21.01.2020 - 12:19

Verkehrsministerium hinkt bei eigenen Ladepunkten hinterher

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Eine Million öffentlich zugänglicher Ladepunkte in Deutschland peilt die Bundesregierung bis 2030 an, so hat sie es im „Masterplan Ladeinfrastruktur“ beschlossen. Eine Anfrage der Grünen zeigt jetzt, dass das Verkehrsministerium selbst kaum Ladepunkte für seine Flotte hat – und überhaupt relativ wenig Überblick.

Rund um die Umsetzung des im November beschlossenen Masterplans gab es aus Sicht der Grünen-Abgeordneten Stephan Kühn, Oliver Krischer und Matthias Gastel noch einige offene Fragen. Über Sinn und Unsinn der Zahl der angepeilten eine Million öffentlicher Ladepunkte ging es dabei aber nicht, mehr um eine Bestandsaufnahme und einen Überblick.

Zum Stand des 5. Dezember 2019 seien in Deutschland 22.031 öffentliche Ladepunkte in Betrieb gewesen (2.315 davon Schnelllader), wie die Bundesregierung in der Antwort auf die Kleine Anfrage schreibt, die electrive.net vorliegt. Dabei bezieht sie sich auf die Zahlen der Bundesnetzagentur. Der BDEW kommt in seiner Auswertung auf aktuell 23.840 Ladepunkte, nutzt aber mehr Quellen als die Zahlen der Bundesnetzagentur.

Deutlich interessanter als die Differenz zwischen den Netzagentur- und BDEW-Zahlen ist die Angabe, wie viele der Ladepunkte beim Bundesverkehrsministerium und den nachgeordneten Behörden in Betrieb sind. In Berlin und Bonn sind es an den Ministeriumsstandorten jeweils 14 Ladepunkte – für knapp 700 Mitarbeiter in Bonn und 550 in Berlin. Im Vergleich zu einigen Behörden steht das BMVI damit noch gut da: Weder das Kraftfahrt-Bundesamt, noch die Bundesanstalt für Straßenwesen oder das Fernstraßen-Bundesamt haben auch nur eine einzige Ladestelle. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, die relativ wenig mit der Elektrifizierung des Straßenverkehrs zu tun hat, betreibt hingegen 25 Normal- und einen Schnellladepunkte.

Was nicht ist, kann ja noch werden – schließlich sollen laut dem Masterplan in den kommenden beiden Jahren bereits 50.000 öffentliche Ladepunkte errichtet werden. Eine festgelegte Verteilung auf Bundesländer wird dabei bekanntlich nicht angestrebt. Auf die entsprechende Frage verweist die Regierung in der Antwort auf das Standorttool des BMVI, das den Bedarf auf Basis von von Verkehrs- strömen, sozioökonomischer Daten sowie Nutzer- und Raumstrukturen ermitteln soll – und nicht anhand starrer Quoten und Landesgrenzen.

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Wo und wie die Autoindustrie die im November zugesagten 15.000 Ladepunkte bis 2022 errichten wird, entzieht sich der Kenntnis der Bundesregierung. Die Unternehmen entscheiden „im Rahmen ihrer Investitionsfreiheit“. Hierzu lägen keine eigenen Erkenntnisse vor.

Erkenntnisse hat die Regierung hingegen über die bisherigen Förderprogramme, vor allem die Förderrichtlinie Ladeinfrastruktur. In den ersten drei Förderaufrufen (Daten aus dem vierten Aufruf liegen noch nicht vor) wurden Zuwendungen für 16.159 Normal- und 3.864 Schnellladepunkte bewilligt. Davon sind laut dem Dokument bereits 6.350 Normal- und 1.184 Schnellladepunkte in Betrieb. Die meisten davon in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt wurden Mittel in Höhe von 118,6 Millionen Euro bewilligt. Die größte Einzelsumme ging mit 25,2 Millionen Euro nach Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg, (24,2 Millionen Euro) und NRW (14,3 Millionen Euro). Bei den Antragstellern stechen vor allem zwei Energiekonzerne hervor, EnBW hat 1.248 Ladepunkte bewilligt bekommen, Innogy noch 1.109 Ladepunkte. Interessant: Auf Platz vier der größten Antragsteller liegt die Freie und Hansestadt Hamburg.

