Nidec will sich aus Geschäft mit E-Achsen zurückziehen

Nidec sucht den Absprung vom E-Achsen-Geschäft in China und Europa: Dazu will sich der japanische Industriekonzern aus der 2019 mit Partner GAC gegründeten Gemeinschaftsfirma Guangzhou Nidec Auto Drive System zurückziehen. In Europa ist ein Joint Venture mit Stellantis betroffen.

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Bild: Stellantis

Das E-Achsen-Geschäft des Unternehmens besteht hauptsächlich aus zwei Joint Ventures – eines mit GAC in China und eines mit Stellantis in Europa. In China tritt Nidec dabei nun aufs Bremspedal. Präsident und -CEO Mitsuya Kishida erklärte gegenüber der Zeitung Nikkei Asia: „Wir wollen uns aus dem E-Achsen-Geschäft zurückziehen, das zu einem ‚Red Ocean‘ geworden ist.“ Der „rote Ozean“ ist eine Redewendung, die eine überfüllte Branche mit hartem Wettbewerb beschreibt.

Nidec soll bereits Verhandlungen mit seinem chinesischen Joint-Venture-Partner GAC über den Rückzug aufgenommen haben. „Obwohl die konkrete Vorgehensweise noch nicht festgelegt wurde, werden wir beide Joint Ventures auflösen“, kündigt Kishida gegenüber Nikkei Asia an. Mit seinem europäischen Partner Stellantis habe Nidec bisher noch keine Gespräche aufgenommen. Offenbar ist dies aber nur eine Frage der Zeit.

Die chinesische Gemeinschaftsfirma Guangzhou Nidec Auto Drive System mit Hauptsitz in Guanzhou wurde 2019 gegründet und gehört zu 51 Prozent Nidec sowie zu 49 Prozent der GAC-Tochterfirma GAC Components. Bei der Gründung gaben beide Seiten an, zunächst E-Achsen für GAC zu bauen, jedoch auch auf Drittkunden abzuzielen. Die Motoren sollten dabei von Ingenieuren in China entwickelt und zudem die Kapazitäten von GAC im Einkauf genutzt werden.

Ende 2022 kam die E-Achsen-Fertigung in Frankreich hinzu. Dazu transformierte Stellantis seine Fabrik in Trémery. Im ehemals größten Dieselmotoren-Werk der Gruppe begann vor dreieinhalb Jahren der Bau von Elektromotoren unter Verantwortung des Nidec-Joint-Ventures Emotors. Bis 2024 sollte die Produktionskapazität „mehr als 1 Million Einheiten pro Jahr erreichen“, so die damalige Ankündigung. 

Wie Nikkei Asia schreibt, waren Elektroachsen seinerzeit ein Vorzeigeprojekt von Unternehmensgründer Shigenobu Nagamori. Vor diesem Hintergrund erwarb Nidec 2014 eine auf elektronische Komponentensteuerung spezialisierte Tochtergesellschaft von Honda und übernahm 2019 den Geschäftsbereich Automobilelektronik von Omron. Der nun skizzierte Rückzug aus diesem Geschäftsfeld repräsentiert laut Nikkei „einen strategischen Wandel hin zu strukturellen Reformen“. Die Verluste des Bereichs waren zuletzt immens: Für das erste Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres (das in Japan Ende September endete) wies Nidec im Bereich Elektroachsen einen Verlust von 87,7 Milliarden Yen aus (umgerechnet rund 470 Millionen Euro). Darin enthalten sind u.a. Rückstellungen für drohende Vertragsverluste sowie Wertminderungen auf Produktionsanlagen.

asia.nikkei.com

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