17.12.2020 - 11:18

Caritas: Elektroautos als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung

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Der Vatikan hat dieser Tage bekannt gegeben, seine Flotte auf Elektroantrieb umzustellen. Bei der Caritas in Deutschland, ihres Zeichens Wohlfahrtsorganisationen der katholischen Kirche, geht das schneller. Die Caritas für das Erzbistum Paderborn gehört mit bald 400 E-Autos zu den Vorreitern des Umbruchs.

* * *

Markus Grams bringt in einem Gespräch mühelos die göttliche Schöpfung und die Netto-Speicherkapazität von Batterien der neuesten Elektroauto-Generation unter. Der Leiter der Dienstleistungs- und Einkaufsgenossenschaft (cdg) bei der Caritas im Erzbistum Paderborn ist mit seinem Team Ansprechpartner für rund 220 rechtlich selbstständige Träger im Bistumsgebiet, für die Elektromobilität teils völliges Neuland ist. Von der Geschäftsstelle in Paderborn aus koordiniert die cdg den Umstieg der Caritas-Einrichtungen auf Elektroautos im großen Stil. 2021 sollen bereits mehr als 400 Autos im Erzbistum emissionsfrei unterwegs sein. „Nur rein elektrisch betriebene Autos, keine Plug-in-Hybride“, betont Grams. Allein ein Viertel der 400 Stromer wird in der Hierarchieebene unter dem Erzbistum liegenden Caritasverband Paderborn selbst stationiert sein.

„95 Prozent der E-Autos kommen bei den Caritas-Pflegediensten als Poolfahrzeuge zum Einsatz“, sagt Grams. Vor allem kleine Fahrzeuge wie der Smart EQ, der Renault Zoe oder die VW-Drillinge, künftig auch der elektrische Twingo oder der VW ID.3. Weitere Einsatzfelder sind E-Dienstwagen für Führungskräfte und Fahrzeuge mit dienstleistungsbezogenen Einsatzzwecken unter dem Dach des katholischen Wohlfahrtsverbands. Gut 400 Elektroautos – das bedeutet, dass 2021 etwa jedes siebte der rund 2.700 Caritas-Autos zwischen Minden und Siegen, Herne und Höxter elektrisch fährt.

Für kleinere Träger wäre ein Umstieg auf E-Mobilität ohne die Hilfe aus der Paderborner Zentrale kaum machbar. Die Gründung der Einkaufsgenossenschaft vor eineinhalb Jahren hat die Sache bei der Caritas im Bistum Paderborn stark beschleunigt. „Ein Grund für die Gründung war die Absicht, Know-how in Form von je einem zentral zuständigen Experten zu bündeln und das Wissen den Trägern so zur Verfügung zu stellen“, erläutert Grams. Mit den Trägern erörtert die cdg das „ob“ und „wie“, bringt E-Fahrzeuge zu Testfahrten vor Ort und baut Berührungsängste mit der neuen Technologie ab. Wie bei allen Veränderungen gebe es häufig Vorbehalte. „Nach etlichen Mitarbeiterversammlungen habe ich festgestellt, dass vor allem ein Argument zieht“, merkt Grams augenzwinkernd an. „Wenn man erwähnt, dass die Elektroautos per App vortemperiert werden können, geht regelmäßig ein Raunen durch die Säle. Pflegekräfte, die im Winter in der Frühschicht um 6 Uhr ins Auto einsteigen, überzeugt das regelmäßig.“

Das ist die den Trägern zugewandte Seite der Einkaufsgenossenschaft, natürlich zielt deren Einsatz auch auf Vorteile bei der Beschaffung von Elektroautos. Die cdg tritt gegenüber von Herstellern als geeinter großer Auftraggeber auf und bekommt so im Zuge von vereinbarten Rahmenverträgen günstige Konditionen und auch bei knapper Verfügbarkeit von Elektroautos Kontingente angeboten. Die Hersteller wissen im Umkehrschluss, dass es Bestellungen ohne Extra-Wünsche gibt: „Klar ist, dass bei uns nicht jeder einzelne Träger bei Farbe und Ausstattung haben kann, was er will“, so formuliert es Grams.

