Volkswagen-Konzern verliert bei Elektroauto-Verkäufen an Boden
Bei Volkswagen herrscht Alarmstimmung: Der Vorstand will den Konzern massiv umbauen und dazu Werke schließen und bis zu 100.000 Stellen abbauen. Denn der Autobauer verliert an Wettbewerbsfähigkeit – vor allem in China. Das zeigt die frisch vorgelegte Absatzstatistik für das zweite Quartal, auf denen auch die Kennzahlen für das erste Halbjahr fußen. Demnach setzte die Gruppe von Januar bis Juni weltweit 4,13 Millionen Fahrzeuge ab – ein Minus von 6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 mit damals 4,41 Millionen Fahrzeugen.
Die Elektrofahrzeuge konnten es bei Volkswagen nicht herausreißen: Sie verbuchten ihrerseits ein Minus von 5,8 Prozent – von 465.600 auf 438.500 BEV-Verkäufe. Betrachtet man das zweite Quartal isoliert, sank der Absatz von gegenüber dem Q2/2025 auf 238.400 BEVs (–4,2% YoY). Dabei offenbart die Konzernstatistik frappierende regionale Unterschiede:
So bleibt die Volkswagen Gruppe in Europa BEV-Marktführer mit 377.000 Verkäufen im ersten Halbjahr (+8,4%). Demgegenüber verlieren die Märkte in den USA und China immer mehr an Bedeutung. Die Absätze Batterie-elektrischer Autos brach dort um 69 bzw. 48 Prozent ein. Einziger Lichtblick: Im zweiten Quartal konnte Volkswagen die Verluste vor Ort zumindest ein wenig eindämmen: auf 49 bzw. 36 Prozent Minus. Volkswagen kommentiert denn auch, dass „in China trotz eines deutlichen Rückgangs im Q2 erste positive Impulse durch die neuen, lokal entwickelten Elektromodelle zu beobachten sind“. Als Grund für den starken Einbruch in den USA führen die Wolfsburger „das Auslauf staatlicher Förderprogramme im ersten Halbjahr inklusive der Auswirkungen durch erhöhte Zölle“ an.
| Auslieferungen an Kunden nach Märkten | Apr. – Jun. 2026 | Apr. – Jun. 2025 | Delta (%) | Jan. – Jun. 2026 | Jan. – Jun. 2025 | Delta (%) |
| Europa | 200.700 | 189.800 | +5,7 | 377.000 | 347.900 | +8,4 |
| USA | 5.800 | 11.400 | -49,0 | 9.800 | 31.300 | -68,8 |
| China | 21.500 | 33.400 | -35,6 | 30.900 | 59.400 | -47,9 |
| Rest der Welt | 10.400 | 14.200 | -26,4 | 20.700 | 27.000 | -23,2 |
| Welt | 238.400 | 248.800 | -4,2 | 438.500 | 465.600 | -5,8 |
Immerhin: Bei den Plug-in-Hybriden (PHEV), zu denen Volkswagen in seiner Statistik auch Range-Extender-Fahrzeuge (EREV) zählt, konnten in den ersten sechs Monaten des Jahres gegenüber dem analogen Vorjahreszeitraum um 27 Prozent zulegen – auf 246.000 Einheiten. Sie machten damit 6 Prozent aller Gruppen-Verkäufe im ersten Halbjahr aus. Die BEVs bilden 10,6 Prozent des Gesamtabsatzes ab. Erstes EREV-Modell des Konzerns ist übrigens der ID. ERA 9X04 in China, der in China bereits auf mehr als 10.000 Auslieferungen kommen soll.
Was den Gesamtabsatz von 4,13 Millionen Fahrzeugen angeht, kann Volkswagen die Verluste im China-Geschäft (-26% YoY) im ersten Halbjahr nur teilweise durch Zuwächse in Südamerika (+8% YoY), Westeuropa (+3% YoY) sowie Zentral- und Osteuropa (+7% YoY) kompensieren. In Nordamerika steht nach den ersten Sechs Monaten ein Minus von 3 Prozent zu Buche. Letzterer Wert zeigt: Verbrenner gehen für Volkswagen in den USA aktuell wieder besser weg als strombetriebene Autos.
