BYD will in Deutschland dieses Jahr 50.000 Autos verkaufen

Mit einem Jahr Verspätung will der chinesische Hersteller BYD in Deutschland dieses Jahr die Marke von 50.000 Neuzulassungen knacken. Das wären mehr als doppelt soviel wie die 23.306 Einheiten in 2025. Zuletzt waren bereits 40 Prozent der Neuwagen Plug-in-Hybride.

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Bild: Peter Schwierz

Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ sagte BYD-Deutschlandchef Lars Bialkowski: „Wir wollen das erreichen, was wir uns schon im vergangenen Jahr vorgenommen haben und die Marke von 50.000 knacken.“ Denn dieses Ziel hatte Europachefin Stella Li eigentlich schon für 2025 ausgegeben. Doch das war fürs vergangene Jahr unrealistisch, weil BYD Anfang 2025 auf gerade einmal 26 Händlerstandorte kam, dann aber übers Jahr ziemlich zulegte und mit 150 unterzeichneten Händler- und Servicestandorten abschloss.

Um die 50.000 Neuzulassungen in Deutschland dieses Jahr zu schaffen und den Absatz damit gegenüber letztem Jahr mehr als zu verdoppeln, will BYD sein Händlernetz 2026 mehr als verdoppeln, wobei allein den letzten Wochen schon wieder 40 Standorte dazu kamen: „Derzeit haben wir rund 190 Vertriebsstandorte, bis zum Ende des Jahres wollen wir bei mindestens 350 sein“, sagte Bialkowski der Zeitung.

Der Manager, der von Stellantis kommt und seit 1. Juni 2025 im Amt ist, betont die steigende Bedeutung von Plug-in-Hybriden (PHEV) für BYD in Deutschland und Europa. Die chinesische Marke, die auf dem alten Kontinent zunächst nur mit vollelektrischen Fahrzeugen gestartet war, kam im Januar 2026 laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamts auf einen PHEV-Anteil von 40,6 Prozent aller Neuzulassungen, während die BEVs bei 59,4 Prozent lagen: Von insgesamt 2.629 neuen BYD-Fahrzeugen waren 1.561 BEVs und 1.068 PHEVs.

Der BYD Seal U DM-i  war laut „Handelsblatt“ 2025 der erfolgreichste PHEV in Europa – und mittlerweile sieht man auch immer häufiger den BYD Seal 6 DM-i, den ersten Kombi von BYD in Europa und zudem ebenfalls ein PHEV, auf deutschen Straßen. Dabei dürfte der aktuelle Fokus auf PHEVs nicht nur an den Kundenwünschen liegen, sondern auch daran, dass auf den Import von PHEVs in die EU anders als bei reinen E-Autos keine Sonderzölle anfallen. Und BYD will bei PHEVs dieses Jahr weiter Gas geben und in Deutschland einen Marktanteil von 5 Prozent erreichen, so Bialkowski. Bei BEVs liegt die Zielmarke bei 4 Prozent. Und im Gesamtmarkt über alle Antriebsarten hinweg peilt BYD 1,5 bis 2 Prozent an. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr lag BYD im deutschen Gesamtmarkt mit 0,8 Prozent leicht vor Tesla (0,7 Prozent).

Um den Absatz in Deutschland schnell zu steigern, setzt BYD aktuell auf massive Rabatte für seine Elektroautos: So ist beispielsweise der E-Kleinwagen BYD Dolphin Surf aktuell bereits zum Aktionspreis von 18.900 Euro erhältlich. Zieht man noch die neue staatliche E-Auto-Förderung von bis zu 6.000 Euro ab, so ist der kleine Stromer im Idealfall für nur 12.900 Euro zu haben. Und der Elektro-SUV BYD Seal U ist auf 34.990 Euro reduziert, abzüglich staatlicher Förderung kann der Preis unterm Strich auf 28.990 Euro fallen.

handelsblatt.com

1 Kommentar

zu „BYD will in Deutschland dieses Jahr 50.000 Autos verkaufen“
Paul-Gerhard Fenzlein
10.02.2026 um 09:17
Der Wind auf dem globalen Automobilmarkt hat sich gedreht, und die Böen treffen die europäischen Hersteller derzeit mit voller Härte. Wer die aktuellen Zulassungszahlen und Strategiepapiere analysiert, sieht ein klares Bild: Die chinesischen Autobauer, allen voran Giganten wie BYD, kämpfen in ihrem Heimatmarkt mit sinkenden Wachstumsraten. Die drastische Reduzierung staatlicher Förderungen in China hat dort zu einer massiven Überproduktion geführt. Die Lösung der Konzerne? Eine aggressive Flucht nach vorn in den Export – und Europa ist das Hauptziel. Die EU hat zwar mit Strafzöllen auf reine Elektroautos (BEVs) reagiert, doch die Strategie der Chinesen ist bereits zwei Schritte weiter. Da diese Zölle für Plug-in-Hybride (PHEVs) derzeit kaum greifen, erleben wir eine regelrechte Hybrid-Offensive. BYD führt mit Modellen wie dem Seal U DM-i bereits die deutschen PHEV-Charts an. Zudem setzen Changan, Chery und Leapmotor auf eine geschickte Umgehung der Zollbarrieren: • Lokale Endmontage: Durch Kooperationen wie mit Magna in Graz oder dem Start der Fertigung im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona (Chery/Ebro) werden aus China vorproduzierte Komponenten in Europa endmontiert. • Standortvorteile: Mit der "Made in Europe"-Plakette werden Strafzölle nicht nur abgemildert, sondern teilweise komplett legal umgangen. Währenddessen bereitet BYD für das Frühjahr 2026 den Start seines ersten eigenen europäischen Werks in Ungarn vor. Die bittere Realität ist: Auch die europäischen Kunden sind extrem preissensibel. Wenn BYD nun seine radikale Rabattstrategie aus dem Vorjahr nach Europa exportiert, sieht es für die heimische Industrie düster aus. Mit der seit kurzem wieder eingeführten staatlichen Förderung in Deutschland (bis zu 6.000 €) sinkt der Preis für Einstiegsmodelle wie den kleinen BYD Dolphin Mini rechnerisch in Bereiche um die 13.000 €, während europäische Hoffnungsträger wie der VW ID.Polo, der Škoda Epiq oder der Cupra Raval meist zuerst in den teuren Top-Ausstattungen auf den Markt kommen. Der Kunde wird im Zweifel mit dem Geldbeutel entscheiden. Dass wir in diese Defensive geraten sind, hat zwei tiefgreifende Gründe: 1. Politische Zersplitterung: Während China eine zentral gesteuerte Industriestrategie verfolgt, gleicht Europa einem Flickenteppich. Deutschland, Frankreich und Italien kochen jeweils ihr eigenes süppchen, was eine einheitliche, schlagkräftige Antwort auf die Importwelle verhindert. 2. Mangelnde Skalierung: Vor allem die deutschen Autobauer leiden unter ihrer eigenen Komplexität. Zu viele Modellvarianten und komplizierte Lieferketten verhindern die massiven Skaleneffekte, die chinesische Hersteller durch eine radikale Vereinfachung ("Vertical Integration") längst erreicht haben. Fazit: Wenn die europäischen Hersteller nicht schleunigst einen Weg finden, Kleinwagen nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch zu "chinesischen Preisen" zu produzieren, riskieren sie, in ihrem eigenen Kernmarkt zum Nischenanbieter für das Premiumsegment degradiert zu werden.

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