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Die Elektroautos zu beschaffen ist bekanntlich nicht die komplizierteste Übung. Komplex wird es meist beim Aufbau der Ladeinfrastruktur. Im Fall der Caritas variieren die Standort-Voraussetzungen und auch Wünsche bei den Trägern immens. „Es gibt Standorte, da reicht ein Ladegerät, bei anderen werden zwölf bis 14 Anschlüsse gebraucht. Viele Träger wünschen sich bei Installation und Betrieb ein Rund-um-Sorglos-Paket, aber es gibt welche, die mit ihren eigenen Stadtwerken eine individuelle Lösung anstreben“, erzählt Grams. Im Regelfall arbeitet sein Team mit zwei Energiedienstleistern zusammen, einer der in der Region Paderborn und ein weiterer der bundesweit tätig ist.

Darauf angesprochen, warum man bei der Caritas diesen Aufwand überhaupt betreibt, verweist Grams auf religiöse Werte, allen voran auf die Wahrung der Schöpfung, der sich die katholische Kirche verpflichtet fühlt. „Wir wollen dazu beitragen, unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.” Deshalb forciere die Caritas den Mobilitätswandel allen voran bei ihren Pflegeflotten in Ballungsgebieten. Ebenfalls wichtig sind laut Grams wirtschaftliche Überlegungen. Speziell durch die aktuellen Förderungen werde die Flotten-Umrüstung zunehmend attraktiv. „Dazu kommt unsere Vorbildfunktion und nicht zu vergessen: der Wettbewerb um Pflegekräfte – wir wollen uns als moderner Arbeitgeber präsentieren.“

In Pflege-Fachkreisen hat sich der Vorstoß aus Paderborn inzwischen herumgesprochen. Grams und sein Team werden inzwischen vielfach angefragt, wenn es um Fragen geht, welches Modell besser für eine Großstadt oder fürs Mittelgebirge geeignet ist, wie sich die Finanzierung bewerkstelligen lässt oder wie die Ladeinfrastruktur auch in einem kleinen Verband organisiert werden kann. Grams schlüpft nicht selten in die Rolle des Motivators: „E-Mobilität ist die Zukunft. Gerade für die ambulante Pflege mit ihrem Kurzstreckenprofil wird es keinen Weg zurück geben. Wir wollen in der Mobilitätswende voranfahren“, betont er.

Neben der kontinuierlichen Beschaffung von Elektro-Pkw und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur an Standorten im Erzbistum beschäftigen Markus Grams weitere strategische Überlegungen. Viel Potenzial gibt es aus seiner Sicht etwa bei der Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen. „Man denke nur an die Liefer-Transporter für ‘Essen auf Rädern’ oder die häufig für unsere Angebote genutzten Personentransporter“, so der Einkaufsleiter. Auch mit Lademöglichkeiten für Mitarbeiter zu Hause will sich die cdg beschäftigen, ebenso mit herstellerunabhängigen Buchungssystemen für die Poolfahrzeuge. Schließlich nimmt das Thema Förderung aktuell viel Raum ein. „Das ist für die Träger eine komplizierte Situation“, äußert Grams. Bekanntlich ist viel Bewegung in der Förderlandschaft, Stichworte sind das Kumulations-Hickhack, das Beihilferecht, das neue Programm Sozial&Mobil… „Unsere Juristin im Team hat da gerade viel zu tun“, merkt Grams an.

Bleibt abschließend noch ein Blick gen Vatikan: Der Sitz des Papstes hat angekündigt, seine Dienstwagenflotte ebenfalls auf Elektrofahrzeuge umstellen zu wollen. Aufgefordert zu einem kleinen Flotten-Vergleich kommentiert Grams schmunzelnd, dass er in aller Bescheidenheit vermuten würde, dass die elektrische Caritas-Flotte größer ausfallen wird als die des katholischen Kirchenoberhaupts.

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