Fastned steigert Umsatz, aber auch Verlust deutlich

Der rasch expandierende Schnellladeanbieter Fastned hat 2025 erstmals die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro geknackt und insgesamt 122,4 Millionen Euro im Ladegeschäft erwirtschaftet. Allerdings sind auch die Verluste deutlich gestiegen – wegen der hohen Investitionen in neue Ladeparks.

Fastned ladestation charging station buederich
Bild: Fastned

Einige Kennziffern zum vierten Quartal 2025 sowie zum Gesamtjahr 2025 hatte Fastned schon im Januar veröffentlicht. Seitdem ist zum Beispiel bekannt, dass das niederländische Unternehmen seinen Umsatz pro Standort im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 335.000 Euro steigern konnte. Zudem sind seitdem die vorläufigen Ladeumsätze für jedes Quartal bekannt, woraus sich eine Summe von ca. 123,9 Millionen Euro ergab.

Mit Veröffentlichung der finalen Zahlen ist dieser Wert nun doch etwas geringer ausgefallen: Fastned nennt einen Umsatz aus Ladevorgängen von 122,4 Millionen Euro. Davon entfallen 72,8 Millionen Euro auf den Heimatmarkt Niederlande, 16 Millionen Euro auf Belgien, 12,7 Millionen Euro auf Frankreich, 10 Millionen Euro auf Deutschland, 8 Millionen Euro auf Großbritannien und die restlichen 2,75 Millionen Euro auf andere europäische Länder.

Der Ladeumsatz von 122,4 Millionen Euro lag damit 47 Prozent höher als die 83,4 Millionen Euro im Vorjahr. Damals hatte Fastned aber vor allem auch einen Gesamtumsatz von 86,3 Millionen Euro genannt. Laut dem neuen Geschäftsbericht wurde dieser aber später auf 83,8 Millionen Euro korrigiert. Auch für 2025 gibt es nun eine Zahl zum Gesamtumsatz – und dieser ist noch deutlicher um 66 Prozent auf 139,2 Millionen Euro gestiegen. Sprich: Gegenüber dem Ladeumsatz von 122,4 Millionen Euro kamen noch 16,7 Millionen Euro obendrauf, der fehlende Rest lässt sich über eine Rundungsdifferenz erklären.

Allerdings kommuniziert Fastned den Gesamtumsatz nicht in seiner Pressemitteilung, sondern nur im Geschäftsbericht selbst. Das dürfte an der Erläuterung für diesen zusätzlichen Umsatz liegen: Fastned gibt an, dass dieser durch „die Baueinnahmen aus Konzessionsverträgen mit den deutschen Autobahnbehörden verursacht ist“. Sprich: Hierbei geht es um die Standorte, die Fastned fürs Deutschlandnetz baut – und dabei übernimmt der Bund einen großen Teil der Baukosten, um eine Grundversorgung mit Schnellladeinfrastruktur sicherzustellen. Es handelt sich dabei somit um einen durchlaufenden Posten, der direkt in die Baukosten der Deutschlandnetz-Ladeparks fließt.

Deutschlandnetz-Zuschuss je nach Umsatz rückzahlbar

Allerdings muss Fastned nach acht Jahren einen großen Teil oder sogar den kompletten Zuschuss zurückzahlen, je nachdem wie der tatsächliche Umsatz der Ladeparks ausfällt. Dabei trägt der Bund das Risiko mit für den Falls, dass die Umsätze an einem Standort hinter den Erwartungen zurückbleiben. „Es kann sein, dass wir bei einem Los, dessen Ladeparks schlecht ausgelastet sind, 50 Prozent dazu schießen. Es kann aber auch sein, dass wir das Geld komplett wieder reinkriegen“, erläuterte Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, bei uns im Interview. Fastned hatte bei der Deutschlandnetz-Ausschreibung zwei Regionallose mit insgesamt 92 Standorten gewonnen sowie den Zuschlag für Ladeparks an 34 unbewirtschafteten Autobahnrastplätzen erhalten.

In die meisten anderen neuen Ladeparks – deren Anzahl wuchs von 346 auf 406 Standorte in neun europäischen Ländern – muss Fastned selbst investieren. Und dabei lagen die Investitionskosten pro neuem Standort laut einer Investorenpräsentation aus dem Januar zuletzt bei durchschnittlich 892.000 Euro, die u.a. für die Ladestationen selbst, Trafostationen, Netzanschlüsse und die markanten gelben Überdachungen draufgehen.

Steigende Netzwerkexpansionskosten

Entsprechend erhöhten sich die Netzwerkexpansionskosten auf 33,9 Millionen Euro (+48 Prozent), wobei es hier nicht mal um die Baukosten für die Ladeparks selbst geht, sondern um Kosten im Zusammenhang mit der Erweiterung des Fastned-Netzwerks, die u.a. Kosten für Gehälter und sonstige Gemeinkosten im Zusammenhang mit der Netzwerkentwicklung, der Suche und dem Erwerb neuer Standorte, der Standortplanung, der Bauplanung und der IT-Softwareentwicklung umfassen. Laut der Cash-Flow-Kalkulation flossen zudem 86,3 Millionen Euro in Investitionen, womit vor allem neue Ladeparks gemeint sein dürften.

