11.10.2021 - 11:54

Rock Tech baut Lithiumhydroxid-Werk in Brandenburg

Rock Tech Lithium hat den Bau einer Produktionsanlage für Batterie-taugliches Lithiumhydroxid im brandenburgischen Guben angekündigt – 60 Kilometer von Teslas Werk in Grünheide entfernt. Geplant ist, dort rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr zu produzieren – genug für rund 500.000 Elektroautos.

Bei Rock Tech Lithium handelt es sich um ein deutsch-kanadisches Unternehmen mit Hauptsitz in Vancouver, das den Rohstoff für das Lithiumhydroxid aus seinem Minenprojekt in Georgia Lake im kanadischen Ontario gewinnt. Zur Veredelung des Elements soll nun eine sogenannte „Konverter-Fabrik“ in der brandenburgischen Lausitz entstehen. Die Produktionsanlage soll 160 Arbeitsplätze schaffen, die Fertigstellung des Werks ist für 2024 vorgesehen. Das geplante Gesamtinvestitionsvolumen am Standort Guben beziffert Rock Tech „für alle Fabrikeinheiten auf bis zu 470 Millionen Euro“. Die endgültige Realisierung der Pläne macht das Unternehmen aber explizit von Förderzusagen des Staats abhängig.

Der Entscheidung für Guben war nach Angaben des Lithiumproduzenten eine europaweite Standortsuche vorausgegangen. Die nun ausgewählte Region punktete mit ihrer „langen Industrietradition und der vorhandenen Infrastruktur“. Das zwölf Hektar große Gelände, das Rock Tech für gut 1,1 Millionen Euro erwerben will, liegt im kürzlich erweiterten Industriepark Guben Süd und bietet nach Angaben des Unternehmens umfangreiche Flächen für den Bau von Anlagen für alle einzelnen Produktionsschritte der Lithiumveredelung. Und: Die bereits gute Verkehrsanbindung werde durch einen möglichen Bahnanschluss weiter optimiert. Für die Produktion solle erneuerbare Energie aus der Region genutzt werden, heißt es weiter.

Nicht explizit erwähnt, aber sicherlich bedeutend für die Entscheidung dürften zudem die nur 60 Kilometer entfernt entstehende Tesla-Fabrik in Grünheide (wo nicht nur E-Fahrzeuge, sondern auch Batteriezellen gebaut werden sollen) und die ebenfalls unweit gelegene Kathodenfabrik von BASF in Schwarzheide sein. In seiner Mitteilung äußert Rock Tech nur, dass man ein zentraler Bestandteil der Wertschöpfungskette Batterie und damit Teil des Brandenburger E-Mobilitätsclusters werden wolle. Gegenüber dem „Handelsblatt“ äußerte sich Rock-Tech-Chef Dirk Harbecke ähnlich: „Brandenburg wird eine der ersten Regionen Europas, die fast die gesamte Wertschöpfungskette von Elektroautos abdeckt.“ Das Lithium für die eigene Fabrik komme zwar aus der Mine in Kanada, aber sonst sei von der Rohstoffverarbeitung bis zum Bau der Elektroautos alles abgedeckt.

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„Unser Ziel ist es, das erste Unternehmen weltweit zu sein, das einen geschlossenen Kreislauf für Lithium schafft. Guben scheint uns dafür der ideale Standort zu sein, wobei auch Fördermittel eine wichtige Rolle spielen“, fährt Harbecke fort. Bis 2030 strebt sein Unternehmen an, rund 50 Prozent der eingesetzten Rohstoffe aus dem Recycling aus Altbatterien zu gewinnen. Die Nachfrage sei gigantisch, so Harbecke gegenüber dem „Handelsblatt“. Deshalb soll es nicht bei einer Fabrik bleiben, Harbecke kündigt fünf Werke an, die Jahr für Jahr in Europa entstehen sollen.

Dabei will der Unternehmenschef Rock Tech allen voran als Lithium-Partner der Automobilindustrie positionieren, sucht dem „Handelsblatt“ zufolge aber auch das Gespräch mit Kathodenspezialisten wie BASF. Explizit sollen dem CEO zufolge „bevorzugt deutsche und europäische Abnehmer“ angesprochen werden.

