
Weltpremiere des VW ID. Polo: Der E-Kleinwagen aus Wolfsburg ist (endlich) da
Der Polo kam erstmals 1975 auf den Markt und zählt seitdem zu den tragenden Säulen der Marke Volkswagen. In sechs Generationen wurden weltweit mehr als 20 Millionen Einheiten verkauft. Damit gehört der Polo zu den erfolgreichsten Modellen im Portfolio der Wolfsburger.
Dass der Kleinwagen für Volkswagen nach einem halben Jahrhundert auch bis heute eine wichtige Rolle spielt, zeigt allein schon der Blick auf die Neuzulassungszahlen aus Deutschland. Über alle Marken, Segmente und Antriebsarten hinweg belegte der Polo hierzulande 2024 noch Rang zehn bei den Neuzulassungen. 2025 reichte es dagegen nur noch für Platz 22 unter den mehr als 400 in Deutschland angebotenen Modellen. Im Kleinwagensegment kam der Polo im gleichen Zeitraum auf Rang vier.
Gerade deshalb kommt dem Polo auch in seiner siebten Generation eine wichtige Rolle zu – dieses Mal jedoch als rein elektrisches Modell. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem elektrische SUVs den Markt prägten, wächst mittlerweile auch die Auswahl bei den E-Kleinwagen spürbar. In genau diesem Segment will Volkswagen mit dem ID. Polo künftig ebenfalls mitmischen.
Die Bedeutung für Volkswagen zeigt sich – anders als bei den bisherigen ID.-Modellen – auch am Erbe des Namens. VW-Markenchef Thomas Schäfer hatte bereits im vergangenen Jahr betont, dass sich ikonische VW-Namen nicht beliebig auf ein Elektroauto übertragen ließen. Frei nach dem Motto: Wo Golf draufsteht, muss auch Golf drinstecken. Beim neuen E-Kleinwagen sieht Schäfer diese Voraussetzung nun offenbar als erfüllt an. Seit September ist daher offiziell bekannt, dass die bereits vor drei Jahren vorgestellte Studie ID.2all als ID. Polo in Serie gehen wird.
Bekannte Polo-Gene im Elektro-Gewand
Wenig überraschend fällt daher auch der erste Auftritt des Serienmodells aus, von dem wir uns bei einem Media-Event in Hamburg ein eigenes Bild machen konnten. Schon auf der IAA im vergangenen Jahr trat der ID. Polo zwar noch mit Tarnfolie auf, die künftige Designsprache war aber bereits damals klar zu erkennen. Volkswagens Chefdesigner Andreas Mindt schuf laut dem Autobauer mit seinem Team einen Kleinwagen, „der voll und ganz der neuen, glasklaren Designsprache ‚Pure Positive‘ folgt“. Klar wird aber auch: Volkswagen war es wichtig, ein Design zu schaffen, das den E-Kleinwagen auf Anhieb als Polo erkennbar macht.










Schon die Frontpartie hat fast vollständig das Design der 2023 gezeigten Studie ID.2all übernommen und damit auch das „sympathische Gesicht“. In der Tat bietet der ID. Polo, das Lächeln dank der Form des unteren Lufteinlasses, der Scheinwerferform, der pupillenartigen LED-Leuchtkörper und einer glasüberbauten Querspange. Zwischen den Scheinwerfern befindet sich, abhängig von der Ausstattung, ein LED-Band und ein illuminiertes VW-Logo. Im Vergleich zum konventionellen Polo trägt beim elektrischen Ableger vor allem die geschlossene Front zur Unterscheidung bei. Der Rest der Front wirkt wie eine Mischung aus dem üblichen ID.-Gesicht und einem konventionellen Kleinwagen.
Auch in der clean gehaltenen Seitenansicht ist der ID. Polo gleich als Volkswagen zu erkennen. Besonders auffällig sind hier die an gewohnter Stelle fehlenden Griffe in den hinteren Türen, die sich nun versteckt an den Fenstern nahe der C-Säule befinden. Ein Element der neuen Designsprache ist übrigens das für den ersten Golf entwickelte C-Säulen-Design.
