Mars und Rewe lassen 47 E-Lkw auf Pilot-Korridor pendeln
Mars und Rewe arbeiten eng zusammen, um mithilfe von insgesamt 47 Elektro-Lkw einen grenzüberschreitenden und durchgängigen Korridor zum emissionsfreien Transport von Lebensmitteln zu realisieren: „Auf definierten Routen werden Produkte aus den Mars-Geschäftsbereichen Snacks, Tiernahrung und Lebensmittel […] von der Produktion oder Lagerung über das REWE-Logistikzentrum bis in die REWE-Märkte per Strom transportiert“, schreibt Mars in einer Mitteilung. Der End-to-End-Korridor spannt sich dabei über die Niederlande und Deutschland.
Dass Mars seine Logistik in diesen beiden Ländern vermehrt elektrifizieren will und auch Rewe ähnliche Ambitionen hegt, haben wir bereits mehrfach berichtet. Bislang haben beide Unternehmen aber „lediglich eigene, regionale Teilstrecken elektrifiziert“, wie sie schreiben. Der nun eröffnete Korridor von der Produktion bis zur Verkaufsfiliale soll die Elektrifizierungsbemühungen insofern auf ein neues Niveau heben.
Konkret erfolgt nun der Batterie-elektrische Transport der Mars-Produkte von den Schokoladenfabriken im niederländischen Veghel und im nordrhein-westfälischen Viersen sowie aus der Tiernahrungs-Fabrik im niedersächsischen Verden zum Mars-Logistikzentrum in Minden im Nordosten von NRW. Vor dort aus geht es weiter ins Rewe-Zentrallager im brandenburgischen Oranienburg und dann wiederum per Elektro-Lkw zu mehr als 300 Rewe-Märkten sowie zu einem Rewe-Lieferservice-Lagerstandort, an dem ebenfalls elektrische Fahrzeuge eingesetzt werden.
Projekt belegt „die operative Machbarkeit“
In diesem gemeinsamen Netzwerk sind aktuell 23 Batterie-elektrische Lkw seitens Mars und 24 Fahrzeuge von Rewe im Einsatz. Insgesamt also besagte 47 Einheiten. Schon seitdem Mars und Rewe auf ihren jeweiligen Teilstrecken E-Lkw einsetzen, sind laut den Partnern gut 2,4 Millionen elektrische Kilometer, rund 750.000 Liter eingesparter Diesel und knapp 2.600 vermiedene Tonnen CO₂e (Well-to-Wheel) zusammengekommen. In diese Statistik sind die E-Lkw-Aktivitäten von Mars im Zeitraum 01/2024 bis 04/2026 und von Rewe im Zeitraum 01/2025 bis 04/2026 eingeflossen.
Für Mars belegt das nun begonnene Korridor-Projekt „die operative Machbarkeit einer kompletten End-to-End-Route unter realen Bedingungen“, zugleich zeige es bestehende Herausforderungen und liefere „belastbare Erkenntnisse für eine spätere Skalierung“. Die Lieferwege per E-Lkw sind also explizit noch stark optimierbar. Der kontinuierliche Austausch zwischen den Partnern helfe aber, Herausforderungen zu adressieren und erste Rückschläge erfolgreich zu überwinden, teilt Mars mit.

Klar ist: Die Verantwortlichen beider Konzerne halten die E-Mobilität im Straßengüterverkehr trotz der teils noch nicht gänzlich ausgereiften Ökosysteme für „ökologisch sinnvoll, operativ gut integrierbar und wirtschaftlich realisierbar“. Außerdem nennen sie neben den ökologischen und ökonomischen Aspekten weitere Vorteile der Technologie wie die geringere Lautstärke der Trucks (vor allem bei städtischen Belieferungen von Märkten) und den Komfort für die Fahrer.
„Volatilität der Dieselpreise wird weiter hoch bleiben“
Lars Siebel, Executive Director Logistics/SCM bei der Rewe Group, kommentiert: „Unsere Botschaft an alle Spediteure und Lkw-Fuhrparkbetreiber ist, sich den Einstieg in die E-Mobilität betriebswirtschaftlich durchzurechnen. Die Volatilität der Dieselpreise wird angesichts der geopolitischen Unsicherheiten weiter hoch bleiben. Im Vergleich dazu ist der Strompreis stabil und wird perspektivisch günstiger. Schon heute ist mehr als jede zweite Tour in unserem Netzwerk mit dem E-Lkw günstiger im Betrieb und Unterhalt als der Verbrenner. Mit optimierter Routenplanung lässt sich der Kostenvorteil noch weiter steigern, wodurch sich die noch höheren Anschaffungskosten des E-Lkw schneller amortisieren.“
Und Björn Schlenker, Supply Chain Integration Director Mars in Europe, ergänzt: „Dieser Best Case ist übertragbar auf weitere elektrifizierbare End-to-End-Strecken und zwar grenzüberschreitend. Ein resilienter Netzwerkaufbau reduziert übergreifend Emissionen in der Transportlogistik und zahlt so unmittelbar ein auf Kostenstruktur, Lieferfähigkeit und Servicequalität.“
Mars verfolgt übrigens die Ambition, dass für den Konzern bis zum Jahr 2030 in ganz Europa bereits 300 elektrische Lkw unterwegs sein sollen. Dieses Ziel nannte das Unternehmen bereits Anfang 2024 und bekräftigt es abermals in einer Mitteilung von Anfang 2026 zur Integration von fünf Mercedes-Benz eActros 600 bei Mars-Logistikpartner Rigterink. Dank dieser künftigen E-Flotte aus 300 Einheiten will Mars die jährlichen CO2-Emissionen in seiner europäischen Logistik um etwa zehn Prozent reduzieren. Eingebettet ist diese Initiative in Mars‘ globales Engagement, die eigenen Treibhausgasemissionen bis 2030 („Scope 1 bis 3“) zu halbieren. Als Referenz dient dabei das Jahr 2015.
Schon Anfang 2024 kamen für Mars übrigens erste E-Lkw in Deutschland zum Einsatz. Konkret startete der Konzern damals die Elektrifizierung seiner Transportroute zwischen Verden und Minden. Dafür stellte Partner Einride Mars zwei Mercedes-Benz eActros 300 sowie zwei Ladesäulen und sein Betriebssystem Saga zur Verfügung. Im Oktober 2025 kamen im Zuge der Einride-Mars-Kooperation zudem sechs weitere eActros 600 auf deutsche und niederländische Straßen. Diese pendeln seitdem von den Mars-Fabriken in Viersen und Veghel zum Lager in Minden. Bei diesen Projekten handelt es sich also um die oben genannten Teilstrecken, die dem neuen Pilot-Korridor vorausgegangen sind.
Die deutsche Mars-Gesellschaft gehört grundsätzlich zum US-Konzern Mars Incorporated, einem in mehr als 70 Ländern weltweit tätigen Markenartikelhersteller. 2024 erzielte Mars in Deutschland einen Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro. An seinen über 90 Betriebsstandorten für die Geschäftsbereiche Mars Wrigley, Mars Pet Nutrition, Royal Canin und Mars Food & Nutrition beschäftigt das Unternehmen aktuell etwa 5.900 Mitarbeiter. Zu den bekanntesten Marken des Konzerns gehören Miracoli, Snickers, Kitekat oder Airwaves.





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