man das auch relativ einfach nutzen, wenn es einen entsprechenden Energiemarkt gibt. Aber viele Partner von uns nutzen die Speicher auch, um die Energie im Day-Ahead-Markt, also am folgenden Tag, weiterzukaufen. Das Szenario ist sehr lukrativ, vor allem in etablierten Märkten wie Deutschland oder Skandinavien. Und: Gerade für HPC-Ladestationen sind Batteriespeicher natürlich auch dann spannend, wenn man keinen Mittelspannungsanschluss bekommt oder die Genehmigung jahrelang dauern würde.

Welche CPOs in Europa nutzen denn bereits Ihre Ladestationen?

In der DACH-Region läuft bereits seit März 2024 ein großes Projekt mit der Energieversorgung Niederösterreich (EVN). Im Zuge dessen sind bereits etwa 300 Sungrow-Ladestationen installiert worden, vor allem in und um Wien. Und wegen unserer guten Leistung und dem guten Support haben wir mittlerweile eine zweite Ausschreibung von EVN gewonnen. Das beweist die Qualität der Produkte. Hier werden noch mehrere hundert Ladestationen bis Anfang 2028 installiert.

Geht es dabei um AC, DC oder HPC?

Bei den EVN-Projekten geht es um die DC-Leistungsklasse von 120 bis 180 Kilowatt. In den letzten Monaten sind auch immer mehr Anfragen im Bereich 400 bis 480 kW gekommen.

Sie haben schon kurz Sungrows neue Lösung fürs Megawatt-Laden angesprochen. Was hat es damit auf sich?

Wir werden auf der Power2Drive/Intersolar im Juni in München unser Megawatt-System ChargeStack 1000 vorstellen. Das ist als Satelliten-Lösung aufgebaut. Diese besteht aus mindestens einer Leistungseinheit und mehreren Dispensern. Dabei bieten wir zwei Arten von Dispensern an, entweder mit je zwei CCS2-Steckern oder einem MCS- und einem CCS2-Stecker. Für uns ist hierbei die Skalierbarkeit für unsere Kunden besonders wichtig, denn hierbei kann man die Leistung von 1 Megawatt bis auf 3,5 Megawatt ausbauen. Dabei hat ein Substack 500 kW und man kann bis zu sieben solcher Substacks parallelschalten.

Sungrow chargestack megawatt ladestation dispenser ccs mcs
Neues Megawatt-Ladesystem Sungrow ChargeStack 1000
Bild: Sungrow

An welche Anwendungsszenarien denken Sie bei diesem Produkt in Hinblick auf den neuen MCS-Standard?

Die Nachfrage nach dem Dispenser mit MCS-Stecker ist noch nicht all zu hoch, weil MCS von den Lkw-Herstellern noch nicht serienmäßig verbaut wird. Aber das wird bald kommen, wie wir auch im Austausch mit verschiedenen Lkw-Herstellern hören. In einem Jahr dürfte die Nachfrage nach MCS daher schon deutlich höher sein. Aber bei unserem Megawatt-System geht es nicht nur darum, mit einem einzigen MCS-Stecker 1,5 Megawatt abzugeben. Das System ist vielmehr auch spannend dafür, eine Vielzahl von Ladepunkten mit geringerer Einzelleistung zentral zu steuern. So kann die Basisleistung von einem Megawatt auf zwölf Ladepunkte dynamisch verteilt werden. Und bei der Maximalkonfiguration von 3,5 Megawatt können bis zu 42 Ladepunkte angebunden werden. Dafür nutzen wir eine Matrix-Architektur.

Welche konkreten Einsatzgebiete haben Sie bei diesem Megawatt-System im Sinn?

Vor allem an die Logistik, um Flotten von E-Transportern oder E-Lkw im Depot zu laden. Aber natürlich interessieren sich auch viele CPOs, also Ladestationsbetreiber, für sowas. Gerade wenn man bedenkt, dass die EU im Rahmen der AFIF den Bau von Ladestationen mit 600 Millionen Euro fördert.

Danke für das Gespräch, Herr Tsegkis!

