Tesla erhöht bei Batteriezell-Plänen in Grünheide auf 18 GWh
Teslas Pläne für die Batteriezellfertigung in Grünheide entwickeln sich dynamisch. Noch im Dezember wurde für Grünheide lediglich eine Produktionskapazität von 8 GWh und eine Fertigungsaufnahme in der ersten Jahreshälfte 2027 angekündigt. Im April hieß es, man sei vor diesem Hintergrund auf der Suche nach mehreren hundert neuen Beschäftigten für die Batteriezellfertigung.
Diese Pläne erklärt Grünheide-Werkleiter André Thierig nun für überholt. Auf der Plattform Linkedin schreibt der Top-Manager: „Heute kündigen wir eine Investition von 250 Millionen US-Dollar für unsere Giga Berlin Zellfabrik an. Dies wird eine jährliche Produktion von 18 GWh der 4680-Zellen ermöglichen und mehr als 1.500 neue Arbeitsplätze schaffen. Gute Nachrichten in schwierigen Zeiten für die deutsche Industrie.“ Umgerechnet beträgt die angekündigte Investition gut 210 Millionen Euro. Mehrere Medien interpretieren das Statement so, dass die 250 Millionen US-Dollar zu der bereits angekündigten Investition von knapp einer Milliarde US-Dollar für die Zellproduktion vor Ort hinzuzurechnen sind. Das Portal Electrek schreibt etwa: „Die Gesamtinvestition in die Zellproduktionseinheit des Standorts nähert sich nun der Marke von 1 Milliarde Euro (1,2 Milliarden US-Dollar). Dies deckt sich auch grob mit der Größenordnung von Zellindustrieprojekten anderer Hersteller.
Klar ist: Mit dem Aufbau einer Zellproduktion am Werksstandort will Tesla die vertikale Integration seiner Lieferkette auf ein neues Niveau heben. Bislang verbaut Tesla in Grünheide sowohl LFP-Zellen von CATL als auch NMC-Zellen von LG Energy Solution für die verschiedenen Varianten des Model Y. Künftig soll „von der Batteriezelle bis zu Elektrofahrzeugen ab voraussichtlich 2027 alles an einem Standort produziert werden“, so ein offizielles Tesla-Statement. „Das ist einzigartig in Europa.“ Tesla will sich durch diesen Schritt robuster aufstellen.
Die Einstellung von 1.500 Mitarbeitern für die Zellfertigung soll dabei „mittelfristig“ erfolgen, wie der Tagesspiegel auf Nachfrage bei Tesla erfahren hat. Die angekündigte Investition von einer Viertelmilliarde US-Dollar dürfte ebenfalls über mehrere Jahre gestreckt werden. Details dazu liegen nicht vor. Interessant ist in der neuen Ankündigung vor allem die Aufstockung der geplanten Jahreskapazität von 8 auf 18 GWh. Auf diese Weise wird es realistischer, dass die Fahrzeugproduktion auch wirklich deckend mit Batteriezellen versorgt wird. Bei 8 GWh wäre wohl die externe Belieferung mit Zellen zumindest zum Teil weiter erfolgt. Mit dem neuen Output-Ziel liegt Tesla nun auch auf dem Niveau anderer Hersteller. Ein Beispiel: Die VW-Tochter PowerCo plant in ihrer neuen Anlage in Salzgitter zunächst mit 20 GWh, ein späterer Ausbau auf 40 GWh ist angedacht.
Teslas in Grünheide bereits vorhandene Batteriemontage kann mit dem geplanten Zellformat jedenfalls umgehen. Dort werden neuerdings von Tesla selbst im texanischen Austin hergestellte 4680-Batteriezellen in Batteriepacks eingebaut – ebenfalls ein Schritt, die Abhängigkeit von Zulieferern zu reduzieren und die Wertschöpfung zu erhöhen.
Die Idee einer Batteriezellfabrik in Grünheide ist schon einige Jahre alt. Tesla-CEO Elon Musk kündigte schon 2020 erstmals an, neben der offiziell Gigafactory Berlin-Brandenburg genannten Autofabrik in Grünheide auch „die größte Batteriezellenfertigung der Welt“ aufbauen zu wollen. Und zwar mit einer Jahreskapazität von anfangs bis zu 100 GWh pro Jahr, später dann von bis zu 250 GWh. Tesla legte diese Pläne allerdings schon 2022 – und damit im Jahr der Eröffnung der Autofabrik – auf Eis, um wegen der Aussicht auf umfassende Fördermittel die Priorität zunächst auf die USA zu legen. Die Gigafactory in Texas hat ergo bereits eine angeschlossene Zellproduktion. Mit etwas Verzug soll es nun aber auch in Europa losgehen – in deutlich kleinerem Umfang als einst angekündigt.
Unterdessen gibt Tesla auch bekannt, dass in Grünheide kürzlich das 750.000. Model Y gebaut wurde. Die Eröffnung der Fabrik erfolgte 2022, die theoretische Kapazität für die Jahresproduktion gibt Tesla mit 375.000 Autos pro Jahr an. 2025 sollen in dem Werk real „über 200.000 Einheiten“ vom Band gelaufen sein. Nach einer Durststrecke im vergangenen Jahr zieht die Nachfrage aktuell wieder an, sodass Tesla im April bekannt gab, kurzfristig bis Ende Juni rund 1.000 neue Mitarbeiter in Grünheide einstellen zu wollen. Den Ausbau der Belegschaft hat Tesla vor wenigen Wochen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) bestätigt. Wenn der Ausbau abgeschlossen ist, sollen rund 11.700 Menschen im Werk Grünheide arbeiten, so die DPA. Die oben genannte Job-Offensive im Zellwerk nicht mit eingerechnet.
Wir erinnern uns: Vor etwas mehr als zwei Jahren kam die deutsche Tesla-Fabrik schon einmal auf 12.400 Beschäftigte. Anfang Januar wurde im Vorfeld der später höchst umstrittenen Betriebsratswahl berichtet, dass in einem internen Dokument des Wahlvorstands nur noch 10.703 Angestellte genannt wurden – eine Diskrepanz von 1.700 Mitarbeitern. Tesla dementierte damals einen „nennenswerten Stellenabbau bei der Stammbelegschaft“ und bezeichnete die Schwankungen der gesamten Belegschaft, zu der auch Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter zählten, bei einem Werk dieser Größe als „vollkommen normal“. Eine Ansicht, die von dem nun kurzfristigen Ausbau um 1.000 Stellen untermauert wird.
„Dies ist eine direkte Reaktion auf die gestiegene Nachfrage nach dem Model Y“, kommentiert Tesla selbst. Tatsächlich hat die Nachfrage zuletzt wieder angezogen, der März 2026 war in Deutschland für Tesla wieder ein starker Monat und auch auf EU-Ebene lief es für Tesla nach einem durchwachsenen Jahr 2025 wieder ungleich besser, wie die jüngst veröffentlichten Zahlen des europäischen Branchenverbands ACEA zeigen. Als Treiber der Nachfrage gelten die günstigeren Versionen des Model Y, die seit dem vergangenen Herbst auf dem Markt sind.
linkedin.com, tagesspiegel.de, tagesschau.de, handelsblatt.com, electrek.co, x.com (Model Y)





8 Kommentare