Doch von der regionalen Absatzentwicklung nochmal hin zu der Elektroauto-Statistik des Konzerns. Als meistverkaufte BEV-Fahrzeuge nennt Volkswagen die folgenden Baureihen:
- Škoda Elroq – 59.900 Einheiten
- Volkswagen ID.4/ID.5 – 53.700
- Škoda Enyaq (inkl. Coupé) – 48.300
- Volkswagen ID.3 – 44.400
- Audi Q4 e-tron (SUV/Sportback) – 33.800
- Audi Q6 e-tron (SUV/Sportback) – 31.900
- Volkswagen ID.7 (inkl. Tourer) – 29.500
- Volkswagen ID. Buzz (inkl. Cargo) – 27.200
- Cupra Born – 20.800
- Audi A6 e-tron (Avant/Sportback) – 18.400
Außerdem veröffentlicht Volkswagen eine detaillierte Übersicht, wie sich der Elektroautoabsatz der einzelnen Konzernmarken entwickelt hat. Dabei zeigt sich, dass bei den BEV-Verkäufen vor allem Porsche (-31% YoY) und Volkswagen Pkw (-28% YoY) ein sehr schwaches erstes Halbjahr verzeichnet haben. Als Volumenbringer entpuppt sich dagegen immer mehr Skoda (+48% YoY), wie auch das gerade aufgeführte Ranking mit zwei Skoda-Stromern unter den Top-3-Elektroautos zeigt. Die beiden Marken VW und Skoda trennten beim BEV-Absatz dadurch im ersten Halbjahr nur noch rund 30.000 Einheiten. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 120.000.
| Auslieferungen an Kunden nach Marken | Apr. – Jun. 2026 | Apr. – Jun. 2025 | Delta (%) | Jan. – Jun. 2026 | Jan. – Jun. 2025 | Delta (%) |
| Markengruppe Core | 172.900 | 177.300 | -2,5 | 317.900 | 328.800 | -3,3 |
| Volkswagen Pkw | 75.900 | 97.500 | -22,2 | 138.300 | 192.700 | -28,2 |
| Škoda | 56.400 | 46.000 | +22,7 | 108.200 | 73.000 | +48,3 |
| SEAT/CUPRA | 22.500 | 19.000 | +18,5 | 40.300 | 37.600 | +7,2 |
| Volkswagen Nutzfahrzeuge | 18.000 | 14.800 | +21,6 | 31.100 | 25.500 | +22,0 |
| Markengruppe Progressive | 53.000 | 55.000 | -3,7 | 95.000 | 101.400 | -6,3 |
| Audi | 53.000 | 55.000 | -3,7 | 95.000 | 101.400 | -6,3 |
| Bentley | – | – | – | – | – | – |
| Lamborghini | – | – | – | – | – | – |
| Markengruppe Sport Luxury | 11.600 | 15.800 | -26,9 | 23.700 | 34.200 | -30,8 |
| Porsche | 11.600 | 15.800 | -26,9 | 23.700 | 34.200 | -30,8 |
| Markengruppe Trucks / TRATON | 1.000 | 600 | +62,2 | 1.900 | 1.200 | +51,4 |
| Scania | 270 | 120 | +126,5 | 400 | 220 | +78,7 |
| MAN | 560 | 430 | +30,3 | 1.100 | 800 | +36,7 |
| International | 210 | 90 | +126,9 | 390 | 180 | +120,1 |
| Volkswagen Truck & Bus | 0 | 0 | +100,0 | 10 | 50 | -87,2 |
| Volkswagen Group (gesamt) | 238.400 | 248.800 | -4,2 | 438.500 | 465.600 | -5,8 |
Volkswagen betont angesichts der vergleichsweise ernüchternden Zahlen, dass die BEV-Nachfrage immerhin bald anziehen dürfte. So soll der Auftragsbestand bei den reinen E-Fahrzeuge in Europa um mehr als 50 Prozent gestiegen sein. „Insbesondere die kürzlich eingeführte Electric Urban Car Family mit VW ID. Polo, Škoda Epiq und Cupra Raval ist mit mehr als 54.000 Bestellungen sehr beliebt bei den Kunden“, führt Volkswagen aus. Über alle Antriebsarten hinweg seien die Auftragseingänge um vier Prozent gestiegen, wobei „der BEV-Anteil am Auftragsbestand bei über 30 Prozent liegt“, wie der Konzern schreibt. Das spricht auch mit Blick auf die Absatzstatistik für einen künftig wachsenden E-Auto-Anteil. Die derzeit 10,6 Prozent sind ein relativ geringer Wert. Bei Mercedes-Benz Pkw fuhr im zweiten Quartal schon jeder achte neue Mercedes-Pkw rein elektrisch (13 Prozent E-Anteil).
Marco Schubert, Bei Volkswagen Mitglied der Erweiterten Konzernleitung für den Vertrieb, kommentiert: „Die Volkswagen Group ist im ersten Halbjahr außerhalb Chinas insgesamt um rund zwei Prozent gewachsen. Insbesondere in Südamerika und in Europa haben wir weiter zugelegt. Besonders erfreulich: In unserer Heimatregion kommt die erst vor wenigen Wochen eingeführte Electric Urban Car Family sehr gut bei unseren Kunden an. […]“ Herausfordernd bleibe die Situation in China: „Dort konnten wir uns einer deutlich rückläufigen Gesamtmarktentwicklung um rund 20 Prozent nicht entziehen – trotz erster positiver Impulse unserer dort neu eingeführten, lokal entwickelten Elektrofahrzeuge“, so Schubert.





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