19.02.2021 - 09:43

Daimler: Verbrenner-Aus bereits vor 2039?

Daimler hat sich bekanntlich das Ziel gesetzt, bis 2039 eine CO2-freie Flotte zu erreichen. Nun prüft der Konzern laut einem Medienbericht ein vorzeitiges Ende des Verbrenners. In einem Interview hatte Daimler-Chef Ola Källenius bereits angedeutet, dass die Zwischenziele für E-Anteile nach oben korrigiert werden könnten.

Wie das „Handelsblatt“ ohne Nennung von Quellen berichtet, lasse Källenius im Vorstand Szenarien durchspielen, wonach Mercedes nicht erst 2039, sondern schon fünf oder acht Jahre früher nur noch Neuwagen mit Elektroaggregaten anbieten könnte.

Zum „Symbol dieses beschleunigten Wandels“ könnte laut dem Bericht die nächste Generation der S-Klasse werden, die offenbar 2028 auf den Markt kommen soll. „Macht Källenius Ernst mit seinem beschleunigten Umstieg, gäbe es sie voraussichtlich nur noch als Stromer“, so das „Handelsblatt“. Bei der aktuellen Generation der S-Klasse hat sich Mercedes noch bewusst dafür entschieden, die S-Klasse als konventionelleres Auto maximal als Plug-in-Hybrid zu bringen. Den Elektro-Part übernimmt ab diesem Herbst der vollelektrische EQS auf einer eigenen Plattform.

Källenius selbst deutete in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ an, dass die bisherigen Zwischenetappen beim Absatz von reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden – ein Viertel bis 2025, die Hälfte bis 2030 – nach oben korrigiert werden könnten. Zu einem früheren Exit aus der Welt der Verbrenner äußerte er sich in dem Interview aber nicht.

Källenius rechnet aber damit, bis 2030 mit E-Autos ebenso hohe Margen erzielen zu können wie mit Verbrennungsmotoren. Sei die Kostenparität erst einmal erreicht, gebe es keinen Grund mehr, am Verbrenner festzuhalten, argumentieren die forschen Kräfte im Konzern. Zumal genug Geld für den Umbau vorhanden sei.

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Aus Sicht des Vorstands könnten die Arbeitnehmervertreter diesen Wandel aber bremsen. Noch nicht vergessen ist der Streit um die Produktionsverlagerung einiger Komponenten von Stuttgart nach Polen – nach dem Veto des Betriebsrats drohte der Vorstand damit, ein Technologiezentrum für Elektromobilität nicht in Stuttgart zu bauen. Der Betriebsrat fordert weiterhin eine eigene Fertigung von Elektromotoren und anderen E-Auto-Komponenten – etwa eine Großserienproduktion von Batteriezellen. Der Vorstand – in dem Bericht werden ausdrücklich Källenius und Finanz-Vorstand Harald Wilhelm genannt – wollen Batteriezellen aber nur zukaufen und setzen auch sonst auf Kooperationen. „So könnte womöglich alles noch viel schneller gehen“, schreibt das „Handelsblatt“. Sprich: Die Verzögerung, eine eigene Zellproduktion aufzubauen, will sich Källenius nicht leisten.

Eine wichtige Rolle bei dem möglichen Vorzug des Auslaufens der Verbrenner spielt die kürzlich angekündigte Abspaltung der Lkw-Sparte bis Jahresende. Ohne das wohl noch einige Jahre Verbrenner-lastige Geschäft von Daimler Truck können die Auto- und Van-Sparte (die künftige Mercedes-Benz AG) schneller auf E-Antriebe setzen, so das Kalkül.

„Electric first“ oder „Electric only“?

In anderen Bereichen wirft die Trennung aber Fragen auf: Da Daimler Truck bisher ein integraler Bestandteil des Konzerns war, wurden dort auch alle Aktivitäten um die Brennstoffzellen-Entwicklung und viel Knowhow um das autonome Fahren gebündelt. Beide Fälle sah man in der Stuttgarter Konzernzentrale eher bei den Nutzfahrzeugen: Langstrecken-Lkw bewegen sich auf der Autobahn gleichförmiger als Pkw, daher könne man hier schneller autonome Fahrfunktionen auf den Markt bringen als bei den Pkw. Nur: Wenn Daimler Truck und Mercedes-Benz bald zwei unabhängige Unternehmen sind, geht auch der Zugriff auf diese Entwicklungen verloren.

Dennoch scheint aus der aktuellen Strategie „Electric first“ im Eiltempo ein „Electric only“ zu werden, so das „Handelsblatt“. Daimler-CEO Källenius scheine Gefallen an dieser Idee gefunden zu haben. Das könnte auch Einfluss auf die kommenden Modelle haben: Der bisher auch von Daimler verfolgte BMW-Weg des Multi-Purpose-Ansatzes für die Plattformen wird offenbar hinterfragt – Modelle wie der EQC und EQA basieren bekanntlich auf Verbrenner-Plattformen, erst der EQS greift auf eine reine E-Plattform zurück.

Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Konzernkreise schreibt, erwägt das Top-Management bei der Plattform-Strategie auch andere Optionen: „Die radikalste hätte zur Folge, dass die 2024 anlaufende Kompaktwagenplattform MMA bereits die letzte neue Architektur sein könnte, auf der noch in hohen Stückzahlen Verbrenner gebaut werden.“
handelsblatt.com

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21 Kommentare zu “Daimler: Verbrenner-Aus bereits vor 2039?

  1. agdejager

    2039, wo leben die Mercedes Manager? Ab 2030 ist in viele Länder das aus für Verbrenner schon angesagt, in einige Länder wie Norwegen schon 2025. Das aus für Verbrenner geht viel schneller als Mercedes plant und das ist gut so.

    • M3

      so lang es nur irgendwie geht und man damit Geld verdient, kann man doch in manchen Märkten (z.B. Mongolei oder Deutschland) noch Verbrenner verkaufen 😉

    • Sebastian

      Es geht in dem Artikel nicht darum für Helga Müller einen Kleinwagen mit Akku anzubieten, damit sie ihre ach so wichtigen 12 KM pro Tag erfahren kann, sondern um einen Konzern der weltweit Fahrzeuge inkl. LKWs vermarktet.

      Mit welchem BEV wollen Sie in Indien fahren? Mit welchem elektrischen Truck in Norwegen Bäume aus dem Wald holen? Mit welchem elektrischen Truck möchten Sie Oliven von Sizilien nach Hamburg bringen?

      • Robert

        Hallo, sie haben schon mitbekommen dass ab 2032 in Indien lat Gesetzt keine Verbrenner mehr verkauft werden dürfen?
        übrigens Tesla wird ihre Fahrzeuge in Indien bald auch anbieten habe schon glesen das eventuell eine Giga in Indien gebaut werden soll, ansonsten werden chinesische und Französchische E-Fahrzeuge wohl in den Markt kommen, eventuell soll es auch indische Hersteller an BEV arbeiten

      • Udo

        Mit dem Semi Truck

        • Sebastian

          Welchen von den zwei Statuten Semi Trucks meinen Sie bitte? Aktuell fahren zehntausende Elektro LKWs schon bei Kunden. Keiner von Tesla.

    • Mr_Bellotti

      Gebe ich dir vollkommen recht. Ich arbeite bei Mercedes Benz und wir tuen alles dafür das diese Vorstellung klappt. Aber Vergleich Deutschland bitte net mit Norwegen oder Holland. Wir brauchen hier erstmal eine richtige Infrastruktur für die Elektroautos. Mercedes Benz ist im Wasserstoff ganz weit vorne nur die Regierung macht nichts

      • Sebastian

        Mr_Bellotti

        Also mit dem elektroauto fahre ich kreuz und quer durch Deutschland, ohne zu überlegen wo es Strom gibt. Und nein, ich rede nicht von Tesla. Deren Superchargernetz ist mir eindeutig nicht feinmaschig genug! Irgendwo im Industriegebiet laden ist nicht so s3xy wie immer behauptet.

        Elektrotrucks werden auch das Rennen machen, sobald wir auch dort übliche 500 KM Reichweite haben, fragt niemand nach Wasserstoff – ist viel zu teuer.

      • StromSchleuder

        Bei der WAVE 2016 haben die Mercedes MA schon gesagt, dass das Wasserstoffauto tot ist. Weiß das Management weniger als die Basis?

      • Robert

        Wasserstoff ??????? sie sollten schon wissen das Mercedes 2020 das aus der Wasserstoff-Pkws verkündet haben Begründung war wirtschaftlich nicht Konkurrenzfähig zum BEV herzustellen

  2. Sebastian

    In Italien liegt die PV Ausbeute auf Häusern bei unter 5%. In Afrika sogar nochmal 98% darunter. Wer genau muss eigentlich noch Norwegen? Dort wo sooo viele Schiffe mit Diesel unser low carb Fische aus dem Wasser holen.. ?

  3. Flo

    Guten Morgen Daimler!

  4. Stefan Balz

    Die Frage ist ja wohl nicht so sehr das genaue Datum als vielmehr: Das Verbrenner-aus oder das Mercedes-aus ?

  5. Gerd

    Vermutung: Es wird bald eine neue phsikalische Größe geben!
    Trägheit wird zukünftig in “Daimler” gemessen.

    • Martin

      Perfekt ausgedrückt! Sogar die im Artikel angeführte radikalste Strategie ist noch zu konservativ. Preisparität wird nicht erst 2029 kommen sondern eher 2024.

  6. David

    Mercedes ist technologisch ziemlich vorne bei der Elektromobilität. Der kommende EQS wird da eine Duftmarke setzen, die auch technisch nicht so affine Menschen verstehen werden. Zugleich fast kommen der EQE, der höhere Absatzzahlen garantieren wird und die abgeleiteten SUV und sogar der EQG.