Das Heckdesign des ID. Polo und den parallel erstmals als Serienversion gezeigten ID. Cross wurde hingegen komplett neu entwickelt. Der ID. Polo wirkt durch dieses neue Design recht kraftvoll. Unter dem Dachkantenspoiler spannt sich die Heckscheibe bis weit in die C-Säulen hinein und betont so die Breite des ID. Polo. In der Ebene darunter findet sich bei den Rückleuchten eine glasüberbaute LED-Querspange.
Mehr Raum dank MEB+
Der ID. Polo basiert auf der neuesten Evolutionsstufe des Modularen E-Antriebsbaukastens, dem MEB+. Das ermöglicht eine deutlich bessere Raumausnutzung als beim konventionellen Polo auf MQB-Basis. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil der ID. Polo mit 4.053 Millimetern sogar etwas kürzer ausfällt als der weiterhin angebotene MQB-Polo mit 4.074 Millimetern. Durch dieses Plus an Raum soll der fünfsitzige ID. Polo mehr als jeder seiner Vorgänger zu einem Allrounder werden, so Volkswagen. Bei einer ersten Sitzprobe wurde deutlich, dass der elektrische Polo mit seinem Platzangebot durchaus zu überzeugen weiß. Einzig wenn der Fahrersitz auf groß gewachsene Personen eingestellt ist, kann es auf dem Sitz dahinter beengter zugehen. Ansonsten reicht der ID. Polo für vier Erwachsene locker aus.
Obwohl der ID. Polo kürzer ist, wächst das Kofferraumvolumen von 351 auf 441 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen steigt das Ladevolumen auf 1.243 Liter, beim MQB-Polo sind es 1.125 Liter. Wem das nicht reicht, der kann bis zu 1.200 Kilogramm an den Haken nehmen. Die Stützlast wird mit 75 kg angegeben. Das ist in diesem Segment keine Selbstverständlichkeit. Und mehr als beim größeren ID.3 Neo, der nur die 75 Kilo Stützlast hat, aber nach wie vor keine Anhänger ziehen darf. Es ist eben nach wie vor „nur“ ein ID.3, kein ID. Golf.
Neue Cockpit-Generation für den ID. Polo
Doch nicht nur beim Außendesign haben die Wolfsburger häppchenweise Details durchsickern lassen, sondern auch was die Innengestaltung angeht. Gleich zum Jahresauftakt präsentierte VW den neuen Interieur-Look des ID. Polo, den alle ID.-Modelle, wie bereits beim neuen ID.3 Neo deutlich wurde, übernehmen. Die Wolfsburger sprechen von einer neuen Cockpit-Generation, die „systemisch optimiert und am Kundenfeedback orientiert“ sei. Dazu zählen unter anderem stoffbespannte Oberflächen auf Armaturenbrett und Türinserts sowie eine einheitliche Haptik von Flächen, Tasten, Reglern und Griffen. Ziel dabei: eine einladende und freundliche Atmosphäre. Und das ist VW durchaus gelungen, wie sich bei der Sitzprobe zeigte. Die Materialien sind gut verarbeitet, alles fühlt sich hochwertig an. Der Innenraum vermittelt das Gefühl, in einem Fahrzeug aus einem höheren Segment zu sitzen.















Dieser Eindruck setzt sich auch in der übrigen Cockpitlandschaft fort: Auf einer Sichtachse angeordnet sind dabei das 10,25-Zoll-Fahrerinformationsdisplay „Digital Cockpit“ und der mittig im Armaturenbrett angebrachte 12,9 Zoll große Touchscreen. Das „Digital Cockpit“ bietet verschiedene Ansichten, darunter auch die Integration der Kartendarstellung des Navigationssystems. Über die „View“-Taste am Lenkrad kann der Fahrer zudem eine Retro-Ansicht aufrufen, die an die Instrumentengrafik eines späten Golf I aus den 1980er-Jahren erinnern soll.
