08.10.2020 - 11:45

Maxus EV80 von Hertz zur Miete bei Ikea – ein Selbstversuch

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Der Ikea-Konzern gehört zu den Gründungsmitgliedern der EV100-Initiative und will bis 2025 den gesamten Home Delivery Service und firmeninternen Fuhrpark auf emissionsfreie Antriebe umstellen. Möglich ist es bereits, u.a. auch E-Transporter an Filialen zu mieten. Ein Selbstversuch mit dem SAIC Maxus EV80.

* * *

Seit 2018 stehen an Ikea-Einrichtungshäusern E-Transporter wie der SAIC Maxus EV80 über Hertz 24/7 zur Miete bereit. Gestartet wurde mit den Standorten in Frankfurt am Main und Kamen. Mittlerweile stehen die chinesischen Transporter aber auch in Kaarst, Karlsruhe, Dortmund, Koblenz, Ludwigsburg, Wallau und Hamburg-Schnelsen zur Verfügung.

Aufgrund eines privaten Umzugs, musste ich bei Ikea in Hamburg-Schnelsen einen Transporter mieten – die Möglichkeit für einen Selbstversuch. Zur Auswahl standen entweder der Renault Trafic oder aber der Maxus EV80 für jeweils 19,90 Euro/Stunde (Ikea Family für 15,90 Euro/Stunde) inklusive 100 km. Die Wahl fiel – nicht nur aufgrund der Größe – auf den EV80. Denn während die Diesel-Transporter vollgetankt wieder abgegeben werden müssen, reicht es, den E-Transporter nach Nutzung an die Ladesäule anzuschließen.

Die Anmietung erfolgt online oder über die Hertz-App. Zuvor ist jedoch eine Registrierung notwendig, die sich als eher umständlich herausstellte. Ist der Prozess aber durchlaufen, kann die Buchung erfolgen. Vier Stunden waren angesetzt, immerhin galt es, einmal durch den Stadtverkehr von Hamburg zu fahren, wieder zurück und dazu noch eine weitere Fahrt, um Möbel aus einer anderen in die neue Wohnung zu transportieren. Als Reichweite gibt Hertz auf der Webseite bis zu 130 Kilometer an.

Rund 25 Minuten vorher gibt es den Code, um das Fahrzeug zu öffnen – alternativ kann das Schlüsselsymbol in der App genutzt werden. Aufgrund der aktuellen Covid-Situation bilden sich teils lange Schlangen – gerade an einem Samstag – vor dem Laden. Online kann jedoch kostenlos ein Ticket mit einer Uhrzeit geordert werden, womit der Einlass ohne Wartezeit möglich ist – für dieses Vorhaben perfekt. Zuerst aber der Möbel-Kauf im Einrichtungshaus – ohne Möbel ist auch kein Transporter nötig. Anschließend begab ich mich zum Transporter. In der Zwischenzeit erhielt ich den Code und konnte somit den Maxus EV80 – ein Fahrzeug der „Sprinter“-Klasse – umgehend beladen.

Für ein Mietfahrzeug befand sich der Hamburger Maxus innen in einem sehr guten Zustand. Beim Blick auf das Armaturenbrett, das Lenkrad und die Bedienelemente fühlt man sich um mindestens zehn Jahre zurückversetzt – modern ist hier nichts. Das Interieur ist auf das Wesentliche reduziert. Zwar ist die Verarbeitung ok, dennoch wirkt alles günstig. Der E-Transporter soll aber auch nur seine Zwecke erfüllen und nicht zu einem zweiten Wohnzimmer werden. Und für einen Kaufpreis von 39.900 Euro (Basismodell bei Maske) auch akzeptabel.

Der Schlüssel lag im Fahrzeug bereit. Über ein klassisches Zündschloss wurde der Motor gestartet. Doch im ersten Moment schalteten sich das Radio und die Instrumententafel inklusive digitalen Anzeigen ein, das System gab aber kein „Ready“ aus. „Bitte geben Sie den PIN zum Starten ein“, wurde einem mitgeteilt. Doch wo? Erst nach genauerem Hinsehen entpuppte sich das als Freisprecheinrichtung „getarnte“ Bedienfeld als Eingabefeld. Abfragen nach u.a. Zustand des Fahrzeugs mussten bestätigt werden. Endlich startete der Motor und die Fahrt konnte beginnen.

