10-97 % in neun Minuten: BYD präsentiert zweite Generation der Blade-Battery
Bei der 2020 vorgestellten Blade-Battery handelt es sich um eine Art Allzweckwaffe von BYD. Die intern entwickelte und hergestellte LFP-Zelle zeichnet sich nicht nur durch ihre robuste und günstige Zellchemie aus, sondern auch durch ihren besonderen Formfaktor: Die prismatischen Zellen sind extrem lang und sollen so optisch an die Klinge eines Schwerts erinnern. Diese Zellen sind in unterschiedlichsten Abmessungen vom Elektro-Kleinwagen Dolphin Surf bis hin zu großen E-Bussen verbaut.
Die erste Generation der Blade-Zellen war in den Batteriepacks (nach dem Cell-to-Pack- oder Cell-to-Body-Konzept) quer zur Fahrtrichtung platziert und hat sich je nach Modell über die ganze Breite des Batteriepacks erstreckt. In den Grafiken, die BYD jetzt zur zweiten Generation veröffentlicht hat, sind die Zellen längs verbaut – optisch in sechs Gruppen getrennt, aber nicht gesondert in Module verbaut. An dem CtP- oder CtB-Konzept scheint BYD also festzuhalten, um die Energiedichte auf Pack-Ebene zu erhöhen.
A propos Energiedichte: Diese ist auf Zellebene wohl über fünf Prozent höher als bisher, die Kapazität soll länger gehalten werden (BYD gewährt jetzt eine lebenslange Garantie auf diese Batteriezellen) und auch die Sicherheit soll mindestens auf dem Niveau der bisherigen Blade-Zellen liegen. Nach über 500 Schnellladezyklen soll die Zelle einen Nagelpenetrationstest während eines laufenden Ladevorgangs bestanden haben, ohne dass Rauch oder Flammen sichtbar gewesen sein sollen – gerade Ladevorgänge mit hoher Leistung gelten als neuralgische Phase bei der Batteriesicherheit. Auch den gleichzeitigen Kurzschluss von vier Zellen soll ein Batteriepack ohne Schaden überstehen und der Stoßtest sei mit der zehnfachen Kraft der neuen chinesischen Normen bestanden worden – so heißt es zumindest zur Premiere der Zellen, unabhängig überprüfen lassen sich all diese Aussagen derzeit nicht.
Derartige Sicherheitsmerkmale und eine lebenslange Garantie auf Batteriezellen reichen eigentlich aus, um Schlagzeilen zu machen. Diese werden aber im Falle der zweiten Generation der Blade-Batterie von einer anderen Eigenschaft dominiert: dem Schnellladen.





BYD wird den neuen Akku in zehn Elektroautos auf den Markt bringen – im Falle des Denza Z9 GT mit 1.036 Kilometern Reichweite im CLTC. Diese Fahrzeuge können damit in fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent nachladen – je nach Modell schwanken die von BYD veröffentlichten Werte zwischen 4:54 Minuten im Yangwang U7 bis 5:11 Minuten im Yangwang U8L. Alle anderen acht Modelle liegen dazwischen, die Varianz liegt also nur bei wenigen Sekunden. Ein Ladevorgang von zehn auf 97 Prozent soll nur neun Minuten dauern – hier ist die Spanne mit 8:45 Minuten (Fang Cheng Bao 3) und 9:24 Minuten im BYD Great Tang jedoch etwas größer. Das Portal CarNewsChina hat die genauen Tabellen veröffentlicht, der Link befindet sich am Ende des Artikels.
Die 97 Prozent Obergrenze sind übrigens aus einem besonderen Grund gewählt: BYD-Chef Wang Chuanfu erklärte bei einer Vorführung, dass das Ende des Ladevorgangs bei 97 Prozent eine bewusste Energiesparmaßnahme sei. Die verbleibenden drei Prozent seien für die Bremsenergierückgewinnung reserviert, was dazu beitrage, den Gesamtenergieverbrauch des Fahrzeugs zu senken.
Und auch das bekannte Problem von Lithium-Eisenphosphat-Zellen, die stark reduzierte Leistungsfähigkeit bei Kälte, will BYD mit der neuen Generation behoben haben: Nachdem die Zellen testweise für 24 Stunden bei -30 Grad gelagert wurden und somit komplett durchgefroren sind, soll ein Ladevorgang von nun 20 auf 97 Prozent nur zwölf Minuten gedauert haben. Damit will BYD das bisher in China vorherrschende Argument gegen Elektroautos, die eingeschränkte Nutzbarkeit im eisigen Norden des Landes, entkräften.
„Flash Charger“ mit 1.500 kW Ladeleistung
Die Fahrzeuge mit den neuartigen Akkus können zwar auch an den herkömmlichen Ladestationen in China mit Strom versorgt werden. Um aber diese extrem kurzen Ladezeiten zu erreichen, sind spezielle Hochleistungslader nötig – die BYD allerdings passenderweise auch gleich vorgestellt hat. Die zweite Generation der „Flash Charger“ war allerdings schon vor der Präsentation an einigen Orten Chinas gesichtet worden, wo BYD schon erste Einheiten aufgebaut hat. Bei der Veranstaltung hat BYD bestätigt, dass man in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 bereits 4.239 dieser Ladestationen fertiggestellt habe – die Inbetriebnahme soll am Freitag erfolgen. 20.000 dieser Schnelllader sollen es in diesem Jahr werden.
Diese T-förmigen Ladestationen verfügen über zwei Ladekabel, die beide in das gleiche Fahrzeug eingesteckt werden. Mit einem Schienensystem sollen die von oben herabhängenden Kabel einfach bewegt werden können, obwohl sie aufgrund der Kühlung bei 1.500 Kilowatt Ladeleistung relativ schwer sein dürften.
Alles andere als schwer soll hingegen der Aufbau solcher Ladestationen sein. Laut BYD-CEO Wang soll die Installation „so einfach wie die einer Klimaanlage“ sein. BYD hat dafür eine Art Plug&Play-Lösung entwickelt: Die „Flash Charger“ werden als eine „Station in der Station“ installiert. BYD nutzt das bestehende Schnellladenetz auf eine besondere Weise aus, wie schon auf ersten Bildern der Installationen zu sehen war. Die „Flash Charger“ nutzen eigene Energiespeicher, um kurzzeitig die extrem hohen Ladeleistungen bieten zu können – solche Ladestationen würden ohne Pufferspeicher das Netz überlasten. Diese Energiespeicher werden vor Ort von den bestehenden Elektro-Installationen geladen, wenn gerade kein E-Auto lädt. Damit soll BYD das Netz an „Flash Chargern“ ausbauen können, ohne das Stromnetz nennenswert stärker als mit der aktuellen Ladeinfrastruktur zu belasten.
Kenntlich gemacht werden die „Flash Charger“ über ein eigenes Logo und die Farbgebung in Türkis. Bisher sind die BYD-Ladesäulen der Marken-CI gemäß eher in Silber und Rot gehalten. Auch die Autos, die die „Flash Charger“ nutzen können, werden auf dem Kofferraumdeckel mit einem solchen Symbol in der gleichen Fabre kenntlich gemacht.





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