Honda will sich aus Kanada-Projekten zurückziehen
Eine vollständige Einstellung des Projekts stehe zur Debatte, je nachdem, wie sich die nordamerikanische Politik in Bezug auf Elektrofahrzeuge entwickelt, schreibt Nikkei Asia. Honda hatte im Mai 2025 bereits beschlossen, den bereits angekündigten Bau eines neuen Werks für Elektroautos und einer dazugehörigen Batteriefabrik in der kanadischen Provinz Ontario um zwei Jahre zu verschieben. Die einst für 2028 geplante Inbetriebnahme würde also nicht vor 2030 erfolgen.
Gemäß den aktuellen Informationen aus Japan scheint es nun fraglich bzw. stark von der künftigen Marktentwicklung in Nordamerika abzuhängen, ob es überhaupt noch zu einem Werksbau und Produktionsbeginn kommt. „Da Honda eine kurzfristige Verbesserung der Marktbedingungen für unwahrscheinlich hält, hat das Unternehmen das Projekt auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und Gespräche mit der kanadischen Regierung aufgenommen“, schreibt Nikkei Asia.
2024 hatte Honda angekündigt, insgesamt 15 Milliarden kanadische Dollar (nach aktuellem Wechselkurs rund 9,3 Milliarden Euro) in ein E-Auto-Werk mit einer Kapazität von 240.000 Fahrzeugen pro Jahr und eine Batteriefabrik für die Versorgung des Fahrzeugwerks zu investieren. Dort wollten die Japaner Elektro-Modelle für Nordamerika und speziell für die USA fertigen, um von den dortigen Förderungen für Elektroautos zu profitieren. Mit einer Fahrzeug- und Batteriefertigung in Kanada hätte Honda die Kriterien des Inflation Reduction Acts erfüllt – und konnte gleichzeitig von hohen Fördergeldern aus Ottawa profitieren, da die kanadische Regierung versucht, den eigenen Rohstoff-Reichtum in eine vollständige Lieferkette für Elektrofahrzeuge und Batterien umzuwandeln. Honda hatte bereits Förderzusagen erhalten und auch das Grundstück für den eigenen Industriekomplex erworben.
Doch stattdessen ist die jüngste Marktentwicklung in den USA bekannt: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat die Elektroauto-Politik seines Vorgängers Joe Biden gestoppt, die wichtige EV-Steuergutschrift vorzeitig eingestellt und auch andere Projekte kassiert. Nach einem kurzzeitigen Boom vor dem Förder-Ende ist der US-Markt für Elektroautos eingebrochen, alleine im vierten Quartal waren es 36 Prozent weniger als im Vorjahr. Und das erste Quartal 2026 dürfte einen Ausblick auf das neue Niveau geben.
In der Chefetage von Honda scheint man nicht mehr an eine kurzfristige Erholung des EV-Markts in den USA zu glauben – das gemeinsam mit GM hergestellte E-SUV Acura ZDX wird schon nicht mehr gebaut, Lagerfahrzeuge werden abgekauft. Das Schwestermodell Honda Prologue wird wohl noch dieses Jahr eingestellt. Das gemeinsam mit Sony vorangetriebene Joint Venture Sony Honda Mobility mit der E-Auto-Marke Afeela wurde de facto abgewickelt, das nahezu fertig entwickelte Debüt-Modell wird nicht auf den Markt kommen. Die für Nordamerika gedachten Elektroautos der „0 Series“ wurden ebenfalls gestoppt. Im US-Werk in Ohio sind die Anlagen darauf ausgelegt, E-Autos, Hybride und Benziner parallel zu bauen. Doch ohne die E-Autos der „0 Series“ bleibt es vorerst bei Benzinern und Hybriden. Und selbst wenn die Elektroauto-Nachfrage in den USA wieder anziehen würde, wäre aufgrund der Spannungen zwischen Washington und Ottawa fraglich, ob Kanada der passende Ort für die E-Auto-Fabrik wäre.
Statt mit eigenen Elektroautos aus mehreren parallel vorangetriebenen Projekten steht Honda in den USA nun ohne BEV-Modell im Portfolio da. Honda will seine globalen Investitionen in Elektrifizierung und Software reduzieren und auch eine neue Strategie für Nordamerika erarbeiten – mit einem Fokus auf Hybride.





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