Angetrieben wird der Maxus EV80 übrigens von einem E-Motor mit einer Leistung von 92 kW. Im Stadtverkehr eine mehr als ausreichende Leistung, auch bei beladenem Zustand. Beim Rollen lassen oder Bremsvorgang „ruckelte“ der Motor jedoch deutlich – ein eher nerviges Fahrverhalten. Sobald jedoch das Strompedal wieder gedrückt wurde, lief der Motor rund. Innerhalb der Community wird von einer „Einstellungssache“ gesprochen. Eine Optimierung, falls sie möglich ist, die vorgenommen werden sollte.

Die Energie kommt aus einer 56 kWh großen Lithium-Eisenphosphat-Batterie. Diese ist im Unterboden verbaut. Während für den Lieferverkehr die Art und Weise der Montage von Motor, Batterie oder auch HV-Leitungen ausreichend sein sollte, dürfte dies bei anspruchsvolleren Aufgaben schon als grenzwertig bezeichnet werden: Unter dem Fahrzeug liegen Hochvolt-Kabel frei, zudem bildet der Batteriekasten den tiefsten Punkt und würde etwa an einer steilen Rampe wohl als erstes Bauteil aufsetzen. In unserer Galerie können Sie sich davon selbst ein Bild machen und ein Urteil fällen. Erneut zeigt sich, wie der günstige Basispreis zustande kommt.

Die Reichweite soll laut Hersteller – Hertz gibt mit 130 Kilometer eher eine konservative Reichweite an –bis zu 200 Kilometer betragen. Das System gab eine Reichweite, welche freilich abhängig von den vorherigen Fahrweisen ist, von rund 175 Kilometer an. Für die geplanten Routen in Hamburg aber ausreichend.

Fahrzeug abstellen, ausladen und wieder starten. Wichtig zu wissen: Das Schlüsselsymbol in der App musste bei jedem Start des Motors erneut gedrückt werden. Erst dann konnte die nächste Fahrt beginnen. Das System bestehend aus Fahrzeug, App und Kommunikation funktionierte einwandfrei. Innerhalb der Zeit konnte somit die Tour zurück zum Ikea-Einrichtungshaus erfolgen. Erstmalig ging es nun für ein Teilstück auch auf die Autobahn. Hier zeigte sich, was ich bereits vermutete: Die Leistung des E-Motors mit 92 kW war ausreichend – mehr aber auch nicht. Die Beschleunigung auf 100 km/h und darüber gestaltete sich als sehr genügsam.

Nach insgesamt rund 50 Kilometer war die Miete mit dem Maxus EV80 beendet. Mit vollem Akku gestartet, waren nur zwei von acht Balken der Anzeige verschwunden. Theoretisch wären unter diesen Bedingungen die 200 Kilometer möglich gewesen.

Angekommen bei Ikea in Hamburg-Schnelsen, konnte der E-Transporter jedoch nicht an eine der beiden Ladesäulen angeschlossen werden, da diese vollständig belegt waren. Ich stellte den Maxus EV80 daneben ab und begab mich zur Information. Dort war die Problematik bekannt, weshalb sich ein Mitarbeiter um den Ladevorgang kümmern würde. Wäre der Akku jedoch leergefahren, hätten mögliche Nachmieter vor einem Problem gestanden, denn ein vollständiger DC-Ladevorgang benötigt rund zwei Stunden, ein AC-Ladevorgang etwa acht Stunden. Eine eigene Ladeinfrastruktur für die E-Transporter scheint also notwendig zu sein.

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Ikea stellt Flotte auf emissionsfreie Antriebe um

Der Ikea-Konzern gehört bekanntlich zu den Gründungsmitgliedern der Initiative EV100. Nach der aktuellen Nachhaltigkeitsstrategie plant Ikea, bis 2025 den gesamten „Home Delivery“ Service und auch den firmeninternen Fuhrpark auf emissionsfreie Antriebe umzustellen. Aus diesem Grund arbeitet der Konzern „unter Hochdruck“ daran, dass an allen 54 Standorten in Zukunft E-Transporter für die Kunden bereitstehen.