Neu entwickelt und gestaltet wurde auch das auf Android basierende Infotainmentsystem „Innovision“. Es löst das bisherige System „Discover“ ab. Bedient wird es über ein 12,9 Zoll großes Touchdisplay, das in Gestaltung und Grafik an die Lösungen aus Modellen wie dem ID.7, dem aktuellen Golf sowie dem neuen ID.3 Neo und ID. Cross erinnert. Im ersten Eindruck verlief die Bedienung flüssig und intuitiv. Die Routenplanung verfügt über eine automatische Planung von Ladestopps. Auch eine automatische und manuelle Batterievorkonditionierung gibt es.
Separat in einer Leiste unterhalb des Infotainmentscreens haben die Volkswagen-Entwickler Tasten für die zentralen Klimafunktionen und den Warnblinkschalter integriert. Ebenfalls komplett neu ist das Multifunktionslenkrad mit seinen klar gegliederten Tastenfeldern. Als ein Bedienfeld sind in der Fahrertür zudem die vier Tasten für die elektrischen Fensterheber und die Einstellungen der Außenspiegel ausgeführt.
Drei Leistungsstufen zum Start
So stimmig der neue Innenraum im ersten Eindruck auch wirkt, entscheidend für die Positionierung des ID. Polo dürften am Ende vor allem die Antriebe und technischen Eckdaten sein. Wirklich überraschend sind diese allerdings kaum, denn sie sind spätestens seit Dezember bekannt. Anders als der bereits bestellbare Cupra Raval wird der ID. Polo zunächst jedoch in drei statt in vier Leistungsstufen angeboten. Je nach Konfiguration leistet der Frontantrieb 85, 99 oder 155 kW. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei allen drei Varianten bei 160 km/h. Der sportliche ID. Polo GTI mit einer Leistung von 166 kW soll erst 2027 folgen.
Bei der E-Maschine handelt es sich übrigens in allen Fällen um die eigens für die Frontantriebs-Modelle entwickelte APP290, die gemäß der VW-Namensgebung 290 Nm Drehmoment bietet. Ebenfalls komplett neu ist der Inverter, bei VW „Pulswechselrichter“ genannt. Dieses Bauteil wurde ebenfalls intern entwickelt und wird konzernintern produziert.
Bis zu 455 Kilometer Reichweite
Zwischen der Vorder- und Hinterachse befindet sich im Fahrzeugboden das Batteriesystem mit der „Konzern-Einheitszelle“. Ihre Bezeichnung deutet es an: Sie ist eine komplette Neuentwicklung des Volkswagen-Konzerns und seines Tochterunternehmens PowerCo. Für das neue Batteriesystem kommt die Cell-to-Pack-Technologie zum Einsatz, bei der die Zellen ohne den Zwischenschritt über Modulgehäuse direkt zu einem Batteriepack zusammengeführt werden. Die LFP-Batterie kommt auf einen Netto-Energiegehalt von 37 kWh und wird serienmäßig mit dem 85-kW- und 99-kW-Antrieb kombiniert. Die 52 kWh große Batterie bei der 155-kW-Version setzt hingegen auf eine NMC-Zellchemie.
Die AC-Ladeleistung beträgt mit dem dreiphasigen On-Board-Lader 11 kW. An DC-Ladesäulen soll die kleine Batterie mit einer maximalen Ladeleistung von 90 kW für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent rund 27 Minuten benötigen. Für die große Batterie gibt Volkswagen eine Ladeleistung von maximal 105 kW und eine Ladezeit von rund 24 Minuten für besagtes Fenster an.
Auch erste Angaben zu den erzielbaren Reichweiten liegen vor: So sollen mit der kleinen Batterie bis zu 329 Kilometer nach WLTP möglich sein, mit der großen Batterie sogar bis zu 455 Norm-Kilometer. Durchaus vorzeigbare Werte.
