Lucid entlässt weitere 18 Prozent der Belegschaft

Wenige Monate nach der letzten Entlassungswelle im Februar setzt der hochdefizitäre E-Auto-Hersteller Lucid weitere 18 Prozent seiner Mitarbeiter vor die Tür. Die Maßnahme soll die jährlichen Fixkosten deutlich senken. Zudem verlässt Marc Winterhoff, der bis Ende Mai der Interims-CEO war, das Unternehmen.

Lucid air gravity
Bild: Lucid Motors

Nur drei Wochen, nachdem Silvio Napoli als neuer CEO von Lucid angetreten ist, setzt der neue Chef ein erstes Ausrufezeichen – und das ist bitter für die Belegschaft. Denn der E-Auto-Hersteller, der seit seiner Gründung einen kumulierten Verlust von 16,4 Milliarden US-Dollar eingefahren hat, trennt sich erneut in großem Stil von seinem Personal.

Diesmal müssen 18 Prozent der Belegschaft gehen, nachdem zuvor der damalige Interims-CEO Marc Winterhoff im Februar erst 12 Prozent der Stellen gestrichen hatte. Wieviele Personen von beiden Maßnahmen exakt betroffen sind, lässt sich nicht genau sagen. Die letzte öffentlich genannte Mitarbeiterzahl betrug rund 9.000 Personen zum 31. Dezember 2025.

Im Zuge der neuen Maßnahme hat das Unternehmen zudem die zweite Schicht in seinem Werk AMP-1 in Casa Grande im US-Bundesstaat Phoenix eingestellt. Lucid musste sich offenbar eingestehen, dass die Produktion angepasst werden muss, um den Lagerbestand zu reduzieren. Dass dies nun durch die Streichung einer kompletten Schicht geschieht, statt nur durch eine Taktverlangsamung oder Produktionspause, verdeutlicht, wie weit die Prognosen offenbar zuletzt von der Realität abgewichen sind.

Begründung für die Entlassungen damals wie heute: Lucid muss Kosten senken und an seiner Profitabilität arbeiten. Und das ist auch bitter nötig: So machte der E-Auto-Hersteller im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 1,13 Milliarden US-Dollar – und das bei nur 282,5 Millionen US-Dollar Umsatz. Heißt: Die Verluste waren viermal so hoch wie der Umsatz.

Der jüngste Sparprogramm vom neuen CEO Silvio Napoli soll dem Unternehmen jährliche Kosteneinsparungen von ca. 158 Millionen US-Dollar ermöglichen. Das Unternehmen schätzt, dass im Zusammenhang mit Abfindungen, Sozialleistungen und dem Übergang der Mitarbeiter Kosten in Höhe von ca. 32 Millionen US-Dollar anfallen werden, heißt es in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC.

Vermutlich um einen klaren Neuanfang zu signalisieren, gehen Lucid und Marc Winterhoff ab sofort getrennte Wege. Winterhoff hatte nach dem Rückzug des damaligen Chefs Peter Rawlinson im Februar 2025 die Unternehmensführung von Lucid vorübergehend als Interims-CEO übernommen. Winterhoff sollte eigentlich auch nach Napolis Amtsantritt zum 1. Juni im Unternehmen bleiben und die Position des Chief Operating Officer (COO) bei Lucid übernehmen. Doch nicht nur Winterhoff muss nun gehen, sondern auch der Posten wird ersatzlos gestrichen. Originell: Neben einer Abfindung hat Winterhoff auch ausgehandelt, dass er seinen Dienstwagen behalten darf.

Der künftige Erfolg von Lucid dürfte nun nicht nur von den beiden bereits eingeführten Modellen Lucid Air (E-Limousine) und Lucid Gravity (E-SUV) abhängen, sondern auch von der geplanten Modelloffensive in der Mittelklasse mit zwei SUVs namens Lucid Cosmos und Lucid Earth, einem dritten, noch namenlosen Mittelklasse-Fahrzeug sowie einem dedizierten Robotaxi. Hinzu kommt der geplante Robotaxi-Service gemeinsam mit Nuro und Uber, bei dem 35.000 Fahrzeuge eingesetzt werden sollen – zunächst umgerüstete Einheiten des Lucid Gravity und später das dedizierte neue Robotaxi.

sec.gov, cnbc.com

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