Orientierung für Logistiker: ifeu-Webtool bietet Lkw-Routing und TCO-Vergleich
Seit mehr als drei Jahren liefert das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) mit seinem Tool „My eRoads“ eine herstellerunabhängige Online-Erstberatung zu Einsatzmöglichkeiten von Elektro-Lkw in der Flotte. Die entsprechende Website ist seit Ende 2022 online und kann für Logistiker und Speditionen die Betriebskosten sämtlicher E-Lkw-Modelle prognostizieren und Vergleiche zu Diesel-Lkw erstellen. Das Tool ist das Ergebnis eines 2019 angestoßenen Forschungsprojekts und war in diesem Zuge anfangs kostenfrei. Inzwischen hat das ifeu auf ein Lizenz-Modell umgestellt, denn die hinter dem Tool stehende Datenbank zu E-Lkw-Modellen, Infrastruktur, Förderungen und Co. muss aufwändig gepflegt werden.
Seit einigen Monaten ist das ifeu aber nicht nur mit der Datenbank-Aktualisierung des bestehenden Tools beschäftigt, sondern hat im Hintergrund ein deutlich erweitertes Planungstool namens BWeRoads entwickelt, das nun grundlegend neue Funktionalitäten aufweist – und allen voran sogenanntes Lkw-Routing zulässt. Sprich: Man kann dort jetzt auf einer Landkarte konkrete Touren eingeben und die E-Lkw-Eignung berechnen lassen. Dabei wird auch Truck-taugliche öffentliche Ladeinfrastruktur berücksichtigt.
Kostenfreie Testphase bis Jahresende
Am Mittwochabend ging die öffentliche Beta-Testphase los – und wer mitmachen will, kann das erweiterte Instrument bis Jahresende kostenfrei nutzen. „Das neue Tool ermöglicht es Lkw-Betreibern, ihre Touren direkt mittels Start, Ziel und Wegpunkten einzugeben“, präzisiert Julius Jöhrens, im ifeu-Fachbereich Mobilität der Themenfeldleiter für Alternative Antriebe. „BWeRoads zeigt daraufhin öffentliche Ladeinfrastruktur und Wasserstofftankstellen entlang der Strecke an, die die Lkw-Betreiber bei den weiteren Analysen berücksichtigen können. So wird auf einen Blick sichtbar, ob öffentliche Ladesäulen und H2-Tankstellen für Ihre Einsatzprofile relevant sind.“ Als Basis dienen dabei Daten der NOW GmbH, die das ifeu aktuell aber noch nachbearbeiten muss. Für den Wasserstoffbereich greift das Institut auf Daten von H2 Mobility zurück.
Dass sich die Tool-Erweiterung BWeRoads nennt, leitet sich dabei von einem gleichnamigen Projekt ab, das von Anfang 2024 bis Ende 2026 läuft und in dem sich neben dem ifeu auch das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) engagieren. Das BW im Projekttitel steht für Baden-Württemberg. Die dortige Landesregierung fördert das Projekt – und Voraussetzung für die Teilnehme am Beta-Test ist denn auch der Einsatz einer Lkw-Flotte in Baden-Württemberg. Zum Test eingeladen sind konkret „alle Betriebe, die ihre Lkw zumindest teilweise in Baden-Württemberg einsetzen“.
BWeRoads soll dabei nicht nur Flotten-Betreibern als eine wichtige Orientierungshilfe bei der Antriebswende im Unternehmen dienen, sondern gleichzeitig auch Daten zu Lkw-Einsatzprofilen erheben. Denn: „Ein Ziel dieses Projekts ist es, Nutzungspotenziale für öffentliche H2-Tank- und Ladeinfrastruktur zu bestimmen“, bekräftigt Jöhrens. „Dazu werten wir Daten zum Fahrzeugeinsatz aus, die von Lkw-Betreibern ins Tool eingegeben werden.“ Anders als kommerzielle Tools wie z.B. von PTV verfolgt das ifeu dabei das Ziel, aus den Nutzungsdaten den Ausbaubedarf öffentlicher LIS abzuleiten und der Politik damit konkrete Planungshinweise an die Hand zu geben. Wichtig dabei: Die Daten werden in anonymisierter und aggregierter Form erhoben und nicht für andere Zwecke weitergegeben. Im Gegenzug darf das Tool wie erwähnt innerhalb der Projektlaufzeit bis Ende 2026 gratis genutzt werden.