Die Auslastung der Ladepunkte ist gering

Die Daten zu den Ladevorgängen selbst geben einen Einblick, warum der Ausbau der Ladeinfrastruktur derzeit noch so schwierig ist: Er lohnt sich vielerorts einfach noch nicht. Über den Zeitraum von Juli 2018 bis Ende Juni 2019 gab es laut der Bundesregierung 334.004 Ladevorgänge an 3.846 Ladepunkten. An einem Normalladepunkt dauerte ein Ladevorgang im Schnitt 4,5 Stunden, dabei flossen (durchschnittlich) 12,0 kWh. Die durchschnittliche Anzahl an Ladevorgängen liegt hier bei 0,22 – pro Tag fließen umgerechnet also 2,64 kWh an einer öffentlichen AC-Säule. Bei den Schnellladepunkten werden in durchschnittlich 0,7 Stunden (also 42 Minuten) 12,3 kWh geladen. Mit 0,75 Ladevorgängen pro Tag ist hier die Auslastung etwas besser, aber immer noch niedrig. Hierbei handelt es sich aber um Durchschnittswerte aus dem ganzen Bundesgebiet, die ein halbes Jahr alt sind. Die Zulassungszahlen steigen und es gibt in einigen Wohngebieten Ladesäulen, die gut frequentiert sind – im Umkehrschluss aber auch Ladepunkte, an denen über Tage nicht geladen wird.

Die Herausforderungen bis 2030 sind groß, schließlich muss die Zahl der öffentlichen Ladepunkte um den Faktor 45 wachsen. Ein erstes Zwischenziel wären die die 100.000 Ladepunkte, die nach der Zielsetzung des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD „bis 2020 […] zusätzlich verfügbar“ sein sollen. Ob das erreicht wurde, weiß die Regierung aber nicht. „Bei den 100.000 Ladepunkten aus dem Koalitionsvertrag handelt es sich sowohl um öffentlich zugängliche als auch private Ladepunkte“, schreibt die Regierung. „Da zu den privaten Ladepunkten keine Erhebungen vorliegen, kann hierzu keine Aussage getroffen werden.“
Quelle: Info per E-Mail

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4 Kommentare zu “Verkehrsministerium hinkt bei eigenen Ladepunkten hinterher

  1. Peter

    Ein Hauptgrund für die schlechte Auslastung gerade der AC Ladepunkte ist die schlechte Preisgestaltung.

    Wenn ich das 1,5 bis 5-fache zahle wie an der heimischen Steckdose, dann meide ich die Ladepunkte natürlich.
    Zu Zeiten wo die Tarife niedriger oder gleich hoch wie daheim waren, waren auch die Säulen belegt.
    Ich persönlich nutze diese Säulen nur noch, wenn der normale Parkplatz mehr kostet als der Aufpreis beim Laden. Die kostenlosen Ladepunkte bei Ikea oder ALDI sind übrigens nahezu immer belegt…

    Bei den Schnellladepunkten hat man ja selten eine Alternative, da man sonst nicht zum Ziel kommt…

  2. Markus Wolter

    Auch Parkbeschränkungen machen das Laden nicht einfacher. Wenn man das Auto anschliesst und nach 4 Std., wenn bei bestimmten Fahrzeugen der Ladevorgang nicht einmal abgeschlossen ist, in der Innenstadt umparken soll, suche ich mir lieber eine andere Option.

  3. Anna

    Ich frage mich, ob in die Berechnung der Auslastung mit eingeflossen ist, dass an manchen Ladepunkten derzeit keine besser Auslastung statt findet, weil die meiste Zeit der Ladepunkt von Verbrennern zugeparkt ist. Und dadurch Elektroautofahrer überhaupt keine Möglichkeit haben den Ladepunkt zu nutzen.

  4. Carsten Erbguth

    Ich selber betreibe 2 öffentliche Ladepunkte in München. Bei mir ist es jetzt so, daß die 2 Plugin-Hybride, wenn sie täglich laden wollen, die Plätze blockieren.
    Neben diesen 2 Plugins sind noch 6 reine BEV’s aus der Nachbarschaft, die bis zu 3-Mal die Woche laden.
    Dadurch hat sich jetzt die durchschnittliche Anzahl der Ladevorgänge auf 5 pro Tag erhöht.

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21.01.2020 12:42