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Bremst das Aus vom Verbrenner-Aus das Elektroauto aus?

Mit dem kurz vor Weihnachten vorgestellten „Auto-Paket“ hat die EU-Kommission die Debatte um das Verbrenner-Aus neu entfacht. Mehr Flexibilität, mehr Technologieoffenheit – aber auch mehr Unsicherheit. In der aktuellen Folge von eMobility Insights ordnet Sebastian Bock, Geschäftsführer von Transport & Environment (T&E) Deutschland, die Vorschläge ein – und warnt vor weitreichenden Folgen für Klima, Industrie und das Ökosystem der E-Mobilität.

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Was wir gesehen haben, schafft nochmal viel unnötige Verunsicherung“, sagt Sebastian Bock im Gespräch mit electrive-Chefredakteur Peter Schwierz. Dabei gehe es nicht nur um Autohersteller, sondern um deutlich mehr: Ladeinfrastruktur, Batteriezellfertigung, Netzausbau und Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. „Für dieses ganze Ökosystem gibt es jetzt wieder weniger Sicherheit, wohin die Reise gehen soll und in welcher Geschwindigkeit.“

Der Emissions-„Rucksack“ und seine Tücken

Kern des Vorschlags der EU-Kommission ist eine 10-prozentige Flexibilität beim Emissionsziel ab 2035. Statt eines klaren Null-Emissionspfads dürfen Hersteller diesen Spielraum mit verschiedenen Antrieben „füllen“. Bock erklärt das mit einem anschaulichen Bild: „Man kann sich diese 11 Gramm Restemissionen wie einen Rucksack vorstellen. Den kann ich mit ganz unterschiedlichen Antrieben füllen – mit Plug-ins, Range Extendern oder auch klassischen Verbrennern.

Problematisch sei jedoch, dass insbesondere Plug-in-Hybride auf dem Papier deutlich sauberer wirken als in der Realität. Aktuelle Auswertungen zeigen: „Plug-ins stoßen im realen Betrieb fast fünfmal so viel CO₂ aus wie im Testzyklus.“ Entscheidend werde deshalb der sogenannte Utility Factor, der reale Fahrdaten stärker in die Regulierung einbeziehen soll – und politisch massiv unter Druck steht.

Elektromobilität kommt – aber Tempo und Herkunft sind offen

Grundsätzlich stellt Bock nicht infrage, dass sich Elektromobilität durchsetzen wird. Doch er widerspricht der These, Regulierung sei dafür verzichtbar:
Wir haben nicht mehr die Frage des Ob, sondern die Frage des Wann und Wer.
Gerade mit Blick auf China warnt er davor, den Hochlauf in Europa zu bremsen: „BYD allein stellt heute fast doppelt so viele E-Autos her wie alle deutschen Hersteller zusammen. Wenn wir jetzt den Druck rausnehmen, manifestiert sich dieser Rückstand weiter.

China sei dabei keineswegs ein Beispiel für einen ungeregelten Markt, im Gegenteil: „Es stimmt einfach nicht zu sagen, dass China da ist, wo es heute ist, ohne regulatorisch eingegriffen zu haben.“ Nur ein Beispiel: So sei die Anzahl der verfügbaren Zulassungen für neue Verbrenner in großen Städten stark eingeschränkt worden, so dass es achtmal einfacher war, ein E-Auto zuzulassen als einen Verbrenner.

Chancen bei kleinen E-Autos und Flotten

Positive Ansätze sieht Bock bei den geplanten Super Credits für kleine, in Europa produzierte Elektroautos, die einen Trend weg von verbrauchsintensiven E-SUV auslösen könnten, sowie bei verbindlichen E-Auto-Zielen für große Unternehmensflotten. Gerade Dienstwagen seien ein zentraler Hebel: „Zwischen 60 und 70 Prozent der Neuwagen gehen in den gewerblichen Markt – das ist der größte Nachfragehebel überhaupt.“ Schon jetzt werden 72 Prozent der in Deutschland produzierten E-Autos innerhalb der EU als Firmenwagen zugelassen – und eine neue EU-Regelung für Firmenflotten könnte als „Nachfrageboost“ wirken. Zudem würde eine solche Regelung „es würde so ein bisschen auch „die Last auf mehr Schultern verteilen: Im Moment haben wir ja eine Situation, wo die Klimaziele im Straßenverkehr eigentlich von den Herstellern mehr oder weniger im Alleingang erfüllt werden müssen. Und jetzt würde man eben mit den großen Firmflotten noch andere starke Akteure mit einbeziehen“, sagt Sebastian Bock.