Anspruch ist dabei nach wie vor, dass das BWeRoads-Tool Lkw-Betreibern bei der Einschätzung hilft, ob aktuelle Elektro-Lkw-Modelle für den Einsatz in ihrer Flotte geeignet sind. Das Interesse an Batterie-Lkw wächst bekanntlich. Deutsche Logistiker trauen Elektro-Trucks immer mehr zu, wie jüngst eine repräsentative Studie des Öko-Instituts offenbarte. Doch noch zögern die meisten Firmen bei ihrer Investitionsentscheidung. Für genau diese Unternehmen bietet das Tool „eine schnelle, zuverlässige und herstellerunabhängige Erstberatung“, so Jöhrens. „Die Teilnahme bietet die Chance, individuelle Elektrifizierungspotenziale systematisch zu prüfen – und das jetzt auch unter Einbeziehung öffentlicher Lade- und Wasserstoffinfrastruktur.“
Bei dem Basis-Tool My-eRoads sind nach Angaben des ifeu schon seit dem Launch 2022 Datenbanken mit Details zu nahezu allen gängigen Fahrzeugmodellen und Ladesäulen sowie für die Förderangebote des Bundes und der 16 Bundesländer hinterlegt. Die Datenbanken werden quartalsweise aktualisiert und warten so mit den stets gültigen Daten von sämtlichen Batterie- und Brennstoffzellen-Lkw auf – und zwar versehen mit Zuladung, Reichweite und Bauform vom Kastenwagen bis zum Sattelschlepper – und einer transparenten Schätzung der Anschaffungspreise. „Diese können von den Nutzern angepasst werden, wenn konkrete Angebote von Herstellern vorliegen“, ergänzt das Institut. Grundsätzlich haben die Nutzer die Möglichkeit, viele Parameter differenziert einzugeben und die Prognosen so auf ihren Fall hin zu individualisieren.
Wie E-Lkw im Vergleich zu Dieseln abschneiden
Die Einsatztauglichkeit bestimmter Elektro-Modelle auf bestimmten Strecken ist dabei das eine, der Vergleich zum Diesel das andere: So zeigt sich mittels des Web-Instruments beim Vergleich von E-Antrieb und Dieselmaschine, inwiefern der Elektro-Lkw bei einigen Fahrprofilen heute schon Kosteneinsparungen gegenüber der Dieselvariante ermöglicht. Wir erinnern uns: Zwischenzeitlich trug die schon lange wieder eingestellte KsNI-Förderung dazu bei, Elektro-Lkw bei der TCO zu pushen. Doch das ist seit 2024 auf nationaler Ebene nicht mehr der Fall, dafür haben nun teils einzelne Bundesländer eigene Förderungen. Parallel wurde zudem die Lkw-Mautbefreiung für E-Lkw und die THG-Prämie eingeführt. Die Berechnungsgrundlagen des ifeu-Webtools ändern sich also stetig.
Und nicht nur das, der Markt wächst und die technischen Analysemöglichkeiten ebenfalls. Jöhrens schildert, dass sich seit den Anfängen 2022 die Lkw-Modellauswahl etwa verdoppelt hat (was sich im Tool widerspiegelt). Außerdem hat das ifeu mittlerweile die fahrzeugspezifische Verbrauchsberechnung verbessert (etwa durch die bessere Berücksichtigung verschiedener Beladungen) und realistischere Ladekurven und aktualisierte Hintergrunddaten (z.B. für die CO2-Berechnung über den Fahrzeuglebensweg) im System hinterlegt.
Grundsätzlich beschäftigt sich das ifeu schon seit 2013 mit alternativen Antrieben. Wir erinnern uns etwa an große Vergleichsstudien zu verschiedenen Technologiepfaden. „Diese Phase der großen Vergleiche ist vorbei“, schildert Jöhrens. Die Industrie bewegt sich Richtung Batterie-Lkw und in einigen Nischen in Richtung Wasserstoffmobilität. Jöhrens hält es nun für um so wichtiger, Tools zur Unterstützung der Logistiker zu entwickeln. „Vor allem, damit kleinere Fuhrunternehmen nicht auf der Strecke bleiben“, wie er betont. Denn die Antriebswende könnte den Markt stark verändern, so der Mobilitätsexperte. Es sei deshalb wichtig, speziell kleinere Firmen auf dem Weg mitzunehmen.
tool.bw-eroads.de





0 Kommentare