27.10.2021 - 10:35

NEVS-Chef: „Haben keine Produktionsvereinbarung mit Sono Motors“

Obwohl Sono Motors bereits 2019 angekündigt hat, sein Solar-Elektroauto Sion von National Electric Vehicle Sweden (NEVS) am schwedischen Standort Trollhättan produzieren zu lassen, gibt es bis heute offenbar keine verbindliche Produktionsvereinbarung dazu. Wir haben bei den Münchnern nachgefragt.

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Das Fehlen eines finalen Vertrags machte NEVS-Chef Stefan Tilk jetzt gegenüber der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“ publik. „Wir haben keine Produktionsvereinbarungen. Zunächst müssen sie ihren Börsengang durchführen und Geld beschaffen. Dann können wir anfangen zu reden“, wird Tilk in dem Bericht zitiert. In deutschen Medien ist dieses Statement erstmals von „Elektroauto News“ aufgegriffen worden. Demnach fügt Tilk hinzu, dass der stets für 2023 genannte Produktionsstart des Sion „funktionieren würde“. Aber es handele sich um eine zusätzliche Dienstleistung, ein zusätzliches Einkommen, „das sich in diesem Fall für uns lohnen müsste. Damit stehen und fallen wir nicht.“ Bis dato habe sein Unternehmen Sono Motors geholfen, einige Teile des Sion fertig zu entwerfen, und Teile der Fabrik in Trollhättan für die Produktion des Elektroautos vorbereitet.

NEVS ist bekanntlich als Evergrande-Tochter unmittelbar von den Finanz- und damit einhergehenden Existenzsorgen des hoch verschuldeten chinesischen Immobilienkonzerns betroffen. 300 Mitarbeiter musste das Unternehmen zuletzt entlassen. Aktuell ist NEVS auf der Suche nach einem neuen Eigentümer. Sono Motors äußerte noch im August gegenüber electrive.net, dass die Produktion des Sion von der Restrukturierung bei NEVS „nicht betroffen“ sei. „Die Vorbereitungen der Produktionsanlagen für die Vorserienproduktion in 2022 und die Sion-Serienproduktion im ersten Halbjahr 2023 laufen bereits planmäßig“, so ein Sprecher des Unternehmens seinerzeit.

Auf eine Bitte um Stellungnahme zu den aktuellen Aussagen von NEVS-Chef Tilk, liefert Sono ein Update zur aktuellen Zusammenarbeit. Dabei bezeichnet Sono den Auftragsfertiger als „Produktionspartner“, äußert sich aber nicht, ob es eine vertraglich fixierte Produktionsvereinbarung gibt. Im Wortlaut teilt Sono Motors mit: „NEVS ist seit 2019 Produktionspartner von Sono Motors und wir stehen seitdem im engen Austausch, so auch aktuell. Die Produktion des Sion ist von der Restrukturierung aktuell nicht betroffen und die Vorbereitungen der Produktionsanlagen für die Vorserienproduktion in 2022 und die Sion-Serienproduktion im ersten Halbjahr 2023 laufen bereits planmäßig.“

Und weiter: NEVS habe sich bereits den aktuellen Entwicklungen angepasst und bei der Anpassung des Personalstands waren die für Sono Motors notwendigen Kapazitäten bisher nicht betroffen. „Mit NEVS haben wir einen Produktionspartner gefunden, der unsere Vision einer zukunftsweisenden und klimafreundlichen Mobilität teilt. Die Produktionsbedingungen im ehemaligen Werk der Kultmarke Saab sind für uns optimal: die entsprechenden Produktionskapazitäten, ein erfahrenes Team und die Produktion unter Verwendung von Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energien“, heißt es aus der Münchner Unternehmenszentrale. Abschließend betont ein Sprecher des Unternehmens, dass ein Team von Sono Motors erst Mitte Oktober für Tests in Trollhättan gewesen sei.

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INSYS

Schon bei der Bekanntgabe der Auftragsvergabe zur Produktion des Sion an NEVS 2019 machten die Münchner eine Menge Details zur geplanten Fertigung publik. So hieß es, dass in dem ehemaligen Saab-Werk des Auftragsfertigers über einen Zeitraum von acht Jahren zunächst 260.000 Fahrzeuge vom Band laufen sollen – nach der Hochlaufphase konkret rund 43.000 Sion jährlich im Zwei-Schicht-Betrieb. „Mit NEVS haben wir den für uns idealen Partner gefunden“, sagt Thomas Hausch, Chief Operating Officer von Sono Motors, zum damaligen Zeitpunkt.

Sono Motors ist seinerseits mit der Vorbereitung seines US-Börsengangs befasst. Darauf hatte NEVS-Chef Tilk in dem Eingangs-Statement ja unter anderem angespielt. Vor wenigen Tagen reichten die Münchner bei der US-Börsenaufsicht SEC ein offizielles Registrierungsformular für den geplanten Börsengang seiner Stammaktien ein. Die Anzahl der angebotenen Aktien und die Preisspanne für das potenzielle Angebot sind allerdings noch nicht bestimmt worden. Sono Motors betont außerdem, dass „das Angebot den Marktbedingungen unterliegt, und es nicht gewährleistet werden kann, ob oder wann das Angebot abgeschlossen werden kann oder in welchem Umfang oder zu welchen Bedingungen es tatsächlich erfolgt.“

Als Resümee lässt sich also festhalten, dass sowohl bei NEVS als auch bei Sono Motors aktuell viel Dynamik im Geschäftsaufbau herrscht – teils mit unvorhersehbarem Verlauf. Die Produktion des Sion scheint von beiden Seiten gewollt, aber aufgrund finanzieller und unternehmensorganisatorischer Schwebeverfahren noch mit Fragezeichen behaftet zu sein.