Oberklasse-Extras im Kleinwagen
Nicht nur das Interieur und die technischen Daten können sich sehen lassen. Auch die sonstigen Ausstattungsdetails und modernen Assistenzsysteme sind keine Selbstverständlichkeit für einen Kleinwagen. Als Sonderausstattung sind für den neuen ID. Polo exklusive und mitunter für diese Klasse ungewöhnliche Details wie ein High-End-Soundsystem von Harman Kardon mit 425 Watt Musikleistung, zehn Lautsprechern inklusive Center-Speaker für eine klare Sprachübertragung und einem Subwoofer erhältlich. Ebenfalls optional verfügbar: ein großes Panorama-Glasdach. Ein Novum in diesem Segment ist auch die pneumatische Massagefunktion der elektrisch einstellbaren 12-Wege-Vordersitze. Drei Massage-Programme stehen hier zur Wahl – ein Feature der Oberklasse in der Kompaktklasse. Der elektrisch einstellbare Fahrersitz ist zudem mit einer Memory-Funktion ausgestattet.
Dank des MEB+ und neuester Software hat der ID. Polo serienmäßig eine Vielzahl moderner Assistenzsysteme an Bord. Darüber hinaus werden optional Assistenzsysteme wie die nächste Generation des „Travel Assist“ erhältlich sein. Da das System eine Vielzahl von Online-Daten nutzt, ändert sich die Bezeichnung in „Connected Travel Assist“. Das Assistenzsystem zur assistierten Quer- und Längsführung reagiert fortan auch auf Ampeln. Erkennt das System eine rote Ampel, bremst es den ID. Polo automatisch im Rahmen der Systemgrenzen bis zum Stillstand ab. Ebenfalls neu und serienmäßig: das One-Pedal-Driving. Und auch die V2L-Funktion ist nun Serie. Beides ist im Alltag nicht zu verachten!
Der Einstieg beginnt bei 24.995 Euro
Den Einstieg beim ID. Polo soll hierzulande die Ausstattungslinie „Trend“ zu Preisen ab 24.995 Euro bilden. Mit an Bord sind hier neben den Assistenzsystemen „Side Assist“ und der Spurhalteassistent (inkl. Emergency Assist) noch Features wie LED-Scheinwerfer inkl. Fernlichtassistent, ein Multifunktionslenkrad aus Kunstleder und eine Klimaautomatik. Das große Aber: Die Basisvariante ist zum Start noch gar nicht bestellbar!
Ab sofort bestellt werden kann hingegen die nächsthöhere Ausstattungslinie „Life“ zu einem Preis ab 33.795 Euro. Hier gibt es serienmäßig Assistenzsysteme wie die automatische Distanzregelung (ACC), eine Rückfahrkamera („Rear View“), eine Einparkhilfe (vorn) und einen Kreuzungsassistenten. Zusätzlich gibt es noch einen automatisch abblendenden Innenspiegel und elektrisch einklappbare Außenspiegel mit Memory-Funktion. Digitale Features wie die Sprachsteuerung, App Connect für Apple CarPlay und Android Auto sowie eine induktive Ladefunktion für das Smartphone sind hier ebenfalls serienmäßig.
Die höchste Ausstattung hört auf den Namen „Style“. In dieser Variante fährt der ID. Polo zusätzlich zu den Features des „Trend“ und „Life“ unter anderem mit hochmoderner Lichttechnologie vor, die sich in den „IQ.LIGHT – LED-Matrix-Scheinwerfern“ mit beleuchteter LED-Lichtleiste, 3D-LED-Rückleuchten und illuminiertem VW-Emblem in der Front- und Heckpartie zeigt. Das Interieur prägen unter anderem Sport-Komfort-Sitze und eine Ambientebeleuchtung. Funktionen wie eine Lenkrad- und Sitzheizung sowie eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik gehören ebenfalls zur gehobenen Ausstattung. Weitere Innovationen sind das „ID. Light“, das nun auch seitlich in den Türen angezeigt wird, sowie der digitale Fahrzeugschlüssel (Mobile Device Key), der den komfortablen Zugang zum Fahrzeug mit einem mobilen Endgerät (Smartphone, Smartwatch) ermöglicht.
Wichtig: Der Vorverkauf des neuen ID. Polo startet am heutigen Mittwoch. Zum Marktstart kann das vollelektrische Kompaktmodell nur mit einer Motorisierung bestellt werden, mit dem 155 kW starken E-Motor und der 52 kWh großen Batterie. Die Grundversion zum Preis von 24.995 Euro und weitere Antriebs- und Ausstattungsvarianten folgen dann im Sommer dieses Jahres.




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