Dagegen kommt für ihn die aktuelle Debatte über eine Aufweichung des „Verbrenner-Verbots“ zur Unzeit: „Wir sollten den Anspruch haben, Marktführer bei der Technologie der Zukunft zu sein, statt uns an dem festzuklammern, was in der Vergangenheit gut funktioniert hat.“ Sprich: Statt jetzt noch mal ein halbes Jahr „über Luftschlösser wie ‚hocheffiziente Verbrenner‘ zu sprechen“, sollten die Hersteller den Schwung für Elektromobilität durch viele interessante neue Modelle mitzunehmen. Das Autopaket der EU drohe genau diesen Anspruch zu untergraben – politisch wie wirtschaftlich.

Einen zusätzlich Impuls in unserem Podcast bietet Markus Hackmann von P3, der erläutert, warum sich die Elektromobilität – trotz der Diskussion ums Aus vom Verbrenner-Aus – durchsetzen wird.

Hinweis: Unser Podcast eMobility Insights erscheint ab sofort alle zwei Wochen statt bislang alle drei Wochen. Wie gewohnt liefern wir Ihnen auch 2026 in jeder Episode spannende Hintergründe zur Elektromobilität.

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8 Kommentare

zu „Bremst das Aus vom Verbrenner-Aus das Elektroauto aus?“
Manfred Stummer
14.01.2026 um 08:09
"Aus-vom-Verbrenner-Aus" = geistiges Unvermögen in Verbindung mit Machtrausch. Sorry so sehe ich es.
Emateur
14.01.2026 um 09:24
Nein, die Subventionen für E-Autos, geringe Energiedichte bei den Akkus, also geringe Reichweite der E-Autos, geringe Ladegeschwindigkeit, Spielereien am E-Auto (Griffe, rahmenlose Fenster, Glasdach) bremsen das E-Auto aus.
Saskia
14.01.2026 um 11:44
Von wann ist Ihr Kenntnisstand zu E-Autos? 2014?
Harald
14.01.2026 um 14:33
Sehe ich genau so. So lange es die „Ewig gestrigen“ gibt, kapiert es keiner……
Martin
14.01.2026 um 11:37
Ich glaube nicht, daß das E-Auto dadurch ausgebremst wird, die aktuellen Zahlen zeigen eine stetige Aufwärtsbewegung bei den Zulassungen. Außerdem verstehe ich bis heute nicht, welchen Einfluss das Verbrenner-Aus 2035 auf eine aktuelle Kaufentscheidung haben sollte. Ausgebremst werden könnte hingegen die Investitionsbereitschaft in die Entwicklung von Speichertechniken, um den chin. Vorsprung noch einzuholen. Das hielte ich in der Tat für viel besorgniserregender.
Stephan K.
14.01.2026 um 14:58
Alle sind sich einig, dass die E-Mobilität breit kommen wird. Ich glaube nicht, dass die Frage, ob es 2035ff dann 0, 10 oder noch 25 % Verbrenner sein werden, die jetzigen Investitionen in die E-Mobilität und auch die privaten Kaufentscheidungen maßgeblich beeinflusst. Ich folge da eher "Emateur"s Argumenten: bei Kleinwagen noch und auch bis auf Weiteres für Europa kein wettbewerbsfähiges Angebot (Twingo mit nur 27 kWh, iD.Polo mit 37 kWh), teilweise zu progressives Design (große Bildschirme, aktuelle Hyundai-Linie, ...) für die mehrheitlich konservativen Privatkäufer, und eine unfreundliche Preisstellung (Wärmepumpe für 1000 Euro extra oder nur im noch teureren Paket, große Batterien nur in Verbindung mit großen Motoren und anderen preistreibenden Extras). Früher waren Hubraum und Leistung das maßgebliche Kriterium, heute ist es nun mal die Reichweite. Und: Ich kann verstehen, dass electrive.net gerne T&E anfragt. Es muss aber klar sein, dass die eine Agenda verfolgen und keinen ganzheitlichen Blick auf das Thema geben werden.
Matthias
21.01.2026 um 15:50
"Aus! Aus! Das Spiel ist aus!"
Hans Joachim G
23.01.2026 um 09:52
Ich fahre seit nunmehr 6 Jahren ein E-Mobil und kann nur Positives vermelden. Wichtig ist die Kilometer-Leistung, und die wächst ständig. Mein erstes Fahrzeug schaffte bei guten Vorraussetzungen 360km ,und das neue Gefährt bringt es bis 620km nach WLPT. Erwähnenswert ist natürlich auch die großartige technische Ausstattung, die das Fahren sehr sicher macht.

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