11.07.2019 - 11:08

CAM: Deutschland überholt Norwegen beim Plug-in-Absatz

baic-e-series

Die Elektromobilität nimmt global weiter an Fahrt auf, wie das CAM in seiner neuesten Branchenstudie „E-Mobilität im internationalen Vergleich“ feststellt. Im zweiten Quartal haben die Verkäufe von E-Autos und Plug-in-Hybriden vielerorts gegen den Gesamttrend zugelegt.

Für die Studie hat das Team des Center of Automotive Management (CAM) um dessen Leiter Stefan Bratzel die Neuzulassungszahlen der wichtigsten Automärkte für E-Autos und Plug-in-Hybride im ersten und zweiten Quartal 2019 zusammengetragen. Betrachtet werden China, die USA, Norwegen, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande.

Eine der Kernaussagen der Studien wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern: China bleibt der Elektroauto-Markt Nummer eins – und das unangefochten. Doch dahinter kommt es verglichen mit dem ersten Quartal zu reichlich Bewegung: Gemessen an den kumulierten Zulassungen von BEV und PHEV hat Deutschland Norwegen überholt und ist global somit der drittgrößte Plug-in-Markt. In Frankreich haben die entsprechenden Zulassungen ebenfalls kräftig zugelegt, unser Nachbarland hat damit Großbritannien von Rang fünf verdrängt.

cam-erste-halbjahr-zulassungen-absolut

Zu den Zahlen selbst: In China boomt die Elektromobilität nach wie vor. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 stiegen die Verkäufe nochmals um 52 Prozent – von 412.000 auf 628.000 Plug-in-Fahrzeuge. Damit wurden im zweiten Quartal (329.000 Fahrzeuge) nochmals mehr verkauft als im Auftaktquartal. Damals waren es 299.000 Fahrzeuge.

Gemessen an den Absatzzahlen bleiben die USA mit 149.000 Plug-in-Fahrzeugen (2018: 124.000) der zweitgrößte Markt. Der Abstand zu China ist jedoch schon beachtlich und wird weiter größer: Während die Verkäufe in China um die erwähnten 52 Prozent gewachsen ist, haben die in den USA „nur“ um 20 Prozent zugelegt.

Der Platztausch dahinter zwischen Deutschland und Norwegen ist aus zweierlei Gesichtspunkten interessant: Der deutsche Markt für Plug-in-Fahrzeuge wächst beständig (verglichen mit dem H1 2018 von 34.000 auf 48.000 Fahrzeuge, ein Plus von 41 Prozent). Da der Gesamtmarkt stagniert (nur ein Plus von 0,5 Prozent), kann sich das Wachstum der elektrifizierten Fahrzeuge sehen lassen. Norwegen wächst zwar ebenfalls weiter, die Geschwindigkeit hat sich jedoch etwas verlangsamt: Die Zahlen haben noch um 22 Prozent zugelegt, auf jetzt 44.000 Fahrzeuge.

cam-erste-halbjahr-zulassungen-prozent

Der zweite interessante Punkt: Bei Norwegen ist das weiter Jammern auf sehr hohem Niveau, während Deutschland weiter Marktanteile aufholen muss. Im ersten Quartal entfielen in Norwegen noch 61 Prozent der Neuzulassungen auf Plug-in-Fahrzeuge. Dieses Rekord-Niveau konnten die Skandinavier nicht ganz halten, mit 56,2 Prozent im ersten Halbjahr sucht ein solcher Marktanteil international aber immer noch seinesgleichen. Deutschland kann sich zwar auch über ein Wachstum freuen, mit 2,6 Prozent (2018: 1,8 Prozent) sind die Marktanteile jedoch gering. Die Freude, Norwegen als drittgrößten Markt überholt zu haben, hat also einen faden Beigeschmack.

Dazu kommt: Der Dieselmarkt hat sich in Deutschland weiter stabilisiert. Laut CAM haben die Selbstzünder im ersten Halbjahr 33 Prozent der Neuzulassungen ausgemacht – 2018 waren es noch 32,1 Prozent. Der Zuwachs bei den elektrifzierten Zulassungen ist in Deutschland vor allem auf Batterie-elektrische Autos zurückzuführen. Diese haben um 80 Prozent auf 31.000 Fahrzeuge zugelegt, während die Plug-in-Hybride mit 16.500 Fahrzeugen sogar 0,9 Prozent verloren haben.