Derweil kann der SAIC Maxus EV80 an den Standorten in Frankfurt-Niedereschbach, Wallau, Karlsruhe, Kamen, Kaarst, Koblenz, Dortmund, Ludwigsburg und Hamburg-Schnelsen über Hertz gemietet werden. Darüber hinaus gibt es je zwei Renault Kangoo Z.E. an den Standorten in Magdeburg, Freiburg und Rostock, welche die Kunden zwei Stunden kostenlos nutzen können, wenn sie ein ÖPNV-Ticket vorweisen oder mit dem Fahrrad angereist sind bzw. im Fall von Rostock ein ÖPNV-Ticket oder aber einen Studentenausweis vorweisen können.

Kunden nehmen das Angebot „prinzipiell“ gerne an

„Kunden von Hertz nehmen das exklusive Angebot gerne an. Bei einem spontanen Einkauf in einem der Ikea-Einrichtungshäuser kommt der Service unheimlich gelegen. Darüber hinaus sind viele Kunden neugierig, ein Fahrzeug mit Elektroantrieb einmal auszuprobieren“, so Sabine Wagner, Director Business Development Hertz 24/7 Germany, gegenüber electrive.net. Der Maxus werde laut Wagner gezielt gebucht. Zum einen aus „Neugier“ an E-Transportern, aber auch aus Kostengründen, da der Transporter nicht wieder „vollgetankt“ abgegeben werden müsse.

Es zeigte sich laut Sabine Wagner aber auch, wo noch es noch Verbesserungsbedarf gibt: „Die größte Schwierigkeit bei der Anmietung von Elektro-Fahrzeugen im Allgemeinen ist nach wie vor die relativ geringere Reichweite sowie die Ladeinfrastruktur in Deutschland. Das spiegelt sich auch bei der Anmietung der Elektro-Transporter von Hertz wider. Der Maxus erzielt bereits eine hohe Reichweite von bis zu 200 km im realen Verkehr, dennoch wäre eine Reichweite darüber hinaus wünschenswert.“ Das Angebot an emissionsfreien Nutzfahrzeugen zum Möbeltransport soll an weiteren Standorten kontinuierlich ausgebaut werden, denn „Nachhaltigkeit ist und bleibt für Hertz ein sehr wichtiges Thema“. Konkrete Pläne für einen Ausbau gibt es derzeit aber noch nicht.

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3 Kommentare zu “Maxus EV80 von Hertz zur Miete bei Ikea – ein Selbstversuch

  1. notting

    “Wäre der Akku jedoch leergefahren, hätten mögliche Nachmieter vor einem Problem gestanden, denn ein vollständiger DC-Ladevorgang benötigt rund zwei Stunden, ein AC-Ladevorgang etwa acht Stunden. Eine eigene Ladeinfrastruktur für die E-Transporter scheint also notwendig zu sein.”
    In Anbetracht der Tatsache, dass viele Leute recht weit zu Ikea fahren müssen, finde ich selbst die 2h “Schnellladung” happig. Klar, nicht jeder fährt die Kiste komplett leer. Aber gegen Ende wird die Ladeleistung i.d.R. massiv gedrosselt.
    Wenn der Ikea 10h/Tag geöffnet hat kann es wegen dem Laden unter Umständen wie im Artikel genannt schon für eine 2. Fahrt am Tag recht knapp werden, auch weil der erste vermutlich nicht pünktlich da ist wenn der Laden öffnet, sondern erst noch seine Ware abholen oder gar noch aussuchen muss.

    notting

    • Chris

      die 2 Stunden liegen im Falle von Ikea aber eher an den dort stehenden lahmen 20kW Ladern…

      • Daniel Bönnighausen

        Leider nicht. In dem Fall kann der Maxus nicht schneller an DC-Säulen laden.

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Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2020/10/08/maxus-ev80-von-hertz-zur-miete-bei-ikea-ein-selbstversuch/
08.10.2020 11:37