EU plant nun auch Sonderzölle auf chinesische Plug-in-Hybride

Zwar erhebt die EU wegen wettbewerbsverzerrender Subventionen seit Ende 2024 Sonderzölle auf chinesische Elektroautos. Doch davon ausgenommen sind bislang Plug-in-Hybride – und diese beweisen sich mittlerweile als sehr absatzstark. Nun will die EU-Kommission diese Lücke bei den Zöllen schließen.

Byd atto dm i
Absatzstarker Plug-in-Hybrid: BYD Atto 2 DM-i
Bild: BYD

Wir erinnern uns: Die Sonderzölle der EU für die Einfuhr von Elektroautos aus China sind am 31. Oktober 2024 in Kraft getreten. Vorausgegangen war eine Untersuchung der Subventionen, die chinesische Hersteller in ihrem Heimatland erhalten – und die sind aus Sicht der EU wettbewerbsverzerrend. Seitdem gelten herstellerabhängige Zölle: Zusätzlich zu dem ohnehin geltenden Einfuhrzoll von 10 Prozent werden zum Beispiel für E-Autos von BYD weitere 17 Prozent fällig, also 27 Prozent in Summe. Bei Geely sind es 18,8 Prozent Sonderzoll und damit 28,8 Prozent Gesamtzoll. Und für MG-Hersteller SAIC fallen sogar 35,3 Prozent Sonder- und somit 45,3 Prozent Gesamtzoll an.

Bereits vergangenen Sommer zeigte sich dann: Vor allem die in Europa besonders aktiven chinesischen Marken BYD und MG nutzen seitdem ein Schlupfloch, um ihren Absatz in Europa zu steigern. Denn sie setzen verstärkt auf Plug-in-Hybride (PHEV), für die nur der reguläre Autozoll von 10 Prozent gilt, aber kein Sonderzoll. Das sieht man auch in konkreten Zahlen: Für den Mai 2026 brüstet sich BYD damit, mit 4.290 Neuzulassungen erstmals der PHEV-Marktführer in Deutschland zu sein.

Besonders gefragt unter den Plug-in-Hybriden von BYD war im Mai der kompakte SUV Atto 2 DM-i mit 2.113 Neuzulassungen, gefolgt vom größeren SUV Seal U DM-i und dem Kombi Seal 6 DM-i Touring. Und mit dem gerade vorgestellten Dolphin G DM-i steht nun auch ein Kompaktwagen-PHEV in den Startlöchern. Noch brisanter wird das Bild aber, wenn sich zeigt, das zuletzt rund 70 Prozent aller Neuzulassungen von BYD in Deutschland Plug-in-Hybride waren und entsprechend nur noch 30 Prozent vollelektrische Autos. Auch wenn dies nur ein Zoom auf einen Hersteller und den deutschen Markt ist, so dürfte dieser Fall exemplarisch für das Gesamtbild in der EU stehen.

Wegen des starken Schwenks von E-Autos auf Plug-in-Hybride beim Import aus China will die EU-Kommission daher nun einschreiten, wie das „Handelsblatt“ berichtet – und das, nachdem sie noch im Januar Sonderzoll-Pläne für chinesische Hybride dementiert hatte. Laut dem Bericht will die EU-Kommission nun bereits in den nächsten Wochen Ausgleichszölle gegen chinesische Hybridautos verhängen. Das solle den Effekt verzerrender chinesischer Subventionen ausgleichen, so das „Handelsblatt“.

Ein entsprechendes Antisubventionsverfahren soll laut hochrangigen EU-Beamten bereits vorbereitet – und die Staats- und Regierungschefs wollten am EU-Gipfel am Donnerstagabend darüber abstimmen. Was dabei herausgekommen ist, ist aber noch nicht bekannt. Offenbar wollte sich die deutsche Bundesregierung aber anders als noch bei den E-Auto-Sonderzöllen nicht dagegenstellen.

Wie schon die Sonderzölle auf E-Autos sollen auch die Sonderzölle auf Plug-in-Hybride laut dem „Handelsblatt“ herstellerspezifisch erhoben werden. Diese dürften im Schnitt aber niedriger als bei Vollzeit-Stromern ausfallen, da die Batterie bei PHEV einen niedrigeren Teil der Wertschöpfung ausmacht.

handelsblatt.com, myconvento.com (BYD-Zahlen)

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