Der Platztausch zwischen Frankreich und Großbritannien ist laut dem CAM auf zwei Trends zurückzuführen: In Frankreich haben die Plug-in-Zulassungen um 38 Prozent auf 29.000 Fahrzeuge zugelegt – davon sind 73 Prozent BEV und 27 Prozent PHEV. Die zweite Ursache ist Großbritannien selbst: In dem Brexit-Umfeld hat der gesamte Automarkt dort 3,4 Prozent verloren, elektrifizierte Fahrzeuge waren mit einem Verlust von 7 Prozent noch stärker von der schlechten Stimmung betroffen. Der Plug-in-Marktanteil in Großbritannien ist sogar von 2,2 auf 2,1 Prozent gefallen.

Ganz andere Zahlen gibt es aus den Niederlanden: Dort wächst die Elektromobilität rasant. Obwohl der Gesamtmarkt im ersten Halbjahr 10,4 Prozent verloren hat, haben die Niederländer 20.000 Plug-in-Autos gekauft – ein Zuwachs von 122 Prozent! Von den 20.000 Fahrzeugen waren 17.400 BEV, das CAM führt dieses Wachstum vor allem auf die Einführung des Tesla Model 3 zurück. Auch der Einfluss auf den Gesamtmarkt ist enorm: Der Marktanteil der elektrifizierten Autos ist verglichen mit 2018 von 3,6 auf jetzt 8,9 Prozent in die Höhe geschossen.

„Die Elektromobilität steht vor dem Durchbruch in den Kernmärkten der Automobilindustrie, wir erwarten dies ab 2020“, sagt Bratzel zu den Studienergebnissen. Es sei bemerkenswert, dass der Absatz elektrifizierter Fahrzeuge bereits in der Lage ist, einen allgemein rückläufigen Gesamtmarkt zu bewältigen. „Die Dynamik basiert auf dem reinen Elektromarkt, während die Verkaufszahlen von Plug-in-Hybriden derzeit rückläufig sind.“
Quelle: Info per E-Mail

– ANZEIGE –

Poppe+Potthoff eMobility Pruefstand

Stellenanzeigen

Verkaufsleiter Elektromobilität (m/w/d) Region Bayern / BW / Hessen

Zum Angebot

Elektroingenieur für den Qualitätsbereich (m/w/d)

Zum Angebot

Vertriebsmanager (m/w/d) E-Mobilität für Norddeutschland

Zum Angebot

4 Kommentare zu “CAM: Deutschland überholt Norwegen beim Plug-in-Absatz

  1. Thomas Wagner

    Spätestens wenn die neuen Flottenverbräuche in Kraft treten, wird die Anzahl der Elektroautos auch in Deutschland stark zunehmen. Denn die braucht dann jeder Hersteller um nicht mit Milliarden € Strafzahlungen bedacht zu werden 🙂

  2. JoachimH

    Vergleich der absoluten Zahlen ist nicht relevant. Vergleich mit Anteil an Neuzulassungen wäre fair.
    Deutschland, wie auch die Schweiz, sind höchst wahrscheinlich nicht an der Spitze.

    • LuckyLuke

      Ein Vergleich der absoluten Absatzzahlen ist für den Autohersteller sehr wohl relevant, um die Märkte zu identifizieren. Er verkauft schließlich lieber 100.000 Autos in China als ein Auto in Liechtenstein. Auch wenn damit sein Marktanteil in Liechtenstein möglicherweise höher ist.

      Wenn man die Länder untereinander und deren Affinität zur Elektromobilität vergleichen möchte, gebe ich Ihnen vollkommen Recht 🙂

  3. Uwe

    Norwegen liegt bei rund 35 % reine BEV und noch Mal rund 33 % PHEV/PEV – also fast 70 % elektrisch!!!

    In Deutschland knapp 4 % Gesamt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Gefunden bei electrive.net
https://www.electrive.net/2019/07/11/cam-deutschland-ueberholt-norwegen-beim-elektroauto-absatz/
11.07.2019 11:32