Bidi-Demo: Scania-Lkw speist Strom mit 750 kW zurück ins Netz
Die Demo fand den Pressebildern zufolge mit einem in Schweden zugelassenen Fahrzeug statt und die Ladeanlage erreichte bei der Vehicle-to-Grid-Rückspeisung laut Scania bis zu 1.000 Ampere und 750 kW. Das ist fahrzeugseitig das Maximum: Die strombetriebenen Scania-Lkw nutzen bekanntlich dieselben Akkus wie die deutsche Schwestermarke MAN. Diese sind beim Schnellladen auf maximal 375 kW via CCS-Stecker und 750 kW via MCS-Stecker ausgelegt.
Wichtig ist, dass die Demo auf Basis des Megawatt Charging System (MCS) durchgeführt wurde – also unter Rückgriff auf die neuen Generation der ultraschnellen Ladetechnologie, die derzeit für schwere Elektro-Lkw entwickelt wird. Hier gehört Scania nun zu den Vorreitern. Vor wenigen Wochen hatten in Deutschland zwar bereits die Projektpartner von SPIRIT-E in einer Pionier-Demonstration bidirektionales Laden an einem MAN-Lkw demonstriert – mit 325 kW floss Strom aus dem Truck ins Netz. Hier ging es allerdings um einen CCS- und keinen MCS-Ladevorgang.
Zum MCS-Standard folgender Hintergrund: Innerhalb der CharIN-Organisation arbeiten Branchenakteure seit Jahren an der Standardisierung des Megawattladens, damit das Laden großer Nutzfahrzeuge per MCS-Stecker überall und unter allen Umständen klappt. Viel dringt aus den Arbeitsgruppen nicht nach draußen, doch Anfang Februar meldete CharIN auf LinkedIn: „Wir freuen uns sehr, bekannt geben zu dürfen, dass die Norm IEC 63379 für Megawatt-Ladesysteme nun offiziell veröffentlicht wurde!“. Die angesprochene IEC 63379 ist allerdings nur eine mehrerer Normen des MCS-Systems. Sie befasst sich mit dem Stecker-Interface – und das ist seit Februar in der Tat genormt. Allerdings ist bei Software und Kommunikation noch nicht alles unter Dach und Fach. Dafür dürfte CharIn laut Branchenkennern auch noch dieses Jahr brauchen.
Scania ist überzeugt, dass MCS eine Schlüsselrolle beim Durchbruch des elektrischen Fernverkehrs und auch bei zukünftigen Energiedienstleistungen wie Vehicle-to-Grid spielen wird: „Elektro-Lkw werden nicht nur Strom verbrauchen; sie können auch zu einer aktiven Ressource im Energiesystem werden“, äußert Tobias Ejderhamn, Global Manager, Transformation & New Business bei Scania, dazu. „Dieser Wandel transformiert die Rolle des Flottenbetreibers: Er beschränkt sich nicht mehr allein auf die Bereitstellung von Transportdienstleistungen, sondern bietet nun auch Energieflexibilität an.“
Das erprobte System ermöglicht den Schweden zufolge eine sichere Echtzeitkommunikation zwischen dem Lkw, dem Ladegerät und den Energiemanagementsystemen. Eine Grundvoraussetzung dafür, dass schwere Elektrofahrzeuge zu aktiven, steuerbaren Komponenten des Energiesystems werden können. Über das fortgeschrittene Kommunikationsniveau lassen sich Lade- und Entladevorgänge zudem dynamisch steuern – abgestimmt auf die jeweiligen Transportanforderungen und die aktuellen Bedingungen im Stromnetz.
„Das Besondere daran ist nicht nur der bidirektionale Energiefluss an sich, sondern vor allem die Möglichkeit, das Megawatt-Laden mit einem intelligenten Energiemanagement zu verknüpfen“, betont Yorben Muller, Produktmanager für Ladesysteme bein Mutterkonzern Traton. „Unseres Wissens nach handelt es sich hierbei um eine der weltweit ersten Demonstrationen der Vehicle-to-Grid-Funktionalität für schwere Nutzfahrzeuge unter Verwendung des MCS.“
Scania betont, dass die Kombination aus Hochleistungsladen und der Einbindung in das Energiemanagement die Wirtschaftlichkeit von Elektro-Lkw stärken könne: „Flottenbetreibern eröffnen diese Funktionen neue Wege, den Energieverbrauch zu optimieren und ihre Betriebskosten zu senken.“ Als anfänglichen Use-Case sieht der Hersteller vor allem die Nutzung der V2G-Technologie im Depot – und zwar, „wenn Fahrzeuge über längere Zeiträume geparkt sind und das Laden mit dem Energiebedarf und den Netzbedingungen koordiniert werden kann“.
Als Resümee zu seiner demonstrierten Ladelösung hält Scania fest, dass das System Folgendes unterstützt:
- Bidirektionales Laden und Entladen über MCS
- Erweiterte Echtzeitkommunikation zwischen Fahrzeug, Ladegerät und Energiemanagementsystemen
- Backend-gesteuertes Energiemanagement
- Integration mit externen Lade- und Energiemanagementsystemen
- Bidirektionaler Energiefluss über eine Ladeschnittstelle
Wie schnell Scania die Kommerzialisierung des Systems angehen will, bleibt dabei unklar. Die Schweden äußern sich nicht zu konkreten Vermarktungsambitionen, sondern halten eher allgemein fest, dass „die Vehicle-to-Grid-Technologie das Potenzial hat, eine schnellere Einführung des Batterie-betriebenen Elektroverkehrs zu unterstützen“.
Erst vor wenigen Tagen hat Scania davon unabhängig eine neue Batteriekonfiguration für seine E-Lkw vorgestellt. Bisher hat das Unternehmen seine E-Lkw mit maximal sechs Batteriepacks angeboten. Jetzt beginnt der Hersteller mit der Markteinführung des siebten Batteriepacks unterhalb der Fahrerkabine und gibt an, auf diese Weise künftig in Einzelfällen „weit über 800 km zu erreichen“. Und auch der 2025 von Scania angekündigte MCS-Port ist jetzt bestellbar.





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