Vattenfall, Qwello und Wirelane bauen über 600 Ladepunkte im Landkreis Harburg

Der an Hamburg grenzende Landkreis Harburg hat drei Konzessionen für den Bau und Betrieb von rund 200 Standorten mit mehr als 600 Ladepunkten in neun Gemeinden vergeben. Nach einer europaweiten Ausschreibung erhielten Vattenfall, Qwello und Wirelane den Zuschlag. Die ersten Ladesäulen des „Harburger Modells“ sollen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.

Harburg harbuger modell
Bild: Landkreis Harburg

Ziel des „Harburger Modells“ ist eine flächendeckende und öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, die den prognostizierten Bedarf im Landkreis Harburg bis 2030 abdecken soll.

Um dieses Ziel zu erreichen, hatten der Landkreis und die Kommunen gemeinsam mit der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Jahr 2024 eine detaillierte Bedarfs- und Standortanalyse vorgenommen. Daraus entstand eine Prioritätenliste mit einem Fahrplan für die Umsetzung sowie der angestrebten Mischung aus wohnortnaher Versorgung und Schnellladen entlang wichtiger Verkehrsachsen.

Nach Angaben des Landkreises gab es für ein derartiges Großprojekt bislang keine Blaupause. Deshalb unterstützt seit 2025 das Berliner Beratungsunternehmen M3E bei der EU-weiten Ausschreibung und der nun anlaufenden Baukoordination.

Mit Vattenfall, Qwello und Wirelane hat der Landkreis nun auch die drei Gewinner der Ausschreibung bekannt gegeben. Qwello konnte bereits ähnliche Vergaben in Großstädten wie Hamburg oder Bremen für sich entscheiden. Wirelane fiel bislang vor allem durch Kooperationen mit privaten Unternehmen auf. Mit dem ab diesem Jahr schrittweise geplanten Aufbau von 202 Standorten mit mehr als 620 Ladepunkten, verteilt auf drei Ausbaugebiete, bauen alle drei Unternehmen ihre Präsenz in Deutschland weiter aus.

Ladesäulenausbau in neun Gemeinden

In der Gemeinde Stelle sowie den Samtgemeinden Elbmarsch und Salzhausen, die Los 1 bilden, sind bis zu 62 Standorte mit rund 140 Ladepunkten geplant. Wirelane soll diese künftig errichten und betreiben. Ein Detailkonzept soll in den kommenden Wochen folgen. Angaben zu Hardware und Ladeleistungen fehlen bislang. Bekannt ist derzeit lediglich, dass sich die Standorte bedarfsgerecht auf die drei Kommunen verteilen sollen. Geplant sind aktuell 18 Standorte für Stelle, 17 für die Elbmarsch und 27 für Salzhausen.

Mehr Informationen liegen für Los 2 mit den Gemeinden Seevetal, Jesteburg und Hanstedt vor, das an Vattenfall ging. Die Umsetzung des Rollout-Konzepts soll in vier Ausbauphasen ab diesem Jahr erfolgen und 2027 abgeschlossen sein. Für Hanstedt sind 16 neue Ladestandorte vorgesehen, für Jesteburg 20. Mit 38 der insgesamt 75 Standorte entfällt der größte Anteil auf Seevetal. Beim Großteil der mehr als 250 Ladepunkte soll es sich um AC-Ladepunkte mit 22 kW handeln. Ergänzend sind Schnellladepunkte mit 150 bis 400 kW geplant.

Qwello will seinerseits den Ladeinfrastrukturausbau in Rosengarten, Neu Wulmstorf und Hollenstedt vorantreiben, die Los 3 bilden. Geplant sind 65 Standorte mit insgesamt rund 230 Ladepunkten. Zur genauen Verteilung auf die einzelnen Gemeinden nennt der Landkreis allerdings keine weiteren Details. Der Schwerpunkt liege zunächst in den größeren Gemeinden Rosengarten und Neu Wulmstorf, perspektivisch solle der Ausbau auf das gesamte Projektgebiet ausgeweitet werden. Wie es konkret um Hollenstedt bestellt ist, bleibt damit offen. Qwello will AC-Ladepunkte mit 22 kW errichten. Ergänzend wären an geeigneten Standorten auch DC-Schnellladeangebote anderer Anbieter denkbar.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit der Vergabe einen großen und wichtigen Schritt hin zu einer zukunftssicheren öffentlichen Ladeinfrastruktur machen“, sagt Landrat Rainer Rempe. „Mit unserem ‚Harburger Modell‘ sorgen wir dafür, dass Elektromobilität für die Menschen im Landkreis Harburg alltagstauglich und attraktiv wird.“ Bislang sind im gesamten Landkreis 142 öffentlich zugängliche Standorte mit insgesamt 464 Ladepunkten vorhanden. Nun sollen über 600 Ladepunkte hinzukommen.

Der Landkreis Harburg will bis 2040 klimaneutral werden und hat sich dazu mit seinen Städten und Gemeinden in einer Klimaschutz-Charta auf eine enge Zusammenarbeit verständigt. Das „Harburger Modell“ soll dazu ein wichtiger Baustein sein.

Mit den beiden Städten Buchholz in der Nordheide und Winsen (Luhe) stehen die Partner des „Harburger Modells“ bei der Planung der Infrastruktur ebenfalls in engem Austausch. Beide Städte würden durch die Aktivitäten der kommunalen Stadtwerke bereits jetzt schon über ein sehr breites Angebot an Ladeinfrastruktur verfügen. Auch die Samtgemeinde Tostedt, für deren Gemeindegebiet dutzende Standorte im Ladeinfrastrukturkonzept identifiziert wurden, geht bei der Umsetzung eigene Wege.

landkreis-harburg.de, landkreis-haburg.de

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