25.06.2019 - 06:47

Autogipfel strebt Masterplan für Ladeinfrastruktur an

abl-emh3-ladestation-charging-station

Der Autogipfel von Regierung, Herstellern und Zulieferern ist am gestrigen Abend ohne konkrete Maßnahmen auseinander gegangen. Der wohl einzige Beschluss: Man wolle gemeinsam an einem „Masterplan für Ladeinfrastruktur“ arbeiten.

++ Dieser Artikel wurde aktualisiert. Sie finden die neuen Infos ganz unten. ++

Das verkündete zumindest VDA-Präsident Bernhard Mattes, der als einziger Teilnehmer des Gesprächs anschließend vor die Kameras trat. Wo, wie und mit welchen Mitteln das Ladenetz ausgebaut werden soll, steht jedoch noch nicht fest. „Wir haben über finanzielle Zusagen und Fördermittel nicht gesprochen“, so Mattes. Maßnahmen und Beschlüsse sollen erst bei einem weiteren Gipfel im Herbst folgen.

Ein erster Schritt scheint damit gemacht, denn das Laden ist erfahrungsgemäß ein großes Hemmnis für potenzielle Kunden. Wer sich nicht sicher ist, wo er sein Elektroauto zuverlässig laden kann, kauft meist gar keins. Dennoch drängt die Zeit. Vor allem für die Hersteller, weil sie Milliarden in Entwicklung, Einkauf und Produktion von Elektroautos investieren. Nur mit Benzin und Diesel wird die Industrie das CO2-Ziel von 95 Gramm pro Kilometer im Flottenschnitt nicht schaffen. Für die Politik, weil ohne mehr Elektroautos die europäischen Klimaziele in noch weitere Ferne rücken.

In Teilen der Industrie hatte man sich – gemessen an den Aussagen vor dem Gipfel – sicher mehr erwartet. Andererseits besteht jetzt die Möglichkeit, an dem Masterplan für Ladeinfrastruktur mitzuarbeiten. Zwar kein „Masterplan Elektromobilität“, wie etwa von VW-Vorstand Thomas Ulbrich gefordert. Aber Autobauer und Zulieferer können nun vielleicht mitreden, wie ein Ladenetz, das bis 2030 laut Mattes über zehn Millionen Elektroautos versorgen soll, aufgebaut werden kann. Nur mit dem Finger auf die Politik zu zeigen, reicht ohnehin nicht mehr: Schon heute gibt es – auch auf Länderebene – zahlreiche Fördertöpfe für Ladeinfrastruktur. Von denen viele aber nicht vollständig abgerufen werden. Auch hier muss ein solcher Masterplan künftig ansetzen.

Dass es im Kanzleramt keine Beschlüsse geben wird, hatte sich abgezeichnet: Bereits im Vorfeld hatte die Regierung die Erwartungen an den Autogipfel gedämpft. Es sei der „Einstieg in einen Gesprächsprozess“ mit einer der wichtigsten Industrien des Landes über ihre Zukunft, Arbeitsplätze und notwendige Entwicklungen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Es wird hoffentlich ein schneller Gesprächsprozess, denn die Liste an Themen, die angegangen werden müsste, ist auch neben der Dichte des Ladenetzes lang: Die seitens der Politik geforderte Batteriezellproduktion in Deutschland, zum Beispiel. Für die macht sich vor allem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stark. Oder geringere Steuern für Ladestrom, wie es BMW vor dem Gipfel forderte. Und nicht nur mehr Ladesäulen, sondern ein dichteres Ladenetz ohne Ladekarten- und Abrechnungschaos, was viele potenzielle Elektroauto-Kunden noch abhält. Wer ohne Widerstand auf dem eigenen Stellplatz in einem Mehrparteienhaus eine Wallbox installieren will, wartet – wie etwa auch von VW gefordert – auf eine Reform des Wohnungseigentumsgesetzes. Und wie die Mitarbeiter bei Herstellern und Zulieferern umqualifiziert werden sollen, um die Branche auch weiterhin innovativ zu halten, ist nach dem weiteren Abend im Kanzleramt ebenfalls noch nicht geklärt.