Unabhängig von der Finanzierungs- und Produktionsorganisation hat Sono Motors diese Woche übrigens bekannt gegeben, dass der bisher stets genannte Preis von 25.500 Euro für den Sion ab der 15.000. Reservierung um 3.000 Euro auf 28.500 Euro steigen wird. In einem Newsletter kommentierte das Unternehmen den Schritt wie folgt: „Es ist üblich, als neuer Marktteilnehmer mit einem sehr wettbewerbsfähigen Preis auf den Markt zu gehen. Es war daher schon immer geplant, den Preis des Sion langfristig anzupassen.“

Update 01.11.2021: Genau 15.000 Privatkunden-Reservierungen für den Sion hat das Münchner Solar-Elektroauto-Startup Sono Motors bis dato erhalten. Die durchschnittliche Anzahlungssumme liegt bei rund 3.000 Euro. Sono Motors plant, den aktuellen Nettopreis des Sion von 21.400 Euro auf 23.900 Euro (jeweils Nettopreise) anzuheben, entweder am 15. November oder sobald 16.000 Reservierungen erreicht werden – je nachdem, was zuerst eintritt. Zuvor war noch von „ab der 15.000. Reservierung die Rede.
dn.se (auf Schwedisch) via elektroauto-news.net, twitter.com (Tests in Trollhättan), sonomotors.com (Update)

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5 Kommentare zu “NEVS-Chef: „Haben keine Produktionsvereinbarung mit Sono Motors“

  1. David

    Wundert euch das wirklich? Ich meine, du machst doch nur ne Produktionsvereinbarung, wenn du produzieren willst.

  2. T. Becker

    Wer bislang sein Geld in Sono Motors gesteckt hat und weiter auf sein Sono Auto wartet wird hoffentlich endlich aufwachen. Das ist dieselbe Luftnummer wie bei Fisker. Seit Jahren geistern Bilder und Berichterstattungen durchs Netz und ein paar fahrfähige Prototypen auf die Räder zu stellen ist kein Hexenwerk. Eine echte Serienfertigung aufzubauen und diese finanziell abzusichern ist eine ganz andere Nummer. Nach anfänglichem Optimismus bin ich leider der Meinung, dass Sono Motors extrem viel Geld von seinen Unterstützern verzockt hat und das Auto bis auf Weiteres nicht auf die Straße kommen wird. Der Tesla für 25 – 30K wird, fast sicher, schneller auf dem Markt sein als Serienfahrzeuge, welche an private Kunden ausgeliefert werden bei Sono Motors. Potenzielle Kunden wurden mit Nachhaltigkeit und einem günstigen Kaufpreis geködert und an dem jetzt bereits steigenden Preis erkennt man, dass das Vorhaben zu diesen Dumping Konditionen nicht rentabel und realisierbar ist. Bis das erste Auto, wenn überhaupt auf der Strasse ist wird der Preis die 35K reißen. Die Gründer und Macher haben sich überhoben und wenn sie 2023 eine Serienfertigung starten wollten wären verbindliche Verträge dazu unter Dach und Fach. Auf ein Fingeschnippen hin ist kein Hersteller in der Lage eine komplexe Produktion hochzufahren. Sorry, aber das ist meine Meinung dazu und unter dem rapide wachsenden Angebot an attraktiven Fahrzeugen in allen Preis und Leistungsklassen von potenten Autobauern hat das Startup auf Grund des fehlenden oder wesentlich zu späten Markteintritts nahezu keine Chance nennenswerte Absatzzahlen zu erreichen und ein Überleben zu sichern. Gerne lasse ich mich durch Tatsachen und Autos, die man auf der Strasse sieht eines Besseren belehren, alleine der Glaube daran ist inzwischen leider verflogen. Die Grünen wollten auch Kanzler werden aber man muss irgendwann erkennen ob man realistisch gegen die Großen eine Chance hat und sollte dann vielleicht besser das Wissen und die Fähigkeiten bei einem Big Player gewinnbringend vermarkten und dort in die Serienfertigung einfließen lassen, um die Träume doch noch bis zum Endkunden zu bekommen.

  3. sig

    wäre doch was für Dr. Söder: „Innovation“ statt Spock-Tasse!

  4. Udo

    Platzt die Sion Blase jetzt
    Nach Jahre langen Versprechungen muss man jetzt auch noch plötzlich das Fahrzeug teurer machen
    Von 20 000 auf 25 500 jetzt auf 28 500 jetzt ist bloß die Frage wo endet das

  5. C-Zero

    Ich muss mich Ihrem Kommentar leider voll anschließen. Habe erst vor ein paar Tagen ein sinngemäß ähnliches Mail an Sono Motors geschickt. Ich finde es jammerschade, weil ich die Idee gut finde und die Gründer als seriös einstufe. Aber, wie Sie sagen: Die haben sich überhoben!
    Persönlich bin ich raus aus der Nummer. Ein Crowd-Funding-Darlehen wurde planmäßig zurückgezahlt und meine Sion-Reservierung hab‘ ich storniert, als klar war, dass es das Auto auch 2022 nicht geben wird.
    Ich drücke den Akteuren weiterhin die Daumen, aber inzwischen glaube ich: Es wird nicht gut ausgehen.

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27.10.2021 10:42