Tesla trickst beim Robotaxi-Sicherheitsfahrer, Waymo startet in Miami
Es ist ein Versprechen, das Elon Musk seit Jahren verfolgt: Schon 2019 kündigte der Tesla-CEO auf einem „Autonomy Day“ seines Unternehmens an, bereits 2020 würde Tesla eine Million Robotaxis auf den Straßen haben, wobei er damit primär die Fahrzeuge der Kunden meinte, die diese auch anderen Personen in Ride-Hailing-Diensten zur Verfügung stellen sollten. Danach folgten jedes Jahr neue Ankündigungen zum autonomen Fahren. Doch bis heute gibt es keine Fahrzeuge von Tesla, die auf SAE-Level 4 operieren dürfen, also komplett ohne (Sicherheits-)Fahrer in einem definierten Betriebsgebiet.
Zwar startete tatsächlich im Juni 2025 ein sogenannter Robotaxi-Service von Tesla im texanischen Austin. Allerdings waren diese Fahrzeuge dort bislang alle mit einem „Safety Monitor“ an Bord unterwegs, also einer Person, die bei Bedarf die Steuerung über ein Display übernehmen kann. Bis jetzt. Denn wie Musk nun auf seinem Kurznachrichtendienst X schrieb: „Wir haben gerade mit Tesla-Robotaxi-Fahrten in Austin begonnen, bei denen kein Sicherheitsüberwacher an Bord ist.“
Diese Ankündigung von Musk ließ darauf schließen, dass es Tesla nach jahrelangen Bestrebungen endlich gelungen ist, Autos vollautonom fahren zu lassen – nicht nur wichtig für einen Robotaxi-Service, sondern auch für die vielen Kunden, die das „Full Self Driving“-System (FSD) gebucht haben. Damit soll man sich eigentlich autonom fahren lassen können, jedoch kann man es aktuell nur in einer „Supervised“-Variante nutzen, bei der der Fahrer jederzeit aufmerksam bleiben und das Steuer schnell wieder übernehmen können muss, wenn das FSD-System an seine Grenzen stößt.
Entsprechend stieg auch die Tesla-Aktie umgehend um rund 4 Prozent nach oben, zumal Elon Musk die Nachricht aus Austin mit einem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos verband. Dort sprach er nicht nur über seine Pläne für eine Mars-Mission und die Entwicklung des Optimus-Roboters von Tesla. Sondern er sagte auch, Tesla habe autonomes Fahren „gelöst“ und kündigte gleich die nächsten Schritte an: „Tesla hat seinen Robotaxi-Service in einigen Städten eingeführt und wird bis Ende dieses Jahres in den USA sehr, sehr weit verbreitet sein“, sagte der Tesla-CEO. Dabei muss man natürlich erwähnen, dass die einigen Städte bislang nur aus Austin und San Francisco bestehen. Und in San Francisco sitzt immer ein Fahrer am Steuer, das Angebot dort hat somit noch weniger mit Robotaxis zu tun als in Austin. Das hat regulatorische Gründe, denn Tesla fehlt bislang die Genehmigung, in Kalifornien selbstfahrende Autos zu betreiben.
Doch zurück nach Austin und dem X-Beitrag von Elon Musk: Was anfangs von vielen Lesern und Medien so aufgefasst wurde, als könnten und dürften die Robotaxis nun wirklich komplett selbstständig und ohne Sicherheitsüberwacher fahren, das entpuppte sich schnell als Fehlinterpretation. Denn nur wenige Stunden nach dem Posting, dass die Aussage noch mit einem Beweisvideo eines selbstfahrenden Teslas ohne Mensch auf Fahrer- oder Beifahrersitz garnierte, kursierte via Social Media ein anderes Video.
Sicherheitsfahrer mit Fernsteuerung
Dies zeigt, dass sich bei einem Robotaxi zwar tatsächlich kein Sicherheitsüberwacher mehr im Auto befindet. Dafür sitzt eine solche Person aber in einem anderen Tesla, der dem vermeintlich selbstfahrenden Robotaxi folgt. Heißt: Das Robotaxi fährt zwar wohl grundsätzlich selbstständig, es darf aber noch nicht komplett allein unterwegs sein – und der „Sicherheitsüberwacher“ kann über eine Art Fernsteuerung eingreifen.
Die volle Autonomie nach SAE-Level 4, bei der ein selbstfahrendes Auto ohne menschliche Überwachung in einem fest definierten und kartographierten Betriebsgebiet komplett unterwegs sein darf, hat Tesla also immer noch nicht erreicht. Und Elon Musk hat auch nicht geflunkert – denn zwar sorgte die Kombination von Text und Video zunächst für die Illusion, dass es nun endlich mit „Unsupervised“-Fahrten klappt. Wenn man allerdings den X-Post noch ein zweites Mal anschaut, so wird klar, worin die Fehldeutung lag: Musk hatte von Fahrzeugen geschrieben, „bei denen kein Sicherheitsüberwacher an Bord ist“ geschrieben – und an Bord ist dieser nun wirklich nicht mehr.