6 Kommentare

zu „Sungrow-Experte Christos Tsegkis: „Die Kombination aus PV, Speicher und Laden ist hochattraktiv““
Volker Jaschke
23.04.2026 um 19:25
Ladesäule hinter der Leitplanke - nicht gerade barrierefrei :-) (ja, das Loch habe ich gesehen)
Paul-Gerhard Fenzlein
24.04.2026 um 08:05
Die Kombination von Ladesäulen mit stationären Speichern, Pufferbatterien und Photovoltaik ist sinnvoll und technologisch nicht neu. Aber große Ladeparks am Stadtrand sind sinnvoll, lösen aber nicht das Lade-Problem in unseren Städten. Wer Elektromobilität wirklich massentauglich machen will, muss nach China blicken: Das Batteriewechselsystem ist längst keine Nische mehr – es ist der Schlüssel zur urbanen Wende. Gigantische Ladeparks mit riesigen Pufferspeichern und Photovoltaik-Dächern sind technologisch faszinierend. An der Autobahn funktionieren sie hervorragend, doch in dicht besiedelten Metropolen stoßen sie an harte Grenzen. Der Platz ist schlichtweg nicht vorhanden und die lokalen Stromnetze machen nicht mit. Wer als "Laternenparker", Lieferdienst oder Taxifahrer auf E-Mobilität umsteigen soll, braucht Lösungen, die schnell, flächensparend und unkompliziert sind. Die klassische Ladesäule allein stößt hier an ihre Grenzen. Wie urbane Versorgung funktioniert, zeigt China. Unternehmen wie NIO und der Batterie-Gigant CATL machen das "Battery Swapping" zum Massenphänomen. Das Prinzip ist so simpel wie genial: Hinfahren, den leeren Akku vollautomatisch gegen einen vollen tauschen lassen und nach wenigen Minuten weiterfahren. Der Flächenbedarf ist minimal. Auf gerade einmal 80 bis 100 Quadratmetern lassen sich täglich Hunderte Autos abfertigen. Es ist die logische Übertragung des bewährten Tankstellen-Prinzips ins elektrische Zeitalter. Der wahre Geniestreich dieser Wechselstationen liegt jedoch im Verborgenen: Sie sind weit mehr als nur Ladeinfrastruktur. Jede Station fungiert als dezentraler Puffer für das Stromnetz. Dutzende Batterien lagern dort und können schonend genau dann geladen werden, wenn Wind- oder Sonnenstrom im Überfluss vorhanden und günstig ist. Perspektivisch werden diese Stationen das lokale Netz stabilisieren – eine echte Win-win-Situation für Fahrer, Betreiber und Energieversorger. Europäische Hersteller winken oft ab: Batterien ließen sich markenübergreifend nicht standardisieren. Doch dieses Argument überzeugt nicht. Schon heute kaufen unzählige Autobauer ihre Batteriezellen exakt bei jenen asiatischen Herstellern ein, die nun die Wechselstationen vorantreiben. Die Integration standardisierter, tauschbarer Akku-Packs ist keine Frage der Zellchemie, sondern des Willens. Für die Hersteller böten sich sogar massive Chancen: Wenn Akkus nicht mehr teuer mitverkauft, sondern gemietet werden, sinken die Anschaffungskosten der Autos dramatisch. Gleichzeitig entstehen lukrative, langfristige Geschäftsmodelle rund um Wartung, Recycling und "Second Life"-Nutzung der Akkus. Dass sich in China (und vereinzelt in Europa) immer mehr Autobauer dem fertigen Wechsel-Ökosystem von CATL anschließen, ist nur logisch – es ist die perfekte Abkürzung in den Markt. Für die europäische Autoindustrie muss das ein Warnsignal sein. Das eigentliche Hindernis der E-Mobilität ist nicht die Batterietechnologie, sondern der Mangel an plattformübergreifenden Strategien und industriellem Mut. Wenn wir jetzt nicht anfangen, Ladeinfrastruktur und Batteriewechsel klug zu kombinieren, wird aus dem chinesischen Vorsprung schon bald ein Diktat des globalen Standards.
erFahrer
24.04.2026 um 08:22
Sehr interessant - vielen Dank. Leider haben all die sehr guten Unternehmen der Solarwechselrichter in D und AT genau diese Analogie verschlafen, anders kann man es nicht beschreiben. Der Zusammenhang, Solar, Speicher und Laden im DC Umfeld ist eine Grundlage für den Ausbau der eMobilität. Wenn wir also in 2030 bald 8 Mio. Fahrzeuge sehen (NOW), dann lässt sich sehr leicht verstehen, dass unser E.ON-Netz-Töchter nicht mal ansatzweise hinterherkommen. Sie sind jetzt seit Jahren überfordert alleine den lange angekündigten EE zu folgen und diese benötigen nun eine Frau Reiche um vom Deutschland-Tempo auf das E.ON-Tempo alles einzubremsen. Nun kommt die eMobilität auch im NFZ Bereich - und wer hat den bereits die notwendigen Anschlussleistungen ? Die Solar und Windparks, die zudem mit wenigen Cent für die Erzeugung abgespeist werden, während andere E.ON-Töchter und deren Gefolgschaft. diese Energie für 30 (oder an Ladestationen für 50 Cent) vergolden. Bürgerenergie hingegen hat hier anständigere Gewinnerwartungen und sie haben die Parks entlang der Autobahn finanziert und gebaut. Ein Unternehmen wie Sungrow kommt da wie gerufen. Viel Erfolg diese Produkte in den Markt zu bringen - wohl ein Schlüssel um sich vom Öl -und den Netz-Raubrittern zügig unabhängig zu machen.
Philipp
24.04.2026 um 15:15
Gerade bei kleinen Autos sind ja oft maximal 11kW AC möglich. das ist zu langsam für einen Einkaufsbummel von 2-3h. 150kW ist dagegen viel zu schnell. Also so 30-40kW pro Ladepunkt (unabhängig vom Ladegerät im Auto) ist aus meiner Sicht eigentlich eines der wichtigsten Produkte für das öffentliche Laden (oder auch den ambitionierten Heimlader).
Ralf Löffler
24.04.2026 um 15:51
Habe seit eineinhalb Jahren eine Sungrow-Anlage mit PV, Speicher und Wallbox. Seit eineinhalb Jahren funktioniert das Überschussladen nicht. Der Erbauer (thermondo) und Sungrow stellen sich taub...
Herbert Graul
25.04.2026 um 15:46
Wenn der Krempel genau so bescheiden funktioniert wie die PV-ANLAGEN dann gute Nacht. Bei SUNGROW weiß die linke Hand nicht mehr was die rechte tut zur Zeit.

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