oms pruefservice oms e mobility 2024 01 min
Bild: OMS E-Mobility
HintergrundFlotten

OMS Prüfservice: Elektrik-Profi mit einer der größten E-Flotten im Mittelstand

Die OMS Prüfservice GmbH will bis 2025 alle Verbrenner in ihrer Flotte ausmustern. Schon heute ist der Wandel zu rund 75 Prozent vollzogen. Das Unternehmen zählt aktuell 393 betriebliche Elektroautos, darunter mehrheitlich Service-Fahrzeuge für Kundenbesuche. Ein Segment, das als schwierig zu elektrifizieren gilt. Und: Mit der jungen Firmenschwester OMS E-Mobility bietet die Gruppe inzwischen selbst Ladelösungen an.

Die OMS Prüfservice GmbH ist ein Spezialist für die Sicherheit elektrischer Betriebsmittel, Anlagen und Maschinen. Die Techniker des Unternehmens kontrollieren bei Kunden die elektrische Betriebssicherheit – vom Wasserkocher bis zur Großanlage. Und vermehrt auch Ladeinfrastruktur. Berührungspunkte zur Elektromobilität sind also vorhanden, ebenso die Verfügbarkeit von Elektrikern an rund 40 Standorten in Deutschland. Seit 2019 befasst sich OMS Prüfservice mit E-Autos in der eigenen Flotte. Seit zweieinhalb Jahren schnürt die Unternehmensgruppe parallel ein auf ihrem Know-how basierendes Angebot, das über die noch junge Sparte OMS E-Mobility an Dritte herangetragen wird.

Zum Verständnis ein Blick ins Organigramm: Unternehmensmutter ist die Labora Holding, unter der sich unter anderem OMS Prüfservice, OMS E-Mobility, OMS Photovoltaik und OMS Inventur befinden. Allesamt führen die niedersächsische Stadt Garbsen als Firmensitz. OMS steht dabei für Odenwälder Multiservice GmbH, die 2002 mit dem Fokus auf Inventur-Dienstleistungen gegründet wurde und aus der sich die weiteren Bereiche in den vergangenen 20 Jahren entfaltet haben.

„Als Dienstleister sind wir täglich beim Kunden. Wir legen im Monat eine Million Kilometer zurück. Früher waren wir bekannt als die ‚netten, blauen Prüftechniker, die in weißen BMWs‘ unterwegs waren“, äußert Alfonso Manrique aus der Zentrale der OMS Group. „Heute sind wir die ‚netten, blauen Prüftechniker, die in weißen Elektroautos‘ unterwegs sind.“ Und die kommen vorrangig aus dem VW-Konzern.

Konkret zählt die Gesamtflotte bei OMS Prüfservice zurzeit 527 Fahrzeuge. Dreiviertel davon werden schon heute rein elektrisch angetrieben. Fuhrparkmanager Markus Baur gewährt uns einen Blick in seine Vorjahres-Auswertungen. Demnach hat sein Unternehmen allein zwischen Januar und August 2023 7,5 Millionen Elektrogeräteprüfungen absolviert und dabei 12 Millionen gefahrene Kilometer zum Kunden zurückgelegt, darunter 8,64 Millionen bzw. 72 Prozent elektrisch.

„Gerade weil wir als Dienstleister so viel unterwegs sind, können wir durch unsere E-Flotte – in Kombination mit unseren PV-Anlagen – enorme CO2-Einsparungen verbuchen und unseren Teil zum Nachhaltigkeitsziel Deutschlands beitragen“, äußert Geschäftsführer Micha Erz. „Unser selbstgestecktes Ziel für eine nachhaltige Mobilität ist ein zu 100% elektrischer Fuhrpark bis zum Jahr 2025. Mit aktuell 393 Elektroautos ist unsere Flotte schon jetzt eine der größten elektrischen Flotten im deutschen Mittelstand.“

Das 2025er Ziel ist dem Unternehmen dabei wichtig. „Wir sind da konsequent. Als sich die Auslieferung einiger der letzten bestellten Verbrenner verzögert hat, haben wir die Leasingkonditionen von 36 auf 30 Monate gesenkt, sodass wir 2025 wirklich gänzlich vollelektrisch unterwegs sind“, schildert Flottenchef Markus Baur. Zu 70 Prozent unterhält OMS Prüfservice rotierende Poolfahrzeuge, die die Prüfer morgens an einer der 40 Niederlassung der Firma nehmen und später am Tag wieder abstellen. Die restlichen 30 Prozent sind Mitarbeitern fest zugeteilte Firmenfahrzeuge.

Als Anforderungen an die elektrischen Poolfahrzeuge gelten eine gewisse Reichweite und Geräumigkeit, denn in den Autos müssen bis zu fünf Mitarbeiter und das Prüfequipment Platz finden. Das Unternehmen tastete sich dabei langsam heran: Anfangs beschafften Baur und sein Team fünf VW ID.3, die sie auf die Niederlassungen verteilten. Abgeschreckt haben sie offenbar nicht, denn 2021 wurden 54 weitere BEV bestellt und das „Projektteam Ladeinfrastruktur“ gegründet. Dieses Team analysierte in der Folge alle Standorte hinsichtlich Parkplätzen und Anschlussleistung, aber auch, ob OMS die Gebäude selbst gehören oder ob diese gemietet sind – so wurde der Plan für den Aufbau der Ladeinfrastruktur festgelegt.