– ANZEIGE –

Dabei hatten sich die Autobauer im Vorfeld des Gipfels entgegenkommend gezeigt. Nicht nur, dass BMW offenbar seine Elektropläne um zwei Jahre beschleunigen und Plug-in-Hybride für bessere Luft in den Städten zwangsweise in den Elektromodus schicken will. Die Branche ist von einem wichtigen Punkt abgerückt, der bislang unantastbar schien: Das Autofahren könnte teurer werden. „Denkbar sind aber auch Ansätze, die über einen Mindestpreis schnell greifen“, heißt es deshalb im Positionspapier des Branchenverbandes VDA für den Gipfel, aus dem das „Handelsblatt“ zitiert. Damit ist die Tür für die Regierung aufgestoßen, gezielt über eine CO2-Bepreisung nachzudenken. Das Klimakabinett könne schon im September einen Beschluss fällen.

Aber auch aus anderen Teilen der Politik ist der Druck auf die Bundesregierung zuletzt größer geworden. Anfang Juni forderten die Ministerpräsidenten von Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen von Berlin mehr Engagement für Elektroautos. „Zu viel Zeit wurde auf Bundesebene schon verspielt und zu viele Ziele wurden verfehlt“, hieß es in einer Erklärung. Winfried Kretschmann (Grüne), Stephan Weil (SPD) und Markus Söder (CSU) waren zu dem Gipfel jedoch nicht eingeladen.

In eine andere Richtung ging am Montag allerdings ein Papier der Unionsfraktion – als klarer Vorschlag, wie aus ihrer Sicht der Verbrennungsmotor zu retten sei. Sie wollen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe fördern, auch damit der „momentane Technologievorsprung deutscher Automobilhersteller“ erhalten bliebe. Zudem soll die Energiesteuer für regenerative Kraftstoffe auf den europäischen Mindestsatz gesenkt werden, und die E-Fuels sollen ebenfalls auf den CO2-Flottengrenzwert angerechnet werden.

Wie uneins der Berliner Politikbetrieb über den Umgang mit der Autobranche ist, haben die vergangenen Wochen gezeigt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte nach langem Zögern einen Maßnahmenkatalog vorgestellt, der unter anderem eine Erhöhung der Kaufprämie für Elektroautos und zusätzliche Gelder für Ladesäulen vorsah. Das Klimakabinett beschloss aber nur eine Verlängerung des Umweltbonus bei unveränderter Höhe. Lediglich akustische Warnsysteme für Fußgänger werden ab sofort mit 100 Euro zusätzlich gefördert. Es scheint, als habe die Große Koalition in Berlin noch immer keine gemeinsame Idee von der Mobilität der Zukunft in Deutschland. In diesem Punkt bleibt sie sich immerhin seit Jahren treu.

Update 26.06.2019: Inzwischen zeichnet sich ab, wie der Masterplan aussehen könnte. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis 2030 300.000 Ladepunkte entstehen, um „die letzten Bedenken“ gegen die Technik zu zerstreuen.

Zudem soll auch, wie oft gefordert, das Laden in der Tiefgarage einfacher werden. Ein entsprechendes „Gesetzesvorhaben zur Beschleunigung des Hochlaufs der Elektromobilität“, mit dem unter anderem die Hinternisse bei der privaten Ladeinfrastruktur angegangen werden sollen, hat Verkehrsminister Scheuer nach eigenen Angaben auf den Weg gebracht. Das Vorhaben soll jetzt in die Ressortabstimmung gehen.
br.de, manager-magazin.de, spiegel.de (E-Fuels), handelsblatt.com (Mindestpreis), spiegel.de (Update), welt.de (Update)