In Brandenburg wird der Lithium-Hersteller mit offenen Armen empfangen: „Mit Rock Tech Lithium stärken wir unsere Position als zukünftiges Zentrum der europäischen E-Mobilität“, frohlockt Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes. „In Brandenburg wird künftig die gesamte Wertschöpfungskette zu Hause sein (…). Das ist ein wichtiges Zeichen für die Menschen in der Region. Der Strukturprozess in der Lausitz hat begonnen und zeigt erste positive Ergebnisse. Die Lausitz ist und bleibt eine wichtige Energieregion in Deutschland.“

Rock Tech Lithium wurde 1996 gegründet und der TSX Venture sowie an der Frankfurter Börse notiert. Das Unternehmen wird von Chairman und CEO Dirk Harbecke, CFO Stefan Krause, CTO Don Stevens sowie Esther Bahne als Chief Strategy & Marketing Officer geleitet. Stefan Krause war erst dieser Tage in den Schlagzeilen, da ein neues Unternehmen mit ihm als Hauptgesellschafter die Streetscooter-Sparte der Deutschen Post kaufen soll. Der frühere BMW-Manager ist in der Branche ansonsten vor allem als Ex-Vorstand bei eMobility-Startups wie Faraday Future und Canoo bekannt.

Die Verarbeitung von Lithium in Raffinerien erfolgt bisher noch kaum in Europa, Hauptmarkt dafür ist Fernost. Jüngste Beispiele dafür sind die Ankündigung des südkoreanischen Stahlkonzerns Posco, eine Fabrik zur Extraktion von Lithiumhydroxid für Elektroauto-Batterien im koreanischen Gwangyang errichten zu wollen, und eine Vertragsunterzeichnung Teslas mit dem chinesischen Lithiumhydroxid-Hersteller Sichuan Yahua Industrial Group. BMW und Volkswagen beziehen Lithiumhydroxid zudem unter anderem mittels Mehrjahresverträgen von Ganfeng Lithium.

Eine Ausnahme bildet die AMG Lithium GmbH, eine Tochter der niederländischen Advanced Metallurgical Group (AMG), die im Frühjahr ein Grundstück im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen erworben hat. Dort soll bis 2023 ein Lithiumhydroxid-Werk entstehen – unweit der zu diesem Zeitpunkt geplanten, inzwischen jedoch in Frage gestellten Batterie-Produktion von Daimler-Partner Farasis.

Auf dem Areal in Bitterfeld-Wolfen will AMG zunächst eine Anlage mit einer Jahreskapazität von 20.000 Tonnen errichten. Die Grundstücksgröße soll so bemessen sein, dass in den Folgejahren durch weitere Module die jährliche Kapazität auf bis zu 100.000 Tonnen gesteigert werden kann.
prnewswire.com, handelsblatt.com

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3 Kommentare zu “Rock Tech baut Lithiumhydroxid-Werk in Brandenburg

  1. Torsten

    Um 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr zu produzieren und 160 Arbeitsplätze in DE zu schaffen, werden wie viel hunderttausend Tonnen Gestein rund um den Globus verschifft? Was ist das für ein Irrsinn, die Produktion nicht gleich in Kanada zu lassen! Auf diese CO2 Bilanz bin Ich sehr gespannt.

    • Stefan

      Entweder geht der Rohstoff aus der Mine in Kanada nach Europa in die Konverterfabrik nahe der Batteriefabrik für die E-Autos in Europa, oder das konvertierte Ergebnis in die Batteriefabrik. Es gibt auch Lithium in Europa.

    • Christian

      Genau das habe ich auch gedacht, Torsten. Von “Nearshoring” keine Spur. Zumal Vulcan Energy im Chemiepark von Ffm-Höchst jetzt eine Lithiumhydroxid-Anlage errichten will. Das dort zu verarbeitende Lithium soll überdies nicht etwa aus Kanada kommen, sondern aus dem wenige hunderte km südlich liegenden Oberrheingraben. Anscheinend ist auf dem Lithiummarkt so manches noch nicht ganz zuende gedacht.

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