Waymo rollt Service in Miami voll aus
Ganz anders die Lage dagegen bei Waymo, dem Schwesterunternehmen von Google: Waymo operiert schon länger tatsächlich auf SAE-Level 4 ohne Sicherheitsüberwacher – und hat nun seinen Service auch in Miami voll für die Öffentlichkeit ausgerollt. Es ist nach Phoenix, San Francisco, Los Angeles, Austin und Atlanta bereits die sechste Stadt, in der die Robotaxis vollautonom unterwegs sind.
Dass Waymo seine Fahrzeuge anders als Tesla seine Robotaxis tatsächlich schon lange ohne Sicherheitsüberwacher betreiben darf, liegt an dem redundanten System aus LiDAR, Radar und Kameras. Heißt: Kritische Systeme sind mehrfach und unabhängig voneinander vorhanden, sodass das Fahrzeug auch bei Ausfall einzelner Komponenten ohne menschliches Eingreifen sicher weiterfahren oder kontrolliert anhalten kann. Tesla hingegen vertraut ausschließlich auf Kameras und KI und verzichtet auf LiDAR, was bislang dazu geführt hat, dass das System nur als Level 2 bis 3 eingestuft wurde und einen Sicherheitsfahrer benötigt. Tesla-Chef Elon Musk sagt zu der Kritik aber, sein „Vision only“ genannter, KI-zentrierter Ansatz sei genau so gut für autonomes Fahren: Denn entscheidend sei nicht die Zahl der Sensoren, sondern die Fähigkeit neuronaler Netze, visuelle Informationen zuverlässig zu interpretieren wie das menschliche Auge. Zudem würde der Verzicht auf die teure LiDAR-Sensorik die Technologie skalierbarer machen.

Doch zurück zu Waymo: Vor dem Start in Miami hatte das Unternehmen wie in jeder anderen Stadt auch mit seinen Fahrzeugen und geschultem Personal an Bord zunächst die öffentlichen Straßen kartiert, dann erste Tests mit Sicherheitsfahrer an Bord absolviert und schließlich ab November auch Fahrten ohne Sicherheitsfahrer durchgeführt. Der fahrerlose Service stand aber zunächst nur Mitarbeitern zur Verfügung – und ist nun für die alle geöffnet worden. Die autonomen Fahrzeuge können dabei wie üblich über die Waymo-App bestellt und bezahlt werden.
Das Betriebsgebiet deckt zunächst 60 Quadratmeilen (155 Quadratkilometer) ab und umfasst Miamis bekannteste Viertel – vom Design District und Wynwood bis hin zu Brickell und Coral Gables. Waymo plant, den autonomen Fahrdienst perspektivisch auch auf Strecken von und zum internationalen Flughafen Miami auszuweiten.
Stadt Miami begrüßt den Start von Waymo
Der Vorsitzende der Bezirkskommission von Miami-Dade County,
Anthony Rodriguez, sagte: „Miami-Dade County begrüßt Waymo zum Start des Betriebs fahrerloser Fahrzeuge in unserer Region. Als innovationsfreundlicher Bezirk sehen wir das Potenzial neuer Mobilitätstechnologien, die Transportmöglichkeiten zu erweitern und eine vernetztere Zukunft zu fördern. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und darauf, sicherzustellen, dass diese Betriebe unseren hohen Standards in Bezug auf Sicherheit, Transparenz und Verantwortlichkeit entsprechen und sich nahtlos in unser Verkehrsnetz integrieren – zum Wohle von Einwohnern und Besuchern gleichermaßen.“
Angekündigt bereits Ende 2024, arbeitet Waymo in Miami mit dem nigerianischen Startup Moove zusammen, das die Flotte verwaltet. Waymo begründete die Kooperation damit, sich auf die Weiterentwicklung der „Driver Technologie“ konzentrieren zu wollen.
Waymo hat bereits bekanntgegeben, dieses Jahr in zahlreichen weiteren Städten starten zu wollen, so etwa in Dallas, Houston, San Antonio und Orlando. Auch Detroit, Las Vegas und San Diego stehen bereits auf der Liste, genauso Denver, Nashville und Washington, D.C. Und nicht nur das: Im Oktober wurde bekannt, dass Waymo mit London in diesem Jahr erstmals auch eine Stadt außerhalb der USA erschließen will.
heise.de (Tesla), electrek.co (Begleitfahrzeug), waymo.com





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