    Wenn man solvente Kundschaft hat, ist die meist konservativ. Aber man traut ihr jetzt doch in relevanten Märkten zu, das Elektroauto zu akzeptieren. Nur darum geht es. Man muss die guten Kunden mitnehmen.

    Bei den Nutzfahrzeugen sieht es anders aus, aber die fahren ja zukünftig in einer eigenen AG.

  7. Florian

    Wenn Daimler ab 2029 einen Nischenmarkt bedienen möchte, müssen sie halt noch bis 2039 Verbrenner anbieten und verkaufen. Das Gejammer wird groß sein, dass es ja überhaupt nicht absehbar war. Bei der Firma wo ich arbeite ist es scheinbar auch noch nicht an den richtigen Stellen angekommen.

  8. Harald F.

    Vielleicht ja sogar Daimler-Unternehmens-Aus schon vor 2039…

  9. Kurt Huppenbauer

    Im Handelsblatt 19-21.02.2021 steht zu lesen:

    “2021 entscheidet sich Daimler’s Zukunft”, so CEO Ola Källenius im Interview mit dem HB und weiter, “wir haben eine bockstarke Marke und eine Nettoliquidität im Industriegeschäft 2020 von 18 Mrd.Euro”. Es werden ihm die 170 Milliarden Euro Barreserven von “Apple” entgegengehalten….” und er kontert quasi so: “In den nächsten 5 Jahren werden wir bei Daimler 70 Mrd.Euro in
    die Entwicklung von neuen Produkten und Anlagen stecken und er glaubt, dass nur VW bis 2025 noch mehr
    Kapital einsetzt.”

    Onvista.de hat in deren Daimler Kennzahlen einen Ver-
    schuldungsgrad für 2020 von 370 (i.V.381) Prozent er-
    mittelt bei einer Eigenkapitalquote von 21,24 (i.V20,77) %
    Und als 3.höchst verschulldeter Konzern der Welt hat Daimler 12/2020 in der Konzernbilanz noch immer 223 (i.V.240) Mrd Euro im Schaufenster dokumentiert.

    Aber ruhig Blut: Laut Satzung vom 20.August 2020 wird
    Daimler sein Grundkapital ganz oder in Teilbeträgen
    bis zum 4.April 2023 von 3.069.0671.971,76 Euro um
    1.000.000.000.,00 Euro erhöhen-denn-so könnte man sagen, “Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.”

    Wie wird wohl das Bezugsrecht ausschauen, das natürlich
    erst nach “Spaltung” des Konzerns relevant werden dürfte
    und das danach den Kurs der Daimler-Aktie auf Talfahrt
    schicken könnte. Aber das ist Finanz-Strategie, für die
    Harald Wilhelm, der CFO verantwortlich zeichnet.

    Und wie wie zu hören ist, soll die Börsenkapitalisierung von “Tesla” mit über 600 Mrd.Euro wohl knapp um das 10-fache über der aktuellen Daimler Kapitalisierung liegen.#. Aber im Zweifel ist ja bei Tesla alles “Luft” und bei Daimler alles “im grünen Bereich.” So schaut’s aus.

    Freuen wir uns über die Gewinnsteigerung von Daimler im
    Jahre 2020 zusammen mit dem Fiskus und somit auch mit den Gemeinden der Produktionswerke von Daimler wegen
    nicht “erwartete” Steuereinnahmen….und hoffen, dass sie nicht übermorgen bereits wieder wegbrechen werden.

    Und Ola Källenius sieht es im “Interview” wohl ähnlich:
    “”Wer glaubt, dass wir nach dem guten Abschneiden im
    Jahr 2020 durch sind, der hat die völlig falsche Einstellung.”

    Zum Glück für die Jubel-Arien der Kapitalmärkte, Aktionäre
    und Analysten hat der CEO explizit nicht gesagt, was Capital.de heute kurz und knackig so formulierte:
    “Daimler:Spaltung statt Strategie”,

    Was dagegen das Management von Daimler in deren “weit gestreuten” Interviews nebst dem “Wortführer” der Belegschaft, Herrn Michael Brecht natürlich nicht sagen konnte, hätte so klingen können:

    “Wir wissen das alles und suchen nach Mitteln, uns selbst zu betrügen. Aber was soll man tun, wenn man die Wahrheit sieht? ” Auch nicht: “Sich von dem befreien, was
    einen beunruhigt” oder gar jenes: “Warum kann man das
    Licht denn nicht auslöschen, um all das Häßliche nicht
    mehr sehen zu müssen, das für 2020 mit Charme und Lächeln-bis jetzt -übertüncht werden konnte.

  10. UliK

    Daimler oder besser Mercedes Benz wird sicherlich nicht vom Markt verschwinden. Allerdings wird die Firmenzentrale dann in Asien oder Amerika stehen.

  11. Peter

    Ich hoffe doch das wir von BEV sprechen und nicht von Plug in

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Gefunden bei electrive.net
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19.02.2021 09:00