— Anzeige —

innogy - Faires Laden für ElektromobilistenFaires Laden für Elektromobilisten: Genau wissen, wie viel man tankt – an der Zapfsäule ist das normal, an der Ladesäule noch immer nicht Standard. innogy bietet seit 2014 uneingeschränkt eichrechtskonforme Ladelösungen an. Über das White-Label-Angebot können nun Energieversorger die eichrechtskonformen Lösungen für den Aufbau und Betrieb der eigenen Ladeinfrastruktur nutzen.
Zum Artikel >>

Stellenanzeigen

Senior-Projektmanager (w/m/d) Elektromobilität

Zum Angebot

Laborleiter Elektrochemie

Zum Angebot

Elektroingenieur für den Qualitätsbereich (m/w/d)

Zum Angebot

14 Kommentare zu “Autogipfel strebt Masterplan für Ladeinfrastruktur an

  1. Max

    Das Problem ist doch nicht, dass der Treibstoff in Deutschland zu billig wäre und deshalb die Steuern darauf weiter erhöht werden müssten. Das Problem ist, dass die Elektromobilität gegenwärtig für viele Menschen noch nicht attraktiv ist. Zitat von Unbekannt: Man stärkt die Schwachen nicht, indem man die Starken schwächt.

    Synthetische Kraftstoffe werden schon deshalb kommen, weil die Luftfahrt zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen angewiesen ist. Dass sie dann wegen der Kompatibilität zu mineralischen Kraftstoffen auch im Straßenverkehr eingesetzt werden könnten, um so den Markt zu vergrößern, ist doch naheliegend.

    • gerd

      „Steuer“ kommt von steuern. und wenn 1kWh Sprit billiger ist als 1 kWh Strom, beim Sprit jeder kostenlos die Luft verschmutzen darf, dann fördert dies natürlich die Luftverschmutzung durch Verbrenner.

    • Robert

      Es ist ihnen aber schon bekannt des die Synthetischen Kraftstoffe 3 Euro pro liter in der Herstellung kosten. Da sind noch keinerlei Steuern oder Gewinne der Hersteller drauf!

  2. mike

    Überschußstrom auch zu niedrigen Preisen an die Endkunden.
    ..wäre freie Marktwirtschaft, würde kostenlos die Netze stabilisieren und die EEG Umlage verringern.

    warum also nicht???

    • H. Ebel

      Weil die EEG-Umlage nicht nur für die Umwelt erhoben wurde, sondern auch in andere Töpfe fließt. Und was der Staat einmal als Abgabe/Steuer erhoben hat, gibt er so schnell nicht wieder her – siehe Soli-Zuschlag.

  3. Ralf Kohnke

    Bei aller Liebe zur Ökologie und zur Umweltbewustsamkeit, die Herstellung genügend großer Akkus verursacht eine extreme Umweltzerstörung. Mit dem Forcieren dieser Technologie treiben wir den Teufel mit dem Belzebub aus. Warum nicht einen Weg einschlagen der Zielführender ist. Ziel ist es in erster Linie die Luftqualität gerade in den Städten zu verbessern. Es gibt Technologien die das – und mehr – leisten und es gibt Zukunftstechnologien, die daran anschließen können. Diese setzen auf wesentlich kleinere Akkus. Also eine geringere Umweltbelastung mit den Vorteilen des E-Antriebs wie keine Abgase, geringe Lärmbelastung und trotzdem lange Reichweiten und dem Technologievorteil von Deutschland. Die Antwort liegt so nah:
    Hybrid Technologie: Batterie Betrieb in der Stadt, Verbrenner Überland.
    Und wenn die Brennzellen Technick weiter ist haben wir auch Überland keine Abgase.

    • e- und Verbrennerfahrer

      Völlig richtig: das primäre Problem sind Abgase, Lärm und Ineffizienz durch Verbrenner in der Stadt.
      Die einfache und sofort realisierbare Lösung:
      jedes Zweitauto sollte ein e-Auto sein.
      Industriepolitik hat dafür zu sorgen. Wie Sicherheitsgurt- und Katalysatoreinführung bewiesen haben kann zum Gemeinwohl weder auf das Verantwortungsbewußtsein des Einzelnen noch auf die Rechtschaffenheit der Autoindustrie (Abgasbetrügereien, unrealistische Verbrauchsangaben) gesetzt werden.
      Hybrid-Autos sollten ausschließlich nach der rein elektrischen Reichweite (z.B. nach WLTP, besser noch nach der tatsächlichen elektrisch gefahrenen Strecke) gefördert und besteuert werden.
      Heutige in der Praxis elektrisch fahrbare Strecken von Hybrid-Autos sind ein Bruchteil der angegebenen angeblichen 50-60km (siehe auch Verbrauchswertetäuschung der Autoindustrie seit Jahrzehnten).