Unterdessen wuchs der elektrische Fuhrpark um Exemplare des größeren VW ID.4, des Cupra Born, des Skoda Enyaq, des Hyundai Ioniq 5 und des MG Marvel R Electric an. Die Niederlassung in Dortmund fährt inzwischen als erste komplett vollelektrisch. Alle weiteren Standorte sollen bis 2025 folgen. Der bisher zurückgelegte Weg war dabei kein Spaziergang, äußert Baur: „Die MG-Fahrzeuge waren ein gutes Angebot und auch schnell lieferbar – im Gegensatz zu den VWs, auf die wir teils eineinhalb Jahre warten mussten. Zur Überbrückung haben wir auch mal mit Mietwagen arbeiten müssen. Es war nicht leicht.“ Inzwischen tauscht das Unternehmen turnusmäßig bereits erste Elektroautos wieder aus, die um 2020 die Vorhut bildeten.

Was die Ladestrategie angeht, schaffen die Mitarbeiter rund 90 Prozent der Fahrten ohne öffentliches Laden. Im Schnitt legen sie 150 Kilometer am Tag zurück und erreichen die Niederlassung in der Regel mit 20 bis 30 Kilometer Restreichweite. Grundsätzlich betont Baur, dass es für die eMobility-Ambitionen seines Unternehmens ein großer Vorteil sei, ein landesweites Netz an Niederlassungen zu haben, sodass im Prinzip kein Kunde weiter als 200 Kilometer vom nächsten Stützpunkt entfernt liegt. Das Laden erfolgt dann meist nachts an rund 180 Office- und 100 Homeladern, die allesamt mit Wechselstrom arbeiten.

„Unsere Mitarbeitenden waren schon früher nicht tagelang auf Montage, sondern abends bei ihren Familien. Diese kurzen Wege sind mit dem E-Auto kein Problem“, bekräftigt Alfonso Manrique. „Und jeder nicht gefahrene Kilometer ist der beste Kilometer.“ Mit seinem konsequenten Ja zur Elektrifizierung will OMS Prüfservice auch andere Mittelständler dazu motivieren, „im eigenen Verantwortungsbereich zu handeln und das zu tun, was möglich ist“, so Alfonso Manrique, der betont, dass OMS nicht nur die Flotte umgebaut habe: „Wir sind im selben Zeitraum auch 30 Prozent pro Jahr gewachsen“ – und dennoch seien laut vorläufigen Zahlen die CO2-Emissionen des Fuhrparks von 2022 auf 2023 um 43 Prozent gesunken.

Und das wichtigste Kriterium für ein Unternehmen: Auch die Kosten sind niedriger. Flottenchef Baur rechnet vor, dass ein Skoda Octavia Diesel pro Monat 996,42 Euro koste. Die Leasingrate ist zwar niedriger und auch der Reifenverschleiß ist gemäß der Erfahrung von OMS geringer, aber die Kraftstoffkosten liegen einfach über dem Elektroauto. Der Skoda Enyaq kostet zwar im Leasing mehr, bleibt mit 981,49 Euro pro Monat aber schon jetzt leicht unter dem Verbrenner – eben wegen der Energiekosten. Bei der TCO gilt also: Elektro schlägt Diesel.

Potenzial zur weiteren Kostensenkung gibt es unterdessen noch reichlich – etwa beim Ladestrom. „Am Anfang musste man den Mitarbeitenden freie Hand lassen, wenn sie unterwegs eine Ladesäule benötigt haben“, berichtet Baur. „Wenn sie etwas Erfahrung haben, kann man sie auch an optimale und günstigere Ladestandorte ‚lenken‘. Damit konnten wir die Energiekosten bereits etwas optimieren.“ An den Unternehmens-eigenen Ladepunkten gab es im Vorjahr übrigens mehr als 37.000 Ladevorgänge, bei denen knapp 1,7 Million Kilowattstunden in die Autos geflossen sind.

Unter den Mitarbeiter ist der Antriebswechsel in der Flotte inzwischen kaum mehr Thema, schildert Baur. „Anfangs zeigte sich die typische Verteilung zwischen aufgeschlossenen Early Adoptern und einer sehr skeptischen Mehrheit. ‚Warum gerade wir? Wir müssen doch verlässlich zu unseren Kunden kommen‘ war einer der viel genannten Einwände.“ Ein Schlüssel zur erfolgreichen Annahme der E-Autos sei gewesen, dass die Führungskräfte vorangegangen seien und dass die Mitarbeiter vom Flotten-Team dicht begleitet wurden, sagt Baur. „Es ist wichtig, dass sich keiner alleine gelassen fühlt. Mit der Zeit kam dann Stolz auf, dass alles so reibungslos klappt. Wir kamen als Vorreiter ins Gespräch – etwa bei Kunden.“ Die 0,25%-Dienstwagenregel locke auch den einen oder anderen, „ich habe aber das Gefühl, das viele ihren E-Dienstwagen aus Überzeugung fahren“, so der Flottenchef.

Alfonso Manrique nennt unternehmerischen Mut und eine frühzeitige Weichenstellung als Erfolgsfaktoren. Und: „Immer wenn wir feststellen, dass der ökologische Fußabdruck unseres Unternehmens kleiner wird, während der Umsatz steigt, bestärkt es uns darin, diesen Weg weiterzugehen.“ Der Ansatz zahle sich nicht nur ideel, sondern auch wirtschaftlich aus.

In der jüngsten Ausgabe unserer Online-Konferenz „electrive LIVE“ mit Flotten-Schwerpunkt waren Alfonso Manrique und Markus Baur von OMS übrigens als Speaker zu Gast. Sie präsentierten die Elektrifizierung der eigenen Firmenflotte als „Best Practise“-Beispiel. Zu dem aufgezeichneten Vortrag kommen Sie hier.

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