Gelockerte CO2-Vorgaben für Lkw-Hersteller sind nun in Kraft
Mit der nun erfolgten Veröffentlichung im Amtsblatt der EU mit der Überschrift „Änderung der Verordnung (EU) 2019/1242 hinsichtlich der Berechnung von Emissionsgutschriften für schwere Nutzfahrzeuge für die Berichtszeiträume der Jahre 2025 bis 2029“ sind nun genau die Anpassungen in Kraft getreten, die bereits das Europäische Parlament und der EU-Rat beschlossen hatten.
Nach EU-Recht müssen Lkw-Hersteller die Emissionen neuer Lkw bis 2025 um 15 Prozent, bis 2030 um 45 Prozent, bis 2035 um 65 Prozent und bis 2040 um 90 Prozent gegenüber dem Niveau von 2019 senken. Das versuchen sie einerseits, in dem sie verstärkt Elektro-Lkw auf den Markt bringen, und andererseits auch durch Verbrauchseinsparungen bei Verbrennern.
Diese Etappenziele bleiben auch bestehen. Jedoch gesteht die EU den Herstellern zwischen diesen Zieljahren nun mehr Flexibilität zu: Anstatt wie bislang eine Kurve zwischen den drei Zieljahren zu zeichnen, die pro Jahr einen weiteren Anstieg vorgibt, fällt dieser jährliche Anstieg nun weg. Stattdessen gilt auch für die Jahre 2026 bis 2029 das Ziel von 2025, also eine CO2-Reduktion von 15 Prozent bei Neuzulassungen.
Wenn nun ein Hersteller beispielsweise im Jahr 2027 eine CO2-Reduktion von 22 Prozent erreicht, dann hätte er eigentlich unter der dann bei ca. 26 Prozent liegenden linearen Ziellinie gelegen. Durch die Anpassung kann er nun aber Credits als Belohnung dafür sammeln, dass er um 7 Prozentpunkte oberhalb des nun bis 2029 starren Zielwerts von 15 Prozent liegt. So können die Lkw-Hersteller alle CO2-Mehreinsparungen, die zwischen 2025 und 2029 oberhalb der 15-Prozent-Vorgabe angesammelt werden, als Credit zur Milderung der 45-Prozent-Stufe in 2030 und Folgejahren heranziehen und so Strafzahlungen vermeiden.
Die EU-Kommission begründet die Abmilderung der CO2-Ziele zwischen 2025 und 2029 mit Verzögerungen beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge entlang der Autobahnen. Damit erklärt die EU-Kommission eine vermeintliche Kaufzurückhaltung der Kunden bei E-Lkw.
ICCT warnt vor deutlich niedrigerem E-Lkw-Absatz
Der International Council on Clean Transportation (ICCT) sieht die Entscheidung der EU kritisch. Denn laut einer Prognose des Think Tanks könnte dies dazu führen, dass in den nächsten zehn Jahren rund 200.000 Elektro-Lkw weniger in der EU zugelassen werden als bislang prognostiziert – und entsprechend mehr Diesel-Trucks unterwegs sein werden. Denn war man bislang von einem Marktanteil von 32 Prozent von E-Lkw an den Lkw-Neuzulassungen 2030 ausgegangen, so könnte dieser Wert durch den neuen Mechanismus in vier Jahren womöglich nur bei 16 Prozent liegen. Und da auch Credits für Jahre nach 2030 mitgenommen werden können, so sieht das ICCT selbst bis 2035 noch einen deutlichen Effekt im Sinne von niedrigerer Elektro-Anteile bei den Neuzulassungen.
„Ein solcher Rückschritt in den Ambitionen ist besorgniserregend, zumal er in eine Zeit fällt, in der die Dieselpreise auf dem gesamten Kontinent auf neue Höchststände steigen. Weniger Null-Emissions-Lkw zur Auswahl zu haben, führt zu unserer anhaltenden Ölabhängigkeit“, so Eamonn Mullholland, Lkw-Experte des ICCT.
europa.eu, linkedin.com (ICCT)





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