  4. jw

    Wieder ein Autogipfel ohne Ergebnisse – der wievielte schon ?
    Nach wie vor läßt sich die Politik von der Autoindustrie vorführen oder macht in deren Interessen munter mit wie der Audi Scheuer.

  5. JW

    Dem Großteil des (erwachsenen) Volkes fehlt einfach das Bewußtsein über die Notwendigkeiten – was kein Wunder ist, da es die sog. Eliten ebenfalls nicht haben.
    Einzig die Schüler haben ein fundiertes Gespür dafür, denn sie werden die Folgen des politischen Nichtstuns am eigenen Leib spüren.
    Der Witz des sog. Autogipfels: „Akustische Warnsysteme für Fußgänger(Anm.: die es in den meisten e-Autos bereits gibt!) werden ab sofort mit 100 Euro zusätzlich gefördert“.

    • H. Ebel

      Welch ein Unsinn – verordneter Lärm. Auch heutige Verbrenner fahren im unteren Drehzahlbereich sehr leise. Da gibt es keine Unterschiede zum E-Auto. Dann müsste man auch am Fahrrad, am E-Scooter oder elektr. Krankenfahrstuhl ein Geräuschmodul anbringen. Wenn die Leute statt aufs Handy zu starren mal um sich herum etwas aufmerksamer wären, würde es auch keine Zusammenstöße geben.

  6. Thomas

    Aha wieder so ein „Gipfel“ mit dem Ziel einen „Masterplan“ zu entwickeln. Alles heiße Luft! Warum gibt es denn nicht mal was KONKRETES? Diese Absichtserklärungen kann ich nicht mehr hören. Alles Schall und Rauch ohne konkrete Maßnahmen mit Zeitplan und Finanzierung. Die Politik veräppelt uns doch…

    300.000 neue Ladesäulen bis 2030? Ich sag nur 1 Million E-Fahrzeuge bis 2020. Man wird uns 2028 erklären, dass man leider nur 10.000 Ladesäulen gebaut hat und das Ziel wohl nicht erreichen wird. 2040 vielleicht….

  7. josef

    Steckdosen an Bahnparkplätze.

  8. SHausSTA

    Ziel muss sein, dass ich an jedem beliebigen Ladepunkt – wie an jeder normalen Tankstelle – mit meiner EC-, Kreditkarte oder dem Smartphone bezahlen kann und nicht von zahllosen Betreibern eine Karte und einen Account benötige. Die Abrechnung muss in tatsächlich geladenen Kilowatt erfolgen, analog zu den Litern Kraftstoff an der Tanke. Damit wäre Preistransparenz gewährleistet.
    Wenn der Ladevorgang abgeschlossen ist, sollte die Zeit, die das Fahrzeug länger an der Säule steht, durch einen Minutenpreis quasi als Parkgebühr in Rechnung gestellt werden. Damit könnten Dauerparker wirksam vertrieben werden.
    Jede andere Art der Abrechnung halte ich persönlich weder für akzeptabel noch praktikabel.

  9. Mia

    Wie möchte man denn die C02 Steuer berechnen? wird man dafür nur den externen Schaden berechnen der bei einem Liter Benzin ausgestoßen wird? Also 2,32 kg C02 Ausstoß pro Liter und dann eine Studie für die Klimakosten heranziehen? Auf welchen Preis könnte man sich dafür einigen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2019/06/25/autogipfel-bleibt-ohne-konkrete-beschluesse/
25.06.2019 06:53