Customcells sucht Standorte für zwei GWh-Zellfabriken

Der deutsche Hersteller Customcells plant mindestens zwei weitere Batteriezellenfabriken in Deutschland, wie CEO Dirk Abendroth in einem Interview ankündigt – eine für den Automotive- und eine für den Aviation-Bereich mit E-Flugtaxis, E-Drohnen und E-Flugzeugen.

Das geht aus einem Artikel der „Automobilwoche“ hervor. Die zwei Fabriken erweitern die Produktionskapazitäten des Unternehmens, die sich bisher auf die Standorte Itzehoe und Tübingen beschränken. Bereits in Bau ist zudem in Regie des Batterie-Joint-Ventures Cellforce Group mit Porsche eine Batterie-Fertigung in Reutlingen-Nord/Kirchentellinsfurt. Der Grundstein für letzteres Werk wurde im Oktober gelegt. Gleichzeitig kündigte Cellforce an, die Produktionskapazität dort auf über 1 GWh zu verzehnfachen.

Die zwei weiteren, nun von Abendroth in Aussicht gestellten Fabriken sollen größere Dimensionen annehmen: Im Automotive-Bereich plant Customcells den Interview-Aussagen zufolge mit „mehreren zehn Gigawattstunden“ und beim Aviation-Standort mit „etwa 3,5 Gigawattstunden“ – inklusive der Option auf eine sukzessive Erweiterung. Beim Automotive-Standort würde es laut Abendroth „Sinn machen, zunächst mit zehn Gigawattstunden zu starten, die man später auf 20, 30 oder auch 40 Gigawattstunden ausbauen könnte“.

Die Standortsuche in Deutschland läuft nach den Worten des Managers bereits. Ein zusätzlicher Produktionsstandort von Customcells soll in den USA entstehen. „Wir wollen ein Global Player bei der Premium-Batteriezelle werden. Und dafür brauchen wir auch eine Präsenz in den USA, um beide Märkte, Europa und Amerika, bedienen zu können. Wir sondieren das in den USA gerade. Aber dass wir dort einen eigenen Standort brauchen, ist sicher. Wenn wir die Kunden dort bedienen wollen, dann müssen wir dort auch produzieren“, so Abendroth gegenüber der „Automobilwoche“. China habe Customcells „momentan nicht auf der Roadmap“.

Customcells Interesse am Aviation-Batteriemarkt zeichnet sich schon länger ab. Mit Maschinenbauer Manz besteht etwa eine Zusammenarbeit zum Aufbau von Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen-Batteriezellen für Kunden aus dem Luftfahrt-Sektor. Außerdem liegt eine Bestellung des deutschen E-Flugtaxi-Startups Lilium vor. Laut Abendroth handelt es sich um einen Markt, der viel kleinere Stückzahlen, aber deutlich höhere Margen als der Automotive-Bereich verspricht.

Das Customcells-Porsche-Gemeinschaftsunternehmen Cellforce nimmt bekanntlich allen voran Hochleistungs-Lithium-Ionen-Pouch-Zellen für automobile Spezialanwendungen in den Fokus. Diese werden zunächst exklusiv für Porsche hergestellt. „Ob bei weiterer Skalierung andere Kunden bedient werden, ist noch offen“, kommentiert Abendroth dieses Thema.

Zur weiteren Strategie zeigt der Manager im Interview zwei prinzipielle Optionen auf: den Weg ins Massengeschäft mit dem Aufbau mehrerer großer 40-Gigawattstunden-Fabriken oder ein Lizenzgeschäft zur Verbreitung von Customcells Know-how. Beides ist nach Angaben von Abendroth möglich. Grundsätzlich werde sein Unternehmen versuchen, „aus den Sonderanwendungen heraus jetzt in den Markt zu dringen“ und „das Portfolio von oben her mit echten High-Performance-Zellen zu durchdringen“.

Hintergrund ist, dass Customcells seit zehn Jahren vor allem Zellen für Spezialanwendungen fertigt – mit bisher starkem Fokus auf Forschung und Entwicklung, Innovation und Prozesse. Die Volumenproduktion stand bisher nicht im Mittelpunkt der Geschäftsstrategie. Am Standort Itzehoe entwickelt Customcells zurzeit vorrangig Prototypen von anwendungsspezifischen Batteriezellen. Die eigentliche Serienproduktion findet dann am Standort Tübingen statt. Dort hat das Unternehmen im Frühjahr 2021 nach eigenen Angaben „eine der modernsten Zellproduktionslinien Europas“ in Betrieb genommen.
automobilwoche.de

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