VW-Vorstand soll Werksschließungen ab 2031 anstreben

Der Volkswagen-Vorstand um Konzernchef Oliver Blume will offenbar 2031 die Produktion in den Werken Zwickau und Emden auslaufen lassen. Die Fabrik in Hannover soll 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034. Das hat der Spiegel im Vorfeld der VW-Aufsichtsratssitzung heute Nachmittag erfahren.

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Bild: Volkswagen

Das Nachrichtenmagazin beruft sich bei den Zeitplänen zu den potenziellen Werksschließungen auf Informationen aus Aufsichtsratskreisen. Bisher wurde aus internen Papieren eher der Rückschluss gezogen, dass sich Volkswagen frühestens ab 2032 von Produktionsstätten trennen will. Bei beiden Szenarien handelt es sich bislang um Vorschläge des Vorstands. Im Aufsichtsrat, der im Laufe des Tages in Wolfsburg tagt, wird laut dem Spiegel „massiver Widerstand gegen den Plan erwartet“. Unabhängig davon verfügt die Arbeitnehmerschaft des Konzerns über einen einflussreichen Betriebsrat, der hart gegen diesen Kurs kämpfen dürfte.

Dass einige deutsche Werke des Konzerns vor dem Aus stehen könnten, ist bereits vor zwei Wochen durchgesickert: Das Manager Magazin berichtete Ende Juni, dass der Vorstand um Blume einen weitaus radikaleren Sanierungskurs verfolge als bisher bekannt – und berief sich dabei auf eine Vorstands-Präsentation mit dem Titel „Group Target Picture“ für 2030. In dieser ist als Ziel unter anderem das Aus für die vier genannten Werke fixiert. Und die Belegschaft soll weltweit um 100.000 Stellen schrumpfen. Noch handelt es sich bei dem Dokument nur um ein internes Papier. Doch heute soll das „Group Target Picture“ laut Medienberichten dem Aufsichtsrat vorgestellt werden.

Wie der Spiegel im Vorhinein erfahren hat, will der VW-Chef neben den ab 2031 angepeilten Werksschließungen offenbar 50.000 Stellen bis 2030 streichen. Aktuell arbeiten im Konzern rund 657.000 Menschen. Auch sollen die geplanten Investitionen von zuletzt 180 Milliarden Euro im Zeitraum von 2027 bis 2031 auf 135 Milliarden Euro gesenkt werden. Damit verschärfe Blume noch einmal seinen Plan für die Zukunft des größten deutschen Autokonzerns, so das Nachrichtenmagazin.

Zu den gefährdeten Werken: Angezählt wurden die deutschen VW-Fabriken in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm bereits im April in einer Aufsichtsratssitzung – „wegen hoher Kosten“, wie das Manager Magazin jüngst schrieb. Der Vorstand soll nun bereit sein, alle vier zu schließen und dort in Zuge dessen jeweils nur noch die aktuelle Modellgeneration bauen zu lassen. Danach soll Schluss ein, so die Insiderberichte von Ende Juni. „Die bislang für die Werke geplanten Folgemodelle würden gestrichen oder in günstigeren Standorten gebaut.“ Insgesamt arbeiten in den vier Stätten gut 40.000 Männer und Frauen. Zusammen kommen sie auf eine jährliche Kapazität von rund 750.000 Autos.

Bei Zwickau und Emden handelt es sich um reine Elektroauto-Produktionsstandorte. Die Belegschaft in Zwickau produziert den VW ID.3, VW ID.4 und VW ID.5 sowie den Cupra Born und den Audi Q4 e-tron. Im Werk Emden laufen der VW ID.4, VW ID.7 und der VW ID.7 Tourer vom Band. In beiden Städten reduzierte Volkswagen bereits von je zwei auf eine Linie (mit je zwei Schichten), um Überkapazitäten abzubauen. 

Das Volkswagen-Werk Hannover ist Hauptsitz von VW Nutzfahrzeuge und bringt die vollelektrische Baureihe ID. Buzz bzw. ID. Buzz Cargo sowie die Modelle der T-Baureihe (Multivan) hervor. Vor Ort gibt es zudem eine Batteriemontage. Und im Audi-Werk in Neckarsulm werden zurzeit vor allem Verbrenner- und Hybridmodelle von Audi gefertigt. In den Böllinger Höfen läuft mit dem Audi e-tron GT aber auch ein vollelektrischer Sportwagen vom Band. Wir erinnern uns: Im Februar 2025 wurde bereits das Audi-Werk in Brüssel geschlossen.

Das vorläufige Fazit: Der durchgesickerte Plan dürfte die bisherige offizielle Sanierungs-Roadmap des Volkswagen-Konzerns massiv verschärfen. Dabei hat der Wolfsburger Konzern unter Blume schon in den vergangenen beiden Jahren einen strikten Sparkurs verfolgt. 2024 sollen so 15 Milliarden Euro, 2025 18 Milliarden Euro auf an Einsparungen zusammengekommen sein. Grundlage dafür war eine historischen Einigung zwischen der Konzernspitze und dem Betriebsrat, die sich Ende 2024 zunächst darauf verständigt hatten, bis 2030 rund 35.000 Jobs zu streichen. Später wurden daraus vor allem durch angekündigte Sparkurse bei Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad 50.000 Konzern-Stellen.

Dass Blume und sein Team den Rotstift nun nochmal wesentlich radikaler ansetzen wollen, soll damit zusammenhängen, dass die Kosten massiv runter sollen: Ziel des CEO sei, die Sachgemeinkosten im Konzern bis 2030 um 11 Milliarden Euro zu senken, sagte ein Insider dem Manager Magazin Ende Juni. Allein das mache eine deutlich fünfstellige Zahl an Jobs aus und beträfe vor allem Verwaltung und Entwicklung.

Dass Volkswagen seinen Sparkurs noch einmal verstärken und dabei auch an Grundlagen rütteln würde, zeichnete sich übrigens durchaus ab. Schon im April berichtete die Automobilwoche von einer Aufsichtsratssichtung, in der offenbar unisono die Einschätzung herrschte, dass das eigene Geschäftsmodell trotz der laufenden Sparbemühungen „nicht mehr zukunftsfähig ist“.

spiegel.de

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