05.04.2022 - 09:30

Solarbus für München: Sono Motors und MVG testen Solartechnologie im ÖPNV

Sono Motors setzt erstmals seine Solartechnologie für Busse unter Realbedingungen im öffentlichen Personennahverkehr ein. Zusammen mit der städtischen Verkehrsgesellschaft (MVG) testet das Münchner Unternehmen einen Solarbusanhänger, seine Energieerträge sowie das Potenzial der Technologie im täglichen Betrieb.

Der Solarbusanhänger ist im Münchner Stadtgebiet unterwegs. Er ist mit 20 semi-flexiblen Photovoltaik-Modulen ausgestattet, die mehr als 2.000 Watt Energie für die Versorgung der Fahrzeugbatterie, für Heizung, Lüftung und Klimaanlage sowie für das Lenkungssystem des Anhängers liefern sollen.

Die Technologie ist laut Hersteller eigens für die Anwendung auf Bussen entwickelt worden. Sie ist patentiert und könne in eine Vielzahl von Fahrzeugen integriert und lizenziert werden, so Sono Motors. An dem Konzept für den neuartigen Anhänger arbeitete das Unternehmen mit der MVG zusammen – um so unter anderem eine maximale Flächennutzung zu gewährleisten. Insgesamt bedecken die Module eine Fläche von zwölf Quadratmeter auf dem Fahrzeuganhänger.

Für Laurin Hahn ist die Partnerschaft mit der Münchner Verkehrsgesellschaft ein Meilenstein auf der Mission von Sono Motors, „jedes Fahrzeug mit Solarzellen auszustatten“. Laut dem Gründer und CEO biete die Technologie des Unternehmens „gerade in Zeiten von steigenden Energiepreisen und zunehmenden Emissionsregulierungen im städtischen Bereich“ einen großen Mehrwert für öffentliche Verkehrsbetriebe. Und weiter: „Für E-Busse, die direkt ab Werk mit unserer Solartechnologie auf Dach und Seiten ausgestattet werden, lässt sich durch Solarenergie zusätzlich Reichweite generieren“, erläutert Hahn. Das reduziere nicht nur die Standzeiten für Ladevorgänge, sondern schone auch die Batterie durch einen konstanten Ladevorgang. Der E-Bus könne folglich länger betrieben werden.

Die Installation ist mit einer ebenfalls von Sono Motors entwickelten Leistungselektronik (MPPT Central Unit, MCU genannt) ausgestattet. Ein intelligenter Algorithmus im Solarladeregler soll für optimierte Energieerträge sorgen, die dann in kürzester Zeit, laut Sono Motors im Millisekunden-Bereich, an die 24V-Batterie des Busses übertragen werden. Neben der Einsparung von Diesel stabilisiere der zusätzliche Strom die Energieversorgung der Batterie, verlängere ihre Lebenszeit und führe letztlich auch zu reduzierten Wartungskosten. Dank einer integrierten Software kann der Betreiber des Fahrzeugs die gewonnene Energie online auslesen.

Laut Sono Motors können mit den Panels jährlich bis zu 2.500 Liter Diesel und mehr als 6,5 Tonnen CO2 eingespart werden. Auf eine mittelgroße Flotte von etwas 300 Bussen skaliert bedeute dies gar ein Einsparungspotenzial von bis zu 2.000 Tonnen CO2 im Jahr. Und für die Zukunft wird sogar noch mehr erwartet: Denn mit der Fortentwicklung der Technologie, und damit zum Beispiel effizientere Solarzellen oder eine bessere Leistungselektronik, sollen weitere Einsparungen denkbar sein. Die bei der Herstellung der Solarlösung produzierten etwa 1,5 Tonnen CO2 je Bus und Busanhänger würden nach bereits weniger als einem Jahr Laufzeit ausgeglichen werden.

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„Mit der Photovoltaik-Anlage auf unserem Busanhänger können wir nun unter Realbedingungen testen, wie gut die Stromerzeugung funktioniert und ob es vielleicht Strecken in unserem Netz gibt, die besser als andere für diese Art der Stromerzeugung geeignet sind“, sagt Veit Bodenschatz, Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Bus der MVG.

