11.08.2022 - 09:14

Tesla verbaut wohl BYD-Batterien in Grünheide

BYD hat laut Brancheninsidern damit begonnen, LFP-Zellen an Tesla zu liefern – und zwar an das Werk in Deutschland. Die erste Charge des Tesla Model Y, die mit den „Blade“-Batterien von BYD ausgestattet sind, sollen frühestens in einem Monat in Grünheide vom Band rollen.

In seinem China-Werk in Shanghai habe Tesla vorerst keine Pläne, Batterien von BYD einzusetzen, berichtet das chinesische Portal „Sina Tech“ unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Quellen. Dort werden weiterhin Zellen von CATL und LG Energy Solution verbaut. Konkret stammen rund 70 Prozent der in der Giga Shanghai verbauten Batteriezellen von CATL und 30 Prozent von LGES.

Dass BYD LFP-Zellen an Tesla liefern wird, hatte sich bereits abgezeichnet – schon 2021 gab es entsprechende Gerüchte, in diesem Juni wurden die Informationen im Kern von einem hochrangigen BYD-Manager bestätigt. Nur war man damals davon ausgegangen, dass BYD die Giga Shanghai beliefern werde.

In Grünheide baut Tesla bekanntlich bisher nur das Model Y, womit die Blade-Batterien von BYD wahrscheinlich in dem E-SUV verbaut werden dürften. Ob es sich dabei um einen direkten Ersatz der bisherigen Batteriepacks bestehend aus 2170-Rundzellen oder um LFP-Batterien für eine neue Antriebsvariante handelt, wird in dem Bericht nicht genannt. Letzteres ist aber wahrscheinlicher.

Bisher war man in der Branche davon ausgegangen, dass Tesla als zweite Batterievariante neben den 2170-Zellen für das Model Y Performance und einige inzwischen gebaute Long-Range-Modelle eher 4680-Zellen mit strukturellem Batteriepack einführt. Dass zunächst eine Batterieversion ohne Rundzellen und dann gleich mit LFP-Chemie eingeführt wird, wäre neu.

Bei der Blade-Batterie von BYD handelt es sich um LFP-Zellen in einem besonderen Formfaktor, sie sind sehr lang und schmal. Als Lithium-Eisenphosphat-Zellen kommen sie ohne Materialien wie Nickel und Kobalt aus. Mit dem „Schwert“-artigen Formfaktor und der von BYD selbst entwickelten Zellchemie soll die Blade-Batterie im Batterie-Pack höhere Energiedichten ermöglichen als LFP-Zellen in einem konventionelleren Formfaktor. Früheren Berichten zufolge sollen bis zu 150 Wh/kg möglich sein. Zudem hat BYD immer wieder die hohe Sicherheit dieser Batteriekonstruktion betont.

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Ein großer Vorteil der LFP-Batterien ist – neben dem Verzicht auf einige kritische Materialien – der Preis: Das Portal „PushEVs“ schreibt von „geschätzt 55 Euro pro Kilowattstunde“, oder 64 Dollar/kWh für die Blade-Batterie. Nachteile der Technik sind die geringere Energiedichte und auch die Leistungsabgabe bzw. -aufnahme: Die Ladeleistung liegt meist unter jener von Batterien mit NCM-Zellen.

Zurück nach Brandenburg: Tesla will die Anzahl der Mitarbeitenden in seinem Werk Grünheide von derzeit gut 5.000 nach Informationen des RBB noch in diesem Monat weiter aufstocken, um mit einer zweiten voll besetzten Schicht arbeiten zu können. In Zukunft soll im Werk 24 Stunden im Drei-Schicht-System gearbeitet werden.

Bis zum ersten Quartal 2023 soll die Produktion in Grünheide auf wöchentlich 5.000 Autos gesteigert werden. Um die Abläufe zu optimieren, hatte Tesla die Fertigung in Grünheide im Juli für zwei Wochen unterbrochen. Nach RBB-Informationen ging es dabei unter anderem um einen großen Gießroboter, der das hintere Karosserieteil des Model Y herstellt. Zu viele hergestellte Teile seien mangelhaft gewesen.
cnevpost.com (BYD-Batterien), rbb24.de (Grünheide-Infos)

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6 Kommentare zu “Tesla verbaut wohl BYD-Batterien in Grünheide

  1. Mark Müller

    Da waren doch die Tesla-Jünger immer so stolz auf die einzigartigen Batterien, die sie hätten.
    Faktisch erhalten sie nun irgendwas, was alle anderen auch haben, und wissen bei der Bestellung nicht einmal, was sie am Schluss ausgeliefert erhalten werden.
    Ein Traum geht unter.

    • Alexander

      Faktisch ist Tesla weiterhin allen westlichen OEMs voraus, da stand heute keiner von ihnen LFP zellen einsetzt. Tesla schafft es also billige/günstige Zellen zu verbauen und dennoch so hohe Preise zu verlangen (die ja weiterhin bezahlt werden). Man kann nur hoffen dass VW und die anderen schnellstmöglich Kapazitäten ausbauen und ebenfalls LFP einsetzen, damit die Preise mal runtergehen.
      Was Tesla auszeichnet ist, dass Sie sehr schnell neue Technologien in Serie bringen…

      • TL431

        Neue Technologien? LFP Batterien wurden in China schon Jahre vor Tesla in E-Autos eingesetzt.

        • Alexander

          Oben steht ganz klar westliche OEMs…

          Das gleiche Thema ist SiC. 2017 hatte das Model 3 bereits SiC in seiner Leistungselektronik. Hat auch nicht Tesla erfunden, aber alle OEMs haben sich gewundert wie die das damals in der Preisklasse realisieren konnten (VW MEB hat es auch heute noch nicht)…

    • Axel T.

      Das ist faktisch (um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben) falsch. Kein anderer Hersteller hat bisher 4680er Zellen im Angebot – die arbeiten nur daran um Tesla zuliefern zu können.

      Niemand sonst hatte die 4680er im Angebot und auch so ziemlich alle seriösen Analysten sind sich einig, dass diese ein großer Sprung hin zu günstigeren und leistungsfähigeren Zellen sind.

      Dass Tesla sich neben der eigenen Produktion breit aufstellt und sich mehrere Zulieferer ins Boot geholt hat (Panasonic, LG, CATL und jetzt eben BYD) ist dabei kein Widerspruch, sondern zeigt, dass man großen Bedarf an Zellen hat und sich nicht von einem Zulieferer abhängig machen will – letzteres ein Fehler, den sich manch deutscher Konzern hingegen in der Vergangenheit geleistet hat.

  2. B. Terl

    Vielfältige Thematik.
    Die meisten Kunden werden damit gar nichts zu tun haben wollen, was technologisch verbaut wird und ist.
    In 20 Jahren werden die meisten Kunden allenfalls noch grob wissen und zur Kenntnis nehmen, wo die Batterie im Auto verbaut ist, nämlich im Unterboden 😉 Alles andere soll einfach FUNKTIONIEREN und einem ansonsten egal sein dürfen. Toi toi.

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11.08.2022 09:06