21.05.2021 - 10:27

Ford und SKI vor Gründung eines Batterie-Joint-Ventures

Ford und SK Innovation haben sich auf die Gründung eines Joint Ventures für die Produktion von Batteriezellen und -modulen zum Einsatz in Elektrofahrzeugen des US-Autobauers verständigt. Das Gemeinschaftsunternehmen namens BlueOvalSK strebt eine jährliche Produktionskapazität von 60 GWh an.

Die Partner kündigen an, zwei Fabriken bauen zu wollen, deren Standorte bislang noch nicht feststehen. Die Gesamtinvestitionen in das Joint Venture sollen sich laut SKI auf sechs Billionen Won belaufen, umgerechnet rund 43,5 Millionen Euro.

Die 60 GWh dienen dabei als erste Zielgröße zur Produktionsaufnahme um die „Mitte des Jahrzehnts“. Ford und SKI sprechen in ihren jeweiligen Mitteilungen zudem von späterem Erweiterungspotenzial. Eine endgültige Vereinbarung für das Joint Venture soll im Laufe des Sommers geschlossen werden. Die Zellen und Module von BlueOvalSK sollen in mehreren zukünftigen BEV-Fahrzeugen von Ford zum Einsatz kommen, darunter in dem gerade vorgestellten elektrischen Pickup F-150 Lightning. Dazu gleich mehr.

Zunächst ein kurzer Rückblick: Die Partnerschaft zwischen Ford und SKI stand noch vor wenigen Wochen auf der Kippe. Denn im Rechtsstreit mit LG Energy Solution drohte der Hersteller zwischenzeitlich mit einem Rückzug aus dem US-Geschäft. Inzwischen haben sich die beiden koreanischen Unternehmen jedoch geeinigt, was die Batterie-Joint-Venture-Pläne zwischen Ford und SKI, die ja zweifellos eine Intensivierung der Partnerschaft bedeuten, gerettet haben dürfte. Dass es eine Absichtserklärung zu solch einem Gemeinschaftsunternehmen geben soll, hatte gestern bereits Reuters berichtet.

„Diese Absichtserklärung ist nur der Anfang. Sie ist ein wichtiger Teil unseres Plans, Schlüsselkompetenzen vertikal zu integrieren, die Ford weit in die Zukunft hinein differenzieren werden“, äußert Ford-Chef Jim Farley anlässlich der Bekanntgabe. „Wir werden unsere Zukunft nicht an jemand anderen abtreten.“

Kim Jun, CEO und Präsident von SK Innovation, betont, dass „unser JV mit Ford eine zentrale Rolle bei der Vervollständigung der Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge in den Vereinigten Staaten spielen wird, ein wichtiges Ziel der aktuellen US-Regierung“. Damit deutet Jun auch den geografischen Fokus des JV an. Der dürfte in Nordamerika liegen. Dazu passt die Aussage, dass Ford bis 2030 von einem jährlichen Batteriebedarf für seine E-Fahrzeuge von bis zu 140 GWh in Nordamerika und bis zu 240 GWh weltweit ausgeht. Das entspreche etwa der Kapazität von zehn Werken, heißt es.

ZF

Innerhalb des Batterie-Joint-Venture wollen Ford und SKI Batteriezellen „in großem Maßstab gemeinsam entwickeln und industrialisieren“, um sie auf die geplanten BEV-Modelle anzupassen. Dabei betont Ford explizit, dass BlueOvalSK auf die kürzlich angekündigten F&E-Investitionen in die Bereiche Batterietechnologie und -fertigung aufbaut. Die Amerikaner wollen bekanntlich ein globales Batterie-Kompetenzzentrum namens Ford Ion Park in Michigan errichten, wo Lithium-Ionen- und Feststoff-Akkus entwickelt und in Kleinserie gefertigt werden sollen. Außerdem hat Ford seine Ambitionen in Sachen Feststoffakkus jüngst noch unterstrichen, indem sich der Konzern zusammen mit BMW an einer neuen Investitionsrunde des US-Feststoffbatterie-Spezialisten Solid Power beteiligt hat.

Dazu Ford in seiner Mitteilung: „Ford plant, die Revolution der Elektrofahrzeuge anzuführen – unter anderem durch die Bereitstellung von Lithium-Ionen-Batterien der fünften Generation sowie die Vorbereitung auf den Übergang zu Festkörperbatterien, die den Kunden eine größere Reichweite, niedrigere Kosten und sicherere EVs versprechen.“ Die Elektrifizierung beginne man mit EV-Versionen seiner beliebtesten Modelle – darunter Mustang Mach-E, E-Transit und F-150 Lightning.

Beim am Donnerstag enthüllten E-Pickup F-150 Lightning kommt SK Innovation ins Spiel. Die Südkoreaner haben den Zuschlag zur Lieferung der Zellen für das Modell erhalten. Es soll im Frühjahr 2022 mit zwei Batterieoptionen für 230 oder 300 Meilen Reichweite auf den Markt kommen – und das Interesse ist offenbar groß: Nach Angaben von Ford-CEO Jim Farley gingen alleine in den ersten zwölf Stunden nach der Präsentation 20.000 Reservierungen für das Modell ein.

Unabhängig von den Joint-Venture-Plänen baut SKI nach der ausgestandenen Zitterpartie vor Gericht seine Produktionskapazitäten in den USA aus. Zurzeit betreibt das Unternehmen ein 10-GWh-Batteriezellenwerk in Commerce in  Georgia. Dort soll Anfang 2022 vom Probe- in den Serienbetrieb geschaltet werden. Eine zweite Fabrik mit geplanten 12 GWh befindet sich – ebenfalls in Georgia – im Bau. Die Serienfertigung ist dort für 2023 avisiert. Weltweit kommt SK Innovation aktuell auf eine Produktionskapazität von 40 GWh. Immer wieder nannte der Konzern für 2025 die Zielmarke von 125 GWh, korrigiert dies aber nun nach oben: „Dank des JV erwarten wir ein höheres Ziel von 190 GWh bis 2025.“

Dabei setzt der Konzern auf die die Entwicklung und Kommerzialisierung der NCM-Batterietechnologie mit hohem Nickelanteil. Zurzeit verkauft SKI vor allem NCM-811-Batterien (also achtzig Prozent Nickel, zehn Prozent Mangan und zehn Prozent Kobalt). Im F-150 Lightning soll nach Angaben der Partner aber bereits eine in den USA in Serie gefertigte Batterie mit 90-prozentigem Nickelanteil zum Einsatz kommen.
yahoo.com, ford.com, skinnonews.com

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21.05.2021 10:12