Von der Sono-Motors-Technologie zeigt sich auch die zweite Bürgermeisterin Münchens, Katrin Habenschaden, überzeugt, die bei der Vorstellung des Solarbusanhängers Ende März auf dem MVG-Betriebshof West mit dabei war. „Wir brauchen im Verkehrssektor einen Kurswechsel. Der Verkehr verfehlt die Klimaschutzziele noch sehr deutlich, und das hat auch in München direkte Auswirkungen auf die Luftqualität in der Stadt. Die Solarbusse können ein Baustein bei diesem dringend nötigen Wandel hin zu einer klimafreundlichen Mobilität sein.“

Eigenen Angaben zufolge hat Sono Motors seit Anfang 2021 mehr als zehn Absichtserklärungen und Verträge mit Unternehmen wie MAN, EasyMile oder auch ARI Motors unterzeichnet. Die Sono-Solar-Komplettlösung beinhaltet ein individuelles Konzept inklusive Solarmodulen, Leistungselektronik, Telematik und Daten, mechanischer und elektrischer Integration sowie Kundendienst und Service.

Die Solarlösung ist nicht das einzige Produkt, dass die Münchener anbieten. Mitte März hat das Unternehmen angekündigt, bald die Serien-Erprobungsphase für seinen Sion zu starten. Das Unternehmen baut aktuell eine Flotte von Serien-Validierungsfahrzeugen für das Erprobungsprogramm des Sion. Das finale Design des Elektroautos soll in diesem Sommer vorgestellt werden.
sonomotors.com

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4 Kommentare zu “Solarbus für München: Sono Motors und MVG testen Solartechnologie im ÖPNV

  1. Philipp

    Das sieht ja nicht gerade nach Integration aus: Einfach Solarpanele aufs Dach geklatscht, wo sie halt passen, keine spezielle Form, keine Rücksicht auf Abschattung neben der Klimaanlage. Und dann 2000 Watt: Damit lässt sich die Klimaanlage UNTERSTÜTZEN. Mehr auch nicht. Die UltraLight 500 von Konvekta, eine Klimaanlage für kleinere Busse hat eine Leistungsaufnahme von 12.600 Watt bei einer Kälteleistung von 25 kW und einer Heizleistung von 15-20 kW.

    Eigentlich sind Anhänger für die Personenbeförderung in Deutschland verboten – auch im Busbetrieb. Wenn dieses Verbot fallen würde, dann müssten solche Anhänger nicht mehr mit Ausnahmegenehmigung betrieben werden. DAS würde wirklich etwas bringen – statt den ganzen Tag mit leeren und teuren Gelenkbussen zu fahren, könnten die Anhänger in der Spitzenlastzeit angehängt werden und ansonsten an einer Endhaltestelle abgestellt werden.

    • Eride

      Ob die Annahmen von Sonos realistisch sind kann ich nicht sagen, aber die Wirkungsgrade von modernen Klimageräten sind um ein Vielfaches besser wie sie annehmen. Auch bei ihrem Beispiel UL500 Konvekta scheinen sie sich vertan zu haben. Laut Datenblatt 63A*26V=1638W

    • eFahrer

      ERIDE- Guter Kommentar – sie haben mir Arbeit abgenommen. Mal sehen was die Klimageräte-Leistung wirklich ist? Jedenfalls bei 1 kWh je km sind 2 kWp wohl kaum der Rede wert.
      Das Busbahnhöfe und Haltestellen immer noch nicht mit PV überdacht sind, dagegen schon.

  2. Roman

    verschwendeter Aufwand.. zu viele Verschattungen/Teilverschattungen während der Fahrt. zu viel Wartung- und Pflegeaufwand.. wahrscheinlich besser 1% mehr Akku verbauen und die Panele effizent aufs Dach der Stationen/Zentrale montieren

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05.04.2022 09:51