Auch wenn Fastned ein operatives EBITDA von 43,6 Millionen Euro (+34 Prozent) nennt, so heißt das faktisch vor allem, dass das Unternehmen den eingekauften Strom mit einem deutlichen Aufschlag an E-Auto-Fahrer verkaufen kann. Denn dabei sind weder die oben genannten Expansionskosten noch die Baukosten für die Ladeparks selbst berücksichtigt. Und so blieb 2025 unterm Strich ein Verlust von 30,2 Millionen Euro – das waren knapp 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat sich zugleich die Dynamik beim Verlust verringert: Zwischen 2023 und 2024 hatte es noch einen Zuwachs von 18,9 auf 27 Millionen Euro gegeben.

fastnedcharging.com, fastnedcharging.com (PDF-Geschäftsbericht)

5 Kommentare

zu „Fastned steigert Umsatz, aber auch Verlust deutlich“
Egon_meier
20.03.2026 um 14:01
Betriebswirtschaftlicher Unsinn: Investitionen schmälern nicht den Gewinn sondern alleine die Abschreibungen.Also warum die steigenden Verluste?
Hans
23.03.2026 um 13:24
Abschreibungen gehen direkt in die Gewinn- und Verlustrechnung ein, senken also den Gewinn. Was daran Unsinn sein soll erschließt sich mir nicht. Die Frage ist eher: Über welchen Zeitraum wird abgeschrieben? Gerade bei den KI-Hyperscalern ist ja mittlerweile beliebt, damit rumzutricksen. Es gibt da so uralte AfA-Tabellen in Deutschland vom Bundesministerium der Finanzen, da steht das haarklein drin. Tennishalle? 20 Jahre. Traglufthallen aber nur 10 Jahre. Halle in Leichtbauweise? Dann 14 Jahre. Ist kein Witz. Wenn ich jetzt sage, ich schreib die über 3 Jahre ab kann ich damit enorm meinen Gewinn drücken und kann so tun, als ob das Geschäftsmodell ne Katastrophe ist. Hier würde das Finanzamt aber auch was dagegen haben und ich glaube, Fastned ist noch viel zu klein um hier viel tricksen zu können. Ich glaube das Problem ist tatsächlich eher, dass der Aufbau von solcher Ladeinfrastruktur tatsächlich eine Mammutaufgabe ist. Man muss sich mal überlegen, wir würden versuchen das gesamte Tankstellennetz innerhalb von wenigen Jahren aufzubauen. Da wären 5 EUR pro Liter vermutlich noch zu wenig, damit da irgendwie ein Geschäftsmodell draus wird in den nächsten 10 Jahren. Das würde ewig brauchen, bis das Geld wieder drin ist. Langfristig wird sich ein Preis einstellen, bei denen der Betrieb von HPC ein gutes Geschäft ist. Wenn man das Netz erstmal aufgebaut hat und nur noch langsam verdichtet, sieht die Welt ganz anders aus. Bis dahin bin ich persönlich froh, kein Shareholder von Fastned zu sein.
RF
20.03.2026 um 19:55
Okay. Da der Geschäftsbericht ja verlinkt ist, kannst du es sicher leicht finden und uns mitteilen. Ich kenne mich leider mit Betriebswirtschaft nicht so gut aus. Aber im Geschäftsbericht wird z. B. auch von Kosten im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau (34,3 Mio. €) geschrieben, wobei speziell auf die Gehälter der damit beschäftigten Mitarbeiter eingegangen wird.Nimmt man nur das operative EBITDA von 43,7 Mio. € und zieht die Abschreibungen sowie Zinszahlungen ab (28,4 Mio. € + 16,4 Mio. € = 44,8 Mio. €), hätte das Unternehmen sogar einen leichten Verlust bzw. nur einen minimalen Gewinn erwirtschaftet. Das Ganze wohlgemerkt bei einem vergleichsweise hohen durchschnittlichen Umsatz von 0,69 €/kWh und einer hohen Bruttomarge von 0,53 €/kWh.Allein die Kosten für das Ladenetz (Wartung, Pacht, betriebliches Personal usw.) liegen bei 0,29 €/kWh – und das ohne Abschreibungen oder Investitionskosten. Das finde ich schon bedenklich hoch. Aber eventuell wertet B.E.N. das hier auch noch aus, auch hinsichtlich der Frage, ob ein Ladepark tatsächlich eine Goldgrube ist.
TeeKay
21.03.2026 um 10:51
Jedes gesunde Unternehmen expandiert. Fastned hat überhaupt nur deshalb eine so hohe Marktkapitalisierung, weil sie expandieren und den Anlegern die Karotte immenser künftiger Gewinne vor die Nase halten. Sie können also nicht einfach irgendwelche angeblich mit der Expansion zusammenhängenden Kosten rausrechnen und behaupten: Seht her, wir machen nur Verlust, um künftig noch größere Gewinne zu machen. Seit über einem Jahrzehnt geht diese Leier.Stattdessen steigen die Verluste zusammen mit dem Umsatz.
erFahrer
23.03.2026 um 09:58
1. Permanente Verluste- hohe Ladepreise = wer steckt hinter dem Unternehmen und finanziert diese Claming von guten Standorten oder hübscht man weitet auf, für einen Verkauf an eine Marktkontrolleur aus der Ölindustrie? 2. Wir hoch waren den die Einkünfte aus THG?

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